Kann man Dinkelteig als Pizzateig verwenden?

Dinkelteig für Pizza: Ein Meisterwerk der Backkunst

15/10/2014

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Der Wunsch nach einer köstlichen, selbstgemachten Pizza ist tief in uns verwurzelt. Doch immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zum klassischen Weizenteig, sei es aus Gründen der Verträglichkeit, des Geschmacks oder der Nährwerte. Hier tritt der Dinkelteig ins Rampenlicht – eine wunderbare Option, die nicht nur eine hervorragende Basis für Ihre Lieblingspizza bildet, sondern auch mit einer Reihe von Vorteilen aufwartet. Dinkel, eine alte Getreidesorte, die oft als Urweizen bezeichnet wird, bietet ein einzigartiges Aroma und eine Textur, die sich von herkömmlichem Weizen unterscheidet. Er ist bekannt für seine gute Verdaulichkeit und seinen nussigen Geschmack, der der Pizza eine zusätzliche Dimension verleiht. Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch die Zubereitung eines makellosen Dinkelteigs, teilt Expertentipps und beantwortet häufig gestellte Fragen, damit Ihre nächste Dinkelpizza zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Was schmeckt auf Dinkel Pizza?
Grundsätzlich schmeckt auf Dinkel-Pizza alles, was dir auch auf normaler Pizza schmeckt – zum Beispiel eine selbstgemachte Pizzasauce. Darauf kannst du regionales und saisonales Gemüse verteilen und beispielsweise schmelzbaren veganen Käse darüberstreuen. Welches Gemüse wann Saison hat, erfährst du in unserem Utopia-Saisonkalender.
Inhaltsverzeichnis

Warum Dinkelteig für Pizza? Die Vorteile auf einen Blick

Bevor wir uns in die Zubereitung stürzen, lassen Sie uns einen Moment innehalten und die Vorzüge von Dinkelteig beleuchten. Dinkel ist reich an Proteinen, Ballaststoffen und Mineralien wie Magnesium, Eisen und Zink. Im Vergleich zu modernem Weizen hat Dinkel eine andere Glutenstruktur, die von vielen Menschen als bekömmlicher empfunden wird, auch wenn Dinkel nicht glutenfrei ist. Für Personen mit leichten Glutenunverträglichkeiten oder einem empfindlichen Verdauungssystem kann Dinkelteig eine willkommene Abwechslung sein. Darüber hinaus verleiht Dinkel der Pizza einen unverwechselbaren, leicht nussigen Geschmack und eine rustikale Textur, die perfekt zu einer Vielzahl von Belägen passt.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Eigenschaft des Dinkels, Feuchtigkeit gut aufzunehmen. Dies kann zu einem Teig führen, der außen knusprig und innen angenehm weich ist. Die Handhabung von Dinkelteig erfordert jedoch ein wenig Fingerspitzengefühl, da sein Glutennetzwerk weniger elastisch ist als das von Weizen. Aber keine Sorge, mit den richtigen Techniken gelingt auch Ihnen ein perfekter Dinkelteig.

Die Wahl des richtigen Dinkelmehls

Die Qualität des Mehls ist entscheidend für das Endergebnis. Auf dem Markt finden Sie verschiedene Typen von Dinkelmehl, die sich in ihrem Ausmahlungsgrad und damit in ihren Eigenschaften unterscheiden:

  • Dinkelmehl Type 630: Dies ist das hellste Dinkelmehl und am ehesten mit Weizenmehl Type 405 vergleichbar. Es eignet sich hervorragend für feine Backwaren und Pizza, da es einen hellen Teig und eine zarte Krume ergibt.
  • Dinkelmehl Type 812: Etwas dunkler und nährstoffreicher als Type 630, bietet es eine gute Balance zwischen Backeigenschaften und Nährwert.
  • Dinkelmehl Type 1050: Dieses Mehl ist dunkler und enthält mehr Schalenanteile, was ihm einen kräftigeren Geschmack und mehr Ballaststoffe verleiht. Der Teig wird etwas fester und rustikaler.
  • Dinkel-Vollkornmehl: Enthält das gesamte Korn und ist am nährstoffreichsten. Es ergibt einen sehr aromatischen, dichten Teig. Für Pizza empfehle ich eine Mischung mit helleren Mehlen, um die Textur zu verbessern.

Für einen klassischen, knusprigen Pizzateig empfehle ich Dinkelmehl Type 630 oder eine Mischung aus Type 630 und Type 812. Experimentieren Sie, um Ihre persönliche Lieblingsmischung zu finden!

Das Rezept: Einfacher Dinkelteig für Pizza

Dieses Rezept ist für zwei mittelgroße Pizzen ausgelegt.

Zutaten:

  • 500 g Dinkelmehl (Type 630 oder 812)
  • 300-350 ml lauwarmes Wasser (ca. 30-35°C)
  • 7 g Trockenhefe (oder 20 g frische Hefe)
  • 1 TL Zucker oder Honig (optional, hilft der Hefe auf die Sprünge)
  • 10 g Salz
  • 2 EL Olivenöl extra vergine
  • Etwas Dinkelmehl zum Bestäuben der Arbeitsfläche

Schritt-für-Schritt-Zubereitung:

1. Die Hefe aktivieren (Vorteig)

In einer großen Schüssel das lauwarme Wasser mit dem Zucker oder Honig vermischen. Die Hefe hinzufügen und gut verrühren, bis sie sich aufgelöst hat. Lassen Sie die Mischung für 5-10 Minuten stehen, bis sie schaumig wird. Dies zeigt an, dass die Hefe aktiv ist.

