10/01/2021
Manchmal verlangt der Gaumen nach etwas Unerwartetem, nach einer kulinarischen Abwechslung, die alle Konventionen sprengt. Und genau hier kommt die frittierte Pizza ins Spiel – ein Gericht, das auf den ersten Blick vielleicht überrascht, aber bei genauerem Hinsehen und erst recht beim ersten Bissen mit seiner einzigartigen Textur und seinem intensiven Geschmack restlos überzeugt. Vergessen Sie alles, was Sie über traditionelle Ofenpizza wissen, denn hier betreten wir ein Reich, in dem Teig und heißes Öl eine magische Verbindung eingehen, die zu einem Ergebnis führt, das gleichermaßen dekadent, befriedigend und überraschend raffiniert ist.

Die Vorstellung, Pizza zu frittieren, mag für manche zunächst befremdlich wirken. Doch diese Zubereitungsart ist keineswegs eine moderne Marotte, sondern hat eine reiche Geschichte und kulturelle Bedeutung in verschiedenen Teilen der Welt. Es ist eine Hommage an die Kreativität in der Küche, an die Fähigkeit, aus einfachen Zutaten etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch die Geschichte, die Zubereitung und die unwiderstehliche Anziehungskraft dieses knusprigen Wunders.
- Die Wurzeln in Neapel: Pizza Fritta
- Schottlands einzigartige Variante: Deep Fried Pizza und Pizza Crunch
- Die Faszination des Frittierens: Was macht frittierte Pizza so besonders?
- Die Kunst der Zubereitung zu Hause: Ein Blick in Gordons Küche
- Rezeptinspiration: Gordons frittierte Pizza (Angelehnt an Ava's Modifikationen)
- Häufig gestellte Fragen zur frittierten Pizza
- Fazit: Ein kulinarisches Abenteuer
Die Wurzeln in Neapel: Pizza Fritta
Die Wiege der frittierten Pizza liegt, wie so oft bei den größten Pizzakreationen, in Neapel, Italien. Hier ist sie unter dem Namen Pizza Fritta bekannt und fest in der Streetfood-Kultur der Stadt verankert. Die Pizza Fritta entstand aus der Notwendigkeit heraus, eine köstliche Pizza zuzubereiten, ohne auf einen traditionellen Pizzaofen angewiesen zu sein. Für Straßenhändler und kleinere Lokale, die keinen Platz oder die Mittel für einen großen Ofen hatten, bot das Frittieren eine praktische und effiziente Alternative.
Die klassische neapolitanische Pizza Fritta wird typischerweise auf zwei Arten zubereitet: Die erste und wohl bekannteste Variante besteht darin, eine Scheibe Pizzateig in heißem Öl goldbraun zu frittieren, bevor sie anschließend mit den gewünschten Belägen wie Tomatensauce, Mozzarella und frischem Basilikum belegt und serviert wird. Der Teig entwickelt dabei eine unglaubliche Leichtigkeit und eine luftige, dennoch knusprige Kruste, die die Saucen und den Käse wunderbar aufnimmt.
Die zweite gängige Methode ähnelt eher einem Calzone: Hier werden die Füllungen, oft Ricotta, Cicoli (Schweinegrieben) und manchmal auch Salami oder Tomaten, in eine Teigtasche eingeschlossen, die dann vollständig frittiert wird. Das Ergebnis ist eine Art frittierte, gefüllte Pizza, die innen wunderbar saftig und außen herrlich knusprig ist. Diese Variante ist besonders sättigend und ein beliebtes Mittagessen oder Snack für unterwegs in Neapel. Die Einfachheit der Zubereitung und der unverwechselbare Geschmack haben die Pizza Fritta zu einem festen Bestandteil der neapolitanischen kulinarischen Identität gemacht.
Schottlands einzigartige Variante: Deep Fried Pizza und Pizza Crunch
Während die Pizza Fritta in Italien eine lange Tradition hat, gibt es in Schottland eine ganz eigene Interpretation der frittierten Pizza, die in den dortigen „Chip Shops“ (Imbissbuden) weit verbreitet ist. Die schottische Deep Fried Pizza unterscheidet sich deutlich von ihrem italienischen Pendant. Hier wird in der Regel eine bereits vorgefertigte Pizza – oft eine einfache Tiefkühlpizza – ohne Panade direkt in der Fritteuse zubereitet. Das Ergebnis ist eine heiße, ölige und unglaublich sättigende Mahlzeit, die oft mit Pommes frites als „Pizza Supper“ serviert wird.
