18/08/2016
Wenn man an Pizza denkt, kommen einem meist sofort Bilder von Italien in den Sinn: dünner Teig, frische Tomatensauce, Mozzarella und vielleicht ein paar Blätter Basilikum. Doch begeben wir uns auf eine kulinarische Reise in den Norden Europas, genauer gesagt nach Schweden, so erwartet uns eine Pizza-Landschaft, die so einzigartig und überraschend ist, dass sie selbst erfahrene Pizza-Liebhaber ins Staunen versetzt. Während die traditionelle Margherita selbstverständlich auch hier ihren Platz hat, sind es die unkonventionellen Kreationen, die die schwedische Pizza zu einem wahren Phänomen machen. Und an der Spitze dieser Exzentrik thront ein Gericht, das auf den ersten Blick vielleicht Abscheu hervorruft, in Schweden aber ein absoluter Klassiker ist: die Bananen-Curry-Pizza.

Die schwedische Liebe zum Experimentieren mit Pizzabelägen geht weit über das hinaus, was man sich gemeinhin vorstellen mag. Es ist eine Kultur, in der so ziemlich alles, was man in die Finger bekommt und für lecker hält, auf einen Pizzaboden wandert. Doch was genau macht die schwedische Pizza so unverwechselbar und zu einem solchen Gesprächsthema?
Was macht schwedische Pizza so besonders?
Die Grundlage der schwedischen Pizza unterscheidet sich bereits von ihren italienischen Verwandten. Der Teig ist zwar dünn und knusprig, oft aber etwas dicker als eine neapolitanische Pizza und besitzt eine robustere Textur. Die Tomatensauce ist in der Regel stärker gewürzt, und anstelle des klassischen Mozzarellas findet man häufig den schwedischen Gräddost, einen cremigen Kuhmilchkäse mit nussigem Aroma, der der Pizza eine ganz eigene Note verleiht. Doch das vielleicht auffälligste Merkmal sind die Beilagen, die in Schweden untrennbar mit dem Pizza-Erlebnis verbunden sind: der obligatorische Krautsalat und eine cremige Knoblauchsauce. In den meisten Pizzerien gehört ein Salatbuffet, auf dem dieser Krautsalat und weitere frische Gemüsesorten angeboten werden, zum Standard und ist oft bereits im Preis inbegriffen. Es ist diese Kombination aus traditionellen Elementen und einer kühnen Experimentierfreude, die die schwedische Pizza so faszinierend macht.
Die Bananen-Curry-Pizza: Ein Phänomen des Geschmacks
Wenn man das erste Mal von einer Pizza mit Banane und Curry hört, mag man vielleicht entsetzt zurückweichen. Doch in Schweden ist diese Kombination so populär, dass sie auf den Speisekarten vieler Pizzerien unter den „gewöhnlichen“ oder „klassischen Pizzen“ zu finden ist. Sie ist ein Beweis dafür, dass süße und salzige Aromen auf einer Pizza hervorragend harmonieren können, besonders wenn eine rauchige Komponente hinzukommt.
Die Zubereitung ist erstaunlich einfach und basiert auf nur wenigen Zutaten: Ein dünner Pizzaboden wird mit einer Schicht Tomatensauce bestrichen. Darauf kommen dünn geschnittene, reife Bananenscheiben, die großzügig mit Currypulver bestreut werden – manche mögen es mild, andere bevorzugen zwei Esslöffel oder mehr pro Pizza, um die volle Geschmacksexplosion zu erleben. Der Käsebelag besteht traditionell aus einer Mischung, wobei etwa 20% geräucherter Käse und 80% anderer geriebener Käse (oft Mozzarella oder eine Mozzarella-Cheddar-Mischung) verwendet werden. Zu viel geräucherter Käse könnte den Geschmack überdecken.
Traditionell wird diese Pizza mit dünn geschnittenem, geräuchertem Schinken zubereitet, der in kleine Quadrate geschnitten wird. Für Vegetarier oder Veganer gibt es jedoch hervorragende Alternativen: Geräucherter Käse ist ein ausgezeichneter Ersatz für den Schinken, um das notwendige rauchige Aroma zu erzielen. Veganer können auf veganen Käse zurückgreifen und für den rauchigen Geschmack etwas geräuchertes Olivenöl in die Pizzasauce mischen. Das Ergebnis ist eine knusprige, aromatische Pizza, die die Geschmacksknospen mit ihrer einzigartigen Mischung aus Süße, Würze und Rauchigkeit verwöhnt.

