Wiens älteste Pizzeria: Eine Spurensuche

14/02/2017

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Der Duft von frisch gebackenem Teig, schmelzendem Mozzarella und aromatischer Tomatensauce – kaum ein Gericht weckt so viele Emotionen wie die Pizza. In Wien hat sie längst einen festen Platz in den Herzen der Bewohner erobert. Doch wer hat sie als Erster in die Donaumetropole gebracht? Die Suche nach der ältesten Pizzeria Wiens ist eine faszinierende Reise durch die kulinarische Geschichte der Stadt, die uns zu wahren Pionieren und Orten voller Tradition führt.

Was ist die älteste Pizzeria in Wien?

Die Suche nach dem Ursprung: Was bedeutet 'älteste'?

Die Frage nach der „ältesten Pizzeria“ ist nicht so einfach zu beantworten, wie es scheint. Meint man den Ort, der als Erster überhaupt eine Art Pizza auf der Speisekarte hatte? Oder die erste Pizzeria, die sich ausschließlich der Zubereitung authentischer italienischer Pizza widmete und bis heute besteht? Oft sind es die letzteren Kriterien, die uns zu den wahren historischen Schätzen führen. Viele Restaurants, die sich als „italienisch“ bezeichneten, servierten in den frühen Jahren vielleicht auch Pizzen, aber nur wenige waren von Anfang an darauf spezialisiert, die neapolitanische oder römische Backkunst nach Wien zu bringen. Die wahre Revolution begann, als dedicated Pizzerias mit ihren speziellen Holzöfen und italienischen Pizzaiolos die Szene betraten.

Pionier der Wiener Pizzaszene: Pizzeria Regina Margherita

Wenn man über die frühen Tage der Pizza in Wien spricht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: der Pizzeria Regina Margherita. Oft wird sie als eine der ersten, wenn nicht sogar die erste, authentisch neapolitanische Pizzeria Wiens genannt. Sie öffnete ihre Türen bereits im Jahr 1970 und gilt seither als eine Institution in der Stadt. Die Eröffnung der Regina Margherita war ein Meilenstein für die Wiener Gastronomielandschaft. Sie brachte nicht nur das Konzept einer auf Pizza spezialisierten Gaststätte, sondern auch die Philosophie der echten neapolitanischen Pizza nach Wien: ein weicher, luftiger Rand, ein dünner Boden, einfache, aber hochwertige Zutaten und die Zubereitung im Holzofen bei sehr hohen Temperaturen. Dies war damals eine absolute Neuheit und setzte einen Standard, der bis heute Gültigkeit hat.

Die Gründer der Regina Margherita hatten eine klare Vision: Sie wollten ein Stück Neapel nach Wien bringen. Das spiegelte sich nicht nur in der Speisekarte wider, sondern auch in der Atmosphäre. Der Duft des Holzofens, das geschäftige Treiben, die freundliche, oft laute italienische Art – all das trug dazu bei, dass sich die Gäste wie in einem kleinen Stück Italien fühlten. Viele Wiener, die zum ersten Mal eine Pizza in der Regina Margherita probierten, erlebten eine Offenbarung. Es war weit entfernt von den manchmal als „Gummiboden“ bezeichneten Pizzen, die man vielleicht zuvor gekannt hatte. Hier wurde der Grundstein für die heutige, blühende Pizzakultur Wiens gelegt.

Weitere frühe Vertreter und authentische Klassiker

Neben der Regina Margherita gab es im Laufe der 1970er und frühen 1980er Jahre weitere Pizzerien, die zur Verbreitung der Pizza in Wien beitrugen. Namen wie die Pizzeria da Michele (eröffnet 1974) oder später die Pizzeria Riva (die sich ebenfalls auf authentische neapolitanische Pizza spezialisiert hat und für ihre hohe Qualität bekannt ist) folgten dem Trend und etablierten die Pizza als festen Bestandteil der Wiener Esskultur. Jede dieser Pizzerien trug auf ihre Weise dazu bei, die Vielfalt und die Authentizität des italienischen Nationalgerichts in Österreich zu verankern. Sie alle profitierten von der wachsenden Beliebtheit Italiens als Urlaubsland und der zunehmenden Präsenz italienischer Gastarbeiter, die ihre kulinarischen Traditionen mitbrachten.

