Was ist doppelgriffiges Mehl?

Mehl-Mysterium gelüftet: Die Pizza wartet!

03/07/2022

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In der Welt des Backens und Kochens ist Mehl weit mehr als nur gemahlenes Getreide. Es ist das Herzstück unzähliger Köstlichkeiten, von luftigen Kuchen über herzhafte Brote bis hin zur geliebten Pizza. Doch wer sich jemals in einem gut sortierten Supermarktregal umgesehen hat, weiß: Mehl ist nicht gleich Mehl. Roggen, Vollkorn, Weizen, Dinkel – das sind nur die offensichtlichen Unterschiede. Die wahre Verwirrung beginnt oft bei den Bezeichnungen „glatt“ und „griffig“ und der Frage, ob dies für das gewünschte Backergebnis überhaupt eine Rolle spielt. Und dann gibt es noch das praktische Universalmehl. Doch keine Sorge, dieses Mehl-Mysterium wird heute gelüftet. Wir tauchen tief ein in die Geheimnisse der Mehlsorten, erklären die feinen Unterschiede und verraten Ihnen, welches Mehl für Ihr nächstes kulinarisches Meisterwerk – insbesondere für die perfekte Pizza – die beste Wahl ist. Bereiten Sie sich darauf vor, zum wahren Mehl-Profi zu werden!

Inhaltsverzeichnis

Die Grundlagen des Mehls: Glatt, Griffig und Universal

Der Hauptunterschied zwischen glattem und griffigem Mehl liegt im Mahlgrad. Dieser bestimmt, wie fein oder grob die Partikel des Mehls sind und hat damit einen direkten Einfluss auf dessen Eigenschaften, insbesondere auf die Fähigkeit, Flüssigkeit aufzunehmen und Bindungen einzugehen. Das Universalmehl wiederum ist eine praktische Kombination aus beiden.

Welches Mehl eignet sich am besten?
Das Mehl wurde etwas gröber vermahlen und nimmt Flüssigkeit besonders gut auf. Bei Nockerl, Knödel, Spätzle oder Nudelteigen also die perfekte Wahl. Besonders bei Teigen, die nach der Herstellung noch eine kleine Pause brauchen, eignet sich dieses Mehl besonders gut. Last but not least - das Universalmehl.

Glattes Mehl: Der Allrounder für feine Teige

Glattes Mehl, oft auch als "fein" oder "Typ 405" (in Deutschland) bezeichnet, ist, wie der Name schon sagt, besonders fein vermahlen. Wenn Sie es zwischen den Fingern reiben, fühlt es sich seidig und staubig an. Diese feine Textur ist das Ergebnis eines Mahlprozesses, bei dem das Korn sehr stark zerkleinert wird. Dadurch verfügt glattes Mehl über eine außergewöhnlich starke Bindekraft. Die Stärkepartikel sind kleiner und können so besser Wasser aufnehmen und ein dichtes Netzwerk bilden.

  • Eigenschaften: Sehr weich, staubig, hohe Bindekraft, bildet geschmeidige Teige.
  • Ideal für:
    • Biskuitteige: Für ihre zarte, luftige Struktur.
    • Mürbeteige: Für knusprige Kekse und Tortenböden.
    • Backpulverkreationen: Kuchen, Muffins, bei denen ein feiner, gleichmäßiger Teig gewünscht ist.
    • Saucen und Suppen: Perfekt zum Binden, da es sich klumpenfrei einrühren lässt und eine glatte Konsistenz erzeugt.
    • Pizzateig: Besonders für klassische, luftige und elastische Pizzateige ist glattes Weizenmehl die erste Wahl. Es ermöglicht eine hervorragende Glutenentwicklung und sorgt für die typischen Blasen und den knusprigen Rand.

Griffiges Mehl: Der Flüssigkeitsmagnet für besondere Texturen

Der Unterschied zu glattem Mehl wird sofort spürbar, wenn man griffiges Mehl in eine Schüssel schüttet. Es erinnert in seiner Konsistenz an sehr feinen Sand. Dieses Mehl wurde etwas gröber vermahlen, was bedeutet, dass die Stärkekörner größer sind und weniger Oberfläche für die Wasseraufnahme bieten. Paradoxerweise nimmt griffiges Mehl Flüssigkeit dadurch langsamer und gleichmäßiger auf als glattes Mehl.

