22/03/2016
Die Pizza Hawaii ist mehr als nur ein Gericht; sie ist ein Phänomen, ein kulinarisches Statement und oft ein heiß diskutiertes Thema. Während sie in vielen Teilen der Welt zu den beliebtesten Pizzen zählt und für ihre einzigartige Kombination aus Süße und Herzhaftigkeit gefeiert wird, löst sie in ihrem vermeintlichen Heimatland Italien oft Kopfschütteln, Empörung und sogar Wut aus. Wie kann eine einzige Pizza so unterschiedliche Reaktionen hervorrufen? Tauchen wir ein in die Geschichte, die Kontroversen und die einfache Freude, die die Pizza Hawaii bereitet.

- Die ungewöhnliche Herkunft der Pizza Hawaii: Ein Grieche in Kanada
- Ein kultureller Konflikt: Die Pizza Hawaii in Italien
- Warum die Pizza Hawaii so beliebt ist: Die Magie der Kombination
- Pizza Hawaii selbst zubereiten: Ein einfaches Rezept
- Häufig gestellte Fragen zur Pizza Hawaii
- Fazit: Ein umstrittener Genuss
Die ungewöhnliche Herkunft der Pizza Hawaii: Ein Grieche in Kanada
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die Pizza Hawaii aus Hawaii stammen müsse, ist ihre wahre Geschichte weit weniger tropisch und vielmehr ein Zeugnis kulinarischer Experimentierfreude in Nordamerika. Die Geburtsstunde dieses ikonischen Gerichts schlug nicht in Neapel oder auf einer Pazifikinsel, sondern im Jahr 1962 in Kanada. Ihr Schöpfer war Sam Panopoulos, ein griechischer Einwanderer und Gastronom.
Panopoulos hatte, nachdem er in den Fünfzigerjahren auf dem Seeweg nach Nordamerika auswanderte und dabei eine Zwischenstation in Neapel einlegte, eine tiefe Faszination für die italienische Pizza entwickelt. Er war begeistert von diesem einfachen, aber genialen Gericht und beschloss, es in seinem eigenen Restaurant in Chatham, Ontario, anzubieten. Doch Panopoulos war kein Traditionalist; er liebte es, mit neuen Geschmacksrichtungen und Zutaten zu experimentieren, um seinen Gästen, die an typisch amerikanische Speisen gewöhnt waren, etwas Besonderes zu bieten.
In dieser Zeit der kulinarischen Entdeckungen kam ihm die bahnbrechende Idee, Dosenananas zu verwenden. Er kombinierte sie mit gekochtem Schinken, Tomatensauce und Käse – Zutaten, die damals schon populär waren. Die „Garnitur à la Hawaii“, wie sie genannt wurde, bezog sich dabei auf die Zugabe von Ananas, die dem Gericht seinen Namen gab. So entstand die Pizza Hawaii, ein Gericht, das italienische Wurzeln im Teig mit einer kanadischen Erfindung und einer hawaiianischen Assoziation in den Zutaten vereint. Diese internationale Mischung machte sie schnell zu einer der weltweit beliebtesten Pizzen.
Ein kultureller Konflikt: Die Pizza Hawaii in Italien
Während die Pizza Hawaii in vielen Ländern ein Verkaufsschlager ist, wird sie in Italien oft als Sakrileg betrachtet. Pizza ist in Italien nicht nur ein Gericht, sondern ein nationales Kulturgut. Die Legende besagt, dass der Neapolitaner Raffaele Esposito Ende des 19. Jahrhunderts die Pizza Margherita mit Tomatensauce, Mozzarella und Basilikum kreierte, um die italienischen Nationalfarben – Grün, Weiß und Rot – zu ehren. Vor diesem Hintergrund gelten exotische Zutaten wie Ananas für viele Italienerinnen und Italiener als Beleidigung der kulinarischen Tradition.
Diese tiefe Verwurzelung der Pizza in der italienischen Identität führt zu einer oft humorvollen, manchmal aber auch sehr ernsthaften Ablehnung von Variationen, die als „unauthentisch“ empfunden werden. Die Pizza Hawaii ist dabei der Inbegriff dieser Kontroverse.
