23/09/2020
Die Pizza Margherita ist weit mehr als nur ein einfaches Gericht; sie ist eine Ikone, ein Symbol der italienischen Küche und ein weltweites Phänomen. Überall auf der Welt lieben Menschen diesen schlichten, aber unwiderstehlichen Teigfladen mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum. Doch wie entstand diese berühmteste aller Pizzen, und welche Geschichte verbirgt sich hinter ihrem königlichen Namen? Ihre Wurzeln reichen tief in die pulsierenden Gassen Neapels, wo die Pizza einst eine ganz andere Bedeutung hatte, als wir sie heute kennen.

- Die bescheidene Geburt einer Legende: Pizza als Armenspeise
- Eine königliche Begegnung, die alles veränderte: Die Pizza der Königin
- Margherita: Mehr als nur ein Gericht – Ein Symbol Neapels
- Der langsame Siegeszug einer Ikone: Von Neapel in die Welt
- Häufig gestellte Fragen zur Pizza Margherita
- Wurde die Pizza Margherita wirklich für die Königin erfunden?
- Warum sind die Farben der Pizza Margherita so bedeutungsvoll?
- Was ist das Besondere an den Zutaten der Pizza Margherita?
- Wo kann man den berühmten Dankesbrief heute noch sehen?
- Gab es Pizza schon vor dem Besuch der Königin in Neapel?
- Warum verbreitete sich die Pizza erst später außerhalb Neapels?
Die bescheidene Geburt einer Legende: Pizza als Armenspeise
Bevor die Pizza ihren königlichen Glanz erhielt, war sie in Neapel über Jahrhunderte hinweg vor allem ein Grundnahrungsmittel für die einfache Bevölkerung. Der französische Schriftsteller Alexandre Dumas beschrieb 1830 treffend, wie Pizzen „gerade im Winter eine vorherrschende Armenspeise“ darstellten. Sie war nahrhaft, sättigend und konnte mit den einfachsten Zutaten belegt werden, was sie zu einem idealen Gericht für die breite Masse machte.
Das Geschäft mit diesen würzig belegten Teigfladen war jedoch keineswegs einfach und lohnte sich nur in der Massenproduktion. Ein wesentlicher Grund dafür war der enorme Energiebedarf: Die traditionellen Steinöfen mussten konstant auf etwa 400 Grad Celsius gehalten werden. Dies erforderte große Mengen an Buchenholz, das nicht gerade billig war. Diese hohen Betriebskosten und die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Produktion sorgten dafür, dass die Pizza lange Zeit ein regionales Phänomen blieb und fast ausschließlich in ihrer Heimatstadt Neapel erhältlich war.
Eine königliche Begegnung, die alles veränderte: Die Pizza der Königin
Die bekannteste Legende um die Pizza Margherita rankt sich um einen Besuch der italienischen Königin Margherita von Savoyen in Neapel im Jahr 1889. Die Regentin hatte bereits viel von der neapolitanischen Spezialität gehört und äußerte den Wunsch, selbst eine Pizza zu probieren. Doch für eine Königin war es undenkbar, eine einfache Pizzeria, einen Ort des Volkes, aufzusuchen. Eine Lösung musste gefunden werden, die ihrem königlichen Status entsprach.
Die Wahl fiel auf den besten Pizzaiolo (Pizzabäcker) der Epoche: Raffaele Esposito, Inhaber der damals berühmten Pizzeria „Pietro…e basta così“. Er wurde in den Palazzo Reale di Capodimonte in Neapel gerufen, die königliche Residenz. Um den Wunsch der Königin zu erfüllen, wurde eigens für diesen Anlass ein spezieller Pizzaofen in der Residenz errichtet – ein Zeichen für die Bedeutung dieses kulinarischen Ereignisses.
