28/01/2013
Haben Sie jemals ein Gericht probiert, das Ihnen so vertraut war, dass Sie dachten, es sei überall bekannt, nur um dann festzustellen, dass es eine regionale Spezialität ist? Genau dieses Aha-Erlebnis haben viele Amerikaner, wenn es um die sogenannte "Tomato Pie" geht. Während Pizza weltweit ein Begriff ist, bleibt die Tomato Pie oft ein gut gehütetes Geheimnis, das hauptsächlich in der Tri-State Area der USA – speziell in und um Philadelphia, New Jersey und New York – zelebriert wird. Es ist ein Gericht, das Erinnerungen weckt, nach Sommer schmeckt und oft kalt oder bei Zimmertemperatur genossen wird. Vergessen Sie alles, was Sie über traditionelle Pizza wissen, denn die Tomato Pie ist eine ganz eigene kulinarische Kategorie, die es verdient, entdeckt zu werden.

Was ist eine "Tomato Pie"?
Auf den ersten Blick könnte man die Tomato Pie für eine Art Pizza halten, doch sie unterscheidet sich in einigen entscheidenden Merkmalen. Im Kern ist die Tomato Pie ein herzhafter Kuchen oder eine Art Blechpizza mit einer dicken, oft zarten Kruste, einer großzügigen Schicht reichhaltiger Tomatensauce und – hier kommt der Clou – typischerweise ohne den klassischen geschmolzenen Mozzarella-Käse, den man von einer herkömmlichen Pizza kennt. Stattdessen wird sie nach dem Backen oft mit einer leichten Bestäubung von geriebenem Parmigiano-Reggiano oder Locatelli-Käse verfeinert.
Es gibt jedoch verschiedene Interpretationen des Begriffs "Tomato Pie". Die hier hauptsächlich beleuchtete Version ist die "Philly-Style" oder sizilianische Tomato Pie, die einer tiefen Blechpizza ähnelt. Sie zeichnet sich durch ihre dicke, luftige oder auch Focaccia-ähnliche Kruste und eine kräftige, oft leicht süßliche Tomatensauce aus. Im Gegensatz dazu gibt es auch eine "traditionelle Tomato Pie", die eher einem Kuchen ähnelt, mit einem Mürbeteigboden, frischen Tomatenscheiben und oft Mozzarella-Käse obenauf. Diese Unterscheidung ist wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden, da unser Fokus auf der einzigartigen "Blechpizza"-Variante liegt, die im Nordosten der USA so geschätzt wird.
Ein kulinarischer Schatz der Tri-State Area
Für viele Bewohner der genannten Region ist die Tomato Pie ein fester Bestandteil ihrer Kindheit und Sommererinnerungen. Sie ist das perfekte Gericht für zwanglose Zusammenkünfte, Poolpartys oder einfach nur, um sie als schnellen Snack zu genießen. Der Charme liegt nicht nur in ihrem Geschmack, sondern auch in ihrer Praktikabilität: Sie schmeckt am besten, wenn sie kalt oder bei Zimmertemperatur serviert wird. Dies macht sie zu einem idealen Mitbringsel für Picknicks oder Partys, da kein Aufwärmen erforderlich ist.
Die Einfachheit der Zutaten – Teig, Tomatensauce, Olivenöl, Salz, Pfeffer und etwas geriebener Käse – täuscht über die Tiefe des Geschmacks hinweg. Es ist die Kombination aus der perfekt gebackenen Kruste, die innen zart und außen leicht knusprig ist, und der langsam gekochten, geschmackvollen Tomatensauce, die dieses Gericht so besonders macht. Für diejenigen, die außerhalb dieser Region aufgewachsen sind, mag die Vorstellung einer "Pizza ohne Käse" ungewohnt erscheinen, doch die Tomato Pie beweist eindrucksvoll, dass weniger manchmal mehr ist.

Die Kunst der "Philly-Style Tomato Pie"
Die Zubereitung einer authentischen Philly-Style Tomato Pie ist überraschend einfach, erfordert aber etwas Geduld, insbesondere bei der Teigzubereitung. Das Geheimnis liegt in der Vorbereitung und dem richtigen Timing.
Die Kruste: Basis des Genusses
Die Kruste ist das Herzstück der Tomato Pie und kann je nach Vorliebe variieren. Einige bevorzugen eine fluffigere, brotartige Basis, während andere eine zähere, Focaccia-ähnliche Kruste schätzen. Die Wahl des Teigs beeinflusst maßgeblich das Endergebnis.
- Zutaten für den Teig: Aktive Trockenhefe, warmes Wasser (ca. 43-46°C), Zucker, Allzweckmehl, koscheres Salz, Olivenöl.