Der 100-Euro-Schock: Eine römische Pizzeria sorgt für Aufsehen
Die Spannung zwischen Tradition und Innovation, insbesondere wenn es um die Pizza Hawaii geht, wurde kürzlich durch einen Vorfall in einer Pizzeria in Rom auf die Spitze getrieben. Diese Pizzeria, die für klassische Varianten wie Margherita (7,50 Euro) und Quattro Formaggi (10,50 Euro) verhältnismäßig normale Preise verlangt, nahm die Pizza Hawaii trotz allem auf ihre Speisekarte auf – allerdings zu einem schockierenden Preis von 100 Euro!
Dieser exorbitante Preis wurde nicht als Druckfehler deklariert, sondern als eine Art „Schmerzensgeld“ für den Pizzaiolo. Die Idee dahinter: Wer in Italien eine Pizza Hawaii bestellt, muss dafür „richtig viel blechen“, quasi als Strafe für das Vergehen an der italienischen Pizzakultur. Ein Instagram-Beitrag, der diesen Preis zeigte, ging viral und löste eine Lawine von Reaktionen aus. Mehr als 315.000 Personen sahen den Beitrag an, und über 4200 Kommentare zeugten von der hitzigen Debatte, die er entfachte.

Die digitale Debatte: Verteidiger gegen Traditionalisten
In den Kommentaren zum viralen Post zeigten sich die tiefen Gräben der Meinungen. Zahlreiche Nicht-Italiener verteidigten die Ananas-Pizza vehement und plädierten für kulinarische Freiheit und den Schutz fremder Kulturen. Eine Nutzerin schrieb: „Das ist der Preis, zu dem sie ihre Seele verkaufen“, was schnell zum beliebtesten Kommentar avancierte und die Absurdität der Situation unterstrich.
Auf der anderen Seite standen viele Italiener, die den hohen Preis für gerechtfertigt hielten oder sogar noch höhere Forderungen stellten. Eine mutmaßlich italienische Nutzerin forderte: „Nicht genug, es sollten 1000 Euro sein.“ Ein anderer kritisierte: „Die Italiener denken, sie wären die Pizza-Polizei.“ Diese Debatte verdeutlicht, wie tief die Pizza in der italienischen Identität verwurzelt ist und wie stark die Ablehnung gegenüber der Exotik der Ananas sein kann.
Um die Preispolitik dieser Pizzeria zu verdeutlichen, hier ein kleiner Vergleich:
| Pizzavariante | Preis in der römischen Pizzeria | Kommentar |
|---|---|---|
| Margherita | 7,50 Euro | Klassiker, Standardpreis für Rom |
| Quattro Formaggi | 10,50 Euro | Beliebte Option, ebenfalls normal bepreist |
| Pizza Hawaii | 100,00 Euro | "Schmerzensgeld" für den Pizzaiolo, ein Statement |
Warum die Pizza Hawaii so beliebt ist: Die Magie der Kombination
Trotz aller Kontroversen ist die Pizza Hawaii unbestreitbar populär. Ihre Beliebtheit rührt von der einzigartigen Kombination aus süß und herzhaft. Die saftige Süße der Ananas bildet einen spannenden Kontrast zum salzigen Schinken und dem würzigen Käse, alles auf einem knusprigen Pizzateig. Diese Geschmacksfusion spricht viele Gaumen an, die nach etwas anderem suchen als den traditionellen Varianten.
Es muss nicht immer Margherita oder Salami sein. Die Pizza Hawaii bietet eine erfrischende Abwechslung und ist oft die erste Wahl für diejenigen, die neue Geschmackserlebnisse auf der Pizza suchen. Und das Beste: Sie ist mit etwas Geschick ganz einfach selbst zu Hause zuzubereiten.
