Wie viele Pizzamann Filialen gibt es in Wien?

Pizzamann: Pionier im Sanierungsverfahren

06/10/2013

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In der schnelllebigen Welt der Gastronomie, insbesondere im Bereich der Essenslieferung, sind Beständigkeit und Anpassungsfähigkeit entscheidende Faktoren für den Erfolg. Pizzamann, eine Marke, die in Österreich seit über fünf Jahrzehnten für Pizza-Lieferungen steht, sieht sich derzeit mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Die PHD Service GmbH, die Betreiberfirma hinter der bekannten Pizzakette, hat kürzlich einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens am Wiener Handelsgericht eingebracht. Diese Nachricht wirft Fragen auf, die wir in diesem Artikel detailliert beleuchten wollen: Wie viele Filialen sind betroffen? Was bedeutet das für Kunden und Mitarbeiter? Und wie geht es mit dem Pionier der österreichischen Pizza-Lieferung weiter?

Inhaltsverzeichnis

Die Geburtsstunde eines Lieferpioniers: Von Wurstelmann zu Pizzamann

Die Geschichte von Pizzamann ist eine faszinierende Erzählung über Unternehmergeist und die Identifikation einer Marktlücke. Im Jahr 1972, zu einer Zeit, als die Konzepte der Essenslieferung in Österreich noch in den Kinderschuhen steckten, erkannte Adolf Platzl, inspiriert von seinen Erfahrungen in England und den USA, das enorme Potenzial einer professionellen Home-Delivery-Kette. Er gründete die Marke „Wurstelmann“ mit der klaren Vision, ein völlig neues Gastronomie-System zu etablieren. Sein Ziel war es, die Effizienz und den Service amerikanischer Liefermodelle mit der hohen Qualität der heimischen Gastronomie zu verbinden. Was einst als „Wurstelmann“ begann, entwickelte sich bald zu dem uns heute bekannten „Pizzamann“ und legte den Grundstein für eine ganze Branche in Österreich.

Wie viele Pizzamann Filialen gibt es in Wien?
Die PHD Service GmbH, welche die Betreiberfirma der Pizza-Lieferkette "Pizzamann" ist, hat diese Woche einen Antrag für ein Sanierungsverfahren am Wiener Handelsgericht eingebracht. Derzeit hat die Kette fünf Filialen in Wien, weitere sechs in drei anderen Bundesländern. Das Kerngeschäft soll jedoch ohne Einschränkungen weitergehen. WIEN.

Der erste Meilenstein in der Expansion war die Eröffnung der ersten Filiale im Jahr 1986 in Linz. Dieser Schritt markierte den Beginn einer landesweiten Präsenz. Kurz darauf positionierte sich „Pizzamann“ als Franchise-System auf dem Markt. Dieses Modell ermöglichte ein schnelles Wachstum und die Etablierung zahlreicher Standorte, da lokale Unternehmer die Möglichkeit erhielten, unter der etablierten Marke zu operieren. Im Jahr 2002 erreichte Pizzamann mit 25 Standorten seinen Höhepunkt und Adolf Platzl übergab die Geschäftsführung an seine Söhne Alexander und Oliver, was einen wichtigen Generationswechsel einleitete. Die Marke blieb nicht stehen: 2014 erfolgte ein umfassender Relaunch, der eine neue Teigsorte für American Pizzen, eine größere Auswahl an Basissaucen und eine Vielfalt an neuen Toppings einführte. Dies zeigte die Bereitschaft des Unternehmens, sich ständig an die sich ändernden Kundenwünsche anzupassen und Innovationen voranzutreiben.

Herausforderungen in der Lieferlandschaft: Das Sanierungsverfahren

Trotz dieser langen und erfolgreichen Geschichte sieht sich Pizzamann nun mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Am 25. Februar hat die PHD Service GmbH, die als Betreiberfirma von Pizzamann fungiert, einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens am Wiener Handelsgericht eingebracht. Obwohl das Verfahren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht offiziell eröffnet wurde, ist der Antrag ein klares Zeichen für die angespannte Lage.

Die Verschuldung beläuft sich laut Creditreform-Insolvenzreferentin Venka Stojnic auf knapp 600.000 Euro, wovon neun Dienstnehmende und 30 Gläubiger betroffen sind. Der Hauptgrund für diese finanzielle Schieflage wird im Eigenantrag des Unternehmens klar benannt: Der enorme Konkurrenzdruck, der durch die Übernahme der Speisenlieferung in Österreich durch international agierende Zustellkonzerne entstanden ist. Diese großen Plattformen, die jedem gastronomischen Anbieter zur Verfügung stehen, haben den Markt grundlegend verändert. Während Pizzamann über Jahrzehnte hinweg ein Monopol auf die Pizza-Heimlieferung in Österreich genoss, haben die neuen Player mit ihren technologisch fortschrittlichen Apps, breiten Marketingkampagnen und großen Kurierflotten die Spielregeln neu definiert. Pizzamann hat versucht, diesem Trend entgegenzuwirken und strategische Partner zu finden, doch diese Bemühungen scheiterten letztendlich.