Esposito bereitete für die Königin drei verschiedene Pizzen zu. Eine davon sollte jedoch eine besondere Bedeutung erlangen: Sie war mit Tomaten (rot), Mozzarella (weiß) und frischem Basilikum (grün) belegt. Diese Kombination spiegelte die Nationalfarben der italienischen Flagge wider und verlieh der Pizza eine patriotische Symbolik. Es war eine Hommage an das vereinte Italien und seine Monarchie.
Die Königin war von dieser speziellen Pizza so begeistert, dass sie Raffaele Esposito einen persönlichen Dankesbrief schrieb. Dieses Dokument, das die Anerkennung der Königin für Espositos Kreation bescheinigt, wurde zu einem entscheidenden Beweisstück in der Geschichte der Pizza Margherita. Der Brief kann noch heute in der Pizzeria Brandi (dem Nachfolger von „Pietro…e basta così“) in Neapel bewundert werden, was die historische Verbindung lebendig hält.
Es ist wichtig zu betonen, dass das Dokument zwar beweist, dass Esposito der Königin eine Pizza mit den heutigen Margherita-Zutaten überreichte, es aber kein Beleg für die Erfindung dieser speziellen Pizza ist. Varianten mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum existierten wahrscheinlich schon vorher. Doch durch die königliche Anerkennung und die Benennung nach Königin Margherita erlangte diese spezielle Variante schlagartig Berühmtheit bei Adeligen und im Volk. Plötzlich wollte jeder „die Pizza der Königin Margherita“ essen, und so wurde sie schließlich nach ihr benannt und zu dem weltbekannten Gericht, das wir heute kennen. Die „Washington Post“ schrieb bereits 1880, dass die Königin jeden Sommer in Neapel weilte, um „genauso zu essen wie die armen Leute hier“, was darauf hindeutet, dass sie mit der lokalen Küche bereits vertraut war.
Margherita: Mehr als nur ein Gericht – Ein Symbol Neapels
Die Pizza Margherita ist nicht nur die bekannteste Pizza der Welt, sondern in ihrer Heimat Neapel auch ein Synonym für „die Pizza“ schlechthin. Wenn man dort „eine Pizza“ bestellt, meint man fast immer die klassische Pizza mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum. Ihre Popularität verdankt sie nicht nur ihrer königlichen Geschichte, sondern auch der Perfektion ihrer Einfachheit.
Sie ist eine der drei ursprünglichen neapolitanischen Pizzasorten und überzeugt durch den köstlichen Geschmack ihrer wenigen, aber hochwertigen Zutaten. Die leicht säuerlichen Tomaten, der cremige Mozzarella und der aromatische Basilikum verschmelzen zu einem harmonischen Geschmackserlebnis, das leicht und zugleich tiefgründig ist. Ihre Schlichtheit ist ihre größte Stärke, da sie die Qualität jeder einzelnen Zutat in den Vordergrund rückt.

Die bekanntesten neapolitanischen Pizzen im Überblick
| Name der Pizza | Hauptzutaten | Besonderheit |
|---|---|---|
| Pizza Margherita | Tomaten, Mozzarella, Basilikum | Benannt nach Königin Margherita, Farben der italienischen Flagge. |
| Pizza Marinara | Tomaten, Knoblauch, Oregano, Olivenöl | Eine der ältesten Pizzen, ohne Käse, einfach und intensiv. |
| Pizza Margherita al filetto | Frische Tomaten, Mozzarella, Basilikum | Variante der Margherita mit frischen Tomatenscheiben anstelle von passierten Tomaten. |
Der langsame Siegeszug einer Ikone: Von Neapel in die Welt
Die Verbreitung der Pizza verlief in Italien selbst im 20. Jahrhundert rasant. Sie wurde schnell zu einem nationalen Gericht und etablierte sich in den Haushalten und Restaurants des Landes.
