25/04/2013
Eine Histaminintoleranz kann den Alltag, insbesondere das Essen außer Haus, zu einer echten Herausforderung machen. Viele Betroffene fühlen sich unsicher, welche Lebensmittel sie vertragen und wie sie Restaurantbesuche meistern können. Doch mit dem richtigen Wissen und einigen cleveren Strategien ist es durchaus möglich, weiterhin kulinarische Erlebnisse zu genießen, ohne unangenehme Symptome befürchten zu müssen. Dieser Artikel beleuchtet, was eine Histaminintoleranz eigentlich ist, wie sie sich äußert und gibt Ihnen praktische Ratschläge an die Hand, um Ihren Speiseplan und Restaurantbesuche sicher zu gestalten.

- Was ist Histaminintoleranz? Ein Überblick
- Die komplexe Diagnose der Histaminintoleranz
- Allgemeine Empfehlungen bei Histaminunverträglichkeit
- Restaurantbesuche mit Histaminintoleranz: So geht's!
- Medikamentöse Unterstützung bei Histaminintoleranz
- Histamin: Gute und schlechte Nachrichten im Überblick
- Häufig gestellte Fragen zur Histaminintoleranz
- Ist Histaminintoleranz eine Allergie?
- Wie lange dauert es, bis Symptome nach dem Essen auftreten?
- Kann ich meinen DAO-Wert im Blut messen lassen, um eine Diagnose zu erhalten?
- Welche Rolle spielt ein Ernährungstagebuch bei der Diagnose?
- Kann ich trotz Histaminintoleranz überhaupt noch auswärts essen gehen?
- Gibt es Medikamente, die bei Histaminintoleranz helfen?
- Warum sind bestimmte Lebensmittel wie reifer Käse oder Rotwein problematisch?
Was ist Histaminintoleranz? Ein Überblick
Die Histaminintoleranz, oft auch als HIT bezeichnet, wird fälschlicherweise oft für eine Allergie gehalten. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Stoffwechselstörung. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der im Organismus wichtige Funktionen erfüllt, wie die Aktivierung der Verdauung, die Senkung des Blutdrucks und die Beteiligung an der Immunabwehr. Es ist auch ein wichtiger Botenstoff bei Entzündungsreaktionen, der unter anderem Gewebe anschwellen lassen kann. Histamin kommt aber auch in vielen Lebensmitteln vor, wo es sich vor allem bei der Lagerung und Reifung eiweißreicher Produkte bildet.
Bei einer Histaminintoleranz wird angenommen, dass bestimmte Enzyme im Verdauungssystem, insbesondere die Diaminoxidase (DAO), nicht richtig funktionieren. Diese Enzyme sind dafür verantwortlich, Histamin und verwandte Stoffe (biogene Amine) im Darm abzubauen. Wenn die DAO-Aktivität unzureichend ist, verbleibt zu viel Histamin im Körper, was zu einer Vielzahl von Beschwerden führen kann.
Symptome einer Histaminunverträglichkeit
Da der Körper Histamin nicht effizient abbauen kann, leiden Betroffene unter verschiedenen Symptomen, die typischerweise sofort nach dem Essen auftreten. Dazu gehören:
- Bauchkrämpfe und Durchfälle
- Übelkeit
- Hautrötungen
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Herzrasen
- Mitunter sogar Atemnot und Kreislaufprobleme
Auch die Entstehung kleiner Geschwüre der Mundschleimhaut, sogenannte Aphthen, kann mit Histamin oder histaminfreisetzenden Stoffen aus der Nahrung in Verbindung gebracht werden.
Mögliche Ursachen und Auslöser
Die Ursachen für eine Histaminintoleranz sind vielfältig und komplex. Sie kann durch Infekte, insbesondere Darminfekte, ausgelöst oder verstärkt werden. Auch ein sehr reichlicher Verzehr histaminhaltiger oder Histamin freisetzender Lebensmittel (sogenannter Liberatoren) kann eine Rolle spielen. Bestimmte Medikamente, wie Schleimlöser, Blutdrucksenker, einige Schmerzmittel und Antidepressiva, können die Histaminunverträglichkeit ebenfalls fördern. Bei Frauen kann die Intensität der Symptome zudem zyklusabhängig variieren.
