16/04/2014
Die Frage nach der "besten" italienischen Pizza ist so alt wie die Pizza selbst und oft so hitzig diskutiert wie ein Fußballspiel in Neapel. Was für den einen knusprig und dünn sein muss, ist für den anderen nur dann perfekt, wenn der Rand hoch und luftig, fast schon verbrannt, aus dem Holzofen kommt. Es ist eine zutiefst persönliche Angelegenheit, die von regionalen Traditionen, persönlichen Vorlieben und der Qualität der Zutaten abhängt. Doch jenseits des individuellen Geschmacks gibt es unbestreitbare Merkmale, die eine authentische italienische Pizza auszeichnen und sie von einer bloßen Teigscheibe mit Belag abheben.

- Die Wiege der Pizza: Neapel und die Pizza Napoletana
- Pizza Romana: Die knusprige Alternative
- Regionale Spezialitäten: Vielfalt jenseits der Klassiker
- Die Rolle der Zutaten: Das Geheimnis des Geschmacks
- Pizza Napoletana vs. Pizza Romana: Ein direkter Vergleich
- Die Suche nach der "Besten": Subjektivität und Authentizität
- Häufig gestellte Fragen zur italienischen Pizza
Die Wiege der Pizza: Neapel und die Pizza Napoletana
Wenn man über italienische Pizza spricht, kommt man an Neapel nicht vorbei. Hier, in den engen Gassen dieser geschichtsträchtigen Stadt, wurde die Pizza, wie wir sie heute kennen, geboren. Die Pizza Napoletana ist nicht nur ein Gericht, sondern ein kulturelles Erbe, das von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt wurde. Sie unterliegt strengen Regeln, die in der Spezifikation der "Associazione Verace Pizza Napoletana" (AVPN) und der "Traditionell Garantierten Spezialität" (S.T.G.) festgeschrieben sind.
Merkmale der Pizza Napoletana:
- Teig: Hergestellt aus Weichweizenmehl (Typ 00 oder 0), Wasser, Salz und Hefe. Lange Gärzeiten (mindestens 8 Stunden) sind entscheidend für die Bekömmlichkeit und den Geschmack.
- Belag: Klassischerweise nur zwei Varianten:
- Pizza Margherita: San Marzano Tomaten (oder Pomodorino del Piennolo del Vesuvio D.O.P.), Mozzarella di Bufala Campana D.O.P. oder Fior di Latte, frisches Basilikum, Olivenöl extra vergine, Salz. Die Farben repräsentieren die italienische Flagge.
- Pizza Marinara: San Marzano Tomaten, Knoblauch, Oregano, Olivenöl extra vergine, Salz.
- Backen: Ausschließlich in einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen (ca. 485°C) für 60-90 Sekunden. Der Teigballen wird von Hand geformt, ohne Nudelholz.
- Ergebnis: Ein weicher, elastischer Teig mit einem hohen, luftigen, leicht verbrannten Rand (dem "Cornicione") und einer feuchten, dünnen Mitte. Sie ist leicht zu falten und mit den Händen zu essen.
Pizza Romana: Die knusprige Alternative
Abseits von Neapels strengen Regeln hat sich in Rom eine andere Pizzatradition etabliert: die Pizza Romana. Sie unterscheidet sich deutlich von ihrer neapolitanischen Cousine und spricht all jene an, die eine knusprigere Textur bevorzugen.
Merkmale der Pizza Romana:
- Teig: Oft mit etwas Olivenöl im Teig, was zu einer festeren und knusprigeren Konsistenz führt. Der Teig wird dünner ausgerollt, manchmal sogar mit einem Nudelholz.
- Backen: Bei etwas niedrigeren Temperaturen und länger als die neapolitanische Pizza, was die Knusprigkeit fördert.
- Ergebnis: Ein sehr dünner, flacher Boden, der bis zum Rand knusprig ist. Der Rand ist kaum ausgeprägt.
