Was erfährt man beim Weltmeister in Ingelheim?

Der Pizza-Weltmeister und das Ananas-Tabu

28/02/2015

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In der Welt der Kulinarik gibt es nur wenige Gerichte, die so universell geliebt und gleichzeitig so leidenschaftlich diskutiert werden wie die Pizza. Von den engen Gassen Neapels bis in die entlegensten Winkel der Welt hat sie die Herzen der Menschen erobert. Doch selbst bei einem solch beliebten Gericht gibt es rote Linien, die für wahre Meister nicht überschritten werden dürfen. Eine dieser Linien ist, zumindest für den amtierenden Pizza-Weltmeister Francesco Ialazzo, die Ananas auf der Pizza.

Wie heißt die Pizza in Ingelheim am Rhein?
Pizzeria Capri – Pizza Weltmeister Francesco Ialazzo aus Ingelheim am Rhein. Pizza Napoletana ist unser Spezialität. Aus besten Zutaten und liebevollem Kunsthandwerk kreieren wir täglich unverwechselbare Gaumenfreuden.

Francesco Ialazzo, ein 42-jähriger Deutsch-Italiener aus Ingelheim bei Mainz in Rheinland-Pfalz, ist nicht irgendjemand im Pizzahandwerk. Er ist der amtierende Pizza-Weltmeister. Ein Titel, der nicht nur jahrelange Hingabe und unzählige Stunden des Experimentierens erfordert, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Tradition und die Seele der italienischen Küche. Wenn jemand ein Recht hat, eine Meinung über Pizza zu haben, dann er. Und seine Meinung zur Ananas ist unmissverständlich: „Auf der Pizza? Das ist eine Todsünde“, sagt er entrüstet. Ein solches Statement von einem Weltmeister wiegt schwer und wirft die Frage auf, warum diese Frucht eine so heftige Reaktion hervorruft.

Inhaltsverzeichnis

Die Weltmeister-Philosophie: Ananas? Niemals!

Für Francesco Ialazzo ist die Ananas auf Pizza eine kulinarische Absurdität, die er mit der Vorstellung von „Schnitzel mit Nutella“ vergleicht – eine Kombination, die in seinen Ohren (und wahrscheinlich auch auf vielen Tellern) einfach nicht zusammenpasst. Während Ananas als Dessert für ihn durchaus akzeptabel ist, hat sie seiner Meinung nach auf einem herzhaften Gericht wie Pizza nichts verloren. Diese strikte Haltung ist nicht nur eine persönliche Präferenz, sondern spiegelt eine tief verwurzelte Achtung vor den traditionellen Prinzipien der italienischen Küche wider.

„Da muss man sehr auf seinen Ruf achten“, erklärt Ialazzo augenzwinkernd, aber mit ernstem Unterton. Er ist sich bewusst, dass die Pizza Hawaii, die oft mit Ananas belegt wird, in Deutschland und vielen anderen Ländern beliebt ist. Doch für ihn ist die Zubereitung einer solchen Pizza unvereinbar mit seinem Titel als Weltmeister. „Wenn ich die mache, muss ich den Titel abgeben“, sagt er. Diese Aussage unterstreicht, wie ernst er seine Rolle als Hüter der Pizzatradition nimmt. Es geht nicht nur um Geschmack, sondern um die Integrität eines Kulturgutes.

Die Ablehnung der Ananas ist für viele italienische Pizzabäcker, insbesondere für jene, die eine Verbindung zur neapolitanischen Tradition haben, ein Bekenntnis. Die neapolitanische Pizza, die als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist, zeichnet sich durch ihre Einfachheit und die Qualität ihrer wenigen, aber perfekt abgestimmten Zutaten aus: San Marzano Tomaten, Mozzarella di Bufala, Basilikum und Olivenöl. Jede Zutat hat ihren Platz und trägt zum harmonischen Gesamtbild bei. Eine süße, saftige und oft wässrige Frucht wie Ananas würde dieses Gleichgewicht stören und die Textur des Belags beeinträchtigen.

Der Weg zum Pizza-Olymp: Was einen Weltmeister auszeichnet

Was aber macht einen Pizza-Weltmeister wie Francesco Ialazzo aus? Es ist weit mehr als nur das Belegen eines Teigfladens. Es ist eine Kombination aus Kunst, Wissenschaft und Leidenschaft. Der Weg zum Weltmeistertitel ist lang und steinig, geprägt von unermüdlichem Üben und dem Streben nach Perfektion.