Die komplexe Diagnose der Histaminintoleranz
Die Diagnose einer Histaminunverträglichkeit ist nicht einfach, da es kein einzelnes diagnostisches Verfahren gibt, das sie eindeutig nachweisen könnte. Selbst der DAO-Wert im Blut ist kein verlässlicher Indikator, da die Zusammenhänge sehr komplex sind. Der Weg zur Diagnose führt in der Regel über eine Kombination aus Diät und Provokation.
Im ersten Schritt ist es entscheidend, andere Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen können. Dazu gehören Erkrankungen wie Colitis ulcerosa, Zöliakie, das Reizdarm-Syndrom (RDS) oder bestimmte Krebserkrankungen.
Nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden, folgt die eigentliche Diagnostik. Hierbei werden systematisch bestimmte Nahrungsmittel über mehrere Wochen weggelassen. Anschließend erfolgt eine gezielte Provokation, bei der diese Nahrungsmittel wieder verzehrt werden. Wenn der Körper darauf reagiert, kann die Diagnose einer Histaminintoleranz gestellt werden.
Das Ernährungstagebuch: Ein unverzichtbares Hilfsmittel
Die Menge an Histamin, die Menschen mit einer Unverträglichkeit beschwerdefrei aufnehmen können (die Toleranzschwelle), ist individuell sehr verschieden. Ein Ernährungstagebuch ist hierbei ein äußerst hilfreiches Werkzeug. Über einige Wochen hinweg sollten Sie darin detailliert notieren, was Sie essen und trinken und ob danach Beschwerden auftreten. Eine erfahrene Ernährungsfachkraft kann Ihnen dabei helfen, Ihre individuelle Histaminverträglichkeit festzustellen und einen auf Ihre persönlichen Essensvorlieben zugeschnittenen Kostplan zu entwickeln. Grundsätzlich sollte eine Ernährungsumstellung immer mit dem Hausarzt oder einem Ernährungsmediziner besprochen werden, da diese Informationen keine medizinische Beratung ersetzen.
Allgemeine Empfehlungen bei Histaminunverträglichkeit
Um Histaminbeschwerden im Alltag zu minimieren, gibt es einige grundlegende Empfehlungen bezüglich der Ernährung und Lebensmittelzubereitung:
- Frische ist Trumpf: Verzehren Sie Lebensmittel so frisch wie möglich. Histamin bildet sich verstärkt bei längerer Lagerung.
- Vermeiden Sie histaminreiche Lebensmittel: Dazu gehören geräucherte, getrocknete oder eingesalzene Fisch- und Wurstwaren. Meiden Sie generell bestimmte Fischarten und auch bestimmte Käsesorten sowie fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut oder Essiggurken.
- Schränken Sie Histaminliberatoren ein: Lebensmittel, die selbst kein oder wenig Histamin enthalten, aber dessen Freisetzung im Körper fördern können, sollten stark eingeschränkt werden. Dazu zählen Schokolade, Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Bananen und Alkohol.
- Achten Sie auf biogene Amine: Falls Sie auch auf andere biogene Amine reagieren, schränken Sie den Verzehr entsprechender Lebensmittel ein. Beispiele sind Bier, Spätlese-Weine und bestimmte Käsesorten.
- Optimale Lagerung: Verderbliche Lebensmittel niemals ungekühlt liegen lassen, nicht einmal für wenige Minuten! Erwärmen Sie Lebensmittel aus dem Kühlschrank nicht erst auf Zimmertemperatur, sondern verarbeiten oder verzehren Sie sie direkt.
- Tiefkühlware richtig handhaben: Tiefgekühlte Lebensmittel sollten sofort weiterverarbeitet beziehungsweise verbraucht werden, sobald sie aufgetaut sind. Essensreste möglichst unmittelbar einfrieren, um die Histaminbildung zu minimieren.
- Alkohol meiden: Verzichten Sie möglichst auf Alkohol, insbesondere auf Rotwein, da dieser oft sehr histaminreich ist.
- Geschmacksverstärker: Meiden Sie Geschmacksverstärker wie Glutamate (E620-E625), die häufig in Fertigprodukten, besonders in salzigen oder herzhaften Speisen wie Tütensuppen, Soßen oder Chips zu finden sind.