- Variationen: Innerhalb Roms gibt es die "Pizza Tonda" (runde Pizza, wie man sie im Restaurant isst) und die "Pizza al Taglio" (Blechpizza, die nach Gewicht verkauft und oft als Snack auf die Hand gegessen wird). Letztere ist oft dicker und luftiger als die Tonda, aber immer noch knuspriger als eine Napoletana.
Regionale Spezialitäten: Vielfalt jenseits der Klassiker
Italien ist ein Land der regionalen Küchen, und das gilt auch für die Pizza. Neben Neapel und Rom gibt es viele weitere lokale Varianten, die es zu entdecken lohnt:
- Pizza Siciliana (Sfincione): Eine Art dicke Focaccia, oft mit Tomatensauce, Zwiebeln, Sardellen, Semmelbröseln und Caciocavallo-Käse belegt. Sie ist weich und luftig, eher ein Brot als eine typische Pizza.
- Pizza Genovese (Focaccia): Obwohl streng genommen keine Pizza, ist die ligurische Focaccia eine wichtige Vorform und wird oft ähnlich belegt. Sie ist dick, luftig und mit Olivenöl und grobem Salz verziert, manchmal auch mit Zwiebeln oder Rosmarin.
- Pizza Pugliese: Aus Apulien, oft mit dickerem Teig und reichlich Tomaten und Zwiebeln belegt.
Die Rolle der Zutaten: Das Geheimnis des Geschmacks
Unabhängig von der regionalen Variante ist die Qualität der Zutaten entscheidend für eine "beste" italienische Pizza. Man kann den besten Teig der Welt haben, aber ohne erstklassige Komponenten wird das Ergebnis nie wirklich überzeugen.
- Mehl: Typ "00" Weichweizenmehl ist Standard für die meisten italienischen Pizzen, da es einen niedrigen Proteingehalt hat und zu einem weichen, elastischen Teig führt.
- Tomaten: San Marzano Tomaten aus der Region Kampanien sind der Goldstandard. Sie sind süß, fleischig und haben wenig Säure. Alternativ werden auch andere D.O.P.-zertifizierte Tomaten verwendet.
- Käse: Frischkäse ist das A und O. Mozzarella di Bufala Campana D.O.P. (aus Büffelmilch) für die Napoletana oder Fior di Latte (aus Kuhmilch) sind ideal. Sie schmelzen gut und geben Feuchtigkeit ab, ohne zu viel Öl zu verlieren.
- Olivenöl: Ein hochwertiges Olivenöl extra vergine ist nicht nur zum Beträufeln nach dem Backen wichtig, sondern oft auch im Teig oder in der Sauce.
- Basilikum: Frische Blätter, oft erst nach dem Backen hinzugefügt, um ihr Aroma zu bewahren.
Pizza Napoletana vs. Pizza Romana: Ein direkter Vergleich
Um die Unterschiede zwischen den beiden Haupttypen besser zu verstehen, hier eine vergleichende Tabelle:
| Merkmal | Pizza Napoletana | Pizza Romana |
|---|---|---|
| Ursprung | Neapel | Rom |
| Teig | Weich, elastisch, hoher, luftiger Rand (Cornicione) | Dünn, knusprig, flacher Rand |
| Mehl | Typ 00 (Weichweizen) | Typ 00 (Weichweizen), manchmal mit etwas Olivenöl im Teig |
| Backzeit/-temperatur | 60-90 Sekunden bei ~485°C (Holzofen) | Länger bei etwas niedrigeren Temperaturen |
| Form | Rund, unregelmäßig geformt, von Hand geformt | Rund (Tonda) oder rechteckig (al Taglio), oft mit Nudelholz |
| Belag | Klassisch Margherita/Marinara, minimal | Vielfältiger, oft reichhaltiger |
| Essgefühl | Weich, faltbar, saftig | Knusprig, fest |
Die Suche nach der "Besten": Subjektivität und Authentizität
Am Ende des Tages ist die "beste" italienische Pizza die, die Ihnen am besten schmeckt. Es gibt keine objektive Wahrheit, aber es gibt Kriterien für Authentizität und Qualität. Eine gute Pizza muss nicht nur gut schmecken, sondern auch gut verarbeitet sein und hochwertige Zutaten verwenden. Achten Sie auf:
- Den Teig: Er sollte leicht verdaulich sein, was auf eine lange Gärzeit hindeutet. Er darf nicht wie Kaugummi sein oder schwer im Magen liegen.