Im Rest der Welt vollzog sich dieser Siegeszug jedoch schleppender. Obwohl italienische Auswanderer die Pizza mit in die USA brachten, blieb sie dort zunächst ein Nischenprodukt, das hauptsächlich in italienischen Gemeinden konsumiert wurde. Auch in Deutschland dauerte es lange, bis die Pizza Fuß fasste. Ein Beispiel dafür ist die Präsentation einer Pizza Napolitana auf der Frankfurter Messe im Jahr 1937 durch den faschistischen Verband der Köche Italiens – ein Ereignis, das damals nahezu unbemerkt blieb und die spätere Popularität der Pizza in Deutschland kaum erahnen ließ. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und mit der zunehmenden Mobilität und dem kulturellen Austausch begann die Pizza, ihren Siegeszug um die Welt anzutreten und sich als globales Lieblingsgericht zu etablieren.
Häufig gestellte Fragen zur Pizza Margherita
Wurde die Pizza Margherita wirklich für die Königin erfunden?
Nein, die Pizza Margherita wurde nicht zwingend für die Königin erfunden. Es ist dokumentiert, dass der Pizzabäcker Raffaele Esposito der Königin Margherita im Jahr 1889 drei Pizzen lieferte, von denen eine mit den Zutaten Tomaten, Mozzarella und Basilikum belegt war. Diese Pizza wurde nach ihr benannt und dadurch populär, aber ähnliche Pizzen mit diesen Zutaten existierten in Neapel wahrscheinlich schon vorher.
Warum sind die Farben der Pizza Margherita so bedeutungsvoll?
Die Farben der Pizza Margherita – rote Tomaten, weißer Mozzarella und grüner Basilikum – repräsentieren die Farben der italienischen Nationalflagge. Diese bewusste Wahl der Zutaten durch Raffaele Esposito sollte eine patriotische Geste sein und die Königin ehren, was maßgeblich zu ihrer Beliebtheit beitrug.
Was ist das Besondere an den Zutaten der Pizza Margherita?
Das Besondere an der Pizza Margherita ist die Einfachheit und Qualität ihrer Zutaten. Sie besteht nur aus drei Hauptkomponenten: San Marzano-Tomaten, Fior di Latte oder Büffelmozzarella und frischem Basilikum. Diese wenigen, aber hochwertigen Zutaten ermöglichen es, dass jeder Geschmack klar hervortritt und sich zu einem harmonischen Ganzen verbindet. Ihre Leichtigkeit und ihr reiner Geschmack sind unübertroffen.
Wo kann man den berühmten Dankesbrief heute noch sehen?
Der Dankesbrief, den Königin Margherita von Savoyen an den Pizzabäcker Raffaele Esposito schrieb, ist noch heute in der Pizzeria Brandi in Neapel ausgestellt. Diese Pizzeria ist der Nachfolger von Espositos ursprünglichem Geschäft „Pietro…e basta così“ und bewahrt dieses wichtige historische Dokument als Zeugnis der Pizza-Geschichte.
Gab es Pizza schon vor dem Besuch der Königin in Neapel?
Ja, Pizza gab es in Neapel schon lange vor dem Besuch der Königin Margherita. Sie war bereits seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der neapolitanischen Küche, insbesondere als einfache und nahrhafte Speise für die ärmere Bevölkerung. Der Schriftsteller Alexandre Dumas erwähnte sie bereits 1830 als „Armenspeise“.
Warum verbreitete sich die Pizza erst später außerhalb Neapels?
Die Verbreitung der Pizza außerhalb Neapels erfolgte zunächst schleppend, hauptsächlich aufgrund der hohen Kosten und des Aufwands für die Zubereitung. Die Notwendigkeit, Steinöfen konstant auf sehr hohe Temperaturen zu halten und teures Buchenholz zu verwenden, machte die Pizza zu einem Produkt, das nur in Massenproduktion rentabel war. Erst mit der Auswanderung von Italienern und später mit der Globalisierung des Essens im 20. Jahrhundert begann die Pizza, sich weltweit zu verbreiten.
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