15/04/2023
Wenn es um Pizza geht, führt kein Weg an Neapel vorbei. Diese pulsierende Stadt am Fuße des Vesuvs gilt als die unbestrittene Wiege des weltweit beliebtesten Fladenbrots. Es ist eine Stadt, in der die Kunst des Pizzabackens von Generation zu Generation weitergegeben wird, eine Tradition, die so tief in der Kultur verwurzelt ist, dass sie Ende 2017 von der UNESCO sogar zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Doch was macht die neapolitanische Pizza so einzigartig, und wo findet man wirklich die beste?
Die Geschichte der Pizza, wie wir sie heute kennen, begann nicht mit einem Schlag, sondern entwickelte sich über Jahrhunderte. Flachbrote mit verschiedenen Belägen gab es schon lange, aber die entscheidende Zutat – die Tomate – kam erst nach der Entdeckung Südamerikas nach Europa. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Tomate ihren Weg auf den Teig fand, begann die Ära der modernen Pizza. Neapel war das Epizentrum dieser kulinarischen Revolution.

Als eine der ältesten Pizzerien der Welt gilt die Antica Pizzeria Port’Alba, die bereits 1738 als Straßenstand existierte und 1830 zu einem vollwertigen Restaurant umgewandelt wurde. Auch die Pizzeria Brandi, gegründet 1780, zählt zu den historischen Adressen. Es wird sogar behauptet, hier sei die berühmte Pizza Margherita zu Ehren von Königin Margherita von Savoyen kreiert worden – eine Geschichte, die zwar umstritten ist, aber die Bedeutung dieser Pizzeria unterstreicht.
- Das Geheimnis der Verace Pizza Napoletana
- Die Klassiker: Marinara und Margherita
- Wie isst man Pizza in Neapel?
- Die besten Pizzerien Neapels: Eine kulinarische Entdeckungsreise
- Vergleich der Pizzerien
- Mehr als Pizza: Neapels kulinarische Vielfalt und Lebensart
- Häufig gestellte Fragen zur neapolitanischen Pizza
- Was ist der Hauptunterschied zwischen neapolitanischer Pizza und anderer Pizza?
- Warum ist der Rand der neapolitanischen Pizza so dick und luftig?
- Gibt es in Neapel auch Pizzen mit anderen Belägen als Margherita und Marinara?
- Was bedeutet „Pizza a Libretto“?
- Wie erkenne ich eine authentische neapolitanische Pizzeria?
- Fazit: Neapel – Ein Muss für jeden Pizza-Liebhaber
Das Geheimnis der Verace Pizza Napoletana
Die Besonderheit der neapolitanischen Pizza liegt in strengen Vorgaben, die von der Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) festgelegt wurden, um die Authentizität dieses Gerichts zu bewahren. Diese Regeln sind keine bloßen Empfehlungen, sondern ein Kodex, der die Herstellung des Teigs, die Auswahl der Zutaten und sogar die Backmethode präzise vorschreibt.
Zutaten und Teigzubereitung
- Mehl: Ausschließlich Tipo-00-Mehl wird verwendet, manchmal ergänzt durch eine kleine Menge Manitoba-Mehl für bessere Glutenentwicklung.
- Wasser: Eine genaue Hydration von 55,6 % bis 58,8 % ist vorgeschrieben, was bedeutet, dass auf ein Kilogramm Mehl etwa 550 bis 600 Gramm Wasser kommen.
- Hefe: Eine sehr geringe Menge Hefe (ca. 3 Gramm pro 1,7-1,8 kg Mehl) sorgt für eine lange Fermentation, die dem Teig seinen feinen, komplexen Geschmack verleiht.
- Salz: Nur Meersalz ist erlaubt.
- Tomaten: Für die Sauce werden vorzugsweise San-Marzano-Tomaten verwendet, die für ihr süß-säuerliches Aroma bekannt sind.
- Käse: Ausschließlich Fior di Latte (Kuhmilchmozzarella) oder Büffelmozzarella kommt in Frage. Er muss frisch sein und darf nicht zu feucht sein, um ein „Feuchtbiotop“ auf der Pizza zu vermeiden.
- Basilikum und Olivenöl: Frische Basilikumblätter und natives Olivenöl extra virgine runden den Belag ab.
Der Backprozess im Holzofen
Die neapolitanische Pizza wird traditionell in einem Holzofen gebacken, der Temperaturen von bis zu 485° Celsius in der Kuppel und 430° Celsius auf dem Ofenboden erreicht. Diese extreme Hitze sorgt für eine unglaublich kurze Backzeit von nur etwa 60 bis 90 Sekunden. Das Ergebnis ist ein Teig, der außen knusprig ist und innen wunderbar weich und elastisch bleibt. Der hohe Wasseranteil im Teig verdampft nicht vollständig, was zur charakteristischen Weichheit und Zartheit des cornicione (Rand) beiträgt.
