29/03/2019
Pizza ist weit mehr als nur Teig, Tomaten und Käse; sie ist ein globales Phänomen, ein Symbol für Geselligkeit und ein kulinarisches Meisterwerk, das in unzähligen Variationen existiert. Ihre Geschichte reicht Jahrhunderte zurück, aber ihre Beliebtheit ist ungebrochen und wächst stetig weiter. Von den einfachen Anfängen in Neapel bis zu den komplexen Kreationen moderner Pizzabäcker hat sich die Pizza ständig weiterentwickelt und an die Geschmäcker und Kulturen der Welt angepasst. Doch welche Pizzasorten gibt es eigentlich, und was macht jede einzelne so besonders? Tauchen wir ein in die köstliche Vielfalt dieses zeitlosen Gerichts.

Die Klassiker aus Italien: Wo alles begann
Die Wiege der modernen Pizza liegt zweifellos in Italien, genauer gesagt in Neapel. Hier entstand die berühmteste aller Pizzasorten, die als Maßstab für Qualität und Authentizität gilt:
Pizza Napoletana: Das Original
Die Pizza Napoletana ist das Sinnbild italienischer Pizzakunst und sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Sie zeichnet sich durch einen sehr dünnen, weichen und elastischen Teig aus, der am Rand, dem sogenannten „Cornicione“, hoch aufgeht und beim Backen luftig und leicht verkohlt wird – ein Zeichen für die hohe Temperatur des Holzofens. Es gibt nur wenige, streng definierte Varianten der Pizza Napoletana:
- Pizza Margherita: Die Königin der Pizzen, benannt nach Königin Margherita von Savoyen. Sie ist die Verkörperung der italienischen Flaggenfarben: rote Tomaten (San Marzano-Tomaten), weißer Mozzarella (traditionell Fior di Latte oder Mozzarella di Bufala Campana) und grünes Basilikum. Ein Schuss Olivenöl und eine Prise Salz runden das einfache, aber perfekte Geschmackserlebnis ab.
- Pizza Marinara: Noch einfacher und älter als die Margherita, besteht sie nur aus Tomaten, Knoblauch, Oregano und Olivenöl. Sie beweist, dass man für exzellenten Geschmack nicht viele Zutaten braucht.
Der Teig der neapolitanischen Pizza wird aus Weichweizenmehl (Typ 00), Wasser, Salz und Hefe hergestellt und muss lange ruhen, um seine charakteristische Textur zu entwickeln. Gebacken wird sie nur für 60 bis 90 Sekunden bei extrem hohen Temperaturen von 450-500 °C in einem Holzofen.
Pizza Romana: Die knusprige Alternative
Im Gegensatz zur weichen neapolitanischen Pizza ist die Pizza Romana bekannt für ihren dünnen und besonders knusprigen Boden. Sie wird oft mit Öl im Teig zubereitet, was zu ihrer festen Konsistenz beiträgt. Die Ränder sind hier flacher und weniger ausgeprägt als bei der neapolitanischen Variante. Beliebte Beläge sind oft etwas reichhaltiger und vielfältiger als die puristischen neapolitanischen Klassiker. Eine Spezialität Roms ist die „Pizza al Taglio“, die auf großen rechteckigen Blechen gebacken und stückweise verkauft wird, oft mit einer großen Auswahl an Belägen.
Pizza Siciliana: Rustikal und reichhaltig
Die sizilianische Pizza, auch „Sfincione“ genannt, unterscheidet sich deutlich von ihren norditalienischen Cousinen. Sie hat einen dicken, brotähnlichen Boden, der oft in einer rechteckigen Form gebacken wird. Beläge können Sardellen, Zwiebeln, Tomatensauce, Caciocavallo-Käse und Paniermehl umfassen. Sie ist herzhafter und kompakter, fast wie ein Focaccia-Brot mit Belag.
Internationale Pizzavariationen: Die Welt entdeckt die Pizza
Mit der Auswanderungswelle der Italiener verbreitete sich die Pizza in alle Ecken der Welt, und jede Region passte sie an ihre eigenen kulinarischen Vorlieben an. So entstanden ikonische Pizzasorten, die heute genauso berühmt sind wie ihre italienischen Vorbilder.
New York Style Pizza: Die Scheibe zum Falten
Die New York Style Pizza ist bekannt für ihre großen, breiten Scheiben, die oft so flexibel sind, dass man sie in der Mitte falten kann, um sie leichter zu essen. Der Teig ist dünner als bei der neapolitanischen Pizza, aber fester und knuspriger. Er enthält oft Öl und Zucker, was ihm eine leicht süßliche Note und eine braunere Kruste verleiht. Die Tomatensauce ist meist leicht süßlich und der Käse ist typischerweise fettarmer Mozzarella, der beim Backen schön schmilzt und leicht braun wird. Beliebte Beläge sind Pepperoni, Pilze und Würstchen. Die legendäre Wasserqualität New Yorks wird oft als Geheimnis des einzigartigen Teiggeschmacks genannt.
