03/12/2013
Das Raclette-Gerät ist für viele der Inbegriff gemütlicher Abende in geselliger Runde. Das gemeinsame Brutzeln kleiner Köstlichkeiten in den Pfännchen, das Schmelzen von Käse und das Experimentieren mit verschiedenen Zutaten schafft eine einzigartige Atmosphäre. Doch in den letzten Jahren ist ein Trend aufgekommen: die Idee, das vielseitige Raclette auch für die Zubereitung von Mini-Pizzen zu nutzen. Die Verlockung ist groß – ein Gerät für alles! Aber hält diese Vorstellung der Realität stand? Wir haben uns ein solches Gerät genauer angesehen, das explizit mit der Möglichkeit beworben wird, auch Pizza zubereiten zu können, und teilen unsere Erfahrungen, um Ihnen einen umfassenden Einblick zu geben.

- Das Raclette-Gerät im Detail: Erste Eindrücke und Qualität
- Das klassische Raclette-Erlebnis: Ein voller Erfolg
- Der Pizza-Test: Ernüchterung statt Knusperglück
- Die Grillfläche: Praktisch, aber mit Geduld zu genießen
- Sicherheit und Handhabung: Ein wichtiger Hinweis
- Tipps zur Optimierung Ihres Raclette-Erlebnisses
- Alternativen für die perfekte Pizza zu Hause
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Raclette – Ein Meister seines Faches, aber kein Pizza-Ofen
Das Raclette-Gerät im Detail: Erste Eindrücke und Qualität
Die Ankunft eines neuen Raclette-Ofens ist immer ein aufregender Moment. Unser Modell kam gut verpackt an, was bereits einen positiven ersten Eindruck hinterließ und auf einen sorgfältigen Umgang des Herstellers mit seinem Produkt schließen lässt. Die beiliegende Beschreibung ist erfreulich detailliert und verständlich. Dies ist besonders wichtig, da eine gute Anleitung nicht nur die Inbetriebnahme erleichtert, sondern auch dabei hilft, das volle Potenzial des Geräts auszuschöpfen und mögliche Gefahrenquellen zu erkennen. Ein Aspekt, der sofort auffiel und besondere Vorsicht erfordert, sind die sogenannten „Bleche“ oder kleinen Pizzaschaufeln, die dem Gerät beiliegen. Sie sind an den Kanten recht scharfkantig. Hier ist definitiv Vorsicht geboten, um Schnittverletzungen zu vermeiden, insbesondere wenn Kinder mithelfen. Handschuhe oder ein vorsichtiger Umgang beim Reinigen und Bestücken sind ratsam. Abgesehen von dieser kleinen, aber wichtigen Anmerkung, zeigten sich die Raclette-Pfännchen selbst als robust und geräumig. Ihre Beschichtung wirkte widerstandsfähig, sodass man nicht sofort Angst um die Haltbarkeit haben muss – ein entscheidender Faktor für die Langlebigkeit und den alltäglichen Gebrauch eines Raclette-Geräts.
Das klassische Raclette-Erlebnis: Ein voller Erfolg
Wo das Gerät wirklich glänzt, ist in seiner Kernkompetenz: dem traditionellen Raclette. Für diesen Zweck ist es schlichtweg wunderbar geeignet. Die Pfännchen sind, wie bereits erwähnt, geräumig genug, um eine gute Auswahl an Zutaten aufzunehmen – sei es Kartoffeln, Gemüse, Pilze, Wurstwaren oder natürlich der geschmolzene Käse. Die Antihaftbeschichtung der Pfannen funktioniert hervorragend, sodass nichts kleben bleibt und die Reinigung zum Kinderspiel wird. Der Käse schmilzt gleichmäßig und blasenfrei, was für das authentische Raclette-Erlebnis unerlässlich ist. Es ist offensichtlich, dass der Hersteller bei der Entwicklung dieses Geräts den Fokus auf die Optimierung des traditionellen Raclette-Genusses gelegt hat. Die Hitzeentwicklung von oben ist ideal, um den Käse perfekt zu bräunen, ohne ihn zu verbrennen. Dies schafft die gewünschte goldbraune Kruste, die jeder Raclette-Liebhaber schätzt. Die Möglichkeit, verschiedene Zutaten gleichzeitig in den Pfännchen zuzubereiten, fördert die Kreativität und den gemeinsamen Spaß am Tisch. Ob vegetarisch, mit Fleisch oder Fisch – die Vielseitigkeit ist hier unbestreitbar.
