21/08/2010
Die Kunst, eine perfekte Pizza zu Hause zu backen, beginnt lange bevor der Teig in den Ofen kommt. Es beginnt mit der Wahl des richtigen Mehls. Haben Sie sich jemals gefragt, warum manche Pizzen so herrlich luftig und knusprig sind, während andere eher flach und zäh wirken? Oft liegt das Geheimnis im Mehl – genauer gesagt in seiner Typenbezeichnung und seinen Eigenschaften. Heute tauchen wir tief in die Welt des Mehls ein und entschlüsseln, was Bezeichnungen wie 'Tipo 00' und 'Typ 550' wirklich bedeuten und wie sie Ihren Pizzateig revolutionieren können.

Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass für den authentischen italienischen Pizzateig unbedingt italienisches Tipo 00 Mehl benötigt wird. Doch ist das wirklich so? Oder können wir auch mit heimischen Produkten ähnliche, ja sogar identische Ergebnisse erzielen? Bevor wir diese Frage endgültig klären, müssen wir das Fundament legen und verstehen, wie Mehl überhaupt entsteht und was uns die mysteriösen Zahlen auf den Verpackungen verraten.
- Wie entsteht Mehl? Ein Blick in die Mühle
- Die geheimnisvolle Typenbezeichnung: Was steckt dahinter?
- Eiweiß und Stärke: Die Bausteine des perfekten Pizzateigs
- Tipo 00 vs. Typ 550: Ein internationaler Vergleich
- Die ideale Zusammensetzung für Ihren Pizzateig
- Häufig gestellte Fragen zum Pizzateig und Mehl
- Kann ich auch Vollkornmehl für Pizza verwenden?
- Welche Rolle spielt die Hydration des Teigs?
- Warum ist die Ruhezeit (Gärzeit) des Teigs so wichtig?
- Muss ich frische Hefe oder kann ich auch Trockenhefe verwenden?
- Wie lagere ich Mehl richtig?
- Was ist der Unterschied zwischen Hartweizen und Weichweizen?
- Fazit: Das Geheimnis liegt im Detail – und im Mehltyp!
Wie entsteht Mehl? Ein Blick in die Mühle
Mehl, das Grundnahrungsmittel vieler Kulturen, ist das Ergebnis eines faszinierenden Prozesses: der Mahlung von Getreidekörnern. Für das handelsübliche Weissmehl, das wir für Brot, Kuchen und natürlich Pizza verwenden, kommt in der Regel Weichweizen zum Einsatz. Doch nicht jedes Mehl ist gleich, und die Unterschiede liegen im Detail der Verarbeitung.
Stellen Sie sich ein Weizenkorn vor. Vereinfacht gesagt, besteht es aus zwei Hauptteilen: der Schale (oder Kleie) und dem Mehlkörper (oder Endosperm). Die Schale, die äußere Hülle des Korns, ist reich an Ballaststoffen, Vitaminen und vor allem an Mineralstoffen. Der Mehlkörper hingegen, der innere Teil, ist die Hauptquelle für Stärke und Eiweiß.
Beim Mahlprozess durchlaufen die Weizenkörner mehrere Schritte, die darauf abzielen, Schale und Mehlkörper voneinander zu trennen. Das Ziel ist es, ein möglichst reines Mehl aus dem Mehlkörper zu gewinnen. Je feiner das Mehl gemahlen wird und je sorgfältiger die Schalenteile abgetrennt werden, desto geringer ist der Anteil an Mineralstoffen im Endprodukt. Und genau hier kommt die Typenbezeichnung ins Spiel.
Die geheimnisvolle Typenbezeichnung: Was steckt dahinter?
Die Zahlen auf der Mehlverpackung sind keine Zufallsprodukte, sondern ein genormtes Maß für den Mineralstoffgehalt des Mehls. In der Schweiz und Deutschland werden diese Typenbezeichnungen in Milligramm pro 100 Gramm Mehl angegeben. Das klingt vielleicht kompliziert, ist aber eigentlich ganz logisch:
- Um den Mehltyp zu bestimmen, werden 100 Gramm des Mehls in einem speziellen Ofen bei sehr hohen Temperaturen verbrannt.
- Organische Bestandteile wie Kohlenhydrate, Fette und Proteine verbrennen dabei vollständig und hinterlassen nichts.
- Die Mineralstoffe, die im Mehl enthalten sind, verbrennen jedoch nicht. Was übrig bleibt, ist reine Asche.