Restaurantbesuche mit Histaminintoleranz: So geht's!
Das Essen im Restaurant stellt für viele Menschen mit Histaminintoleranz eine besondere Herausforderung dar. Doch mit der richtigen Vorbereitung und einigen bewährten Strategien können Sie entspannt auswärts essen gehen.
Das Wichtigste für Restaurantbesuche
Der Schlüssel zu erfolgreichen Restaurantbesuchen liegt in Ihrer eigenen Vorbereitung und Ihrem Wissen. Es ist entscheidend, dass Sie selbst einen Überblick darüber haben, welche Dinge Sie vertragen und welche nicht, insbesondere wenn noch weitere Unverträglichkeiten bestehen. Falls Sie noch unsicher sind, welche Lebensmittel Histamin enthalten und welche nicht, ist es ratsam, sich vorab zu informieren und gegebenenfalls ein Ernährungstagebuch zu führen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahl des Restaurants. Suchen Sie sich Lokale aus, die auf Qualität achten und bei denen Sie davon ausgehen können, dass keine zahlreichen Konservierungs- oder Farbstoffe im Essen verwendet werden. Frische Zutaten sind hier das A und O.
Eine äußerst hilfreiche Praxis ist es, sich die wichtigsten Stichpunkte Ihrer Unverträglichkeiten – die absoluten NO GOs! – auf eine kleine Karte zu schreiben. Diese Karte können Sie dann beim Bestellen diskret dem Kellner in die Hand drücken. Dies erleichtert die Kommunikation erheblich und stellt sicher, dass Ihre Bedürfnisse verstanden werden.

Für Salatliebhaber gibt es einen einfachen Trick: Nehmen Sie immer eine kleine Glasflasche mit einem Essig- und Ölgemisch sowie Salz und Gewürzen als Salatsoße mit. So wissen Sie immer, dass Sie die Salatsoße gut vertragen und können Ihren Salat ohne Soße bestellen. Dies eliminiert eine häufige Quelle für unerwartete Histaminbelastungen.
Wer stark auf Gewürze reagiert, sollte beim Bestellen darum bitten, dass Fleisch oder andere Speisen nur gesalzen oder gar nicht gewürzt werden. Bitten Sie stattdessen darum, dass Ihnen Salz und Pfeffer separat an den Tisch gebracht werden. In der Regel ist dies kein Problem für das Küchenpersonal und macht die Mahlzeit für Sie selbst unkomplizierter und sicherer.
Essen beim Italiener mit Histaminintoleranz
Der Besuch beim Italiener ist für viele ein Highlight, doch Pizza, Pasta und Tiramisu sind leider oft Tabu, wenn man eine Histaminintoleranz hat. Dies liegt an Zutaten wie reifen Tomaten, Käse, Hefe und fermentierten Produkten. Aber es gibt Alternativen!
Eine persönliche Empfehlung ist oft Carpaccio (rohes Rindfleisch). Hierbei ist es wichtig, den Parmesan und das Dressing abzulehnen. Stattdessen können Sie einfach Ihr mitgebrachtes Olivenöl darüber geben. Es ist wichtig zu beachten, dass Carpaccio leider nicht für jeden mit Histaminintoleranz geeignet ist, da die Verträglichkeit von rohem Fleisch individuell variieren kann. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt oder Ernährungsberater.
Medikamentöse Unterstützung bei Histaminintoleranz
Lässt sich der Verzehr histaminhaltiger Nahrungsmittel einmal nicht vermeiden, gibt es medikamentöse Möglichkeiten zur Linderung der Symptome. Antihistaminika können die akuten Beschwerden mildern. Manchen Betroffenen hilft auch die Einnahme von Diaminoxidase (DAO) in Kapselform mit den Mahlzeiten. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Wirkung der DAO-Kapseln wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist. Eine Rücksprache mit einem Arzt ist hierbei immer ratsam.