- Die Tomatensauce: Frisch, nicht zu sauer, nicht zu süß. Sie sollte die Tomate in den Vordergrund stellen.
- Den Käse: Er sollte gut geschmolzen, aber nicht verbrannt sein und Fäden ziehen.
- Die Backweise: Ein Holzofen ist ein gutes Zeichen, aber auch ein sehr guter Elektroofen kann hervorragende Ergebnisse liefern. Wichtig ist die hohe Temperatur und die kurze Backzeit.
- Einfachheit: Die besten Pizzen sind oft die einfachsten. Weniger ist oft mehr.
Häufig gestellte Fragen zur italienischen Pizza
Ist Ananas auf Pizza italienisch?
Absolut nicht! In Italien ist Ananas auf Pizza ein Sakrileg und wird in traditionellen Pizzerien nicht angeboten. Die italienische Pizzakultur legt Wert auf die Harmonie und Qualität weniger, aber dafür erstklassiger Zutaten.
Was ist der Unterschied zwischen Pizza Napoletana und Pizza Romana?
Der Hauptunterschied liegt im Teig und der Textur. Die Pizza Napoletana ist weich, elastisch und hat einen hohen, luftigen Rand (Cornicione), gebacken bei sehr hohen Temperaturen für sehr kurze Zeit. Die Pizza Romana hingegen ist dünner, knuspriger und hat einen flachen Rand, gebacken bei etwas niedrigeren Temperaturen für längere Zeit.
Welche Beläge sind in Italien am beliebtesten?
Die beliebtesten Beläge sind die Klassiker: Margherita (Tomate, Mozzarella, Basilikum) und Marinara (Tomate, Knoblauch, Oregano). Weitere beliebte Optionen sind Prosciutto e Funghi (Schinken und Pilze), Quattro Stagioni (Vier Jahreszeiten), Diavola (scharfe Salami) und Capricciosa (Artischocken, Pilze, Oliven, gekochter Schinken).
Kann ich authentische italienische Pizza zu Hause backen?
Es ist eine Herausforderung, da die hohen Temperaturen eines professionellen Ofens zu Hause kaum erreicht werden können. Mit einem Pizzastein oder Stahl im Backofen, hochwertigen Zutaten und einer langen Teigführung können Sie jedoch sehr gute Ergebnisse erzielen, die der authentischen Pizza nahekommen.
Was bedeuten D.O.P. und S.T.G. im Zusammenhang mit Pizza?
- D.O.P. (Denominazione d'Origine Protetta): Geschützte Ursprungsbezeichnung. Dieses Siegel garantiert, dass ein Produkt (wie San Marzano Tomaten oder Mozzarella di Bufala Campana) aus einer bestimmten Region stammt und nach traditionellen Methoden hergestellt wurde.
- S.T.G. (Specialità Tradizionale Garantita): Garantiert traditionelle Spezialität. Dieses Siegel schützt die traditionelle Rezeptur und Herstellungsweise eines Produkts, unabhängig von seiner geografischen Herkunft. Die Pizza Napoletana ist eine S.T.G.
Die Suche nach der "besten" italienischen Pizza ist eine Reise, keine Destination. Sie führt durch Regionen, über Geschmäcker und durch die Geschichte. Ob Sie nun die weiche Umarmung einer Napoletana bevorzugen oder die knusprige Umarmung einer Romana – die italienische Pizza ist immer ein Fest für die Sinne, ein Stück kulinarisches Erbe, das weltweit geliebt wird.
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