- Bleiben beispielsweise nach der Verbrennung von 100 Gramm Mehl etwa 550 Milligramm Asche übrig, handelt es sich um Mehl des Typs 550.
Das bedeutet: Je niedriger die Typenzahl, desto weniger Schalenteile sind im Mehl vorhanden und desto geringer ist sein Mineralstoffgehalt. Ein Typ 405 Mehl ist also feiner und "weißer" als ein Typ 550 Mehl, da es weniger Asche und somit weniger Mineralstoffe enthält. Im Umkehrschluss bedeutet eine höhere Typenzahl (z.B. Typ 1050 oder gar Vollkornmehl), dass mehr von der mineralstoffreichen Schale im Mehl verblieben ist.
Eiweiß und Stärke: Die Bausteine des perfekten Pizzateigs
Für die Qualität eines Pizzateigs sind nicht nur die Mineralstoffe relevant, sondern vor allem auch der Gehalt an Eiweiß und Stärke im Mehlkörper. Diese beiden Komponenten spielen eine entscheidende Rolle für die Textur, das Volumen und das Aroma Ihrer Pizza.
Die Rolle der Stärke: Nahrung für die Hefe
Stärke ist die Hauptenergiequelle für die Hefe. Wenn Sie Hefe, Wasser und Mehl miteinander mischen, beginnt ein faszinierender biologischer Prozess: die Gärung. Die Hefe ernährt sich von der Stärke im Mehl und wandelt sie unter den richtigen Temperaturbedingungen in zwei wichtige Nebenprodukte um:
- Kohlenstoffdioxid (CO2): Dieses Gas bildet winzige Bläschen im Teig, die dafür sorgen, dass er aufgeht, luftig und voluminös wird. Es ist der Motor für die Porosität und die charakteristische Krume eines guten Pizzateigs.
- Ethanol: Dieser Alkohol verdampft während des Backens, trägt aber maßgeblich zur Entwicklung komplexer Aromen im Teig bei.
Ein ausreichender Stärkegehalt ist also essenziell für eine lebendige Hefeaktivität und somit für einen gut aufgegangenen, aromatischen Teig.
Die Rolle des Eiweißes: Die Magie des Glutens
Der Eiweißgehalt im Mehl ist für die Elastizität und Dehnbarkeit des Pizzateigs von größter Bedeutung. Spezifische Proteine im Weizenmehl, nämlich Glutenin und Gliadin, bilden in Verbindung mit Wasser und durch mechanische Bearbeitung (Kneten) ein Netzwerk, das wir als Glutenentwicklung kennen. Dieses Glutennetzwerk ist wie ein elastisches Gerüst:
- Es macht den Teig dehnbar und formbar, sodass Sie ihn dünn ausrollen können, ohne dass er reißt.
- Es ist in der Lage, das bei der Gärung entstehende Kohlenstoffdioxid einzuschließen. Je stärker das Glutennetzwerk, desto besser kann der Teig die Gasbläschen halten, was zu einer luftigen, grobporigen Struktur führt – genau das, was wir bei einer neapolitanischen Pizza lieben.
Für einen perfekten Pizzateig ist daher ein Mehl mit einem relativ hohen Eiweißgehalt (Proteingehalt) wünschenswert, idealerweise im Bereich von 12-13%. Dies gewährleistet die nötige Struktur und Elastizität.
Tipo 00 vs. Typ 550: Ein internationaler Vergleich
Nun kommen wir zur Kernfrage: Ist das berühmte italienische Tipo 00 Mehl wirklich so anders als unser heimisches Typ 550 Mehl? Die kurze Antwort lautet: Nein, die Unterschiede sind oft marginal und die Bezeichnungen sind primär länderspezifisch.
In Italien werden Mehltypen nach einem anderen System klassifiziert, das sich auf den Ausmahlungsgrad und den Aschegehalt bezieht. 'Tipo 00' ist die feinste und weißeste Mehlkategorie in Italien, mit dem geringsten Aschegehalt. Es ist dem deutschen und schweizerischen Weissmehl des Typs 405 oder 550 sehr ähnlich. Insbesondere das schweizerische Mehl Typ 550 ist in seinen Eigenschaften – Ausmahlungsgrad und Aschegehalt – dem italienischen Tipo 00 Mehl oft gleichzusetzen.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht so sehr in der Typenbezeichnung an sich, sondern im Proteingehalt und der Qualität des Weizens, der für die Mehlherstellung verwendet wird. Viele italienische Mühlen wählen Weizensorten aus, die von Natur aus einen hohen und qualitativ hochwertigen Proteingehalt aufweisen, der ideal für die Glutenentwicklung in Pizzateigen ist. Aber auch in der Schweiz und Deutschland gibt es hervorragende Mehlproduzenten, die Weizen mit den gewünschten Eigenschaften vermahlen.