Histamin: Gute und schlechte Nachrichten im Überblick
Um Ihnen eine bessere Orientierung zu geben, hier eine kleine Übersicht über häufig vorkommende histaminreiche und histaminarme Lebensmittel, basierend auf den genannten Empfehlungen:
| Histaminreiche Lebensmittel (NO GOs) | Histaminarme Lebensmittel (GOs) |
|---|---|
| Geräucherte, getrocknete oder eingesalzene Fisch- und Wurstwaren | Frisches Fleisch (Rind, Geflügel, Lamm) |
| Bestimmte Fischarten (z.B. Thunfisch, Makrele, Hering) | Frischer Fisch (z.B. Kabeljau, Zander, Rotbarsch) |
| Reife Käsesorten (z.B. Parmesan, alter Gouda, Camembert) | Junge Käsesorten (z.B. Ricotta, Quark, Mozzarella) |
| Fermentiertes Gemüse (Sauerkraut, Essiggurken) | Frisches Gemüse (z.B. Kartoffeln, Brokkoli, Karotten, Zucchini) |
| Schokolade, Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Bananen | Äpfel, Birnen, Melonen, Heidelbeeren |
| Alkohol (insbesondere Rotwein, Bier) | Wasser, Kräutertees |
| Glutamate (E620-E625), Geschmacksverstärker | Frische Kräuter und Gewürze (außer Pfeffer, sofern sensibel) |
| Essensreste, die lange ungekühlt waren | Frisch zubereitete Speisen |
Häufig gestellte Fragen zur Histaminintoleranz
Ist Histaminintoleranz eine Allergie?
Nein, obwohl die Symptome ähnlich sein können, ist die Histaminintoleranz keine Allergie. Es handelt sich um eine Stoffwechselstörung, bei der der Körper Histamin aufgrund eines Mangels oder einer Fehlfunktion des abbauenden Enzyms DAO nicht richtig verarbeiten kann.
Wie lange dauert es, bis Symptome nach dem Essen auftreten?
Typischerweise treten die Symptome einer Histaminunverträglichkeit sofort oder innerhalb kurzer Zeit nach dem Verzehr histaminhaltiger Lebensmittel auf.
Kann ich meinen DAO-Wert im Blut messen lassen, um eine Diagnose zu erhalten?
Der DAO-Wert im Blut kann zwar gemessen werden, gibt aber aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge keinen eindeutigen Aufschluss über eine Histaminintoleranz. Die Diagnose erfolgt in der Regel über eine Ausschlussdiät und Provokation unter ärztlicher Aufsicht.
Welche Rolle spielt ein Ernährungstagebuch bei der Diagnose?
Ein Ernährungstagebuch ist ein sehr wichtiges Hilfsmittel. Es hilft Ihnen und Ihrem Arzt oder Ernährungsberater, Muster zwischen dem Verzehr bestimmter Lebensmittel und dem Auftreten von Symptomen zu erkennen und so Ihre individuelle Toleranzschwelle zu ermitteln.
Kann ich trotz Histaminintoleranz überhaupt noch auswärts essen gehen?
Ja, absolut! Mit der richtigen Vorbereitung, der Wahl qualitätsbewusster Restaurants und einer klaren Kommunikation mit dem Servicepersonal können Sie auch mit Histaminintoleranz Restaurantbesuche genießen. Es erfordert lediglich etwas mehr Planung und Achtsamkeit.
Gibt es Medikamente, die bei Histaminintoleranz helfen?
Antihistaminika können akute Symptome lindern. Manche Betroffene nehmen auch DAO-Kapseln zu den Mahlzeiten ein, um den Histaminabbau zu unterstützen, wobei die wissenschaftliche Evidenz hierfür noch begrenzt ist. Eine Absprache mit Ihrem Arzt ist immer empfehlenswert.
Warum sind bestimmte Lebensmittel wie reifer Käse oder Rotwein problematisch?
Histamin entsteht vor allem bei der Lagerung und Reifung von eiweißreichen Produkten sowie durch Fermentationsprozesse. Daher sind Lebensmittel wie reifer Käse, geräucherte Wurstwaren, bestimmte Fischarten und fermentierte Produkte wie Rotwein oder Sauerkraut oft sehr histaminreich.
Die Bewältigung einer Histaminintoleranz erfordert Geduld und Disziplin, doch mit dem richtigen Wissen und einer angepassten Lebensweise können Sie Ihre Symptome effektiv managen und eine hohe Lebensqualität beibehalten. Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe von einem Arzt oder Ernährungsmediziner in Anspruch zu nehmen, um einen individuellen Plan zu entwickeln, der auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
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