  • Eigenschaften: Körner, sandig, nimmt Flüssigkeit langsam und gut auf, quillt besser nach.
  • Ideal für:
    • Nockerl und Knödel: Hier ist die langsame Flüssigkeitsaufnahme entscheidend, um eine lockere, aber dennoch formstabile Konsistenz zu erreichen.
    • Spätzle und Nudelteige: Die griffige Textur sorgt dafür, dass die Teige nicht zu klebrig werden und eine gute Bissfestigkeit erhalten.
    • Sauerteige: Manche Bäcker bevorzugen griffiges Mehl für Sauerteigansätze, da es eine stabilere Umgebung für die Mikroorganismen bieten kann.
    • Zum Ausrollen und Bemehlen: Aufgrund seiner geringeren Neigung zum Klumpen und seiner besseren Rieselfähigkeit ist griffiges Mehl hervorragend zum Bemehlen von Arbeitsflächen oder Pizzaöfen geeignet.

Universalmehl: Die praktische Mischung für jeden Anlass

Das Universalmehl ist, wie der Name schon sagt, für fast alles geeignet. Es ist eine Mischung aus glattem und griffigem Mehl, oft im Verhältnis 1:1. Diese Kombination vereint die Vorteile beider Mehlsorten und macht es zu einem vielseitigen Allrounder für den Haushalt, in dem nicht immer alle Spezialmehlsorten vorrätig sein sollen.

  • Eigenschaften: Ausgewogene Eigenschaften, gute Bindekraft und Flüssigkeitsaufnahme.
  • Ideal für:
    • Alltägliches Backen: Von Broten über Kuchen bis hin zu Pfannkuchen.
    • Einsteiger: Wenn Sie sich unsicher sind, welches Mehl Sie verwenden sollen, ist Universalmehl oft eine sichere Wahl.
    • Hausgemachte Pizza: Für den gelegentlichen Pizzabäcker zu Hause kann Universalmehl durchaus gute Ergebnisse liefern, auch wenn Spezialmehle oft noch bessere Texturen ermöglichen.

Welches Mehl für die perfekte Pizza?

Nachdem wir die allgemeinen Eigenschaften der Mehlsorten beleuchtet haben, kommen wir nun zum Kern unserer Leidenschaft: der Pizza! Die Wahl des richtigen Mehls ist entscheidend für die Textur, den Geschmack und das Mundgefühl Ihrer Pizza. Für die meisten Pizzabäcker, die eine klassische, neapolitanische oder römische Pizza anstreben, ist die Antwort klar: glattes Weizenmehl ist die erste Wahl.

Warum glattes Weizenmehl für Pizza?

Der Schlüssel zu einem großartigen Pizzateig liegt in der Entwicklung eines starken Glutennetzwerks. Gluten, ein Proteinkomplex, der sich bildet, wenn Mehl mit Wasser vermischt und geknetet wird, ist für die Elastizität und Dehnbarkeit des Teiges verantwortlich. Es fängt die Gase ein, die beim Fermentieren entstehen, und sorgt so für die typischen Luftblasen und den luftigen Rand (den "Cornicione").

  • Glutenentwicklung: Glattes Weizenmehl, insbesondere Sorten mit hohem Proteingehalt (oft als "Typ 00" in Italien oder "Typ 550" in Deutschland bezeichnet), ermöglicht eine optimale Glutenentwicklung. Die feinen Partikel und die Zusammensetzung des Mehls fördern die Bildung eines starken, dehnbaren Netzwerks, das dem Teig seine charakteristische Elastizität und Zähigkeit verleiht.
  • Feine Krume: Ein glattes Mehl führt zu einer feineren und gleichmäßigeren Krume im fertigen Teig. Dies ist entscheidend für eine leichte und luftige Pizzakruste, die dennoch den Belag tragen kann.
  • Hydration: Obwohl glattes Mehl Flüssigkeit schnell aufnimmt, ermöglicht es oft eine höhere Hydration des Teiges, ohne dass dieser zu klebrig wird. Eine höhere Hydration führt zu einem saftigeren und luftigeren Teig.
  • Bräunung: Der Stärkegehalt in glattem Mehl trägt auch zur schönen Bräunung der Kruste im heißen Ofen bei, was für den Geschmack und die Optik der Pizza unerlässlich ist.

Ein "Typ 00" Mehl, wie es in Italien für Pizza verwendet wird, ist ein Weizenmehl, das sehr fein vermahlen wurde und einen mittleren bis hohen Proteingehalt aufweist. Es ist sozusagen das Paradebeispiel für ein "glattes" Mehl, das speziell für Pizzateige entwickelt wurde.