Lohnt sich der Gang ins italienische Fachgeschäft?
Basierend auf dem Verständnis der Mehltypen können wir diese Frage nun beantworten: Nun ja, nein. Es ist nicht zwingend notwendig, den weiten Weg ins italienische Fachgeschäft auf sich zu nehmen, um Tipo 00 Mehl zu kaufen. Viele Schweizer und deutsche Supermärkte bieten mittlerweile Mehle des Typs 550 an, deren Proteingehalt für die Herstellung eines ausgezeichneten Pizzateigs absolut ausreichend ist. Achten Sie einfach auf die Angaben zum Proteingehalt auf der Verpackung. Ein Wert von 12% bis 13% ist ein sehr guter Indikator für ein geeignetes Pizzateigmehl.
Um die Ähnlichkeiten und Unterschiede der gängigsten Mehltypen besser zu veranschaulichen, hier eine kleine Vergleichstabelle:
| Mehltyp (DE/CH) | Entsprechung (IT) | Aschegehalt (mg/100g) | Proteingehalt (ca. %) | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Typ 405 | Tipo 00 (sehr fein) | bis 500 | 9 - 10,5 | Feine Backwaren, Kuchen, helle Saucen |
| Typ 550 | Tipo 00 (Standard) | 501 - 600 | 10,5 - 13 | Hefeteige, Brötchen, Pizza, helle Brote |
| Typ 812 | Tipo 0 | 701 - 900 | 11 - 14 | Helle Mischbrote, dunklere Hefeteige |
| Typ 1050 | Tipo 0 (kräftiger) | 901 - 1200 | 12 - 15 | Dunkle Brote, herzhafte Backwaren |
| Vollkornmehl | Integrale | > 1200 | 12 - 16 | Vollkornbrote, ballaststoffreiche Backwaren |
Wie Sie sehen, sind die Überschneidungen zwischen Typ 550 und Tipo 00 (Standard) im Hinblick auf Asche- und Proteingehalt deutlich. Es kommt also weniger auf die Herkunft, sondern vielmehr auf die Zusammensetzung des Mehls an.
Die ideale Zusammensetzung für Ihren Pizzateig
Für den perfekten Pizzateig ist ein Mehl mit einem Eiweißgehalt von etwa 12-13% und einem Stärkegehalt von rund 72% optimal. Diese Balance sorgt für die notwendige Elastizität und die Fähigkeit, genügend Gasbläschen für eine luftige Krume zu bilden. Wenn Sie ein Mehl mit diesen Werten finden, sind Sie auf dem besten Weg zu einer Pizza, die es mit jedem Italiener aufnehmen kann.
Sobald Sie das richtige Mehl gefunden haben, sind die weiteren Schritte zur Teigherstellung entscheidend. Neben Mehl benötigen Sie lediglich Wasser, Hefe und Salz. Die Qualität dieser Zutaten und der Prozess des Knetens und der Ruhezeit sind ebenso wichtig wie das Mehl selbst. Nutzen Sie Pizzateig-Rechner online, um die genauen Mengenangaben für Ihre gewünschte Pizzazahl zu ermitteln und legen Sie los!
Häufig gestellte Fragen zum Pizzateig und Mehl
Kann ich auch Vollkornmehl für Pizza verwenden?
Ja, Sie können Vollkornmehl verwenden, aber der Pizzateig wird eine andere Textur haben. Vollkornmehl enthält mehr Schalenteile und Ballaststoffe, was das Glutennetzwerk beeinträchtigen kann. Der Teig wird weniger elastisch, dichter und die Krume weniger luftig. Geschmacklich wird er nussiger und erdiger. Für eine klassische neapolitanische Pizza ist Vollkornmehl nicht ideal, aber für eine rustikale Variante kann es eine interessante Option sein.
Welche Rolle spielt die Hydration des Teigs?