Der Pizza-Test: Ernüchterung statt Knusperglück
Mit großer Vorfreude haben wir uns natürlich auch der Pizza-Funktion gewidmet, die uns beim Kauf so gereizt hat. Die Idee von kleinen, personalisierten Pizzen direkt am Tisch ist charmant. Leider folgte auf die anfängliche Begeisterung eine gewisse Ernüchterung. Das Problem liegt, wie sich herausstellte, in der Hitzeentwicklung von unten. Ein fundamentaler Aspekt einer guten Pizza ist ein knuspriger, goldbrauner Pizzaboden. Dies erfordert eine sehr hohe und gleichmäßige Unterhitze, die idealerweise von einem vorgeheizten Pizzastein oder einem speziellen Pizzaofen geliefert wird. Das Raclette-Gerät erreicht diese notwendige Bodentemperatur schlichtweg nicht. Was passiert, ist frustrierend: Während die Oberhitze ausreicht, um den Käse auf der Pizza schnell zu schmelzen und sogar dunkel werden zu lassen – oft bis zum Punkt des Verbrennens –, bleibt der Pizzaboden darunter blass, weich und ungenügend durchgebacken. Das Ergebnis ist eine enttäuschende, labbrige Mini-Pizza, die geschmacklich nicht überzeugen kann. Man steht vor der Wahl: Entweder ein verbrannter Käse mit rohem Boden oder ein nur leicht geschmolzener Käse mit immer noch weichem Boden. Für die perfekte Pizza mit knusprigem Rand und gut durchgebackenem Boden bleiben wir daher lieber bei unserem dedizierten Pizzaofen oder einem Backstahl im Holzofen. Diese Spezialgeräte sind darauf ausgelegt, die extrem hohen Temperaturen (bis zu 400-500°C) zu erzeugen und zu halten, die für eine authentische, schnell gebackene Pizza unerlässlich sind.
Warum die Unterhitze so entscheidend ist für Pizza
Um zu verstehen, warum das Raclette-Gerät für Pizza nicht optimal ist, muss man die Physik des Pizzabackens verstehen. Ein traditioneller Pizzaofen oder ein Backstahl speichert enorme Mengen an Wärme. Wenn der Teig darauf platziert wird, wird diese gespeicherte Hitze sofort auf den Boden übertragen, wodurch die Kruste schnell aufgeht und knusprig wird. Gleichzeitig gart die Oberhitze den Belag und den Käse. Bei einem Raclette-Gerät fehlt diese intensive, sofortige Hitzeübertragung von unten. Die Heizspirale befindet sich in der Regel über den Pfännchen und die darunterliegende Platte erreicht nicht die notwendigen Temperaturen, um den Teig schnell zu garen. Der Teig wird quasi nur „aufgewärmt“ und nicht „gebacken“.
Die Grillfläche: Praktisch, aber mit Geduld zu genießen
Neben den Pfännchen und der vermeintlichen Pizzafunktion verfügen viele Raclette-Geräte, so auch unseres, über eine obere Grillfläche. Diese ist in der Tat recht praktisch und erweitert die kulinarischen Möglichkeiten des Geräts erheblich. Man kann darauf kleine Fleischstücke, Würstchen, Gemüsescheiben oder auch Spiegeleier zubereiten. Allerdings sollte man auch hier eine gewisse Geduld mitbringen. Unsere Erfahrung zeigte, dass die Grillfläche erst nach etwa 30 bis 40 Minuten Betrieb wirklich heiß genug war, um Speisen effektiv zu grillen. Das bedeutet, man kann nicht sofort loslegen, sobald das Gerät eingeschaltet ist. Es erfordert eine längere Vorheizphase, bevor man die gewünschten Bratergebnisse erzielt. Dies ist wichtig zu wissen, um Enttäuschungen zu vermeiden und die Mahlzeit entsprechend zu planen. Ist die Fläche jedoch einmal auf Temperatur, erfüllt sie ihren Zweck gut und liefert schöne Grillstreifen und ein angenehmes Aroma.
Sicherheit und Handhabung: Ein wichtiger Hinweis
Die bereits erwähnten scharfkantigen Bleche sind ein Punkt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte. Sie erfordern beim Umgang besondere Sicherheit. Beim Herausnehmen der kleinen Pizzen oder beim Reinigen ist Vorsicht geboten. Es empfiehlt sich, Küchenhandschuhe zu tragen oder sehr umsichtig zu sein, um Verletzungen zu vermeiden. Abgesehen davon ist das Gerät in seiner Handhabung unkompliziert. Die Pfännchen lassen sich leicht einsetzen und entnehmen, und die Antihaftbeschichtung erleichtert die Reinigung erheblich. Ein feuchtes Tuch und etwas Spülmittel genügen meist, um Rückstände zu entfernen.
Tipps zur Optimierung Ihres Raclette-Erlebnisses
Auch wenn die Pizza-Funktion nicht überzeugt, ist das Raclette-Gerät für seinen eigentlichen Zweck hervorragend. Hier sind einige Tipps zur Optimierung Ihres nächsten Raclette-Abends:
- Vorbereitung ist alles: Schneiden Sie alle Zutaten (Fleisch, Gemüse, Obst, Käse) vorab in mundgerechte Stücke. Je kleiner die Stücke, desto schneller garen sie in den Pfännchen.
- Käsevielfalt: Probieren Sie verschiedene Käsesorten aus – nicht nur den klassischen Raclette-Käse. Auch Emmentaler, Gouda, Camembert oder sogar Ziegenkäse schmecken hervorragend geschmolzen.