Pizzamann heute: Filialen und Geschäftsmodell in Zeiten der Krise

Eine der häufigsten Fragen, die sich in einer solchen Situation stellt, betrifft die unmittelbare Verfügbarkeit der Dienstleistungen. Es ist wichtig zu betonen, dass das Kerngeschäft von Pizzamann ohne Einschränkungen weitergehen soll. Das bedeutet: Sie können weiterhin Ihre Lieblingspizza bestellen und sich liefern lassen. Derzeit betreibt Pizzamann insgesamt elf Filialen in Österreich, die sich auf Wien, Oberösterreich, Salzburg und Tirol verteilen.

In Wien, der Bundeshauptstadt, gibt es aktuell fünf Pizzamann-Standorte. Diese befinden sich an folgenden Adressen:

  • Franzensbrückenstraße 13 (2. Bezirk)
  • Ziegelofengasse 41 (5. Bezirk)
  • Hütteldorfer Straße 23 (15. Bezirk)
  • Gersthofer Straße 2a (18. Bezirk)
  • Breitenfurter Straße 228 (23. Bezirk)

Die Weiterführung des Betriebs ist möglich, da, wie Gesellschafter Oliver Platzl gegenüber dem „Kurier“ betonte, lediglich die Betreiberfirma, die PHD Service GmbH, vom Sanierungsverfahren betroffen ist. Diese Firma ist primär für die Vergabe und Einhaltung der Mietverträge mit den einzelnen Franchisenehmern zuständig. Die Marke „Pizzamann“ selbst und die Belieferung der Franchisepartner mit Lebensmitteln und Materialien erfolgt über die SGS Handels GmbH, die nicht direkt von diesem Verfahren betroffen ist. Dies ist ein entscheidender Punkt, der die Resilienz des Franchise-Systems unterstreicht und erklärt, warum die Filialen ihren Betrieb normal fortsetzen können. Die Lieferkette bleibt intakt.

Die Evolution des Pizza-Liefermarktes: Ein Paradigmenwechsel

Die Schwierigkeiten von Pizzamann sind symptomatisch für einen umfassenderen Wandel in der Gastronomie- und Lieferbranche. Vor einigen Jahrzehnten war die eigene Lieferinfrastruktur ein klares Wettbewerbsvorteil und ein Alleinstellungsmerkmal. Unternehmen wie Pizzamann investierten massiv in eigene Fahrer, Fahrzeuge und Bestellsysteme. Dies schuf eine direkte Kundenbeziehung und ermöglichte volle Kontrolle über den gesamten Lieferprozess.

Mit dem Aufkommen digitaler Technologien und der Etablierung globaler Lieferplattformen wie Lieferando, Wolt oder Glovo hat sich das Spielfeld jedoch dramatisch verändert. Diese Plattformen bieten Restaurants – ob groß oder klein – eine enorme Reichweite, eine einfache Bestellabwicklung über Apps und eine professionelle Logistik, oft ohne eigene Lieferflotte vorhalten zu müssen. Während dies für viele kleinere Betriebe eine Chance darstellt, birgt es für etablierte Lieferketten wie Pizzamann auch erhebliche Herausforderungen:

  • Erhöhter Wettbewerb: Plötzlich konkurrieren traditionelle Lieferdienste nicht nur mit anderen Lieferdiensten, sondern mit nahezu jedem Restaurant, das sich einer Lieferplattform anschließt.
  • Kostenstruktur: Die hohen Provisionen, die an Lieferplattformen abgeführt werden müssen, können die Margen stark belasten. Selbst wenn Pizzamann nicht direkt über diese Plattformen liefert, beeinflussen sie die Preisgestaltung und die Erwartungen der Kunden.
  • Kundenbindung: Die direkte Kundenbeziehung, die einst ein großer Vorteil war, kann durch die Nutzung von Drittanbieter-Plattformen verwässert werden, da die Kunden primär mit der Plattform interagieren und nicht direkt mit dem Restaurant.
  • Technologischer Druck: Der Bedarf an ständiger technologischer Innovation, von benutzerfreundlichen Apps bis hin zu effizienten Routenplanungen, ist immens.

Pizzamann hat versucht, sich diesen neuen Gegebenheiten anzupassen, doch der Kampf gegen die finanzielle und technologische Übermacht der internationalen Konzerne ist eine immense Herausforderung, die auch das Scheitern der Suche nach strategischen Partnern erklärt.

Sanierungsplan und Zukunftsperspektiven

Das Sanierungsverfahren, das die PHD Service GmbH angestrebt hat, zielt auf eine „optimierte Liquidation“ ab. Dies ist ein juristischer Begriff, der in der Regel bedeutet, dass das Unternehmen versucht, seine Vermögenswerte bestmöglich zu verwerten, um die Gläubiger zu befriedigen, ohne dass es zu einer sofortigen Zerschlagung kommt. Es ist ein Versuch, eine geordnete Abwicklung zu erreichen und dabei möglicherweise Teile des Geschäfts oder Vermögenswerte zu erhalten oder zu übertragen, um den Schaden zu minimieren und die Gläubigerforderungen so weit wie möglich zu erfüllen.

