Was ist die teuerste Pizza der Welt?

Luxus & Leidenschaft: Die Welt der Pizza

07/06/2012

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Pizza – kaum ein Gericht weckt so viele Emotionen und ist weltweit so beliebt. Von der einfachen Margherita bis hin zu extravagantesten Kreationen, sie hat die Herzen unzähliger Menschen erobert. Doch während wir uns oft über den besten Belag oder den knusprigsten Boden streiten, stellt sich manchmal die Frage: Gibt es eine Pizza, die alle Grenzen sprengt, eine, die so exklusiv ist, dass sie nur wenigen vorbehalten bleibt? Und wie steht es um die Rückbesinnung auf die Wurzeln, auf die wahre neapolitanische Pizza, die mit ihrer Einfachheit und Perfektion begeistert?

Inhaltsverzeichnis

Die Exklusivste der Welt: Eine Reise in den Luxus

Wenn es um die teuerste Pizza der Welt geht, denken die meisten vielleicht an Trüffel oder Goldblatt. Doch die absolute Spitze des Luxus erreicht die „Louis XIII“ Pizza, kreiert vom italienischen Pizzaiolo Renato Viola. Dieses Meisterwerk ist nicht nur ein kulinarisches Erlebnis, sondern ein echtes Statement. Der Preis? Sage und schreibe 8.300 Euro! Und das Verrückteste daran: Sie wird nicht in einem Restaurant serviert, sondern direkt zu Ihnen nach Hause geliefert – samt Pizzabäcker, Sommelier und Kochgeschirr.

Was ist die teuerste Pizza der Welt?
Möglicher Kritikpunkt sind die Preise, da die teuerste Pizza – freilich mit Jakobsmuscheln, Burrata und violetten Erdäpfeln – auf stolze 19,50 Euro kommt. Kleiner Vergleich der "Bufalina" mit der Konkurrenz: Eine Pizza mit Büffelmozzarella kommt in der Riva auf 11 Euro, in der Pizza Mari auf 9,60 Euro.

Was macht diese Pizza so unverschämt teuer? Es sind die Zutaten, die einem königlichen Festmahl gleichen. Der Teig wird aus den erlesensten Mehlsorten zubereitet und muss 72 Stunden ruhen. Belegt wird die „Louis XIII“ mit drei verschiedenen Kaviarsorten: Oscietra Royal Prestige, Kaspischer Royal Beluga und Beluga Almas. Dazu kommen norwegischer Hummer, sieben verschiedene Käsesorten und handverlesener australischer rosa Flusssalz. Serviert wird das Ganze mit einem exklusiven Louis XIII Cognac Remy Martin und einem Piper-Heidsieck Rare Millésime Champagner. Diese Pizza ist weniger ein Gericht als vielmehr ein Event, ein Symbol für ultimativen Luxus und Exklusivität, weit entfernt von der bodenständigen Tradition der neapolitanischen Pizza, die wir so lieben.

Vom Fisch zum Feuer: Sofi am Yppenplatz

Während die „Louis XIII“ eine Nische für Superreiche bedient, erlebt die authentische neapolitanische Pizza einen globalen Hype, der sich auch in Wien, insbesondere am lebhaften Yppenplatz, manifestiert. Hier hat sich eine bemerkenswerte Transformation vollzogen: Die Gastronomen-Familie Kilicdagi, bekannt für ihre erfolgreichen Unternehmungen am Yppenmarkt und Naschmarkt, hat sich von ihrem etablierten Fisch-Restaurant verabschiedet und widmet sich nun der Kunst der Pizza. Das neue Herzstück ihrer kulinarischen Vision ist das Restaurant Sofi.

Die Brüder Ergün, Sezgin und Ibrahim Kilicdagi sind keine Neulinge in der Wiener Gastroszene. Bereits 2006 eröffneten sie das Café An-do, und drei Jahre später folgte das Fisch-Restaurant am Yppenplatz, das schnell zum Hotspot für Liebhaber orientalischer Vorspeisen und Aperol-Fans wurde. Der Schritt zur Pizza mag für manche überraschend sein, doch die Familie Kilicdagi meistert ihn bravourös. Im Sofi wird die Pizza mit größter Sorgfalt und Hingabe zubereitet. Man muss zwar ein Fan des durchaus dicken Teigrandes sein, der für die echte neapolitanische Pizza charakteristisch ist, aber die Qualität spricht für sich. Die Zutaten sind das A und O: Bresaola, Gorgonzola, Burrata, San Marzano-Paradeiser und Fior di Latte – allesamt direkt aus Italien importiert. Gebacken wird in einem original italienischen Pizzaofen, der die nötige Hitze liefert, um die „Vera Pizza Napoletana“ perfekt zu garen. Das Ergebnis ist eine Pizza, die man als „verdammt gut“ bezeichnen kann – ein authentisches Stück Neapel mitten in Wien.