Chicago Deep Dish Pizza: Ein Auflauf auf Teigbasis
Die Chicago Deep Dish Pizza ist eine Mahlzeit für sich und kaum mit einer traditionellen Pizza vergleichbar. Sie wird in einer tiefen, runden Form gebacken, die eher an eine Kuchenform erinnert. Der Boden ist dick, butterartig und ähnelt einem Mürbeteig. Die Reihenfolge der Zutaten ist umgekehrt: Zuerst kommt der Käse (oft eine dicke Schicht Mozzarella), dann die Beläge (wie Wurst, Pilze, Zwiebeln) und ganz oben eine dicke Schicht Tomatensauce, oft aus stückigen Tomaten. Die Backzeit ist deutlich länger, da die Pizza sehr dick ist, was zu einem saftigen, auflaufähnlichen Ergebnis führt. Sie ist herzhaft und sättigend.
California Style Pizza: Die Gourmet-Variante
In Kalifornien entstand in den 1980er Jahren eine Pizza, die für ihre ungewöhnlichen und oft gehobenen Beläge bekannt ist. Die California Style Pizza zeichnet sich durch dünne, knusprige Böden aus und verwendet Zutaten, die man sonst eher in der gehobenen Küche findet: Entenfleisch, Ziegenkäse, Garnelen, geräucherter Lachs, BBQ-Hähnchen oder exotische Früchte. Sie ist ein Spielplatz für kulinarische Experimente und legt Wert auf frische, hochwertige Zutaten und kreative Kombinationen. Wolfgang Puck war einer der Pioniere dieser Bewegung.
St. Louis Style Pizza: Die Cracker-Kruste
Eine weniger bekannte, aber einzigartige Sorte ist die St. Louis Style Pizza. Sie hat einen extrem dünnen, knusprigen, crackerähnlichen Boden ohne Hefe. Das Besondere ist der Käse: Provel, eine Mischung aus Provolone, Cheddar und Schweizer Käse, die einen einzigartigen Schmelz und Geschmack bietet. Die Pizza wird oft in Quadrate geschnitten, nicht in Dreiecke. Die Sauce ist typischerweise leicht süßlich.
Detroit Style Pizza: Die rechteckige, karamellisierte Kruste
Die Detroit Style Pizza ist eine rechteckige Pizza, die in einer speziellen, dickwandigen Stahlpfanne gebacken wird, die ursprünglich für Autoteile verwendet wurde. Der Teig ist dick, luftig und porös, ähnlich einem Focaccia. Ein Kennzeichen ist der Käse (oft Wisconsin Brick Cheese), der bis an den Rand der Pfanne gestreut wird und beim Backen eine köstlich karamellisierte, knusprige Käsekruste bildet. Die Sauce wird oft erst nach dem Backen in Streifen über den Belag gegeben.
Spezielle Teigvarianten und Ernährungsbedürfnisse
Neben regionalen Unterschieden gibt es auch Innovationen bei den Teigarten, die auf spezifische Vorlieben oder Ernährungsbedürfnisse eingehen:
- Glutenfreie Pizza: Für Menschen mit Glutenunverträglichkeit gibt es Pizzen aus Reismehl, Maismehl, Kichererbsenmehl oder anderen glutenfreien Alternativen. Diese Teige können in Textur und Geschmack variieren, bieten aber eine willkommene Option für viele.
- Vollkornpizza: Für eine gesündere Variante wird Vollkornmehl verwendet, das der Pizza einen nussigeren Geschmack und mehr Ballaststoffe verleiht.
- Blumenkohlboden-Pizza: Eine beliebte Low-Carb-Option, bei der der Boden hauptsächlich aus püriertem Blumenkohl, Käse und Eiern besteht. Sie ist leichter und hat einen milden Geschmack.
- Sauerteigpizza: Immer beliebter wird Pizza mit Sauerteig, der dem Boden eine komplexere, leicht säuerliche Note und eine wunderbar zähe Textur verleiht. Der Sauerteig macht den Teig zudem oft bekömmlicher.
Die Qual der Wahl: Beläge und regionale Spezialitäten
Die Auswahl an Pizzen wird durch die schier unendliche Vielfalt an Belägen noch erweitert. Während die Italiener oft auf wenige, hochwertige Zutaten setzen, sind in anderen Ländern der Kreativität kaum Grenzen gesetzt.
- Vegetarische Pizzen: Von einfachen Pilzen und Zwiebeln über Spinat und Feta bis hin zu gegrilltem Gemüse wie Zucchini, Paprika und Auberginen.
- Fleischige Pizzen: Pepperoni (Salami), Salsiccia (italienische Wurst), Prosciutto (Schinken), Hähnchen, Rinderhackfleisch – die Auswahl ist riesig.
- Meeresfrüchte-Pizzen: Garnelen, Muscheln, Thunfisch, Sardellen oder Lachs.
- Exotische Pizzen: Ananas auf Pizza ist ein Klassiker der Kontroverse (die „Pizza Hawaii“), aber auch Bananen, Curry, Erdnusssauce oder sogar Schokolade finden ihren Weg auf kreative Pizzen.
- Weiße Pizzen (Pizza Bianca): Diese Pizzen kommen ohne Tomatensauce aus und basieren stattdessen auf einer Käseschicht (oft Ricotta oder Mozzarella), Olivenöl und Kräutern.