Für die Kunden und Franchisenehmer von Pizzamann ist die wichtigste Botschaft, dass der Betrieb der Filialen uneingeschränkt weitergeht. Die Trennung der operativen Gesellschaft von der Markeninhaberin und Lieferantin der Franchisepartner (SGS Handels GmbH) ist hierbei ein entscheidender Faktor für die Kontinuität. Dies zeigt die Stärke eines gut strukturierten Franchise-Modells, das es ermöglicht, Risiken aufzuteilen und die Gesamtmarke auch bei Schwierigkeiten einer einzelnen Gesellschaft zu schützen.

Vergleichstabelle: Traditionelle Lieferung vs. Moderne Plattformen

KriteriumTraditionelle Lieferung (z.B. frühes Pizzamann)Moderne Lieferplattformen (z.B. Lieferando, Wolt)
GründungszeitVor digitaler Ära (z.B. Pizzamann 1972)Primär ab 2010er Jahre
GeschäftsmodellEigene Lieferinfrastruktur, direkte BestellungenAggregator-Plattform, Vermittlung zwischen Kunde & Restaurant, oft mit eigener Kurierflotte
KonkurrenzsituationWeniger Wettbewerb, klare MarktlückeHoher Wettbewerb, viele Restaurants auf einer Plattform
Kosten für RestaurantHohe Fixkosten (Fahrzeuge, Personal, Wartung)Provisionsbasierte Kosten pro Bestellung, geringere Fixkosten für Lieferung
KundenbeziehungDirekt und personalisiertIndirekt, über die Plattform
ReichweiteLokal begrenzt auf Einzugsgebiet der FilialePotenziell national/international durch Plattform-Netzwerk
TechnologieEigene Telefon-/Online-BestellsystemeFortgeschrittene Apps, Echtzeit-Tracking, Datenanalyse

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Ist Pizzamann noch geöffnet und liefert Pizza?

Ja, die Pizzamann-Filialen sind weiterhin geöffnet und liefern Pizza. Das Sanierungsverfahren betrifft die Betreiberfirma (PHD Service GmbH), nicht aber den laufenden Betrieb der Franchisenehmer und die Marke Pizzamann selbst.

Wie viele Pizzamann Filialen gibt es in Wien?

Derzeit gibt es fünf Pizzamann Filialen in Wien. Insgesamt betreibt Pizzamann elf Filialen in Österreich (Wien, Oberösterreich, Salzburg und Tirol).

Was ist der Unterschied zwischen PHD Service GmbH und Pizzamann/SGS Handels GmbH?

Die PHD Service GmbH ist die Betreiberfirma, die den Antrag auf Sanierungsverfahren gestellt hat und für Mietverträge mit Franchisenehmern zuständig ist. Die Marke „Pizzamann“ und die Belieferung der Franchisepartner erfolgen über die SGS Handels GmbH, die nicht direkt von diesem Verfahren betroffen ist.

Warum ist Pizzamann in eine finanzielle Schieflage geraten?

Laut Eigenantrag des Unternehmens ist der Hauptgrund der enorme Konkurrenzdruck durch international agierende Zustellkonzerne, die den Markt in Österreich stark verändert haben.

Was bedeutet ein Sanierungsverfahren für ein Unternehmen?

Ein Sanierungsverfahren ist ein Insolvenzverfahren, das darauf abzielt, ein Unternehmen zu restrukturieren und zu retten, anstatt es sofort zu liquidieren. Es bietet die Möglichkeit, Schulden abzubauen und den Betrieb unter bestimmten Auflagen fortzuführen. Im Falle von Pizzamann ist eine „optimierte Liquidation“ angestrebt.

Kann ich weiterhin bei Pizzamann bestellen?

Ja, Sie können weiterhin bei Pizzamann bestellen. Die Filialen laufen normal weiter, und die Belieferung der Franchisepartner ist durch die SGS Handels GmbH gesichert.

Fazit

Pizzamann steht an einem Scheideweg, der die Herausforderungen des modernen Liefergeschäfts exemplarisch aufzeigt. Als Pionier der Pizza-Heimlieferung in Österreich hat das Unternehmen über Jahrzehnte hinweg bewiesen, dass es den Nerv der Zeit treffen kann. Das aktuelle Sanierungsverfahren der Betreiberfirma PHD Service GmbH ist ein deutliches Zeichen für den intensiven Wettbewerbsdruck durch globale Lieferplattformen. Doch die Resilienz des Franchise-Modells und die klare Trennung der Gesellschaften ermöglichen es, dass die geliebte Pizzamann-Pizza weiterhin zu den Kunden gelangt.

Die Geschichte von Pizzamann ist noch nicht zu Ende geschrieben. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Traditionsunternehmen in einem sich rasant wandelnden Markt um ihre Existenz kämpfen und sich anpassen müssen. Für die Kunden in Wien und den anderen Bundesländern bleibt die gute Nachricht: Die Öfen bleiben heiß, und die Lieferwagen von Pizzamann sind weiterhin unterwegs.

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