Charakteristische Merkmale einer echten neapolitanischen Pizza
- Luftiger Rand (Cornicione): Der Rand ist hoch, luftig und weich wie ein Kissen. Beim Hineinbeißen sollte er eine zarte Knusprigkeit aufweisen, ohne zäh zu sein.
- Schwarze Punkte: Durch die hohe Hitze entstehen auf dem Teig und dem Boden dunkle, leicht verbrannte Flecken, die oft als „Leoparden-Muster“ bezeichnet werden. Diese sind ein Zeichen für die perfekte Backtemperatur und dürfen nicht bitter schmecken.
- Suppige Mitte: Die Mitte der Pizza ist sehr dünn und durch den feuchten Belag oft leicht „suppig“. Dies ist kein Mangel, sondern ein gewolltes Merkmal, das das Essen mit Messer und Gabel notwendig macht.
- Weniger Belag: Klassische neapolitanische Pizzen wie die Marinara und Margherita zeichnen sich durch ihren minimalistischen Belag aus, der die Qualität der wenigen Zutaten in den Vordergrund stellt.
Die Klassiker: Marinara und Margherita
In Neapel dreht sich alles um zwei Hauptvarianten, die den reinen Geschmack der neapolitanischen Pizza verkörpern:
- Pizza Marinara: Beladen mit Tomatensauce, Olivenöl, Knoblauch und Oregano. Sie ist die einfachste und älteste Form der Pizza, deren Name sich auf die Seefahrer (marinai) bezieht, die sie traditionell zubereiteten.
- Pizza Margherita: Die berühmteste neapolitanische Pizza, bestehend aus Tomatensauce, Mozzarella, frischem Basilikum und Olivenöl. Ihre Farben – Rot, Weiß, Grün – sollen die italienische Flagge symbolisieren und wurden der Legende nach zu Ehren von Königin Margherita kreiert.
Obwohl viele Pizzerien heute eine breitere Auswahl anbieten, ist es ein Muss, zumindest eine dieser klassischen Varianten zu probieren, um den unverfälschten Geschmack der neapolitanischen Pizza zu erleben.
Wie isst man Pizza in Neapel?
Anders als in vielen anderen Teilen der Welt wird die neapolitanische Pizza selten mit den Händen gegessen. Aufgrund ihrer weichen, oft „suppigen“ Mitte und des dünnen Bodens ist es fast unmöglich, sie ohne Hilfsmittel zu halten. Daher ist es in den meisten Pizzerien üblich, Messer und Gabel zu verwenden.
Für den schnellen Genuss unterwegs gibt es die Option „a Libretto“, bei der die Pizza gefaltet und aus der Hand gegessen wird. Dies ist oft bei Straßenverkäufern der Fall, kann aber aufgrund des flüssigen Belags zu einer kleinen Sauerei werden. Für das volle Geschmackserlebnis empfiehlt sich jedoch das Essen am Tisch mit Besteck.

Die besten Pizzerien Neapels: Eine kulinarische Entdeckungsreise
Die Suche nach der „besten“ Pizza ist immer subjektiv, aber einige Adressen in Neapel genießen einen legendären Ruf. Wir haben uns durch die Stadt geschlemmt, um Ihnen unsere Eindrücke zu teilen:
L’Antica Pizzeria da Michele
Die wohl bekannteste Pizzeria Neapels, berühmt geworden durch den Film „Eat Pray Love“ mit Julia Roberts. Schon vor der unscheinbaren Pizzeria versammeln sich Touristen und Einheimische gleichermaßen, oft mit Wartezeiten von bis zu zwei Stunden. Im Inneren ist die Atmosphäre spartanisch, schlicht, laut und hektisch. Die Auswahl ist begrenzt auf Margherita und Marinara, aber der Teig ist hervorragend: die perfekte Mischung aus Knusprigkeit und Luftigkeit, nicht trocken, sondern zartschmelzend im Mund. Die Tomatensauce bietet eine ideale Balance aus Süße und Säure. Obwohl die Präsentation der Pizza schnell und pragmatisch ist, leidet der Geschmack kaum darunter. Manch einer mag die „suppige“ Mitte als zu feucht empfinden, aber dies ist ein charakteristisches Merkmal. Da Michele ist zweifellos ein Prototyp der neapolitanischen Pizza.
