10/08/2010
Die Herstellung einer perfekten Pizza ist eine Kunst, die Geduld, Präzision und ein tiefes Verständnis für den Teig erfordert. Viele Hobbybäcker träumen davon, knusprige Ränder, einen luftigen Boden und perfekt geschmolzenen Belag zu kreieren. Doch auf dem Weg dorthin lauern einige Fallstricke. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise durch die Welt des Pizzabackens, von den grundlegenden Techniken des Belegens bis hin zu den häufigsten Fehlern, die selbst erfahrenen Pizzaiolos unterlaufen können – und wie Sie diese vermeiden. Lernen Sie von Experten wie Christian, der über 5000 Pizzen gebacken hat, und Julia, die ihre wertvollen Erfahrungen teilt, damit Ihre nächste Pizza ein voller Erfolg wird!
Das Geheimnis des perfekten Belegens: Christians Expertentipps
Bevor die Pizza in den Ofen wandert, ist das Belegen entscheidend. Ein erfahrener Pizzabäcker wie Christian verrät seine bewährten Methoden, die oft übersehen werden, aber einen großen Unterschied machen:
Die richtige Vorbereitung des Teigfladens
- Ausbreiten des Teigs: Ob Sie den Teig mit den Händen ausbreiten oder eine Rolle verwenden, ist weniger wichtig als die Gleichmäßigkeit. Der Teig sollte eine runde Form annehmen und eine gleichmäßige Dicke aufweisen, um ein gleichmäßiges Garen zu gewährleisten.
- Der letzte Schliff vor dem Belegen: Dies ist ein oft unterschätzter, aber absolut kritischer Schritt! Bevor Sie den Teig belegen, sollten Sie den Fladen ein letztes Mal wenden und etwas Mehl, oder idealerweise feines Semola (Hartweizengrieß), darunterstreuen. Dies verhindert nicht nur das Kleben auf der Arbeitsfläche, sondern sorgt auch dafür, dass die Pizza später leichter vom Pizzaschieber gleitet.
Effizientes Belegen und sofortiges Backen
- Zügig und präzise: Belegen Sie die Pizza zügig. Je länger der Teig belegt wird, desto mehr Feuchtigkeit kann er aufnehmen und desto höher ist das Risiko, dass er am Schieber kleben bleibt. Achten Sie darauf, die Tomatensoße nicht über den Rand zu malen. Der Rand sollte frei bleiben, um schön aufzugehen und die typische Kruste zu bilden.
- Direkt in den Ofen: Sobald die Pizza belegt ist, muss sie sofort in den heißen Ofen. Zögern Sie nicht! Der „richtige Schwung und Mut“ sind hier am Anfang erforderlich, wie Christian betont. Mit der Zeit wird dies zur Routine.
Der unverzichtbare Pizzaschieber: Werkzeug des Profis
Der Pizzaschieber ist die Verlängerung des Pizzabäckers. Seine Beschaffenheit und Handhabung sind entscheidend für den reibungslosen Ablauf:
- Material und Größe: Christian schwört auf Schieber aus dünnem Blech, die ausreichend groß sind. Holzschieber können Feuchtigkeit aufnehmen und den Teig zum Kleben bringen. Ein dünnes Blech, idealerweise vorne etwas plattgeklopft, ermöglicht ein müheloses Unterfahren der Pizza. Christians eigener Schieber kostete 80 Euro – eine Investition, die sich laut ihm immer auszahlt.
- Sauberkeit und Trockenheit: Der Schieber muss immer sauber und trocken sein. Dies ist essenziell für die Gleitfähigkeit des Teiges.
- Zwei Schieber für Profis: Ein Geheimtipp ist die Verwendung von zwei Schiebern: einen „Reintu'“-Schieber zum Einschieben der Pizza und einen „Raustu'“-Schieber zum Herausnehmen. Dies gewährleistet, dass der Einschiebeschieber stets optimal vorbereitet ist.
- Mehl auf dem Schieber: Zu Beginn des Abends kann es hilfreich sein, die Spitze des Schiebers leicht einzumehlen. Später, wenn der Ofen und der Stein ihre Betriebstemperatur erreicht haben und der Schieber eingearbeitet ist, ist dies meist nicht mehr nötig. Christian betont, dass seine Methode „eigentlich immer“ funktioniert, auch ohne zusätzlichen Rollsplitt (Semola) auf dem Schieber, dank der richtigen Vorbereitung des Teigs.
Häufige Fehler beim Pizzabacken und wie man sie vermeidet: Julias Einblicke
Selbst den erfahrensten Pizzaiolos unterlaufen Fehler. Julia teilt ihre persönlichen Erfahrungen und zeigt auf, wie man gängige Probleme erkennt und proaktiv umgeht, um Frustration zu vermeiden und das Backergebnis zu optimieren.

Löcher in der Pizza: Wenn der Teig reißt
Was ist passiert? Schon beim Ausformen des Teiglings beschleicht einen das ungute Gefühl, dass der Boden zu dünn sein könnte. Beim Drehen im Ofen mit dem Pizzaschieber „schlitzt“ die Pizza dann auf. Ein Teil des Belages läuft auf den heißen Pizzastein, verbrennt, und die Überreste müssen hastig entfernt werden. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch eine kleine Sauerei.