Eine Reise durch Schwedens ungewöhnliche Pizzabeläge
Die Bananen-Curry-Pizza ist nur ein Beispiel für die Kreativität der schwedischen Pizzabäcker. Die Speisekarten sind voll von Kombinationen, die andernorts Stirnrunzeln hervorrufen würden, in Schweden aber geliebt werden. Hier sind einige weitere Beispiele, die die Vielfalt und den Mut der schwedischen Pizza-Kultur verdeutlichen:
- "Love You": Eine herzhafte Mischung aus Tomatensauce, Käse, Schweinefilet, Schinken, Pilzen, Speck, Garnelen und – überraschenderweise – Sauce Béarnaise. Eine wahre Geschmacksexplosion!
- "Kebabpizza": Ein absoluter Hit in Schweden. Sie besteht aus Tomatensauce, Käse, Kebabfleisch (das schwedische Äquivalent zu Schawarma), Eisbergsalat, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Pepperoni und einer joghurtbasierten, würzigen Kebab-Sauce. Die Sauce allein ist schon ein Grund, diese Pizza zu probieren.
- "Castello": Eine Käse-Extravaganz mit Ananas, Pilzen, Zwiebeln, Paprika, Pepperoni, Salami, Gorgonzola, Camembert und Feta-Käse. Eine wahre Käseparty auf dem Teig.
- "Mexico Special": Hier treffen schwedische Pizza-Tradition auf mexikanische Aromen. Beläge sind Tomatensauce, Käse, Hackfleisch, Speck, Knoblauch, Ei, Zwiebeln, Jalapeños und Taco-Gewürze.
Aber die Liste geht noch weiter. Man findet Pizzen mit Fleischbällchen (oft mit Béarnaise-Sauce), verschiedene Lachs-Pizzen (manchmal als „blonde Pizza“ ohne Tomatensauce, dafür mit Frischkäse als Basis und Rucola), oder Meeresfrüchte-Pizzen mit Muscheln, Garnelen und Thunfisch aus der Dose. Selbst Pommes Frites oder Erdnüsse sind keine Seltenheit als Belag. Diese Vielfalt spiegelt die Offenheit der schwedischen Küche wider, neue Einflüsse zu integrieren und altbewährte Gerichte neu zu interpretieren.
Kulturelle Einflüsse und die schwedische Pizza-Identität
Die Frage, warum die Schweden so experimentierfreudig sind, lässt sich nicht mit einem einzigen Grund beantworten. Ein Faktor könnte die relativ späte Ankunft der Pizza in Schweden sein. Als die Bananen 1906 in Schweden ankamen, wusste kaum jemand, was damit anzufangen war. Ähnlich verhielt es sich mit vielen exotischen Zutaten. Doch die schwedische Küche hat eine lange Tradition der Anpassung und Integration internationaler Einflüsse. Dies führte dazu, dass die Pizza nicht nur als ein italienisches Gericht übernommen, sondern als Leinwand für lokale Vorlieben und verfügbare Zutaten neu interpretiert wurde.
Im Gegensatz zur strengen neapolitanischen Pizza-Tradition, die auf wenige, hochwertige Zutaten setzt, hat sich in Schweden eine Pizza-Kultur entwickelt, die das „Alles-ist-möglich“-Prinzip zelebriert. Während italienische Pizzen oft einen knusprigen, luftigen Rand aufweisen, sind schwedische Pizzen in der Regel durchgehend dünn und knusprig, was sie zu einer idealen Basis für eine Vielzahl von Belägen macht. Auch wenn Pizzerien in Schweden klassische Pizzen wie Margherita, Capricciosa und Quattro Stagioni anbieten, sind deren Rezepte oft an den schwedischen Geschmack angepasst.