Pizza Hawaii selbst zubereiten: Ein einfaches Rezept
Die Zubereitung einer Pizza Hawaii ist unkompliziert und bietet die Möglichkeit, diesen umstrittenen Klassiker in den eigenen vier Wänden zu genießen, ohne das Risiko eines 100-Euro-Schocks einzugehen. Hier ist ein einfaches Rezept für vier Pizzen:
Zutaten für 4 Portionen (vier Pizzen)
Für den Hefeteig:
- 1 Päckchen Trockenhefe
- 680 g Mehl (Typ 00 ist ideal für Pizza)
- 2 TL Salz
- 1 EL Olivenöl
- 360 ml lauwarmes Wasser
- etwas Hartweizengrieß (zum Bearbeiten des Teiges)
Für den Belag:
- 400 g Gouda oder Pizzakäse (gerieben)
- 500 g Pizzatomaten (passiert, optional mit Oregano)
- 8 Ananasscheiben aus der Dose (abgetropft)
- 6 Scheiben gekochter Schinken (ca. 100 g, in Streifen geschnitten)
- 1 Dose Mais (140 g, abgetropft)
- Nach Belieben: frischer Parmesan und italienische Kräuter (Basilikum, Oregano, Rosmarin, Thymian) zum Bestreuen
Zubereitungsschritte
Die Zubereitung des Pizzateigs ist der erste und wichtigste Schritt für eine gelungene Pizza. Nehmen Sie sich dafür ausreichend Zeit.
- Schritt 1: Den Pizzateig vorbereiten. In einer großen Schüssel Mehl, Trockenhefe und Salz gründlich vermischen. Geben Sie dann das lauwarme Wasser und das Olivenöl hinzu. Mit den Knethaken eines Handmixers oder einer Küchenmaschine alles gut verkneten, bis ein glatter, elastischer Teig entsteht. Dieser Vorgang sollte etwa 15 Minuten dauern, um die Glutenstrukturen optimal zu entwickeln.
- Schritt 2: Den Teig gehen lassen. Den fertigen Teig im Gefäß abdecken (z.B. mit einem feuchten Tuch oder Frischhaltefolie) und an einem warmen Ort für etwa 60 Minuten ruhen lassen. Der Teig sollte sich in dieser Zeit deutlich vergrößern. Anschließend den aufgegangenen Teig aus der Schüssel nehmen und in vier gleich große Teigkugeln teilen. Diese Teigkugeln erneut abdecken und für weitere 60 Minuten gehen lassen. Dies sorgt für eine besonders luftige und knusprige Kruste.
- Schritt 3: Ofen vorheizen und Teig formen. Während der zweite Gehprozess läuft, können Sie bereits den Backofen vorheizen. Stellen Sie die Temperatur auf 250°C Ober-/Unterhitze ein. Wenn Sie Umluft bevorzugen, wählen Sie 230°C. Bei einem Gasofen ist Stufe 4 passend. Verteilen Sie etwas Hartweizengrieß auf Ihrer Arbeitsfläche. Nehmen Sie einen Teigballen und drücken Sie ihn vorsichtig von der Mitte nach außen zu einer runden Pizzaform aus. Vermeiden Sie dabei, den Rand zu stark zu bearbeiten, damit er schön aufgehen kann. Wiederholen Sie diesen Vorgang mit den restlichen Teigballen.
- Schritt 4: Belag vorbereiten und Pizza belegen. In der Zwischenzeit die Ananasstücke und den Mais gründlich abtropfen lassen. Den gekochten Schinken in mundgerechte Streifen schneiden. Nun geht es ans Belegen der Pizzen: Zuerst die Pizzatomaten gleichmäßig auf den Teigfladen verteilen, dabei einen kleinen Rand frei lassen. Anschließend die abgetropfte Ananas, den Mais und die Schinkenstreifen auf der Tomatensauce verteilen. Zum Schluss den geriebenen Gouda oder Pizzakäse großzügig darüberstreuen. Wer mag, kann die Pizza jetzt noch mit frischem Parmesan und den italienischen Gewürzen wie Basilikum, Oregano, Rosmarin oder Thymian bestreuen.