Wie kommt es dazu? Die Hauptursache ist ein nicht richtig geformter oder unzureichend verschlossener Teigling. Wenn der Teigball nicht komplett geschlossen ist, bleiben winzige Öffnungen zurück. Diese Schwachstellen führen beim Ausformen zu unebenen und zu dünnen Stellen, die unter der Belastung leicht reißen können.
Wie kann man Löcher vermeiden?
- Gleichmäßiges Ausformen: Drücken Sie den Boden der späteren Pizza so gleichmäßig wie möglich aus. Konzentrieren Sie sich darauf, eine konsistente Dicke über die gesamte Fläche zu erreichen.
- Teigball richtig verschließen: Bereits beim Formen der Teiglinge ist es wichtig, den Teigball „unten“ fest zu verschließen. Dies kann durch festes Zudrücken der Teignaht mit den Fingern oder durch das Glattschleifen auf der Arbeitsfläche geschehen. Ein gut verschlossener Teigling ist die Basis für einen stabilen Boden.
Verbrannte Luftblasen: Der unschöne Rand
Was ist passiert? Dieses Phänomen ist besonders bei neapolitanischer Pizza verbreitet, die bei sehr hohen Temperaturen (mindestens 400°C) gebacken wird. Man freut sich über viele schöne Luftblasen, lässt sie so stehen, belegt die Pizza und schiebt sie in den Ofen. Doch die Blasen gehen extrem auf, kommen der Heizquelle zu nahe und verbrennen sehr schnell, werden schwarz. Oft sind andere Stellen der Pizza dann noch zu hell.
Wie kommt es dazu? Die Blasen sind mit Luft gefüllt, die sich bei Hitze stark ausdehnt. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche der Blasen extrem schnell, und die dünne Teighaut verbrennt.
Wie kann man es besser machen? Auch wenn sie verlockend aussehen: Wenn Sie beim Ausformen der Pizza offensichtliche, dünnhäutige Luftblasen am Rand sehen, zwicken Sie diese ab und lassen Sie die Luft entweichen. Es bringt nichts, schöne Blasen zu haben, die beim Backen nur verbrennen. Der Teig wird an anderen Stellen trotzdem gleichmäßig aufgehen und Sie erhalten eine wunderbar luftige Pizza.
Der Teig klebt am Schieber: Ein hartnäckiges Problem
Was ist passiert? Sie haben die Pizza belegt und auf den Schieber gezogen. Doch beim Versuch, sie in den Ofen zu schieben, bleibt eine Ecke hartnäckig am Schieber hängen. Mit einer starken Rüttelbewegung gelingt es zwar, die Pizza auf den Stein zu bringen, aber sie ist verzogen und nicht mehr schön rund.
Warum bleibt der Teig hängen? Es gibt mehrere Gründe:
- Feuchtigkeit und Mehl/Semola: Der Teig hat möglicherweise einen hohen Wasseranteil, und es wurde zu wenig Semola oder Mehl beim Ausformen der Pizza oder auf dem Schieber verwendet.
- Flüssigkeit auf dem Schieber: Ein unbemerkter Tropfen Wasser, Tomatensoße oder Öl auf der Schaufel kann die Gleitfähigkeit des Teiges stark beeinträchtigen.
Wie kann man es besser machen? Nachdem Sie die Pizza auf den Schieber gezogen haben, überprüfen Sie kurz vor dem Einschieben die Gleitfähigkeit. Bewegen Sie den Teigfladen mit einem leichten Ruck auf dem Schieber vor und zurück. Wenn er sich problemlos bewegt, ab in den Ofen! Wenn er klemmt, helfen Sie an der betroffenen Stelle mit etwas Semola oder Mehl nach und testen Sie die Gleitfähigkeit erneut.

Zerlaufene Teiglinge: Wenn der Teig „schmilzt“
Was ist passiert? Es ist Sommer, die Zimmertemperatur liegt bei 25°C oder höher. Sie lassen Ihre Teiglinge wie gewohnt sechs Stunden bei Raumtemperatur gehen. Nach dieser Zeit stellen Sie entsetzt fest, dass die Teiglinge zerlaufen sind und mit anderen Teigballen verschmelzen, ähnlich wie Eiscreme. Das Ergebnis: weiche, warme Fladen, die sich kaum formen lassen und leicht reißen.
Warum zerlaufen die Teiglinge? Hohe Temperaturen führen zu einer vermehrten Aktivität der Hefe. Die optimale Wachstumstemperatur für Hefe liegt zwischen 28°C und 35°C. Bei zu hohen Temperaturen kommt es zu einer Übergare des Teiges, was zu instabilen Strukturen führt und die Teiglinge ihre Form verlieren lässt.