- Zubereitung:
- Hefe und warmes Wasser in einer Schüssel mischen und ca. 5 Minuten stehen lassen, bis es schaumig wird.
- Zucker, Salz und Olivenöl hinzufügen.
- Nach und nach das Mehl einarbeiten und zu einem glatten, elastischen Teig kneten (ideal mit einer Küchenmaschine und Knethaken).
- Den Teig in einer geölten Schüssel zugedeckt an einem warmen Ort 1-2 Stunden gehen lassen, bis er sich etwa verdoppelt hat.
- Ein großes Backblech (ca. 33 x 46 cm) großzügig mit Olivenöl einfetten.
- Den Teig auf das Blech legen und mit den Fingern bis zu den Rändern und Ecken des Blechs ausbreiten. Sollte der Teig schrumpfen, 10-15 Minuten ruhen lassen und erneut versuchen.
- Das Blech mit Folie oder einem sauberen Küchentuch abdecken und den Teig 30 Minuten bis 2 Stunden ruhen (gehen) lassen. Je länger der Teig ruht, desto fluffiger wird die Kruste.
Die unwiderstehliche Sauce
Die Sauce ist der Star der Show und sollte während der Gehzeit des Teigs zubereitet werden. Eine gute Tomatensauce für die Tomato Pie ist reichhaltig, leicht süßlich und hat eine schöne Säure, die die Aromen perfekt ausbalanciert.
- Zutaten für die Sauce: Roma-Tomaten (frisch), Olivenöl, Tomatenpüree, Tomatenmark, frischer Knoblauch (fein gehackt), Zucker, Balsamico-Essig, getrockneter Basilikum, getrockneter Oregano, Salz und Pfeffer.
- Zubereitung:
- Den Backofen auf 175°C vorheizen. Roma-Tomaten halbieren, mit Salz, Pfeffer und Olivenöl beträufeln und ca. 45 Minuten rösten. Dies intensiviert den Tomatengeschmack erheblich.
- Während die Tomaten rösten, die restlichen Saucenzutaten (außer den gerösteten Tomaten) in einem großen Topf vermischen und ca. 30 Minuten köcheln lassen.
- Die gerösteten Tomaten kurz in einem Mixer pürieren, bis eine stückige Konsistenz entsteht.
- Die pürierten Tomaten zur Sauce in den Topf geben und weiter köcheln lassen, bis der Großteil des Wassers verdampft ist und die Sauce sehr dick ist. Dies kann eine Weile dauern, ist aber entscheidend für die Textur der Pie.
- Die Sauce beiseitestellen und abkühlen lassen, bis sie auf dem Teig verwendet wird.
Backen und Veredeln
Der letzte Schritt ist das Backen, das die einzelnen Komponenten zu einem harmonischen Ganzen verschmilzt.

- Den Ofen auf 260°C vorheizen und ein Rost in der mittleren Position platzieren.
- Wenn der Teig fertig geruht hat, mit den Fingern kleine Vertiefungen eindrücken, um die Bildung großer Blasen während des Backens zu verhindern.
- Die vorbereitete Tomatensauce gleichmäßig auf dem Teig verteilen, dabei einen 0,5 bis 1 cm breiten Rand freilassen.
- Die Tomato Pie für ca. 15 Minuten backen, dabei die Hälfte der Backzeit das Blech drehen, bis der Boden gleichmäßig gebräunt ist. Mit einem Spatel kann der Boden auf Bräunung überprüft werden.
- Die Pie aus dem Ofen nehmen und ca. 5 Minuten abkühlen lassen.
- Mit einigen Prisen Salz und frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer würzen. Nach Belieben etwas Olivenöl darüber träufeln.
- Zum Schluss großzügig mit fein geriebenem Parmigiano-Reggiano bestäuben.
- In Quadrate schneiden und warm oder bei Zimmertemperatur servieren. Das Abkühlen ist wichtig, damit Kruste und Sauce etwas fester werden.
