07/08/2019
Pizza ist weit mehr als nur ein einfaches Gericht; sie ist ein kulinarisches Symbol Italiens, das weltweit gefeiert wird. Doch wer glaubt, es gäbe nur eine italienische Pizza, irrt sich gewaltig. Die Welt der italienischen Pizza ist reich an regionalen Spezialitäten, einzigartigen Zubereitungsarten und tief verwurzelten Traditionen. Jede Region, ja fast jede Stadt, hat ihre eigene Interpretation dieses beliebten Teigfladens, die sich in Kruste, Belag und Backweise unterscheidet. Diese Vielfalt macht die Erkundung der italienischen Pizza zu einer faszinierenden Reise durch die gastronomische Landschaft des Landes.

Von den tiefen Wurzeln Neapels, wo die moderne Pizza ihren Ursprung fand, bis zu den knusprigen Kreationen Roms und den deftigen Varianten Siziliens – jede Pizza erzählt eine Geschichte von lokalen Zutaten, kulturellen Einflüssen und generationsübergreifender Handwerkskunst. Es geht nicht nur darum, was auf die Pizza kommt, sondern auch darum, wie der Teig zubereitet wird, welche Hefe verwendet wird, wie lange er ruht und in welchem Ofen er gebacken wird. Diese Details sind entscheidend und tragen maßgeblich zum unverwechselbaren Charakter jeder regionalen Pizza bei. Machen Sie sich bereit, die Geheimnisse der italienischen Pizza zu lüften und die Unterschiede zu erkennen, die sie so besonders machen.
- Die Königin der Pizzen: Pizza Napoletana
- Die knusprige Rivalin: Pizza Romana
- Regionale Spezialitäten jenseits der Klassiker
- Die Magie der Zutaten und die Kunst des Backens
- Vergleich: Pizza Napoletana vs. Pizza Romana
- Häufig gestellte Fragen zur italienischen Pizza
- Fazit: Eine kulinarische Entdeckungsreise
Die Königin der Pizzen: Pizza Napoletana
Wenn man über italienische Pizza spricht, kommt man an Neapel nicht vorbei. Die Pizza Napoletana gilt als die Mutter aller Pizzen und ist sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Ihre Besonderheit liegt in ihrer Einfachheit und der strengen Einhaltung traditioneller Zubereitungsregeln, die von der Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) festgelegt wurden. Eine echte Pizza Napoletana zeichnet sich durch ihren weichen, elastischen und luftigen Teig aus, der am Rand (dem „cornicione“) hoch und souffléartig aufgeht und leicht verkohlt sein darf. Der Boden ist dünn und zart.
Es gibt zwei klassische Varianten der Pizza Napoletana:
- Pizza Margherita: Benannt nach Königin Margherita von Savoyen, die 1889 Neapel besuchte. Diese Pizza symbolisiert die italienische Flagge mit ihren Farben: rote Tomaten (San Marzano oder Piennolo del Vesuvio), weißer Mozzarella (traditionell Mozzarella di Bufala Campana DOP oder Fior di Latte Agerola) und grüner Basilikum. Ein Schuss natives Olivenöl extra rundet das Aroma ab. Die Tomatensoße ist oft nur leicht gewürzt, um den reinen Geschmack der Zutaten hervorzuheben.
- Pizza Marinara: Dies ist die älteste und puristischste Form der Pizza. Sie besteht lediglich aus Tomaten, Knoblauch, Oregano und nativem Olivenöl extra. Obwohl sie keinen Käse enthält, ist sie unglaublich aromatisch und ein Beweis dafür, dass weniger manchmal mehr ist. Ihr Name leitet sich von den Seemännern (marinai) ab, die sie früher als nahrhaftes Gericht auf langen Reisen schätzten.
Der Teig für die Pizza Napoletana wird nur aus Weichweizenmehl (Typ 00), Wasser, Salz und Hefe hergestellt. Er wird mindestens 8 Stunden, oft aber auch 24 Stunden oder länger, bei Raumtemperatur fermentiert. Gebacken wird die Pizza Napoletana in einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen (ca. 485°C) für nur 60 bis 90 Sekunden. Das Ergebnis ist eine Pizza, die außen knusprig und innen unglaublich weich und saftig ist.