Gino Sorbillo
Gino Sorbillo, aus einer traditionsreichen Pizzabäckerfamilie stammend, betreibt eine Pizzeria, die sich durch ihr modernes Ambiente und eine umfangreichere Pizzakarte auszeichnet. Die Wartezeiten sind hier ebenfalls beträchtlich, was die Beliebtheit unterstreicht. Die Pizzen bei Sorbillo sind von außergewöhnlicher Qualität: der Teig ist unglaublich weich und zergeht förmlich im Mund, die Tomatensauce ist perfekt gewürzt, und der schmelzende Käse verleiht jedem Bissen eine unwiderstehliche Saftigkeit. Für viele ist die Pizza von Gino Sorbillo die beste in Neapel, ein ernsthafter Konkurrent zu Da Michele. Wenn die Zeit für nur eine Pizzeria reicht, ist Sorbillo eine ausgezeichnete Wahl.
Pizzeria Brandi
Die Pizzeria Brandi ist eng mit der Legende der Pizza Margherita verbunden. Das Ambiente ist gediegener und gepflegter als in vielen anderen Pizzerien, was sie zu einer guten Wahl für diejenigen macht, die ein traditionelleres Restauranterlebnis suchen. Die Pizza ist gut, wenn auch nicht ganz so fluffig wie bei Sorbillo oder Da Michele. Der Käse ist besonders würzig und fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Die Preise sind hier etwas höher, aber die historische Bedeutung und das angenehme Ambiente rechtfertigen den Besuch.
Antica Pizzeria Port’Alba
Als die älteste Pizzeria Neapels (und vielleicht der Welt) bietet Port’Alba eine Reise in die Vergangenheit. Obwohl sie historisch bedeutsam ist, war die Pizzeria bei unserem Besuch mäßig besetzt und eher touristisch geprägt. Die Pizza war in Ordnung, aber erreichte nicht das Niveau der absoluten Spitzenreiter. Ein Besuch lohnt sich jedoch, um die Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes zu erleben.
Weitere bemerkenswerte Pizzerien
- Trianon da Ciro: Eine gute Alternative zu Da Michele, in unmittelbarer Nähe gelegen. Das Restaurant erstreckt sich über drei Stockwerke und bietet eine solide neapolitanische Pizza.
- Di Matteo: Bekannt, weil Bill Clinton hier 1994 eine Pizza auf die Hand bestellte. Besonders günstig für den Straßenverkauf, geschmacklich jedoch nicht immer auf dem Niveau der Top-Pizzerien, besonders wenn sie kalt wird.
- Dal Presidente: Von einem ehemaligen Pizzaiolo von Di Matteo gegründet, bietet auch diese Pizzeria eine gute, günstige Pizza, die man am besten im Lokal genießt. In der Nähe befindet sich übrigens auch ein berühmtes Banksy-Kunstwerk.
Vergleich der Pizzerien
Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hier eine Übersicht der besuchten Pizzerien:
| Pizzeria | Bekanntheit / Besonderheit | Atmosphäre | Preis Margherita (ca.) | Geschmack (subjektiv) | Wartezeit (Tendenz) |
|---|---|---|---|---|---|
| L’Antica Pizzeria da Michele | Weltbekannt (Film „Eat Pray Love“) | Spartanisch, authentisch, hektisch | 4 € | Hervorragend, klassisch | Sehr hoch |
| Gino Sorbillo | Familienbetrieb, moderne Filialen | Modern, lebhaft, beliebt | 4 € | Exzellent, weicher Teig | Hoch |
| Pizzeria Brandi | Angeblicher Geburtsort der Margherita | Gediegen, gepflegt, traditionell | 7,50 € | Gut, würziger Käse | Mäßig |
| Antica Pizzeria Port’Alba | Älteste Pizzeria Neapels | Historisch, eher touristisch | 4,50 € | Akzeptabel | Gering |
| Trianon da Ciro | Alternative zu Da Michele | Etwas rustikal, mehrstöckig | 4,50 € | Gut, solide | Mäßig |
| Di Matteo | Bill Clinton Besuch | Einfach, Straßenverkauf | 1,50 € (To-Go), 3 € (Restaurant) | Mittelmäßig (To-Go) | Gering (To-Go) |
| Dal Presidente | Ehemaliger Pizzaiolo von Di Matteo | Einfach, Straßenverkauf | 3 € (To-Go), 4 € (Restaurant) | Gut (To-Go) | Gering (To-Go) |
Mehr als Pizza: Neapels kulinarische Vielfalt und Lebensart
Auch wenn die Pizza der unbestrittene Star ist, hat Neapel noch viel mehr kulinarisch zu bieten. Die Stadt ist ein Fest für die Sinne, wo traditionelle Gerichte auf frische Meeresfrüchte treffen und die Gastfreundschaft großgeschrieben wird.