  • Die Wahl der Zutaten: Ein Weltmeister weiß, dass die Qualität der Zutaten entscheidend ist. Von der Art des Mehls über die Tomaten bis hin zum Käse – nur das Beste ist gut genug. Ialazzo achtet sicherlich auf hochwertige San Marzano Tomaten, frischen Mozzarella und erstklassiges Olivenöl.
  • Die Kunst des Teiges: Der Teig ist das Herzstück jeder Pizza. Ein Meister wie Ialazzo verbringt unzählige Stunden damit, die perfekte Konsistenz, Hydration und Fermentation zu erreichen. Oft kommen lange Gärzeiten von 24, 48 oder sogar 72 Stunden zum Einsatz, um einen leichten, bekömmlichen und aromatischen Teig zu entwickeln.
  • Die Beherrschung des Ofens: Die Hitze ist ein weiterer kritischer Faktor. Traditionelle Pizza wird in Holzöfen bei extrem hohen Temperaturen (bis zu 480°C) gebacken. Dies ermöglicht eine blitzschnelle Garzeit von nur 60-90 Sekunden, die den Teig außen knusprig und innen luftig macht.
  • Die Präzision der Zubereitung: Jeder Handgriff zählt – vom Ausbreiten des Teiges, ohne die Luftblasen zu zerstören, bis zum gleichmäßigen Verteilen der Beläge.
  • Leidenschaft und Tradition: Letztlich ist es die tiefe Verbundenheit zur italienischen Küche und die Leidenschaft für das Handwerk, die einen Weltmeister antreiben. Es geht darum, ein Erbe zu bewahren und gleichzeitig die eigene Kreativität einzubringen.

Die Kunst der Neapolitanischen Pizza: Ein Erbe, das bewahrt werden muss

Die Ablehnung der Ananas ist eng mit der Definition dessen verbunden, was eine authentische Pizza ausmacht, insbesondere die neapolitanische Pizza. Diese ist nicht nur ein Gericht, sondern ein kulturelles Symbol. Ihre Merkmale sind klar definiert:

  • Ein runder Teigfladen mit einem Durchmesser von maximal 35 cm.
  • Ein erhöhter, luftiger Rand (der sogenannte „cornicione“).
  • Ein dünner Boden in der Mitte.
  • Gebacken in einem Holzofen bei sehr hoher Temperatur.
  • Einfache, hochwertige Zutaten: typischerweise Tomaten (San Marzano DOP), Mozzarella (Mozzarella di Bufala Campana DOP oder Fior di Latte), frischer Basilikum und Olivenöl extra vergine.

Diese Einfachheit und die Konzentration auf wenige, aber exzellente Zutaten machen die neapolitanische Pizza zu einem Meisterwerk. Jede Abweichung von diesen Grundprinzipien wird von Puristen oft als „Verfälschung“ angesehen. Für Francesco Ialazzo, der sich als Weltmeister dem höchsten Standard verpflichtet fühlt, ist das Hinzufügen von Ananas daher ein Bruch mit dieser heiligen Tradition.

Pizza Hawaii: Ein Phänomen zwischen Liebe und Hass

Trotz der klaren Haltung von Pizza-Puristen wie Ialazzo erfreut sich die Pizza Hawaii weltweit großer Beliebtheit. Ihre Geschichte ist überraschenderweise nicht italienisch, sondern kanadisch. Sam Panopoulos, ein griechisch-kanadischer Restaurantbesitzer, kreierte sie 1962, indem er Schinken und Ananas auf eine Pizza legte. Die Kombination aus süßer Ananas, salzigem Schinken und geschmolzenem Käse traf einen Nerv und wurde zu einem globalen Phänomen.

Die Popularität der Pizza Hawaii zeigt, wie sich Geschmäcker und kulinarische Vorlieben über Kulturen hinweg entwickeln können. Während sie für viele ein Genuss ist, stellt sie für Traditionalisten das Inbegriff der kulinarischen Grenzüberschreitung dar. Sie symbolisiert oft die Kluft zwischen authentischer, traditioneller Küche und globalisierten, angepassten Varianten.

Ananas auf Pizza: Pro und Kontra aus Sicht des Weltmeisters und des Genießers

ArgumentSicht des Weltmeisters (Francesco Ialazzo)Sicht des Genießers (Pizza Hawaii Liebhaber)
GeschmacksharmonieDie Süße und Säure der Ananas passen nicht zu den herzhaften und umami-reichen Zutaten einer Pizza. Sie stören das Gleichgewicht.Die Kombination aus süßer Ananas und salzigem Schinken/Käse ist ein reizvoller Kontrast und bietet ein einzigartiges Geschmackserlebnis.
TexturAnanas ist wässrig und macht den Pizzabelag matschig, was die knusprige Textur des Teiges beeinträchtigt.Die weiche, saftige Textur der Ananas fügt eine angenehme Komponente hinzu und macht die Pizza interessanter.
TraditionEine "Todessünde" und Bruch mit der authentischen italienischen Pizzatradition. Ananas gehört nicht auf Pizza.Kulinarische Traditionen können sich entwickeln; Geschmack ist subjektiv. Es ist eine moderne Interpretation, die schmeckt.
Ruf / TitelDie Zubereitung würde den Ruf als Weltmeister schädigen und den Verlust des Titels bedeuten.Ein Meister sollte offen für neue Geschmackserlebnisse sein und die Vielfalt der kulinarischen Welt anerkennen.