Die Entwicklung der Pizza in Wien

Die Geschichte der Pizza in Wien ist eng mit der allgemeinen Entwicklung der italienischen Gastronomie in Österreich verbunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere ab den 1960er Jahren kamen viele italienische Gastarbeiter nach Österreich. Mit ihnen kam nicht nur Arbeitskraft, sondern auch ein Stück italienische Kultur und Küche. Anfangs waren es oft kleine Trattorien, die einfache, herzhafte Gerichte anboten. Die Pizza war dabei zunächst ein Nischenprodukt. Erst mit dem Aufkommen spezialisierter Pizzerien wie der Regina Margherita begann der eigentliche Siegeszug. Die Wiener entdeckten die Pizza nicht nur als schnelles Gericht, sondern als kulinarisches Erlebnis. Die Nachfrage stieg stetig, und immer mehr Pizzerien eröffneten, jede mit ihrer eigenen Interpretation und ihrem eigenen Charme.

In den 1980er und 1990er Jahren wurde die Pizza zum Standardgericht in vielen Haushalten und Restaurants. Von einfachen Take-away-Läden bis hin zu gehobenen Restaurants – die Pizza war überall präsent. Die 2000er Jahre brachten eine Rückbesinnung auf die Ursprünge und eine verstärkte Nachfrage nach Authentizität. Viele Pizzerien begannen wieder, sich auf traditionelle Rezepturen, hochwertige Zutaten und die Zubereitung im Holzofen zu konzentrieren. Dieser Trend hält bis heute an und hat Wien zu einer Stadt mit einer beeindruckenden Vielfalt an hervorragenden Pizzerien gemacht.

Was ist die älteste Pizzeria in Wien?

Warum alte Pizzerien so besonders sind

Alte, etablierte Pizzerien haben oft einen unvergleichlichen Charme, der über das bloße Essen hinausgeht. Sie sind lebendige Geschichtsbücher, die von Generationen von Gästen und Pizzaiolos erzählen könnten. Was macht diese Orte so einzigartig?

  • Authentizität: Sie halten oft an bewährten Rezepten und Zubereitungsmethoden fest, die über Jahrzehnte perfektioniert wurden. Der Teig wird nach alten Familienrezepten zubereitet, und die Zutaten sind sorgfältig ausgewählt.
  • Atmosphäre: Viele alte Pizzerien strahlen eine gemütliche, familiäre Atmosphäre aus. Man spürt die Geschichte in den Mauern, in der Einrichtung und im Service. Es ist oft ein Ort, an dem man sich sofort wohlfühlt.
  • Beständigkeit: In einer schnelllebigen Welt bieten diese Pizzerien einen Anker der Beständigkeit. Man weiß, was man bekommt, und die Qualität bleibt über die Jahre hinweg konstant hoch.
  • Gemeinschaft: Sie sind oft Treffpunkte für die Nachbarschaft und Stammgäste, die seit Jahrzehnten kommen. Das schafft eine besondere Bindung und ein Gefühl von Zuhause.
  • Handwerkskunst: Die Pizzaiolos in diesen Pizzerien sind oft Meister ihres Fachs, die ihr Handwerk von Grund auf gelernt und über viele Jahre hinweg verfeinert haben. Sie beherrschen die Kunst des Teigknetens, des Belegens und des Backens im Holzofen perfekt.

Ein Vergleich: Tradition vs. Moderne

Die Pizzalandschaft Wiens hat sich enorm entwickelt. Heute gibt es neben den alteingesessenen Pizzerien auch viele moderne Konzepte, die neue Wege gehen. Beide haben ihre Berechtigung und ihren Reiz:

MerkmalTraditionelle Pizzeria (z.B. Regina Margherita)Moderne Pizzeria (neue Konzepte)
EröffnungVor 1980 (oft 1970er)Nach 2000 (oft 2010er)
AtmosphäreRustikal, gemütlich, familiär, oft lebhaft und lautMinimalistisch, stylisch, urban, oft ruhiger oder mit Lounge-Musik
OfenartÜberwiegend traditioneller HolzofenHolzofen, Gasofen, Elektroofen (oft spezialisiert auf hohe Temperaturen)
TeigführungLange Gehzeiten (24-72h), oft mit Sauerteig oder BigaVariiert stark, oft auch lange Gehzeiten, aber experimenteller
BelagKlassische, einfache Kombinationen (Margherita, Diavola, Prosciutto)Klassisch und experimentell (ungewöhnliche Zutaten, vegane Optionen)
PreisniveauMittel bis gehoben, aber mit Fokus auf WertigkeitVariiert stark, von günstig bis High-End-Gourmet
ZielgruppeFamilien, Stammgäste, Liebhaber authentischer KücheJunges Publikum, Foodies, Experimentierfreudige
InnovationFokus auf Bewahrung der TraditionOffen für neue Trends, Techniken und Zutaten