Tomato Pie vs. Pizza: Der große Unterschied
Obwohl die Tomato Pie oft als "Pizza ohne Käse" bezeichnet wird, ist sie weit mehr als das. Die Unterschiede sind grundlegend und machen jedes Gericht zu einem einzigartigen Erlebnis. Hier ist eine vergleichende Übersicht:
| Merkmal | Tomato Pie (Philly-Style) | Klassische Pizza |
|---|---|---|
| Kruste | Sehr dick, oft brotartig oder Focaccia-ähnlich, zart und luftig. Manchmal wird sie vor dem Belegen blindgebacken. | Dünner bis mittel, knusprig, oft mit einem luftigen Rand (Cornicione). |
| Käse | Typischerweise kein Mozzarella. Nach dem Backen leicht mit geriebenem Hartkäse (Parmigiano-Reggiano, Locatelli) bestäubt. | Großzügig mit Mozzarella (oft Fior di Latte oder Büffelmozzarella) belegt, der während des Backens schmilzt. |
| Sauce | Sehr reichhaltig, dick, oft leicht süßlich und kräftig im Geschmack. Kann eine Mischung aus pürierten und gerösteten Tomaten sein. | Leichtere, oft ungekochte Tomatensauce (San Marzano Tomaten), die frisch schmeckt. |
| Belag | Primär nur Tomatensauce und Käsebestäubung. | Vielfältige Beläge wie Fleisch, Gemüse, Pilze, Oliven etc. |
| Serviertemperatur | Ideal kalt oder bei Zimmertemperatur. | Heiß direkt aus dem Ofen. |
| Herkunft / Art | Regionale Spezialität der US-amerikanischen Tri-State Area, oft als "sizilianische Pizza" bezeichnet. | Ursprünglich aus Italien (Neapel), weltweit verbreitet und in vielen regionalen Varianten. |
| Verwendung | Oft als Snack, für Partys, Picknicks; eine Art "kalte Pizza". | Hauptmahlzeit, oft direkt als Einzelportion serviert. |
Es ist auch wichtig, die "Crostata di Pomodori" zu erwähnen, die ebenfalls als italienische Tomatenpastete bekannt ist. Diese ist eine herzhafte Tarte mit einem blättrigen, buttrigen Mürbeteig, belegt mit Tomatenscheiben und einer cremigen Käsefüllung (oft mit Ricotta oder anderen Käsesorten und Eiern). Sie wird in Italien als Antipasto (Vorspeise) serviert und unterscheidet sich stark von der amerikanischen Tomato Pie, sowohl in der Kruste als auch in der Füllung und der Art des Käses. Die Vielfalt der "Tomatenkuchen" ist faszinierend!
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was macht meine Tomato Pie matschig?
Ein häufiges Problem ist eine matschige Kruste. Dies liegt oft an zu viel Feuchtigkeit in den Tomaten. Tomaten enthalten viel Saft. Es ist entscheidend, frische Tomatenscheiben (falls verwendet) oder die gerösteten Tomaten für die Sauce vor der Verwendung gut mit Küchenpapier trockenzutupfen. Auch das Überladen mit zu vielen Belägen kann zu einer matschigen Pie führen. Bei der Philly-Style Tomato Pie hilft das Vorkochen der Sauce, um überschüssige Flüssigkeit zu reduzieren.
Kann ich andere Tomaten für die Sauce verwenden?
Ja, Sie können verschiedene Tomatensorten verwenden. Für die Sauce sind Roma-Tomaten, passierte Tomaten und Tomatenmark eine hervorragende Basis, da sie eine gute Konsistenz und intensiven Geschmack bieten. Wenn Sie frische Tomatenscheiben auf einer traditionellen Tomato Pie verwenden, wählen Sie reife, fleischige Tomaten. Kirschtomaten können halbiert werden, während größere Tomaten in Scheiben geschnitten werden sollten. Wichtig ist, dass die Tomaten reif sind, um den besten Geschmack und die beste Textur zu erzielen.
Kann ich die Tomato Pie einfrieren?
Ja, die Tomato Pie lässt sich gut einfrieren. Lassen Sie die Pie vollständig auf Zimmertemperatur abkühlen. Schneiden Sie sie dann in portionsgerechte Stücke. Wickeln Sie jedes Stück fest in Frischhaltefolie und dann in Aluminiumfolie ein, um Gefrierbrand zu vermeiden. Beschriften Sie die verpackten Stücke mit Datum und Inhalt. Im Gefrierschrank hält sich die Tomato Pie so 2-3 Monate. Zum Aufwärmen tauen Sie die gefrorene Pie über Nacht im Kühlschrank auf und erwärmen sie dann im Ofen oder in der Mikrowelle. Viele genießen sie aber auch direkt aus dem Kühlschrank!
Muss ich die Kruste blindbacken?
Für die "Philly-Style Tomato Pie" ist kein Blindbacken der Kruste mit Backgewichten notwendig, da die Dicke des Teigs und das Backverfahren dies normalerweise verhindern. Einige traditionellere "Tomato Pies" mit Mürbeteigboden könnten jedoch vom Blindbacken profitieren, um einen durchgeweichten Boden zu vermeiden.
Die Tomato Pie ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie regionale Küche einzigartige kulinarische Erlebnisse schaffen kann. Ihre Einfachheit und ihr unverwechselbarer Geschmack machen sie zu einem Muss für jeden, der die Vielfalt der Pizza-Welt erkunden möchte. Probieren Sie es selbst aus und werden Sie Teil dieses besonderen kulinarischen Geheimnisses!
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Die mysteriöse Tomato Pie: Mehr als nur Pizza kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Pizza besuchen.