Geheimnisse aus der Meisterküche: Tipps für die perfekte Pizza zu Hause

Auch wenn Sie keinen Holzofen besitzen und nicht sofort Pizza-Weltmeister werden wollen, können Sie sich von Francesco Ialazzo inspirieren lassen und Ihre Pizza-Fähigkeiten zu Hause verbessern. Hier sind einige grundlegende Tipps, die jeder Meister beherzigen würde:

  • Qualität der Zutaten: Investieren Sie in gute Zutaten. Verwenden Sie passierte Tomaten aus San Marzano, frischen Mozzarella (keinen geriebenen Käse!), hochwertiges Olivenöl und frischen Basilikum. Der Unterschied ist enorm.
  • Der Teig ist König: Nehmen Sie sich Zeit für den Teig. Verwenden Sie Mehl vom Typ 00 für eine authentische neapolitanische Pizza. Eine lange Gärzeit (mindestens 24 Stunden im Kühlschrank) macht den Teig bekömmlicher und geschmackvoller. Experimentieren Sie mit der Hydration (Wasseranteil im Teig).
  • Hohe Hitze ist entscheidend: Ihr Heimofen erreicht nicht die Temperatur eines Holzofens, aber Sie können das Beste daraus machen. Heizen Sie Ihren Ofen mit einem Pizzastein oder einem umgedrehten Backblech auf der höchsten Stufe (Ober-/Unterhitze) mindestens 30-60 Minuten vor. Schieben Sie die Pizza direkt auf den heißen Stein.
  • Weniger ist oft mehr: Überladen Sie Ihre Pizza nicht. Zu viele Beläge machen den Teig matschig und verhindern, dass er richtig durchbackt. Konzentrieren Sie sich auf wenige, harmonische Zutaten.
  • Vorbereitung: Bereiten Sie alle Zutaten vor, bevor Sie mit dem Belegen beginnen. Die Pizza muss schnell in den Ofen, sobald sie belegt ist, damit der Teig nicht durchweicht.

Häufig gestellte Fragen zur Pizza und dem Weltmeister

Was bedeutet es, Pizza-Weltmeister zu sein?
Der Titel des Pizza-Weltmeisters wird bei internationalen Wettbewerben verliehen, die verschiedene Kategorien wie klassische Pizza, Freestyle, glutenfreie Pizza oder Pizza auf dem Blech umfassen können. Es geht darum, herausragende Fähigkeiten in Teigzubereitung, Backtechnik und der Kreation von Geschmackskombinationen unter Beweis zu stellen. Es ist eine Anerkennung für höchste Qualität und Meisterschaft im Pizzahandwerk.

Welche Zutaten sind für eine authentische Pizza unerlässlich?
Für eine wirklich authentische neapolitanische Pizza sind nur wenige, aber sehr spezifische Zutaten notwendig: Mehl vom Typ 00, reines Wasser, Hefe, Salz, San Marzano Tomaten, Mozzarella di Bufala Campana DOP (oder Fior di Latte), frischer Basilikum und Olivenöl extra vergine. Die Qualität dieser Grundzutaten ist entscheidend für den Geschmack.

Warum lehnen viele italienische Pizzabäcker Ananas auf Pizza ab?
Die Ablehnung beruht hauptsächlich auf der Wahrung der kulinarischen Tradition und des Geschmacks. Ananas wird als unpassend empfunden, da ihre Süße und ihr hoher Wassergehalt die Balance der herzhaften Zutaten stören und den Teig matschig machen können. Für viele ist es ein Bruch mit der Philosophie der Einfachheit und Harmonie, die die italienische Küche auszeichnet.

Kann man auch zu Hause eine Pizza backen, die dem Weltmeister würdig ist?
Mit den richtigen Techniken und hochwertigen Zutaten kann man zu Hause eine ausgezeichnete Pizza zubereiten, die der Qualität einer professionellen Pizza sehr nahekommt. Der Schlüssel liegt in der Beachtung der Teigzubereitung, der Verwendung eines Pizzasteins für hohe Hitze und dem sparsamen, aber bewussten Einsatz von Belägen.

Gibt es verschiedene Arten von Pizza-Meisterschaften?
Ja, es gibt verschiedene Wettbewerbe und Kategorien bei Pizza-Meisterschaften weltweit. Neben der klassischen neapolitanischen Pizza gibt es oft Kategorien für innovative Kreationen, Pizza auf dem Blech (Pizza in Teglia), glutenfreie Pizza, akrobatische Pizzakunst (Freestyle) und sogar Wettbewerbe für die schnellste Pizza-Zubereitung. Jeder Wettbewerb hat seine eigenen Regeln und Schwerpunkte.

Francesco Ialazzo ist mehr als nur ein Pizzabäcker; er ist ein Botschafter der italienischen Kulinarik, der mit Leidenschaft für die Authentizität seines Handwerks einsteht. Seine klare Haltung zur Ananas auf Pizza mag polarisieren, aber sie unterstreicht die tiefe Wertschätzung für die Tradition und die kompromisslose Qualität, die einen wahren Weltmeister auszeichnen.

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