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Gibt es wirklich nur eine älteste Pizzeria in Wien?
Nein, es ist schwierig, eine einzige, unbestreitbar „älteste“ Pizzeria zu benennen, die durchgehend seit den frühesten Tagen besteht und ausschließlich Pizza serviert hat. Die Pizzeria Regina Margherita wird jedoch aufgrund ihrer frühen Gründung (1970) und ihres Fokus auf authentische neapolitanische Pizza als einer der wichtigsten Pioniere und als die erste ihrer Art in Wien angesehen. Es gab sicher andere Lokale, die früher Pizza anboten, aber nicht als reine Pizzerien im heutigen Sinne. Die Bedeutung liegt oft in der Kontinuität und Authentizität.

Was macht eine authentische neapolitanische Pizza aus, wie sie die frühen Pizzerien servierten?
Eine authentische neapolitanische Pizza zeichnet sich durch einen weichen, elastischen und leicht verkohlten Rand aus (den sogenannten „Cornicione“), einen dünnen Boden in der Mitte, der beim Anheben leicht durchhängt, und die Verwendung weniger, aber hochwertiger Zutaten. Dazu gehören San Marzano Tomaten, Fior di Latte oder Mozzarella di Bufala, frischer Basilikum und Olivenöl. Sie wird in einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen (ca. 450-500°C) nur 60-90 Sekunden gebacken.

Wie kam die Pizza überhaupt nach Wien?
Die Pizza kam mit der wachsenden Migration italienischer Gastarbeiter nach Österreich in den 1960er und 1970er Jahren. Sie brachten ihre kulinarischen Traditionen mit, und so entstanden nach und nach die ersten italienischen Restaurants und Pizzerien, die das Gericht einem breiteren Publikum zugänglich machten. Der steigende Tourismus nach Italien trug ebenfalls zur Popularität bei.

Sind ältere Pizzerien immer besser als neue?
Nicht unbedingt. „Besser“ ist oft eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ältere Pizzerien punkten oft mit ihrer Tradition, ihrer Geschichte und einer bewährten, konstanten Qualität. Neue Pizzerien hingegen können mit innovativen Konzepten, modernen Interpretationen und neuen Geschmacksrichtungen überzeugen. Viele neue Pizzerien legen ebenfalls großen Wert auf Authentizität und hochwertige Zutaten. Es lohnt sich, beides auszuprobieren und seine persönlichen Favoriten zu finden.

Gibt es weitere historische Pizzerien in Wien, die man kennen sollte?
Ja, neben der Regina Margherita gibt es weitere Pizzerien, die schon lange bestehen und einen guten Ruf genießen, wie zum Beispiel die Pizzeria da Michele (seit 1974) oder die Pizzeria Riva (die für ihre strikte Einhaltung der neapolitanischen Regeln bekannt ist). Es gibt auch viele andere langjährige italienische Restaurants, die eine ausgezeichnete Pizza anbieten und zur Etablierung der italienischen Küche in Wien beigetragen haben.

Fazit: Ein Stück gelebte Geschichte auf dem Teller

Die Suche nach der ältesten Pizzeria in Wien führt uns nicht nur zu einem bestimmten Ort, sondern zu einer ganzen Entwicklung, die die kulinarische Landschaft der Stadt nachhaltig geprägt hat. Die Pizzeria Regina Margherita steht dabei symbolisch für den Beginn einer Ära, in der die Pizza von einem exotischen Gericht zu einem geliebten Klassiker wurde. Sie und andere frühe Pioniere haben den Grundstein für die heutige, vielfältige und qualitativ hochwertige Pizzaszene Wiens gelegt. Ein Besuch in einer dieser traditionsreichen Pizzerien ist mehr als nur ein Essen; es ist eine Zeitreise, ein Eintauchen in die Geschichte und ein Genuss von Qualität, die Generationen überdauert hat. Es ist ein Fest für die Sinne und eine Hommage an die Tradition der italienischen Küche, die in Wien so liebevoll gepflegt wird.

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