- Schritt 5: Pizzen backen. Sobald der Ofen die richtige Temperatur erreicht hat, schieben Sie die erste Pizza auf mittlerer Schiene in den Backofen. Backen Sie jede Pizza einzeln, da dies die besten Ergebnisse liefert. Pro Pizza dauert der Backvorgang etwa 6 bis 7 Minuten, bis der Rand goldbraun und knusprig ist und der Käse geschmolzen und leicht gebräunt ist. Falls Sie mehrere Personen gleichzeitig verköstigen möchten, können Sie die Pizzen nacheinander backen und servieren, sodass jeder eine frisch gebackene Pizza genießen kann.
Häufig gestellte Fragen zur Pizza Hawaii
Die Pizza Hawaii wirft viele Fragen auf, besonders im Kontext ihrer umstrittenen Natur. Hier sind einige der häufigsten:
Ist die Pizza Hawaii wirklich italienisch?
Nein, die Pizza Hawaii ist nicht italienisch. Obwohl der Pizzateig italienische Wurzeln hat, wurde die Kombination mit Ananas und Schinken von einem griechischen Einwanderer namens Sam Panopoulos im Jahr 1962 in Kanada erfunden. Sie ist ein klassisches Beispiel für Fusion-Küche, die Elemente verschiedener Kulturen vereint.

Warum ist Ananas auf Pizza so umstritten, besonders in Italien?
In Italien wird Pizza als ein nationales Kulturgut angesehen, dessen Traditionen und klassische Zubereitungsarten hochgehalten werden. Die Zugabe von Ananas, einer süßen, tropischen Frucht, wird von vielen Italienern als Bruch mit dieser Tradition und sogar als Beleidigung empfunden. Sie sehen es als eine Verfälschung eines perfekten Gerichts, das keine „exotischen“ Zusätze benötigt.
Wie viele Pizza Ananas Rezepte gibt es?
Die Beliebtheit der Pizza Hawaii spiegelt sich in der Vielfalt der verfügbaren Rezepte wider. Allein auf Chefkoch.de, einer bekannten Rezeptplattform, finden sich 142 verschiedene und leckere Pizza Ananas Rezepte. Dies zeigt, wie viele Menschen Freude an dieser besonderen Geschmackskombination haben und sie auf vielfältige Weise interpretieren.
Was ist die beliebteste Pizza der Welt?
Es gibt keine definitive „beliebteste Pizza der Welt“, da Geschmäcker regional und individuell stark variieren. Allerdings gehört die Pizza Hawaii, wie aus den vorliegenden Informationen hervorgeht, zweifellos zu den meistbestellten und am weitesten verbreiteten Pizzasorten weltweit. Sie konkurriert in ihrer Popularität mit Klassikern wie Margherita, Salami oder Prosciutto.
Kann man Pizza Hawaii einfach selbst machen?
Ja, absolut! Wie das oben ausführlich beschriebene Rezept zeigt, ist die Zubereitung einer Pizza Hawaii zu Hause relativ einfach und unkompliziert. Mit grundlegenden Zutaten für den Hefeteig und dem passenden Belag können Sie in kurzer Zeit eine köstliche Pizza zaubern, die ganz Ihrem persönlichen Geschmack entspricht. Es ist eine großartige Möglichkeit, die Frische und Qualität der Zutaten selbst zu bestimmen.
Fazit: Ein umstrittener Genuss
Die Pizza Hawaii bleibt ein Gericht, das polarisiert. Für die einen ist sie ein kulinarisches Sakrileg, für die anderen ein geliebter Klassiker, der süße und herzhafte Aromen perfekt vereint. Ihre Geschichte ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sich Essen über Kulturgrenzen hinweg entwickelt und anpasst. Ob Sie nun zu den Verteidigern oder den Kritikern gehören: Die Pizza Hawaii hat zweifellos ihren festen Platz in der globalen Pizzalandschaft erobert und wird auch weiterhin für Gesprächsstoff sorgen. Und wer weiß, vielleicht ist es gerade diese Kontroverse, die sie so unwiderstehlich macht.
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