Wann könnte griffiges Mehl ins Spiel kommen?

Obwohl glattes Mehl der Favorit für den Pizzateig selbst ist, kann griffiges Mehl durchaus seine Berechtigung in der Pizzabäckerei haben:

  • Bemehlen der Arbeitsfläche/Pizzaschaufel: Griffiges Mehl, oder noch besser Grieß (Semola Rimacinata), ist hervorragend geeignet, um die Arbeitsfläche oder die Pizzaschaufel zu bemehlen. Seine gröbere Struktur verhindert, dass der Teig kleben bleibt, und es verbrennt im Ofen weniger schnell als feines Mehl.
  • Rustikale Teige: Für sehr rustikale Pizzen oder Focaccia-ähnliche Teige, bei denen eine dichtere, festere Krume gewünscht ist, könnte eine Mischung mit einem Anteil an griffigem Mehl oder sogar Vollkornmehl in Betracht gezogen werden. Dies ist jedoch eher eine Ausnahme als die Regel für die klassische Pizza.

Die Rolle des Proteingehalts

Neben dem Mahlgrad spielt der Proteingehalt des Weizenmehls eine ebenso entscheidende Rolle für die Qualität des Pizzateigs. Je höher der Proteingehalt (im Allgemeinen zwischen 11-14%), desto mehr Gluten kann sich bilden. Dies ist besonders wichtig für Teige, die lange fermentieren sollen (24 Stunden oder länger), da das Glutennetzwerk stabil genug sein muss, um die Gase über einen längeren Zeitraum zu halten.

Die Wissenschaft hinter dem Mehl: Warum der Mahlgrad zählt

Der Mahlgrad beeinflusst nicht nur die Haptik des Mehls, sondern auch seine chemischen Eigenschaften und damit das Backverhalten. Beim Mahlen werden die Getreidekörner zerkleinert. Je feiner das Mehl, desto mehr Stärkekörner werden beschädigt. Diese beschädigte Stärke kann schneller Wasser aufnehmen und ist anfälliger für enzymatische Aktivität. Dies beeinflusst die Teigentwicklung, die Fermentation und letztlich die Krume des fertigen Produkts.

  • Glattes Mehl: Mehr Stärkeschäden, schnellere Wasseraufnahme, aber auch potenzielle Klebrigkeit, wenn nicht richtig gehandhabt. Die feinen Partikel ermöglichen eine sehr gleichmäßige Verteilung im Teig und eine homogene Glutenentwicklung.
  • Griffiges Mehl: Weniger Stärkeschäden, langsamere, aber gleichmäßigere Wasseraufnahme. Der Teig bleibt länger "trocken" auf der Oberfläche, was das Verarbeiten erleichtert. Es neigt weniger zum Klumpen.

Das Verständnis dieser Nuancen ermöglicht es Ihnen, nicht nur das richtige Mehl auszuwählen, sondern auch Ihre Teigführung und Hydration entsprechend anzupassen.

Mehltypen im Überblick: Eine Vergleichstabelle

Um die Unterschiede noch klarer zu machen, hier eine übersichtliche Vergleichstabelle der drei besprochenen Mehlsorten:

EigenschaftGlattes MehlGriffiges MehlUniversalmehl
MahlgradSehr fein vermahlenGröber vermahlenMischung (fein & grob)
TexturSeidig, staubigKörnig, sandigZwischen fein und körnig
WasseraufnahmeSchnell, stark bindendLangsam, gleichmäßigAusgewogen
GlutenentwicklungOptimal für elastische TeigeEtwas weniger elastisch, festerGut, aber nicht spezialisiert
Ideal fürBiskuit, Mürbteig, Kuchen, Saucen, klassischer PizzateigNocken, Knödel, Spätzle, Nudelteige, zum BemehlenAlltägliches Backen, universelle Anwendung
Typische ErgebnisseZarte, luftige, geschmeidige TeigeFeste, bissfeste, "ausgequollene" TeigeZuverlässige, vielseitige Ergebnisse

Häufig gestellte Fragen zu Mehl und Pizza

Welches Mehl ist das beste für neapolitanische Pizza?

Für eine authentische neapolitanische Pizza ist glattes Weizenmehl vom Typ 00 (oder in Deutschland ein Typ 550 mit hohem Proteingehalt) die beste Wahl. Dieses Mehl ist sehr fein vermahlen und hat einen optimalen Proteingehalt für die lange Fermentationszeit und die Bildung eines starken, elastischen Glutennetzwerks, das für den luftigen, blasigen Rand charakteristisch ist.