Wie kann man es besser machen? Passen Sie die Teigführung an die Umgebungsbedingungen an. Bei 25°C Raumtemperatur ist es ratsamer, auf ein Rezept mit kalter Führung umzusteigen. Dies bedeutet, die portionierten Teiglinge im Kühlschrank gehen zu lassen und sie erst etwa eine Stunde vor dem Backen herauszuholen. Alternativ können Sie die Gehzeit bei Raumtemperatur verkürzen (z.B. vier statt sechs Stunden). Ihre eigene Erfahrung spielt hier eine wichtige Rolle, um das richtige Gleichgewicht zu finden.
Der Teig lässt sich nicht ausziehen: Widerspenstige Konsistenz
Was ist passiert? Sie haben Pizzateig angesetzt und freuen sich aufs Backen, aber der Teig ist widerspenstig und lässt sich nur schwer ausziehen. Er zieht sich immer wieder zusammen, egal wie sehr Sie drücken. Das Ergebnis ist oft eine unförmige „Schlauchboot-Pizza“.
Warum lässt sich der Teigling so schwer ausziehen? Dies ist der Gegensatz zum vorherigen Fehler. Bei niedrigeren Temperaturen verlangsamt sich die Hefeaktivität, und der Teig braucht länger, um die geeignete Temperatur anzunehmen. Eine optimale Temperatur ist jedoch wichtig, damit sich die Teigstruktur entspannen und der Teig sich gut ausziehen lässt. Ein Teig mit hohem Wasseranteil (> 65%) sollte beispielsweise kühler gelagert werden als einer mit niedrigerem Wasseranteil (< 65%).
Wie kann man es besser machen? Auch hier gilt: Passen Sie die Teigführung an die Gegebenheiten an. Herrschen winterliche Temperaturen (17-18°C), insbesondere in ungeheizten Räumen, geben Sie den Teiglingen 1-2 Stunden mehr Zeit als im Rezept angegeben, damit sie ihre optimale Temperatur erreichen. Es kann auch hilfreich sein, die Teiglinge an einem wärmeren Ort ruhen zu lassen, beispielsweise in einem beheizten Raum. Ihre gesammelte Erfahrung hilft Ihnen dabei, die besten Bedingungen für Ihren Teig zu finden.
Einige wichtige Tipps für angehende Pizzaiolos
- Konzentration ist alles: Pizzabacken erfordert volle Konzentration. Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit kann dazu führen, dass der Teig, wie Julia es erlebt hat, unerwartet auf dem Boden landet. Bleiben Sie fokussiert!
- Stabile Arbeitsfläche: Wenn Sie den Teig auf den Pizzaschieber ziehen, achten Sie darauf, dass der Schieber stabil auf dem Untergrund aufliegt. Ein wackeliger Schieber erhöht das Risiko, dass die Pizza verrutscht oder beschädigt wird.
- Lernen aus Fehlern: Fehler gehören zum Leben und somit auch zum Pizzabacken. Das Wichtigste ist, aus ihnen zu lernen. Jeder misslungene Versuch bringt Sie der perfekten Pizza einen Schritt näher.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Pizzabacken
- Wie vermeide ich, dass meine Pizza am Pizzastein kleben bleibt?
- Stellen Sie sicher, dass der Pizzastein ausreichend vorgeheizt ist und der Teig vor dem Einschieben ausreichend mit Semola oder Mehl bestäubt wurde. Der Pizzaschieber sollte sauber und trocken sein, und der Teig sollte vor dem Einschieben auf dem Schieber gleiten können.
- Warum reißen Löcher in meinen Pizzateig?
- Löcher entstehen oft, wenn der Teigling nicht richtig verschlossen oder ungleichmäßig geformt wurde, was zu dünnen und instabilen Stellen führt. Achten Sie auf sorgfältiges Formen und Verschließen der Teiglinge.
- Sollte ich meinen Pizzateig vor dem Belegen wenden?
- Ja, ein letztes Wenden des Teigfladens vor dem Belegen und das Bestäuben mit etwas Mehl oder Semola ist sehr empfehlenswert. Dies verbessert die Gleitfähigkeit und verhindert das Kleben.
- Welche Temperatur ist optimal für das Gehen des Teiges?
- Die optimale Wachstumstemperatur für Hefe liegt zwischen 28°C und 35°C. Bei höheren Temperaturen kann es zu Übergare kommen, bei niedrigeren verlangsamt sich der Prozess. Passen Sie die Gehzeit an die Raumtemperatur an oder erwägen Sie eine kalte Führung im Kühlschrank.
- Ist ein Pizzaschieber aus Holz oder Metall besser?
- Experten wie Christian bevorzugen Pizzaschieber aus dünnem Blech. Holzschieber können Feuchtigkeit aufnehmen und den Teig zum Kleben bringen. Metallschieber bieten eine bessere Gleitfähigkeit und sind hygienischer.
Wir hoffen, diese Tipps und Einblicke helfen Ihnen, Ihre Pizzaback-Fähigkeiten zu perfektionieren. Jeder Schritt, von der Teigzubereitung bis zum Einschieben in den Ofen, trägt zum Endergebnis bei. Mit Geduld und kontinuierlicher Erfahrung werden Sie bald Pizzen backen, die Ihre Familie und Freunde begeistern werden. Frohes Pizzabacken!
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