Die knusprige Rivalin: Pizza Romana
Im Gegensatz zur weichen und fluffigen Pizza Napoletana steht die Pizza Romana, die für ihre dünne und knusprige Kruste bekannt ist. Sie wird oft als „scrocchiarella“ bezeichnet, was so viel wie „knusprig“ bedeutet. Der Teig der Pizza Romana ist fester und enthält im Gegensatz zur neapolitanischen Pizza oft etwas Olivenöl, was zu ihrer charakteristischen Textur beiträgt. Sie wird bei etwas niedrigeren Temperaturen und länger gebacken als die Napoletana, was zu ihrer gleichmäßigen Bräunung und Knusprigkeit führt.
Innerhalb der römischen Pizza gibt es zwei Hauptformen:
- Pizza Tonda Romana: Dies ist die runde, dünne Pizza, die man in vielen Pizzerien Roms findet. Sie ist sehr flach, oft mit einem kaum vorhandenen Rand, und wird großzügig belegt. Die Beläge sind vielfältiger als in Neapel und reichen von klassischen Kombinationen bis zu kreativen Mischungen mit römischen Spezialitäten wie Guanciale, Pecorino Romano und Artischocken.
- Pizza al Taglio: Wörtlich „Pizza nach dem Schnitt“. Diese rechteckige Pizza wird auf großen Backblechen gebacken und stückweise nach Gewicht oder Größe verkauft. Sie ist ideal für einen schnellen Snack zwischeerein und bietet eine riesige Auswahl an Belägen, von einfachen Tomaten und Mozzarella bis zu aufwendigeren Kreationen mit Gemüse, Fleisch oder Kartoffeln. Die Kruste kann hier je nach Bäcker variieren, ist aber tendenziell ebenfalls knusprig oder zumindest fest. Eine berühmte Variante ist die „Pizza bianca“, ein puristischer Teigfladen mit Olivenöl und Salz, der oft als Brotersatz oder zum Belegen mit Aufschnitt dient.
Regionale Spezialitäten jenseits der Klassiker
Italien bietet eine Fülle weiterer regionaler Pizzavariationen, die es zu entdecken gilt:
- Sfincione (Sizilien): Dies ist eine dicke, weiche und oft rechteckige Pizza, die eher einer Focaccia ähnelt. Der Teig ist luftig und wird traditionell mit einer Tomatensoße, Zwiebeln, Caciocavallo-Käse (oder ähnlichem), Sardellen und Paniermehl belegt. Sie ist deftiger und herzhafter als die meisten anderen Pizzen und ein fester Bestandteil der sizilianischen Küche, besonders in Palermo.
- Pizza Fritta (Neapel): Eine weitere neapolitanische Spezialität, die oft als Streetfood angeboten wird. Der Pizzateig wird frittiert, anstatt gebacken, was zu einer aufgeblähten, goldbraunen „Tasche“ führt, die oft mit Ricotta, Cicoli (frittierten Schweinegrieben) und Provolone gefüllt wird. Manchmal gibt es auch süße Varianten.
- Pizza al Padellino (Piemont): Eine kleine, runde Pizza, die in einer kleinen Eisenpfanne gebacken wird, oft mit Olivenöl im Boden. Dies führt zu einer besonders dicken, weichen und leicht frittierten Kruste am Boden. Sie ist typisch für Turin und die umliegende Region.
- Focaccia (Liguria): Obwohl streng genommen keine Pizza, ist die Focaccia ein enger Verwandter und in Ligurien ein Grundnahrungsmittel. Sie ist ein flaches Hefebrot, das mit Olivenöl, grobem Salz und manchmal Rosmarin belegt wird. Sie kann auch mit Zwiebeln, Oliven oder anderen Zutaten verfeinert werden und dient oft als Begleiter zu Mahlzeiten oder als Snack. Die Focaccia di Recco ist eine berühmte Variante mit geschmolzenem Käse zwischen zwei dünnen Teigschichten.