Das Geheimnis der Vera Pizza Napoletana

Was macht die „Vera Pizza Napoletana“ so einzigartig und schützenswert, dass sie sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde? Es ist eine Kombination aus Tradition, Handwerk und präzisen Regeln, die von Organisationen wie der AVPN (Associazione Verace Pizza Napoletana) überwacht werden. Im Sofi am Yppenplatz ist der AVPN-geprüfte Pizzaiolo Pasquale Caliolo der Meister am Ofen. Er verkörpert die Philosophie der echten neapolitanischen Pizza.

Der Teig ist das Herzstück. Für die „Napoletana“ lässt Pasquale Caliolo dem Teig 24 Stunden Zeit zum Ruhen und Fermentieren. Diese lange Gehzeit ist entscheidend für die Entwicklung des Geschmacks und der Textur. Verwendet wird ein spezielles italienisches Weizenmehl, das mehrmals gemahlen wird und einen hohen Kleberanteil besitzt. Dieser hohe Glutengehalt macht den Teig unglaublich elastisch und ermöglicht es ihm, die charakteristischen Blasen zu bilden, wenn er im Ofen gebacken wird. Ein weiteres Erkennungsmerkmal der neapolitanischen Pizza sind die sogenannten „Brandblasen“ am Rand. Diese entstehen durch die extrem hohe Temperatur im Pizzaofen, die oft über 450 Grad Celsius liegt. Die Pizza backt in nur 60 bis 90 Sekunden und erhält dabei ihre typische, leicht verkohlte, aber dennoch weiche und luftige Kruste.

Ein bemerkenswertes Detail der „Vera Pizza Napoletana“ ist ihre Saftigkeit, selbst wenn sie ohne eine dicke Schicht Tomatensauce zubereitet wird. Die Qualität der Zutaten, wie das frische Fior di Latte (eine Art Mozzarella aus Kuhmilch) und die süßen San Marzano-Tomaten, tragen maßgeblich dazu bei, dass die Pizza innen feucht und zart bleibt, während der Rand knusprig und luftig ist. Es ist ein Beweis dafür, dass weniger manchmal mehr ist, und die Konzentration auf exzellente Ausgangsprodukte zu einem überragenden Ergebnis führt.

Warum Vera Pizza Napoletana?

Die Faszination für die Vera Pizza Napoletana liegt in ihrer Authentizität und ihrem kompromisslosen Bekenntnis zur Tradition. Es geht nicht darum, möglichst viele Beläge auf einen Teig zu werfen, sondern darum, die wenigen, aber hochwertigen Zutaten in perfekter Harmonie zu präsentieren. Jede Zutat hat ihren Zweck und trägt zum Gesamtbild bei:

  • Der Teig: Lang fermentiert, leicht verdaulich und mit einer einzigartigen Textur. Er ist das Fundament und die Seele der Pizza.
  • Die Tomaten: Meist San Marzano-Tomaten aus der Vesuv-Region, bekannt für ihren süßen und leicht säuerlichen Geschmack. Sie sind das Herzstück der Sauce, oft nur leicht zerdrückt.
  • Der Käse: Fior di Latte oder Büffelmozzarella, der beim Backen perfekt schmilzt und eine cremige Textur bildet, ohne zu viel Feuchtigkeit abzugeben.
  • Das Olivenöl: Ein gutes natives Olivenöl extra, das vor oder nach dem Backen hinzugefügt wird, um Aroma und Glanz zu verleihen.
  • Basilikum: Frische Basilikumblätter, oft erst nach dem Backen hinzugefügt, um ihr Aroma zu bewahren.

Diese Einfachheit ist ihre größte Stärke. Sie erlaubt es, die Qualität jedes einzelnen Elements zu schmecken und zu schätzen. Eine gut gemachte Neapolitanische Pizza ist nicht nur Nahrung, sondern ein Erlebnis, das die Geschichte und Kultur Neapels in sich trägt. Es ist die Kunst des Weglassens und die Perfektion des Wenigen, die sie so besonders macht.