- La Bersagliera: Direkt am Kai von Santa Lucia gelegen, bietet dieses Restaurant frische Meeresfrüchte in entspannter Atmosphäre. Schon Richard Burton und Elizabeth Taylor sollen hier gespeist haben. Ein Muss für Liebhaber von Muscheln und gegrilltem Schwertfisch.
- Il Gobbetto: In einer kleinen Seitenstraße der Via Toledo gelegen, ist dieses rustikale und familiäre Restaurant ein Geheimtipp für preiswerte, aber qualitativ hochwertige neapolitanische Küche. Spaghetti mit Venusmuscheln, Schinken mit Mozzarella oder Schwertfisch Messina – alles zu unglaublich günstigen Preisen.
- Sterne-Restaurants: Für Gourmets bietet Neapel auch eine gehobene Küche. Das „Il Comandante“ im Hotel Romeo und das Palazzo Petrucci sind Beispiele für Restaurants, die mit Michelin-Sternen ausgezeichnet wurden und eine raffinierte Interpretation der neapolitanischen Küche bieten.
Neapel ist nicht nur ein Ort des Essens, sondern auch der Lebensart. Die Stadt fasziniert mit ihren Facetten, von den edlen Herrenschneidern wie Kiton bis zum einzigartigen Chic der jungen Frauen auf der Via Partenope. Trotz allgegenwärtiger Armut und Arbeitslosigkeit meistern die Neapolitaner ihr Leben mit einer bewundernswerten Lebensfreude und Grandezza. Diese Energie spiegelt sich auch in ihrer Küche wider.

Häufig gestellte Fragen zur neapolitanischen Pizza
Was ist der Hauptunterschied zwischen neapolitanischer Pizza und anderer Pizza?
Der Hauptunterschied liegt in den strengen AVPN-Richtlinien für Zutaten, Teigzubereitung und den Backprozess im extrem heißen Holzofen. Dies führt zu einem sehr weichen, luftigen Rand (cornicione) und einer dünnen, oft leicht suppigen Mitte, im Gegensatz zu den knusprigeren und festeren Böden anderer Pizzavarianten.
Warum ist der Rand der neapolitanischen Pizza so dick und luftig?
Der dicke und luftige Rand, der „cornicione“, entsteht durch die hohe Hydration des Teigs und die extrem kurze Backzeit bei sehr hohen Temperaturen im Holzofen. Das Wasser im Teig verdampft schnell und bläht den Teig auf, während die Außenseite schnell karamellisiert und knusprig wird.
Gibt es in Neapel auch Pizzen mit anderen Belägen als Margherita und Marinara?
Ja, obwohl Margherita und Marinara die klassischen und am weitesten verbreiteten Pizzen sind, bieten viele Pizzerien in Neapel inzwischen auch eine größere Auswahl an Belägen an, um den modernen Geschmäckern gerecht zu werden. Dennoch wird empfohlen, die klassischen Varianten zu probieren, um die Authentizität zu erleben.
Was bedeutet „Pizza a Libretto“?
„Pizza a Libretto“ bedeutet, dass die Pizza gefaltet wird (oft viermal), um sie bequem im Stehen oder Gehen aus der Hand essen zu können. Dies ist eine beliebte Art des Straßenverkaufs, besonders für den schnellen Hunger.
Wie erkenne ich eine authentische neapolitanische Pizzeria?
Achten Sie auf das AVPN-Siegel (Associazione Verace Pizza Napoletana), das viele authentische Pizzerien tragen. Weitere Anzeichen sind ein sichtbarer Holzofen, eine oft auf die Klassiker beschränkte Speisekarte und die charakteristischen Merkmale der Pizza selbst: luftiger Rand, leichte Brandblasen und eine dünne, weiche Mitte.
Fazit: Neapel – Ein Muss für jeden Pizza-Liebhaber
Die neapolitanische Pizza ist nicht umsonst UNESCO-Weltkulturerbe. Sie ist mehr als nur ein Gericht; sie ist ein Stück Geschichte, eine Kunstform und ein Ausdruck der neapolitanischen Kultur. Jeder, der Pizza wirklich liebt, sollte mindestens einmal im Leben nach Neapel reisen und sich dort durch die verschiedenen Pizzerien essen. Es ist eine Erfahrung, die den Gaumen verwöhnt und das Herz berührt. Die Suche nach der „besten Pizza der Welt“ mag subjektiv bleiben, aber die Reise dorthin ist in Neapel zweifellos die lohnendste.
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