Pizzakultur in Schweden: Preise und beliebteste Sorten
Pizza ist in Schweden ein beliebtes Gericht für den Alltag und für besondere Anlässe. Der durchschnittliche Preis für eine Pizza liegt zwischen 60 und 70 schwedischen Kronen (ca. 6,50-8 US-Dollar), wobei in gehobeneren Restaurants oder italienischen Pizzerien die Preise auch bis zu 200 Kronen (ca. 22 US-Dollar) betragen können. Die Anzahl und Art der Beläge beeinflussen natürlich den Preis, wobei die Margherita oft die günstigste Option ist.

Zu den beliebtesten Pizzen, die von den Schweden am häufigsten bestellt werden, gehören:
- Vesuvio: Tomatensauce, Käse und Schinken – ein Kinderliebling.
- Kebabpizza: Tomatensauce, Käse, Kebabfleisch, Jalapeños, Zwiebeln, Eisbergsalat, Tomaten, Gurken und Kebab-Sauce. Diese Pizza ist sowohl in Schweden als auch in Finnland extrem populär (dort oft als Vöner-Pizza mit Seitan-Kebab erhältlich).
- Margherita: Die einfache Pizza mit Tomatensauce, Käse und Basilikum, auch wenn sie oft eine schwedische Note erhält.
- Hawaii: Schinken, Ananas und Käse – auch in Schweden ein Klassiker, der oft mit der Bananen-Curry-Pizza in einem Atemzug genannt wird, wenn es um "ungewöhnliche" Beläge geht.
- Capricciosa: Tomatensauce, Käse, Schinken und Pilze.
Diese Liste zeigt, dass neben den exotischen Kreationen auch traditionellere Geschmäcker ihren Platz haben, jedoch oft mit einem schwedischen Twist.
Die unverzichtbaren Beilagen: Krautsalat und Knoblauchsauce
Keine schwedische Pizza ist komplett ohne ihre Begleiter. Der Krautsalat, oft als Pizzasalat bezeichnet, ist ein fester Bestandteil des Essens. Er ist knackig, leicht säuerlich und bietet einen erfrischenden Kontrast zu den oft reichhaltigen Pizzabelägen. Er wird meist aus fein geriebenem Weißkohl, Essig, Öl und Gewürzen zubereitet und ist ein perfekter Gaumenreiniger.
Die Knoblauchsauce ist ebenso unverzichtbar. Sie ist cremig, würzig und wird großzügig über die Pizza geträufelt oder zum Dippen verwendet. Eine typische schwedische Knoblauchsauce lässt sich leicht selbst herstellen:
- 1/2 Tasse Mayonnaise
- 1/2 Tasse türkischer Joghurt
- 2 gepresste Knoblauchzehen
- 1/2 Teelöffel Zucker
- Eine Prise Salz und schwarzer Pfeffer
Diese beiden Beilagen sind nicht nur eine nette Ergänzung, sondern integraler Bestandteil des schwedischen Pizza-Erlebnisses und tragen maßgeblich zu seinem einzigartigen Charakter bei.
Pizza-Kulturen im Vergleich: Italien vs. Schweden
| Merkmal | Traditionelle italienische Pizza | Schwedische Pizza |
|---|---|---|
| Teig | Dünn, knusprig, oft mit charakteristischen Blasen ("cornicione") | Dünn, aber oft dicker als neapolitanisch; durchgehend knusprig |
| Sauce | Einfache, oft ungewürzte Tomatensauce | Oft stärker gewürzte Tomatensauce |
| Käse | Mozzarella (Fior di Latte, Büffelmozzarella) | Häufig Gräddost oder eine Mozzarella/Cheddar-Mischung |
| Typische Beläge | Margherita, Napoletana, Prosciutto e Funghi | Bananen-Curry, Kebab, Schinken, Pilze, Ananas, Hackfleisch |
| Beilagen | Selten separate Beilagen | Standardmäßig Krautsalat und Knoblauchsauce |
| Philosophie | Fokus auf einfache, hochwertige Zutaten, regionale Tradition | Offenheit für vielfältige, oft unkonventionelle Kombinationen und Fusionen |
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur schwedischen Pizza
- Ist Bananen-Curry-Pizza ein schwedischer Feiertag?
- Nein, die Bananen-Curry-Pizza ist kein schwedischer Feiertag. Sie ist lediglich ein sehr beliebtes und typisch schwedisches Gericht, das man jederzeit genießen kann.