Die Hydration bezieht sich auf das Verhältnis von Wasser zu Mehl im Teig, ausgedrückt in Prozent (z.B. 60% Hydration bedeutet 600ml Wasser auf 1kg Mehl). Eine höhere Hydration (z.B. 65-70%) führt zu einem weicheren, klebrigeren Teig, der aber auch zu einer offeneren, luftigeren Krume neigt. Eine niedrigere Hydration (z.B. 55-60%) ergibt einen festeren, einfacher zu handhabenden Teig, der aber weniger luftig sein kann. Für Pizza empfiehlt sich oft eine Hydration zwischen 60% und 65%, je nach Mehltyp und gewünschter Textur.
Warum ist die Ruhezeit (Gärzeit) des Teigs so wichtig?
Die Ruhezeit, oft auch als Gärzeit bezeichnet, ist entscheidend für die Entwicklung des Geschmacks, der Textur und der Verdaulichkeit des Pizzateigs. Während dieser Zeit:
- Die Hefe produziert weiterhin Kohlenstoffdioxid und Ethanol, was das Volumen und das Aroma des Teigs verbessert.
- Die Enzyme im Mehl bauen Stärke in Zucker um, was den Hefen zusätzliche Nahrung gibt und zu einer besseren Bräunung der Kruste führt.
- Das Glutennetzwerk entspannt sich und entwickelt sich weiter, was den Teig elastischer und leichter zu verarbeiten macht.
Eine lange, kalte Gärung im Kühlschrank (24-72 Stunden) wird oft bevorzugt, da sie zu einem komplexeren Geschmack und einer besseren Verdaulichkeit führt.
Muss ich frische Hefe oder kann ich auch Trockenhefe verwenden?
Beide Hefearten funktionieren gut für Pizzateig. Frische Hefe wird oft für ihren leicht besseren Geschmack und ihre schnellere Aktivierung gelobt, muss aber kühl gelagert werden und ist weniger lange haltbar. Trockenhefe ist bequemer, länger haltbar und muss nicht gekühlt werden. Eine Faustregel ist, dass 1 Gramm Trockenhefe etwa 3 Gramm frischer Hefe entspricht. Wichtig ist, die Hefe korrekt zu aktivieren (oft in lauwarmem Wasser) und die richtige Menge zu verwenden.
Wie lagere ich Mehl richtig?
Mehl sollte trocken, kühl und dunkel gelagert werden, um seine Qualität und Haltbarkeit zu gewährleisten. Ein luftdichter Behälter schützt es vor Feuchtigkeit, Schädlingen und fremden Gerüchen. Direkte Sonneneinstrahlung und Temperaturschwankungen sollten vermieden werden. Bei richtiger Lagerung ist Mehl oft weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus verwendbar.
Was ist der Unterschied zwischen Hartweizen und Weichweizen?
Weizen wird hauptsächlich in Hartweizen (Durum) und Weichweizen unterteilt. Hartweizen hat einen höheren Proteingehalt und wird vor allem für Pasta und Grießprodukte verwendet, da er eine feste, bissfeste Textur ergibt. Weichweizen hingegen hat einen geringeren Proteingehalt und wird für die meisten Backwaren wie Brot, Kuchen und eben Pizzateig verwendet, da er eine weichere, elastischere Struktur ermöglicht. Für Pizzateig wird in der Regel Weichweizenmehl verwendet.
Fazit: Das Geheimnis liegt im Detail – und im Mehltyp!
Die Suche nach dem perfekten Pizzateig führt uns unweigerlich zum Mehl. Es ist nicht die mysteriöse italienische Bezeichnung 'Tipo 00', die den Unterschied macht, sondern vielmehr die dahinterstehenden Werte: der Eiweiß- und Stärkegehalt. Ein Mehl vom Typ 550 aus der Schweiz oder Deutschland, das einen Proteingehalt von 12-13% aufweist, ist dem italienischen Tipo 00 Mehl ebenbürtig und kann Ihnen zu einem Pizzateig verhelfen, der luftig, knusprig und voller Aroma ist. Es lohnt sich also, beim Einkauf auf die Details auf der Verpackung zu achten und nicht blindlings dem Marketing zu folgen.
Mit dem richtigen Wissen über Mehltypen, ein wenig Übung im Kneten und der Geduld für eine ausreichende Ruhezeit steht Ihrer selbstgemachten Traum-Pizza nichts mehr im Wege. Guten Appetit!
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Das Geheimnis des perfekten Pizzateigs: Mehltypen erklärt kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Pizzateig besuchen.