Eine weitere, noch extremere Variante ist der „Pizza Crunch“ oder „Pizza Crunch Supper“. Bei dieser Version wird ein halbes Stück oder eine ganze Scheibe Pizza in einem Teigmantel (ähnlich einem Fisch-and-Chips-Teig) frittiert. Der Teigmantel verleiht der Pizza eine zusätzliche Schicht aus Knusprigkeit und Fett, was sie zu einem beliebten, wenn auch nicht gerade gesunden, Imbissgericht macht. Diese schottischen Varianten sind ein Paradebeispiel für die Anpassung von Gerichten an lokale Geschmäcker und Essgewohnheiten, auch wenn sie aus kulinarischer Sicht vielleicht polarisieren mögen. Sie zeigen jedoch die Vielseitigkeit und die globale Anziehungskraft der Pizza.
Vergleich: Italien vs. Schottland
Um die Unterschiede zwischen diesen beiden frittierten Pizza-Welten besser zu verstehen, werfen wir einen Blick auf eine kleine Gegenüberstellung:
| Merkmal | Italienische Pizza Fritta | Schottische Deep Fried Pizza / Pizza Crunch |
|---|---|---|
| Ursprung | Neapel, Italien | Schottische Imbissbuden |
| Zubereitung | Teigscheibe frittiert, dann belegt ODER gefüllte Teigtasche frittiert | Vorgefertigte Pizza ohne Panade frittiert ODER mit Panade (Pizza Crunch) |
| Typisch | Authentisches Street Food, oft mit frischen Zutaten | Imbissgericht, oft als schnelles, sättigendes Essen |
| Geschmacksprofil | Leicht, luftig, aromatisch, mit Fokus auf Teig und Belag | Herzhaft, fettig, starker "Comfort Food"-Charakter |
| Serviert mit | Verschiedenen traditionellen Belägen | Oft mit Pommes (als "Supper") |
Die Faszination des Frittierens: Was macht frittierte Pizza so besonders?
Die Anziehungskraft der frittierten Pizza liegt in ihrer einzigartigen Textur. Der Teig, der im heißen Öl badet, entwickelt eine unvergleichliche Außenhaut, die gleichzeitig federleicht und unglaublich knusprig ist, während das Innere weich und zart bleibt. Diese Kombination ist ein Fest für die Sinne. Das Frittieren verleiht dem Teig eine fast wolkenartige Konsistenz, die sich von der dichten, zähen Textur einer Ofenpizza deutlich unterscheidet.

Darüber hinaus nimmt der frittierte Teig die Aromen der Beläge und des Öls auf eine Weise auf, die beim Backen nicht möglich ist. Die Tomatensauce dringt in die kleinen Luftbläschen und Vertiefungen des Teigs ein, der Käse schmilzt zu goldenen Pfützen und das Olivenöl glänzt verlockend. Jeder Bissen ist eine Explosion von Geschmack und Textur – reichhaltig, unordentlich und auf eine seltsame Weise rebellisch. Es ist eine Pizza, die sich nicht um Konventionen schert, die einfach nur puren Genuss verspricht.
Die Kunst der Zubereitung zu Hause: Ein Blick in Gordons Küche
Die Vorstellung, frittierte Pizza zu Hause zuzubereiten, mag einschüchternd wirken, doch mit den richtigen Techniken und einer Prise Abenteuerlust ist es absolut machbar. Selbst renommierte Köche wie Gordon Ramsay haben sich dieser Herausforderung gestellt und gezeigt, wie man ein scheinbar einfaches Gericht in ein Meisterwerk verwandeln kann. Ramsays Ansatz kombiniert die Tiefe eines lang fermentierten Teigs mit der Intensität des Frittierens, um ein Ergebnis zu erzielen, das sowohl knusprig als auch erstaunlich raffiniert ist.
