Wann wurde die Pizza in Europa bekannt?

Die faszinierende Geschichte der Pizza

22/10/2017

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Die Pizza. Ein kreisrundes, duftendes Meisterwerk, das aus unserer modernen Esskultur nicht mehr wegzudenken ist. Ob als schneller Snack, festliches Abendessen oder treuer Begleiter gemütlicher Filmabende – sie ist allgegenwärtig und geliebt von Jung und Alt. Doch wer hat dieses kulinarische Wunder eigentlich erfunden? War es ein findiger Italiener, wie oft angenommen, oder steckt eine viel ältere und überraschendere Geschichte dahinter? Die Antwort auf diese Frage führt uns auf eine faszinierende Zeitreise, die weit vor den ersten Pizzerien Neapels beginnt und die erstaunliche Entwicklung eines einfachen Fladenbrotes zu einem weltweiten Phänomen beleuchtet.

Wie entstand die Pizza Margherita?
Aus diesen Zutaten entsteht die Legende von der Geburtsstunde der Pizza Margherita: Weil die Königin plötzlich Hunger bekommen habe, habe ihr ein Pizzabote ein Fladenbrot aus einfachem Hefeteig bei Hofe vorbeigebracht, das zum ersten Mal überhaupt mit Basilikum, Mozzarella und Tomaten belegt gewesen sei: grün, weiß und rot, die Farben der Nation.
Inhaltsverzeichnis

Die rätselhaften Ursprünge: Von "Pita" zur Pizza

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, die Pizza sei eine rein italienische Erfindung, deuten archäologische Funde darauf hin, dass ihre Wurzeln viel tiefer reichen und ihren Ursprung in der Antike haben. Wenn man den Historikern Glauben schenken darf, dann waren es nicht die Römer oder die Neapolitaner, sondern die Etrusker, ein Volk, das im antiken Italien lebte und auch als Vorläufer der Griechen gilt, die um 800 v. Chr. die ersten waren, die eine Art Ur-Pizza zubereiteten. Diese frühen Versionen waren einfache Fladen aus Mehl, Wasser und Salz, die auf heißen Steinen am offenen Feuer gebacken und mit verschiedenen Zutaten belegt wurden. Man nannte diese Teigfladen damals „Pita“, ein Begriff, der im Laufe der Jahrhunderte eine bemerkenswerte sprachliche Evolution durchlief und schließlich zu unserem heutigen Wort „Pizza“ wurde.

Um 200 v. Chr., als die Etrusker Rom besetzten, kamen die Bewohner der italienischen Halbinsel erstmals mit diesem einfachen, aber nahrhaften Rezept in Berührung. Während der weitreichenden Eroberungsfeldzüge der Römer verbreitete sich das Grundrezept des belegten Fladenbrotes über die Jahrhunderte hinweg im gesamten europäischen Raum. Doch trotz seiner Verbreitung fristete die Pizza lange Zeit ein eher unscheinbares Dasein. Sie galt als eine bescheidene Speise, die hauptsächlich von der verarmten Bauernbevölkerung konsumiert wurde – ein einfacher Sattmacher für diejenigen, die sich keine aufwendigeren Gerichte leisten konnten. Ihr Ruf als „Arme-Leute-Essen“ sollte die Pizza noch lange begleiten, bevor sie ihren königlichen Aufstieg antrat.

Die revolutionäre Zutat: Die Tomate erobert Neapel

Eine einschneidende Veränderung in der Geschichte der Pizza ereignete sich im 16. Jahrhundert, und ausgerechnet die arme Bauernbevölkerung war dafür verantwortlich. Um das Jahr 1520 herum fanden die ersten Tomaten ihren Weg von Südamerika über den Seeweg nach Italien. Doch trotz ihres leuchtenden Rottons wurden Tomaten in Europa lange Zeit mit Misstrauen betrachtet. Ihr ungewöhnlicher Farbton ließ viele glauben, sie seien giftig, und so wurden sie primär als Zierpflanzen in Gärten kultiviert, nicht aber als Nahrungsmittel. Man kann sich die Skepsis und die Vorbehalte gut vorstellen, die eine solche „Warnfarbe“ hervorrief.