- Welche Pizzen werden in Schweden mit Bananen belegt?
- Die bekannteste ist die Bananen-Curry-Pizza. Aber je nach Region findet man Bananen auch auf anderen Pizzen wie der Hawaiianischen, Indiana-Pizza oder Milano-Pizza.
- Gibt es so etwas wie Bananen-Pizza?
- Ja, absolut! In Schweden ist Banane ein überraschend häufiger Pizzabelag, oft in Kombination mit Curry.
- Was ist die "schwedische Pizza"?
- Grundsätzlich ist die schwedische Pizza alles, was die Schweden als lecker empfinden und auf einen dünnen, teigigen Boden legen. Sie zeichnet sich durch ihre Vielfalt an ungewöhnlichen Belägen und die typischen Beilagen wie Krautsalat und Knoblauchsauce aus.
- Was ist der beliebteste Pizzabelag in Schweden?
- Neben den individuellen Vorlieben ist Gräddost ein sehr häufiger Käsebelag, der die schwedische Pizza charakterisiert.
- Was sind die ungewöhnlichsten Pizzabeläge, die man probieren kann?
- In Schweden gehören die Bananen-Curry-Pizza und Pizzen mit Pommes Frites zu den ungewöhnlichsten. Global gesehen gibt es noch exotischere Varianten wie Rhabarber, Basilikum und Apfel-Honig-BBQ-Sauce, Calamari, Hühnchen Tikka Masala oder sogar Goldflocken.
- Wird Margherita-Pizza in Schweden belegt?
- Ja, Margherita ist auf den meisten Speisekarten zu finden, jedoch oft mit leicht abgewandelten Rezepten im Vergleich zum italienischen Original.
- Was essen Schweden sonst noch gerne?
- Die schwedische Küche ist bekannt für ihre Vielfalt. Dazu gehören Klassiker wie Lingonbeeren (Preiselbeeren) zu fast allem, eingelegter Hering, Knäckebrot mit verschiedenen Belägen, Räksmörgås (Garnelen-Sandwich), Erbsensuppe mit Pfannkuchen, Prinsesstårta (Prinzessinnentorte) und natürlich Krebsfeste.
- Was kommt auf eine Bananen-Pizza?
- Eine Bananen-Pizza besteht typischerweise aus Pizzaboden, Tomatensauce, reifen Bananenscheiben, Currypulver und geriebenem Käse (oft eine Mischung aus geräuchertem Käse und anderem Käse).
- Essen Schweden Kebab auf Pizza?
- Ja, die Kebabpizza ist in Schweden extrem populär und eine der am häufigsten bestellten Pizzen. Sie ist ein fester Bestandteil der schwedischen Pizza-Kultur.
- Wann kamen Bananen nach Schweden?
- Die ersten Bananen erreichten Schweden im Jahr 1906, was die relativ junge Geschichte dieses Frucht in der schwedischen Küche unterstreicht.
- In welchem Land ist Pizza am beliebtesten?
- Obwohl die Pizza in Italien erfunden wurde, ist sie heute weltweit populär. Italien selbst konsumiert täglich etwa 1 Million Pizzen, mit rund 63.000 Pizzerien.
- Ist Pizza in Schweden gut?
- Ja, die Pizzen in Schweden gelten als ausgezeichnet und sind eine verlässliche Option für Liebhaber dieses Gerichts.
- Was kostet eine Pizza in Schweden?
- Der Durchschnittspreis für eine Pizza in Schweden liegt bei 60-70 Kronen. In gehobeneren Restaurants kann der Preis bis zu 200 Kronen betragen.
Die schwedische Pizza ist weit mehr als nur ein Fast Food; sie ist ein Spiegelbild der schwedischen Offenheit für kulinarische Experimente und der Fähigkeit, globale Gerichte auf einzigartige Weise zu adaptieren. Egal ob man die süß-würzige Bananen-Curry-Pizza wagt oder sich für die herzhafte Kebabpizza entscheidet, ein Besuch in einer schwedischen Pizzeria ist immer ein Abenteuer für den Gaumen.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Schwedische Pizza: Mehr als nur Banane & Curry kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Pizza besuchen.