Der Schlüssel zu einer außergewöhnlichen frittierten Pizza liegt im Teig. Ein lang fermentierter Teig, der 8 bis 16 Stunden gehen durfte, entwickelt eine komplexere Geschmacksnote und eine bessere Struktur, die dem Frittieren standhält. Nach dem Frittieren wird die Pizza kurz unter den Grill geschoben, um den Käse perfekt zu schmelzen und die Ränder leicht zu bräunen. Frische Tomatensauce, hochwertiger Mozzarella und frischer Basilikum runden das Erlebnis ab.
Bei der Zubereitung kann es wild zugehen. Es ist keine ruhige, meditative Kochsession, sondern eher ein Tanz mit heißem Öl und schnell schmelzendem Käse. Doch das Ergebnis – ein goldbraunes, knuspriges Wunderwerk – ist die Mühe wert. Manchmal braucht man einfach dieses Gefühl von Genuss, das über das Nötige hinausgeht, ein Gericht, das „Chaos“ und „Komfort“ vereint.
Wichtige Tipps für die perfekte frittierte Pizza
- Der Teig ist entscheidend: Lassen Sie den Teig so lange wie möglich fermentieren. Acht Stunden sind ein guter Anfang, aber 16 Stunden bringen noch mehr Geschmackstiefe. Auch wenn der Teig nicht „perfekt“ schmeckt, wird er wunderbar frittieren.
- Die richtige Öltemperatur: Halten Sie die Temperatur des Frittieröls bei konstanten 175°C (350°F). Ist das Öl zu heiß, verbrennt der Teig außen, bevor er innen gar ist. Ist es zu kalt, saugt der Teig zu viel Öl auf und wird matschig. Ein Küchenthermometer ist hier unerlässlich.
- Löcher in den Teig stechen: Bevor Sie den Teig frittieren, stechen Sie ein paar Löcher hinein. Andernfalls bläht er sich wie ein Ballon auf und bildet eine riesige Luftblase, die schwer zu belegen ist. Ein kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Einmal vergessen, und schon hatte ich einen riesigen Teig-Ravioli!
- Vorsicht beim Frittieren: Verwenden Sie eine Schaumkelle, um den Teig vorsichtig ins Öl zu legen und wieder herauszunehmen. Das Frittieren kann spritzig sein, also seien Sie vorsichtig.
- Schnelles Gratinieren: Sobald die Pizza frittiert und belegt ist, geht es schnell unter den Grill. Beobachten Sie den Käse genau – er schmilzt innerhalb von Sekunden. Ein Augenblick der Unachtsamkeit, und er ist verbrannt.
Rezeptinspiration: Gordons frittierte Pizza (Angelehnt an Ava's Modifikationen)
Dieses Rezept ist für jene Momente, in denen Sie etwas Besonderes wollen, etwas, das über die gewöhnliche Freitagabendpizza hinausgeht. Es ist für den Hunger nach knusprigem Komfort und absoluter Geschmacksfreiheit. Bringen Sie das Öl, bringen Sie das Drama!
Zutaten (für 4 Portionen):
- Für den Teig:
- 450g Brotmehl (Typ 550 oder 405)
- 8,5g koscheres Salz
- 5,6g Trockenhefe
- 310ml Wasser
- Für den Belag:
- 400g ganze geschälte italienische Tomaten (aus der Dose, im Saft)
- 350–450g Mozzarella (Kuhmilch-Mozzarella, da Büffelmozzarella nicht immer verfügbar ist)
- Frische Basilikumblätter
- 60ml natives Olivenöl extra
- Zusätzliches Salz, nach Geschmack
- Optional: Knoblauch für die Sauce
- Zum Frittieren:
- Ca. 1,9L Pflanzenöl, Rapsöl oder Erdnussöl
Zubereitungsschritte:
- Den Teig vorbereiten: Mehl, Salz und Hefe in einer großen Schüssel vermischen. Das Wasser hinzufügen und alles zu einem groben Teig verrühren. Den Teig etwa 30 Sekunden lang kneten, dann die Schüssel abdecken und den Teig bei Raumtemperatur 8 bis 16 Stunden gehen lassen. Je länger, desto besser der Geschmack.
- Teig formen & ruhen lassen: Den Teig in vier gleich große Kugeln teilen. Auf einer bemehlten Fläche platzieren, abdecken und weitere 2 Stunden ruhen lassen.