Doch die Not macht erfinderisch, und wie das Sprichwort sagt: „In der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen.“ In der Gegend um Neapel herum, wo die Armut besonders groß war, begannen die verzweifelten Bauern aus purer Not heraus, ihre bis dato trockenen Teigfladen mit dieser neuen, vermeintlich giftigen Frucht zu belegen. Sie experimentierten mit den Tomaten, kochten sie, zerkleinerten sie und verteilten sie auf ihren Fladenbroten. Der Legende nach war dies die Geburtsstunde der Pizza, wie wir sie heute kennen – saftig, aromatisch und mit der unverwechselbaren Säure der Tomate. Während der Rest Europas die Tomate weiterhin nur als exotische Zierpflanze bestaunte, entwickelte sich die mit Tomaten belegte Pizza in Neapel zu einer lokalen Spezialität. Kleine Pizzerien, die diese neue Kreation anboten, schossen förmlich aus dem Boden und wurden zu beliebten Treffpunkten der einfachen Leute.

Von der Bauernspeise zur königlichen Delikatesse: Die Legende der Margherita

Obwohl die Pizza in Neapel immer populärer wurde, haftete ihr nach wie vor der Ruf einer Speise für die Unterschicht an. Sie war definitiv nichts für die feine, elitäre Oberschicht. Doch das sollte sich im Jahre 1889 ändern, und zwar auf königliche Anordnung. König Umberto I. und seine Gemahlin Königin Margherita von Savoyen besuchten Neapel. Der König hatte von dieser köstlichen Teigspezialität der Armen gehört und war neugierig geworden. Doch die Etikette verbot es dem Adel, zusammen mit dem „Pöbel“ in einer öffentlichen Pizzeria zu speisen. Eine Lösung musste her.

So wurde Raffaele Esposito, ein angesehener Pizzabäcker aus Neapel, beauftragt, eine Pizza direkt in den königlichen Palast zu liefern. Raffaele, ein wahrer Künstler seines Fachs und sich der Ehre bewusst, wollte den Majestäten nicht irgendeine Pizza servieren. Er kreierte eine besondere Pizza, die die italienischen Nationalfarben widerspiegelte: rote Tomaten für die Leidenschaft, weißer Mozzarella für die Reinheit und frisches grünes Basilikum für die Hoffnung. Diese patriotische und optisch ansprechende Kreation nannte er zu Ehren der Königin „Margherita“. Die Königin soll von dieser Pizza derart begeistert gewesen sein, dass sie sie für „salonfähig“ und somit für den Adel akzeptabel erklärte. Ein königliches Dankschreiben an Pizzabäcker Raffaele soll noch heute stolz an der Wand seiner Pizzeria in Neapel hängen und die Legende der Pizza Margherita für immer bezeugen. Dieser Moment markierte den Wendepunkt: Die Pizza, einst ein Symbol der Armut, wurde nun zum königlichen Genuss und ebnete ihren Weg in höhere gesellschaftliche Kreise.

Der Siegeszug um die Welt: Von Auswanderern zur Tiefkühlrevolution

Der wahre globale Siegeszug der Pizza begann jedoch erst im frühen 20. Jahrhundert. Mit der großen Auswanderungswelle italienischer Immigranten fanden nicht nur Menschen, sondern auch ihre kulinarischen Traditionen ihren Weg in die neue Welt – insbesondere nach Europa und in die Vereinigten Staaten von Amerika. In den USA, wo sich große italienische Gemeinden bildeten, etablierte sich die Pizza schnell als beliebtes Gericht. Sie passte perfekt zum amerikanischen Lebensstil: schnell zubereitet, vielseitig und ideal zum Teilen.

Eine weitere entscheidende Entwicklung, die die Popularität der Pizza explosionsartig ansteigen ließ, war die Einführung von Kühl- und Gefrierschränken in den 1950er und 1960er Jahren. Diese technologische Neuerung ermöglichte es, Lebensmittel über längere Zeiträume haltbar zu machen und zu lagern. Es ist daher kaum verwunderlich, dass 1957 das italo-amerikanische Brüderpaar Celantano in den USA die allererste Tiefkühlpizza auf den Markt brachte. Dies war ein Game Changer. Plötzlich war Pizza nicht mehr nur ein Restaurantgericht, sondern konnte bequem zu Hause zubereitet werden. Die Tiefkühlpizza machte das Gericht für jedermann zugänglich und erschwinglich, unabhängig von der Nähe zu einer Pizzeria. Die Pizza entwickelte sich rasch zu einem Massenphänomen, das Generationen und soziale Schichten gleichermaßen begeisterte.