Kann ich Universalmehl für Pizzateig verwenden?

Ja, Sie können Universalmehl für Pizzateig verwenden, insbesondere wenn Sie kein spezielles Pizzamehl zur Hand haben. Es liefert solide Ergebnisse für den Hausgebrauch. Beachten Sie jedoch, dass das Ergebnis möglicherweise nicht die gleiche Luftigkeit, Elastizität und den charakteristischen "Cornicione" einer Pizza mit speziellem Pizzamehl erreicht. Für den Anfang ist es aber eine gute und praktikable Option.

Spielt der Proteingehalt des Mehls für Pizza eine Rolle?

Absolut! Der Proteingehalt ist entscheidend für die Glutenentwicklung. Ein höherer Proteingehalt (typischerweise 11-14% für Pizzamehl) bedeutet, dass mehr Gluten gebildet werden kann. Dies ist besonders wichtig für Teige, die lange gehen sollen, da das Glutennetzwerk stark genug sein muss, um die Gase über Stunden oder sogar Tage zu halten und dem Teig seine Struktur und Elastizität zu verleihen.

Was ist der Unterschied zwischen Mehl Typ 405 und Typ 550? Welches ist besser für Pizza?

Die Typenbezeichnung (z.B. 405, 550) gibt den Mineralstoffgehalt des Mehls an. Je höher die Zahl, desto mehr Schalenanteile des Korns sind enthalten und desto dunkler ist das Mehl. Typ 405 ist ein sehr helles, "glattes" Weizenmehl, das oft für Kuchen und feine Backwaren verwendet wird. Typ 550 ist ebenfalls ein "glattes" Weizenmehl, aber etwas dunkler und proteinreicher. Für Pizzateig wird oft Typ 550 oder spezielles "Pizzamehl" empfohlen, da es die nötige Stabilität und Elastizität für einen guten Teig bietet. Typ 00 aus Italien entspricht in etwa einem deutschen Typ 405, hat aber oft einen höheren Proteingehalt, der es ideal für Pizza macht.

Warum wird manchmal Grieß (Semola Rimacinata) für Pizza verwendet?

Semola Rimacinata ist ein zweimal vermahlener Hartweizengrieß. Er wird oft zum Bemehlen der Arbeitsfläche oder der Pizzaschaufel verwendet, da er nicht so leicht verbrennt wie feines Mehl und dem Teig eine leicht knusprige Textur verleiht. Manche Pizzabäcker verwenden ihn auch in kleinen Mengen im Teig selbst, um eine rustikalere Textur und einen besonderen Geschmack zu erzielen, aber er ist nicht das Hauptmehl für den Teig.

Kann ich Vollkornmehl für Pizzateig verwenden?

Ja, Sie können Vollkornmehl für Pizzateig verwenden, aber seien Sie sich bewusst, dass dies zu einem dichteren, weniger luftigen und geschmacklich intensiveren Teig führt. Vollkornmehl enthält mehr Ballaststoffe und Nährstoffe, was es gesünder macht, aber die Kleberbildung erschwert. Viele Bäcker mischen Vollkornmehl mit hellem Weizenmehl, um eine bessere Balance aus Geschmack, Textur und Handhabung zu erzielen.

Fazit: Wissen ist Macht – auch beim Mehl!

Wie Sie sehen, ist die Wahl des richtigen Mehls entscheidend für das Gelingen Ihrer Backprojekte, insbesondere wenn es um die Kunst der Pizzazubereitung geht. Ob glatt, griffig oder universal – jede Sorte hat ihre Stärken und ihre idealen Einsatzgebiete. Für die perfekte Pizza mit dem typisch luftigen und knusprigen Rand ist ein glattes Weizenmehl mit hohem Proteingehalt (wie Typ 00 oder Typ 550) die beste Wahl. Es ermöglicht die Bildung des starken Glutennetzwerks, das für die Elastizität und die feine Krume des Teiges unerlässlich ist.

Aber scheuen Sie sich nicht, zu experimentieren! Die Welt des Backens ist voller Entdeckungen. Jetzt, da Sie ein wahrer Mehl-Profi sind, können Sie Ihr neu gewonnenes Wissen nutzen und Ihre Fähigkeiten an unseren Rezepten austesten. Wer weiß, vielleicht entdecken Sie ja Ihre ganz persönliche Lieblingsmehlsorte für die nächste Pizza. Viel Spaß beim Backen und Genießen!

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