- Die Sauce zubereiten: Die ganzen Tomaten in einem Mixer oder mit einem Pürierstab zu einer groben Sauce verarbeiten. Mit Salz abschmecken. Wer mag, kann hier auch eine Knoblauchzehe hinzufügen – es verleiht der Sauce eine wunderbare Intensität.
- Mozzarella vorbereiten: Den Mozzarella in grobe Stücke reißen. Überschüssige Flüssigkeit vorsichtig ausdrücken, um zu verhindern, dass die Pizza beim Belegen zu wässrig wird.
- Öl erhitzen: In einem tiefen, stabilen Topf oder einer Fritteuse das Öl auf 175°C (350°F) erhitzen. Seien Sie dabei äußerst vorsichtig!
- Teig frittieren: Eine Teigkugel auf einer leicht bemehlten Fläche zu einem etwa 25 cm großen Kreis flach drücken. Ein paar Löcher in den Teig stechen. Den Teig vorsichtig ins heiße Öl geben und etwa 45 Sekunden pro Seite frittieren, bis er goldbraun und knusprig ist. Den frittierten Teig auf Küchenpapier abtropfen lassen, um überschüssiges Öl zu entfernen.
- Belegen und gratinieren: Den frittierten Teig auf ein Backblech oder in eine ofenfeste Pfanne legen. Sofort mit Tomatensauce, Mozzarella und frischem Basilikum belegen. Eine Prise Salz und einen großzügigen Schuss Olivenöl darüber geben. Unter den vorgeheizten Grill (Oberhitze) schieben und etwa 45 Sekunden lang gratinieren, bis der Käse geschmolzen und die Ränder leicht knusprig sind.
- Sofort servieren: Am besten sofort genießen, solange die Pizza noch warm und unwiderstehlich knusprig ist. Vielleicht mit einem Lätzchen, es kann eine kleine Sauerei werden, aber eine köstliche!
Häufig gestellte Fragen zur frittierten Pizza
Kann ich das Frittieren weglassen?
Technisch gesehen ja, Sie könnten den Teig auch im Ofen backen. Aber warum sollten Sie? Das Gericht heißt ja schließlich „frittierte Pizza“! Der einzigartige Geschmack und die Textur entstehen erst durch das Frittieren. Ohne diesen Schritt wäre es einfach eine normale Pizza, und das wäre nicht dasselbe Erlebnis.
Was, wenn ich keinen Grill (Broiler) habe?
Kein Problem! Sie können stattdessen Ihren Ofen auf die höchste Stufe (Ober-/Unterhitze oder Umluft) vorheizen. Legen Sie die belegte, frittierte Pizza in den heißen Ofen, bis der Käse Blasen wirft und goldbraun ist. Beobachten Sie sie sehr genau, da dies schnell gehen kann.
Kann ich fertigen Pizzateig aus dem Supermarkt verwenden?
Ja, das ist möglich. Fertiger Pizzateig ist eine praktische Abkürzung, wenn Sie wenig Zeit haben. Beachten Sie jedoch, dass der Teig möglicherweise nicht so luftig und zart wird wie ein selbstgemachter, lang fermentierter Teig. Der Geschmack wird immer noch gut sein, aber die Textur könnte etwas dichter ausfallen. Aber kein Urteil hier – manchmal muss es einfach schnell gehen!
Fazit: Ein kulinarisches Abenteuer
Die frittierte Pizza ist weit mehr als nur eine Kuriosität. Sie ist ein Beweis dafür, wie vielseitig und anpassungsfähig eines der beliebtesten Gerichte der Welt sein kann. Ob als authentische Pizza Fritta aus Neapel oder als herzhafter Imbiss aus Schottland – sie bietet ein Geschmackserlebnis, das sich von der traditionellen Ofenpizza abhebt. Die Kombination aus knusprigem Teig, schmelzendem Käse und aromatischer Sauce macht sie zu einem wahrhaft unvergesslichen Genuss.
Sie ist vielleicht nichts für jeden Tag, aber für jene Momente, in denen die Welt ein wenig zu viel wird und man eine „Pizza-Umarmung“ braucht, die über das Übliche hinausgeht, trifft die frittierte Pizza genau den richtigen Nerv. Sie ist genussvoll, ein bisschen verrückt und auf eine seltsame Weise ermutigend. Wagen Sie das Experiment und entdecken Sie selbst, warum dieses Gericht so viele Herzen erobert hat!
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