- Marinaden: Marinieren Sie Fleisch oder Tofu vorab, um zusätzliche Aromen zu schaffen.
- Saucen und Dips: Stellen Sie eine Auswahl an Saucen und Dips bereit, wie Kräuterquark, Knoblauchsoße oder Chutneys, um die geschmolzenen Köstlichkeiten zu verfeinern.
- Beilagen: Pellkartoffeln, Brot, Mixed Pickles und kleine Salate sind klassische und passende Beilagen.
- Regelmäßige Reinigung: Wischen Sie die Grillplatte zwischendurch mit Küchenpapier ab, um Anbrennen zu verhindern und Rauchbildung zu reduzieren.
Alternativen für die perfekte Pizza zu Hause
Wenn Sie von der Idee der selbstgemachten Pizza nicht lassen können (und wer kann das schon?), dann investieren Sie lieber in spezielle Ausrüstung, die für diesen Zweck konzipiert wurde:
- Dedizierter Pizzaofen: Es gibt kompakte Elektro-Pizzaöfen für den Haushalt, die Temperaturen von bis zu 400°C oder mehr erreichen. Diese backen eine Pizza in wenigen Minuten knusprig durch.
- Pizzastein oder Backstahl: Für den normalen Backofen sind Pizzasteine aus Keramik oder Backstähle aus Stahl eine hervorragende Investition. Sie speichern viel Wärme und geben sie schnell an den Pizzaboden ab, was zu einem knusprigen Ergebnis führt. Den Ofen und den Stein/Stahl dabei auf höchste Temperatur vorheizen.
- Holzofen: Wer den Platz und die Möglichkeit hat, ein echter Holzofen ist natürlich die ultimative Lösung für authentische neapolitanische Pizza.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich mit jedem Raclette-Gerät Pizza machen?
Nein, nicht jedes Raclette-Gerät ist für Pizza konzipiert. Die meisten Modelle mit Pizzafunktion verfügen über eine spezielle, oft gewölbte Platte und manchmal höhere Heizleistungen. Wie unsere Erfahrung zeigt, bedeutet die Angabe der Pizzafunktion jedoch nicht zwangsläufig ein zufriedenstellendes Ergebnis.
Warum wird der Pizzaboden im Raclette nicht knusprig?
Der Hauptgrund ist die unzureichende Unterhitze. Raclette-Geräte sind primär darauf ausgelegt, Käse zu schmelzen und Speisen von oben zu garen. Für einen knusprigen Pizzaboden ist eine sehr hohe, direkte Hitze von unten notwendig, die die meisten Raclette-Geräte nicht liefern können.
Wie lange dauert es, bis die Grillfläche des Raclette-Geräts heiß ist?
Bei unserem getesteten Modell dauerte es etwa 30 bis 40 Minuten, bis die Grillfläche ausreichend heiß war, um effektiv zu grillen. Planen Sie diese Vorheizzeit unbedingt ein.
Sind die Raclette-Pfännchen spülmaschinenfest?
Dies hängt vom Hersteller und der Beschichtung ab. Viele moderne Antihaft-Pfännchen sind spülmaschinenfest, aber Handwäsche ist oft schonender und verlängert die Lebensdauer der Beschichtung. Prüfen Sie immer die Herstellerangaben.
Gibt es spezielle Teige für Raclette-Pizza?
Manche Hersteller empfehlen dünne Teige, die schneller garen. Es gibt auch fertige Mini-Pizzaböden, die speziell für Raclette-Geräte beworben werden. Sie können das Ergebnis leicht verbessern, aber das grundlegende Problem der Unterhitze bleibt bestehen.
Fazit: Raclette – Ein Meister seines Faches, aber kein Pizza-Ofen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unser neues Raclette-Gerät ein hervorragender Begleiter für gesellige Abende ist, bei denen traditionelles Raclette im Mittelpunkt steht. Die Qualität der Pfännchen, die einfache Handhabung und die Vielseitigkeit für klassische Raclette-Zutaten überzeugen auf ganzer Linie. Auch die obere Grillfläche ist eine willkommene Ergänzung, sofern man die längere Aufheizzeit berücksichtigt. Der Wunsch, das Gerät auch für die Zubereitung von Pizza zu nutzen, hat sich jedoch als wenig praktikabel erwiesen. Die unzureichende Unterhitze führt zu einem enttäuschenden Pizzaboden, der dem Anspruch an eine knusprige Pizza nicht gerecht wird. Wer also Wert auf eine authentische, perfekt gebackene Pizza legt, sollte weiterhin auf spezialisierte Geräte wie einen Pizzaofen oder einen Pizzastein setzen. Das Raclette-Gerät ist ein Meister seines Faches – nämlich des Raclettes – und sollte für genau diesen Zweck geschätzt werden, ohne ihm Funktionen abverlangen zu wollen, für die es schlichtweg nicht konzipiert ist.
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