- Pizza Pugliese (Apulien): Diese Pizza ist oft dicker als die römische, aber nicht so weich wie die neapolitanische. Sie zeichnet sich oft durch die Verwendung von lokalen Zutaten aus, wie zum Beispiel die berühmten Tomaten aus Apulien, Oliven, Kapern und Zwiebeln. Eine besondere Form ist die „Focaccia Barese“, die mit Kartoffeln im Teig besonders weich wird und oft mit Kirschtomaten und Oliven belegt ist.
Die Magie der Zutaten und die Kunst des Backens
Der wahre Reichtum der italienischen Pizza liegt nicht nur in ihren regionalen Unterschieden, sondern auch in der Qualität und Einfachheit ihrer Zutaten. Einheimische Köche betonen immer wieder die Bedeutung von:
- Tomaten: Echte San Marzano Tomaten aus der Region Kampanien oder Piennolo del Vesuvio-Tomaten sind süß, fleischig und haben einen geringen Säuregehalt. Sie werden oft nur grob zerkleinert und nicht zu einer feinen Soße püriert, um ihre Frische zu bewahren.
- Käse: Mozzarella di Bufala Campana DOP (aus Büffelmilch) für die Napoletana oder Fior di Latte (aus Kuhmilch) für andere Pizzen sind unerlässlich. Ihre Frische und Schmelzeigenschaften sind entscheidend. In einigen Regionen kommen auch andere Käsesorten wie Provolone, Pecorino Romano oder Caciocavallo zum Einsatz.
- Olivenöl: Ein hochwertiges natives Olivenöl extra ist nicht nur ein Belag, sondern ein Geschmacksgeber, der vor oder nach dem Backen hinzugefügt wird.
- Basilikum: Frische Basilikumblätter sind für viele Pizzen unverzichtbar und werden oft erst nach dem Backen hinzugefügt, um ihr Aroma zu bewahren.
- Mehl: Typ 00 Weichweizenmehl ist Standard, aber auch andere Mehlsorten, oft aus lokalen Mühlen, finden Verwendung und tragen zur Textur bei.
Das Backen ist ein weiterer entscheidender Faktor. Während die Pizza Napoletana ihren unverwechselbaren Charakter einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen verdankt, werden andere Pizzen, wie die römische, oft in Gas- oder Elektroöfen bei etwas niedrigeren Temperaturen gebacken, was zu ihrer unterschiedlichen Textur führt. Die Kontrolle der Temperatur und der Backzeit ist eine Kunst, die über Jahre hinweg perfektioniert wird.
Vergleich: Pizza Napoletana vs. Pizza Romana
Um die Unterschiede zwischen den beiden bekanntesten Pizzatypen besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich:
| Merkmal | Pizza Napoletana | Pizza Romana |
|---|---|---|
| Herkunft | Neapel | Rom |
| Kruste/Rand | Weich, luftig, hoch (cornicione), souffléartig | Dünn, knusprig, kaum Rand ('scrocchiarella') |
| Teigzutaten | Mehl (00), Wasser, Salz, Hefe | Mehl (00), Wasser, Salz, Hefe, oft Olivenöl |
| Backzeit | 60-90 Sekunden | 2-4 Minuten |
| Ofentemperatur | Sehr hoch (ca. 485°C) | Hoch (ca. 350-400°C) |
| Typischer Ofen | Holzofen | Holz-, Gas- oder Elektroofen |
| Textur | Weich, elastisch, saftig | Knusprig, fest |
| Belag | Klassisch: Margherita, Marinara (wenige, hochwertige Zutaten) | Vielfältiger, oft reichhaltiger (Tonda, al Taglio) |
Häufig gestellte Fragen zur italienischen Pizza
Hier sind einige der am häufigsten gestellten Fragen, die Ihnen helfen, die Welt der italienischen Pizza noch besser zu verstehen:
Was ist der Unterschied zwischen Pizza und Focaccia?
Obwohl sie beide aus einem Hefeteig hergestellt werden und oft ähnliche Beläge haben können, gibt es deutliche Unterschiede. Pizza ist in der Regel dünner und wird mit einer Sauce (meist Tomate) und Käse belegt. Focaccia ist dicker, weicher, luftiger und wird traditionell mit Olivenöl und grobem Salz belegt, seltener mit einer Sauce oder Käse. Sie wird oft als Beilage oder Brotersatz gegessen, während Pizza ein eigenständiges Hauptgericht ist.