Jede Region, ja fast jede Pizzeria, hat ihre eigene Spezialität und ihre eigene Interpretation der Pizza. Diese Vielfalt ist es, die die Pizza so faszinierend und so universell beliebt macht.
Vergleich der beliebtesten Pizzastile
Um die Unterschiede besser zu verstehen, hier eine kleine Vergleichstabelle der bekanntesten Pizzastile:
| Merkmal | Pizza Napoletana | New York Style | Chicago Deep Dish | Pizza Romana |
|---|---|---|---|---|
| Boden | Sehr dünn, weich, elastisch, luftiger Rand | Dünn, fest, faltbar, knusprige Kante | Sehr dick, buttrig, Kuchen-ähnlich | Dünn, knusprig, flacher Rand |
| Backzeit | 60-90 Sekunden | 5-10 Minuten | 30-45 Minuten | 5-8 Minuten |
| Temperatur | 450-500 °C | 260-320 °C | 200-230 °C | 300-350 °C |
| Typischer Käse | Mozzarella di Bufala/Fior di Latte | Fettarmer Mozzarella | Dicke Schicht Mozzarella | Mozzarella |
| Belag-Anordnung | Tomate, Käse, Basilikum | Käse unter Belag, dann Sauce | Käse, Belag, dann dicke Sauce | Käse unter Belag, dann Sauce |
| Servierform | Ganz (oft nicht geschnitten) | Große, faltbare Scheiben | Als dicke Kuchenstücke | Flache, knusprige Scheiben |
| Geschmack | Püristisch, frisch, leicht rauchig | Herzhaft, leicht süß, ausgewogen | Reichhaltig, sättigend, auflaufartig | Knusprig, leicht, vielseitig |
Häufig gestellte Fragen zur Pizza
Die Welt der Pizza wirft viele Fragen auf. Hier sind einige der am häufigsten gestellten:
Was ist der Unterschied zwischen Pizza Napoletana und Pizza Romana?
Der Hauptunterschied liegt im Teig und der Textur des Bodens. Pizza Napoletana hat einen sehr dünnen, weichen und elastischen Boden mit einem hohen, luftigen Rand (Cornicione), der kurz und bei sehr hoher Temperatur gebacken wird. Pizza Romana hingegen hat einen dünneren, knusprigeren und festeren Boden mit einem flacheren Rand, der oft etwas länger gebacken wird.
Ist Pizza gesund?
Das hängt stark von den Zutaten und der Zubereitung ab. Eine Pizza mit frischen, hochwertigen Zutaten wie viel Gemüse, magerem Protein und einem dünnen Vollkornboden kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Pizzen mit viel Käse, fettigem Fleisch und dickem Teig sind kalorienreicher und sollten in Maßen genossen werden. Die neapolitanische Pizza gilt aufgrund ihrer einfachen, frischen Zutaten und kurzen Backzeit oft als eine der gesünderen Varianten.
Kann man Pizza einfrieren?
Ja, gebackene Pizza lässt sich gut einfrieren. Am besten schneidet man sie in einzelne Stücke, wickelt sie luftdicht ein und friert sie ein. Zum Auftauen kann man die Stücke im Ofen oder in der Pfanne aufwärmen, um die Knusprigkeit wiederherzustellen.
Welcher Käse ist der beste für Pizza?
Traditionell wird Mozzarella verwendet, entweder Fior di Latte (aus Kuhmilch) oder Mozzarella di Bufala (aus Büffelmilch). Beide schmelzen gut und haben einen milden Geschmack, der die anderen Zutaten nicht überdeckt. Für manche Pizzastile oder Geschmäcker werden auch Mischungen mit Provolone, Cheddar oder Parmesan verwendet, um komplexere Aromen zu erzeugen.
Warum ist der Teig mancher Pizzen so schwer verdaulich?
Oft liegt das an einer zu kurzen Gärzeit des Teigs. Wenn der Teig nicht lange genug ruht, können die Hefe und Enzyme ihre Arbeit nicht vollständig verrichten, was dazu führt, dass der Teig im Magen weiter arbeitet und zu Blähungen führen kann. Lange Teigführungen (24-72 Stunden) bei kühlen Temperaturen sind ideal, um einen bekömmlichen und aromatischen Teig zu erhalten.
Fazit: Eine unendliche Vielfalt
Die Welt der Pizza ist unglaublich reich und vielfältig. Von den puristischen italienischen Klassikern, die die Einfachheit und Qualität der Zutaten zelebrieren, bis hin zu den mutigen, experimentellen Kreationen aus aller Welt – für jeden Geschmack und jede Vorliebe gibt es die passende Pizza. Diese globale Beliebtheit ist ein Zeugnis für die Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit dieses Gerichts. Egal, ob Sie einen knusprigen, dünnen Boden bevorzugen oder eine dicke, sättigende Scheibe; ob Sie traditionelle Beläge lieben oder offen für kulinarische Abenteuer sind – die Pizza wird Sie immer wieder überraschen und begeistern. Der nächste Bissen ist nur eine Entscheidung entfernt!
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