Vergleich: Luxus vs. Tradition

Merkmal„Louis XIII“ (Luxus-Pizza)Vera Pizza Napoletana (Tradition)
PreisExtrem hoch (ca. 8.300 €)Moderat (typisches Restaurantniveau)
ZweckExklusivität, Statussymbol, EventAuthentizität, Genuss, Kultur
ZutatenKaviar, Hummer, exotische Käse, teure SpirituosenSan Marzano-Tomaten, Fior di Latte, spezielles Mehl, Olivenöl, Basilikum
Teigruhe72 Stunden24 Stunden
ZubereitungIndividuell vor Ort mit KochteamIn speziellem Holzofen, schnelle Backzeit
PhilosophieMaximale Opulenz und ExtravaganzQualität der wenigen Zutaten, Handwerk, Einfachheit

Häufig gestellte Fragen zur Pizza

Was ist der Unterschied zwischen einer neapolitanischen Pizza und anderen Pizzen?

Der Hauptunterschied liegt im Teig und der Backweise. Neapolitanische Pizza hat einen sehr weichen, elastischen und luftigen Teig mit einem hohen, unregelmäßigen Rand (Cornicione), der oft Blasen aufweist. Sie wird bei extrem hohen Temperaturen (450-500°C) für nur 60-90 Sekunden gebacken, was zu einem leicht verkohlten, aber zarten Boden führt. Andere Pizzen, wie die römische oder amerikanische, haben oft einen dünneren, knusprigeren Boden oder sind dicker und mit mehr Belag versehen.

Warum ist der Rand der neapolitanischen Pizza so dick?

Der dicke, luftige Rand, genannt „Cornicione“, ist ein Markenzeichen der neapolitanischen Pizza. Er entsteht durch die hohe Hydration des Teigs und die extrem hohe Backtemperatur. Die schnelle Hitze lässt den Rand sofort aufblähen und karamellisieren, während das Innere des Teigs weich und luftig bleibt. Es ist ein Zeichen für die perfekte Handhabung des Teigs und des Ofens.

Was bedeutet „AVPN zertifiziert“?

AVPN steht für „Associazione Verace Pizza Napoletana“ (Vereinigung der wahren neapolitanischen Pizza). Dies ist eine internationale Non-Profit-Organisation, die 1984 in Neapel gegründet wurde, um die Tradition der echten neapolitanischen Pizza zu bewahren und zu fördern. Restaurants und Pizzaiolos, die AVPN-zertifiziert sind, halten sich an strenge Regeln bezüglich der Zutaten, des Teigs, der Zubereitung und des Backprozesses, um die Authentizität zu gewährleisten. Dies ist ein Gütesiegel für Qualität.

Kann man neapolitanische Pizza auch zu Hause backen?

Es ist schwierig, die gleiche Qualität wie in einem professionellen Pizzaofen zu erreichen, da die meisten Haushaltsöfen nicht die benötigten extrem hohen Temperaturen erreichen. Man kann jedoch mit einem Pizzastein oder einem speziellen Pizzaofen für den Heimgebrauch gute Ergebnisse erzielen. Der Schlüssel liegt im Teig: Eine lange Gehzeit und die richtige Mehlwahl sind essenziell.

Warum ist die neapolitanische Pizza oft „saftig, obwohl ohne Sauce“?

Dieser Eindruck entsteht durch die hohe Qualität der frischen Zutaten. Die San Marzano-Tomaten sind von Natur aus saftig und aromatisch. Der Fior di Latte oder Mozzarella gibt beim Schmelzen Feuchtigkeit ab, die in den Teig einzieht. Die kurze Backzeit sorgt zudem dafür, dass die Feuchtigkeit nicht vollständig verdunstet. So bleibt die Pizza innen zart und feucht, selbst wenn die Tomatenschicht sehr dünn ist.

Ist die teuerste Pizza der Welt wirklich ihr Geld wert?

Ob die „Louis XIII“ Pizza ihr astronomisches Preisschild wert ist, liegt im Auge des Betrachters. Für die meisten Menschen ist sie unerschwinglich und dient eher als Marketing-Gag oder Statussymbol. Der Wert liegt hier nicht primär im Geschmackserlebnis – obwohl die Zutaten zweifellos exquisit sind – sondern im Erlebnis der Exklusivität und des Luxus. Für den wahren Pizzaliebhaber zählt oft mehr die Authentizität und das Handwerk einer perfekt zubereiteten, traditionellen Pizza.

Ob man nun von einer opulenten Luxus-Pizza träumt oder die Einfachheit und Perfektion der Vera Pizza Napoletana schätzt, eines ist klar: Pizza ist mehr als nur ein Gericht. Sie ist ein kulturelles Phänomen, ein Ausdruck von Leidenschaft und ein Fest für die Sinne. Und Orte wie das Sofi am Yppenplatz tragen dazu bei, diese Tradition lebendig zu halten und für jeden zugänglich zu machen, der bereit ist, sich auf den wahren Geschmack Neapels einzulassen.

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