Warum ist die Pizza in Italien so besonders?
Die Besonderheit der italienischen Pizza liegt in der Kombination aus hochwertigen, oft regionalen Zutaten, der jahrhundertealten Tradition der Teigherstellung und dem Wissen um die richtige Backweise. Es ist die Liebe zum Detail, die von der Auswahl des Mehls bis zur Temperatur des Ofens reicht, die den Unterschied macht. Es geht um die Balance der Aromen und die perfekte Textur.
Gibt es auch vegetarische oder vegane Pizza in Italien?
Ja, absolut! Die klassische Pizza Marinara ist von Natur aus vegan, da sie nur Tomaten, Knoblauch, Oregano und Öl enthält. Viele Pizzerien bieten auch vegetarische Optionen mit frischem Gemüse wie Pilzen, Auberginen, Zucchini oder Paprika an. Fragen Sie einfach nach einer „Pizza Vegetariana“ oder nach Belägen ohne Fleisch und Käse. In größeren Städten und touristischen Gebieten finden sich zunehmend auch vegane Käsealternativen, obwohl diese in traditionellen Pizzerien seltener sind.
Was ist eine „Pizza Gourmet“ in Italien?
„Pizza Gourmet“ oder „Pizza Contemporanea“ ist ein relativ neuer Trend in Italien, der die traditionellen Pizzagrundlagen mit innovativen und oft hochqualitativen Zutaten kombiniert. Der Teig ist oft besonders lang fermentiert und leicht verdaulich, und die Beläge sind kreativer, saisonaler und manchmal sogar „dekonstruiert“, d.h. die Zutaten werden erst nach dem Backen hinzugefügt, um ihre Frische und Textur zu bewahren. Diese Pizzen sind oft teurer, bieten aber ein einzigartiges Geschmackserlebnis.
Wie erkennt man eine gute italienische Pizzeria?
Eine gute italienische Pizzeria erkennt man oft an folgenden Merkmalen: Ein Holzofen ist ein gutes Zeichen (besonders für neapolitanische Pizza). Die Speisekarte ist oft nicht überladen, sondern konzentriert sich auf eine Auswahl klassischer Pizzen. Die Zutaten sollten frisch aussehen und riechen. Der Teig sollte sichtbar gut aufgegangen sein und beim Schneiden nicht matschig wirken. Achten Sie auf das Gütesiegel der AVPN, wenn Sie eine echte Pizza Napoletana suchen. Ein weiteres Indiz ist die Anzahl der Einheimischen, die dort essen – ein gutes Zeichen für Authentizität.
Darf man in Italien Pizza mit Besteck essen?
In Italien ist es durchaus üblich, Pizza mit Messer und Gabel zu essen, besonders in Restaurants. Die Pizza Napoletana ist aufgrund ihres weichen Bodens oft schwer mit der Hand zu essen, ohne dass der Belag herunterfällt. Pizza al Taglio wird in Stücken verkauft und oft im Stehen oder Gehen gegessen. Es gibt keine strengen Regeln; essen Sie so, wie es für Sie am bequemsten ist!
Fazit: Eine kulinarische Entdeckungsreise
Die italienische Pizza ist ein faszinierendes Beispiel für regionale Vielfalt und kulinarische Exzellenz. Von der einfachen, doch perfekten Pizza Napoletana bis zur knusprigen Pizza Romana und den unzähligen lokalen Spezialitäten bietet Italien eine Pizzalandschaft, die jeden Gaumen begeistert. Jede Pizza ist ein Ausdruck der Kultur, der Geschichte und der lokalen Produkte ihrer Herkunftsregion.
Egal, ob Sie die weiche, luftige Kruste Neapels, die knusprige Textur Roms oder die deftigen Aromen Siziliens bevorzugen – die italienische Pizza ist immer ein Erlebnis. Sie ist ein Gericht, das Menschen zusammenbringt und die Freude an gutem Essen zelebriert. Tauchen Sie ein in diese wundervolle Welt, probieren Sie sich durch die verschiedenen Sorten und entdecken Sie Ihre persönliche Lieblingspizza. Buon appetito!
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Die Vielfalt der italienischen Pizza kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Pizza besuchen.