Pizza heute: Ein globales kulinarisches Phänomen

Heute ist die Pizza mehr als nur ein Gericht; sie ist ein kulturelles Symbol und ein fester Bestandteil der globalen Esskultur. Ihre Anpassungsfähigkeit an lokale Geschmäcker und ihre unendlichen Variationsmöglichkeiten haben sie zu einem der beliebtesten Gerichte weltweit gemacht. Allein in Deutschland verzehren nach jüngsten Studien gut 70% der Bevölkerung wöchentlich mindestens ein Stück Pizza. Diese Zahl unterstreicht ihre immense Beliebtheit und ihren festen Platz in unseren Ernährungsplänen.

Man findet Pizza in den unterschiedlichsten Formen und an den unterschiedlichsten Orten: frisch aus dem Holzofen beim traditionellen italienischen Restaurant um die Ecke, als schnelle und praktische Option im Supermarktregal in Form der Tiefkühlpizza oder als Teil des Angebots großer Fast-Food-Ketten wie Pizza-Hut. Ein Leben ohne die geliebte Pizza wäre für viele Menschen schlichtweg undenkbar geworden. Sie hat ihre bescheidenen Anfänge als einfacher Bauernfladen längst hinter sich gelassen und ist zu einem universellen Symbol für Genuss und Geselligkeit aufgestiegen.

Zeittafel der Pizza-Geschichte

Jahr/EpocheEreignis
Um 800 v. Chr.Die Etrusker backen erste Fladenbrote („Pita“) auf Steinen mit Belag.
Um 200 v. Chr.Römer kommen durch Etrusker in Kontakt mit dem Fladenbrot-Rezept; Verbreitung in Europa als einfache Speise.
Um 1520Tomaten aus Südamerika gelangen nach Italien; Neapolitanische Bauern beginnen, sie auf Fladenbroten zu verwenden.
1889König Umberto I. und Königin Margherita besuchen Neapel; Pizzabäcker Raffaele Esposito kreiert die Pizza Margherita.
Anfang 20. Jh.Italienische Immigranten bringen die Pizza nach Europa und in die USA; Beginn des weltweiten Siegeszugs.
1957Die italo-amerikanischen Brüder Celantano bringen die erste Tiefkühlpizza in den USA auf den Markt.

Häufig gestellte Fragen zur Pizza

Wer hat die Pizza erfunden?

Die Ursprünge der Pizza reichen weit zurück. Archäologischen Erkenntnissen zufolge waren es die Etrusker um 800 v. Chr., die erste belegte Fladenbrote auf heißen Steinen zubereiteten. Die moderne Pizza, wie wir sie heute kennen, mit Tomaten belegt, entstand jedoch erst um 1520 in Neapel.

Wann wurde die Pizza in Europa bekannt?

Das Grundrezept des Fladenbrotes verbreitete sich in Europa bereits um 200 v. Chr. durch die römischen Eroberungszüge. Allerdings galt es lange Zeit als einfache Speise der Bauern. Die Pizza in ihrer heutigen Form, insbesondere mit Tomaten, wurde erst ab dem 16. Jahrhundert in Neapel populär und erlangte im späten 19. Jahrhundert durch königliche Anerkennung (Pizza Margherita) eine breitere Akzeptanz. Der weltweite Durchbruch in Europa und den USA erfolgte dann Anfang des 20. Jahrhunderts durch italienische Immigranten.

Warum heißt die Pizza Margherita so?

Die Pizza Margherita wurde 1889 von dem Neapolitaner Pizzabäcker Raffaele Esposito kreiert und nach Königin Margherita von Savoyen benannt. Er belegte sie mit Zutaten, die die Farben der italienischen Nationalflagge widerspiegelten: rote Tomaten, weißer Mozzarella und grünes Basilikum, um die Königin zu ehren.

Wann kam die Tomate auf die Pizza?

Die Tomate kam um 1520 aus Südamerika nach Italien. Anfangs wurde sie in Europa als giftig angesehen und nur als Zierpflanze verwendet. Aus Not begannen die verarmten Bauern in der Gegend um Neapel, ihre trockenen Teigfladen mit Tomaten zu belegen, was als Geburtsstunde der modernen Pizza gilt.

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