2. Teig kneten

Zum Hefewasser das Mehl, Salz und Olivenöl geben. Alles mit einem Holzlöffel oder den Händen grob vermischen, bis sich die Zutaten verbunden haben. Der Teig sollte nun klebrig sein. Auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche den Teig für etwa 5-7 Minuten kräftig kneten. Dinkelteig benötigt weniger intensives Kneten als Weizenteig, da sein Glutennetzwerk empfindlicher ist. Übermäßiges Kneten kann den Teig zäh machen. Kneten Sie, bis der Teig glatt und elastisch ist. Er sollte sich gut von der Schüssel oder der Arbeitsfläche lösen.

3. Erste Gehzeit (Stockgare)

Formen Sie den Teig zu einer Kugel und legen Sie ihn in eine leicht geölte Schüssel. Drehen Sie den Teig einmal, damit er von allen Seiten mit Öl benetzt ist. Decken Sie die Schüssel mit einem feuchten Tuch oder Frischhaltefolie ab und lassen Sie den Teig an einem warmen Ort (ca. 20-25°C) für mindestens 1-2 Stunden gehen, oder bis er sein Volumen verdoppelt hat. Eine längere Gehzeit im Kühlschrank (8-24 Stunden) kann das Aroma des Teiges noch intensivieren und ihn bekömmlicher machen.

4. Teig portionieren und formen

Nach der ersten Gehzeit den Teig vorsichtig aus der Schüssel nehmen. Vermeiden Sie es, zu viel Luft herauszudrücken. Teilen Sie den Teig in zwei gleich große Portionen. Formen Sie jede Portion vorsichtig zu einer Kugel. Bestäuben Sie die Arbeitsfläche leicht mit Mehl und rollen Sie jede Teigkugel mit einem Nudelholz oder drücken Sie sie mit den Händen von innen nach außen zu einem runden Pizzaboden aus. Seien Sie sanft, um das Glutennetzwerk nicht zu zerreißen. Dinkelteig ist weniger elastisch als Weizenteig und kann zum Reißen neigen, wenn er zu stark gedehnt wird.

5. Zweite Gehzeit (Stückgare - optional)

Legen Sie die geformten Pizzaböden auf Backpapier oder direkt auf ein mit Grieß bestreutes Pizzablech. Optional können Sie die Böden nochmals für 15-30 Minuten ruhen lassen, während Sie den Ofen vorheizen und die Beläge vorbereiten. Dies sorgt für eine luftigere Kruste.

6. Backen

Heizen Sie Ihren Ofen auf die höchstmögliche Temperatur vor (idealerweise 220-250°C Ober-/Unterhitze oder Heißluft). Wenn Sie einen Pizzastein besitzen, legen Sie ihn rechtzeitig in den Ofen, damit er gut durchhitzt wird. Belegen Sie die Pizza nach Wunsch und schieben Sie sie in den vorgeheizten Ofen. Backen Sie die Pizza für 8-15 Minuten, je nach Dicke des Bodens und gewünschtem Bräunungsgrad. Die Ränder sollten goldbraun und knusprig sein.

Tipps für den perfekten Dinkelteig

  • Hydration anpassen: Dinkelmehl kann unterschiedlich viel Wasser aufnehmen. Beginnen Sie mit 300 ml Wasser und fügen Sie bei Bedarf löffelweise mehr hinzu, bis der Teig die richtige Konsistenz hat. Er sollte klebrig, aber formbar sein.
  • Sanft kneten: Wie bereits erwähnt, verträgt Dinkelteig kein aggressives Kneten. Weniger ist hier oft mehr. Die Knetschritte sollten zügig und dennoch sanft sein.
  • Lange, kalte Gärung: Für das beste Aroma und die beste Verdaulichkeit lassen Sie den Teig im Kühlschrank über Nacht oder sogar für 24 Stunden gehen. Dies verlangsamt die Gärung und entwickelt komplexere Aromen.
  • Die richtige Temperatur: Achten Sie darauf, dass Ihr Wasser nicht zu heiß ist, da dies die Hefe abtöten könnte. Lauwarm ist ideal.
  • Kein Überbacken: Dinkelteig kann schneller trocken werden als Weizenteig. Achten Sie auf die Backzeit und nehmen Sie die Pizza aus dem Ofen, sobald die Ränder goldbraun sind.

Dinkel vs. Weizen: Ein Vergleich der Teige

Um die Besonderheiten des Dinkelteigs besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich mit dem klassischen Weizenteig:

EigenschaftDinkelteigWeizenteig
GeschmackNussig, leicht süßlich, erdiges AromaprofilNeutraler, klassischer Brotgeschmack
Textur des TeigesWeniger elastisch, tendiert zum Reißen, klebrigerSehr elastisch, gut dehnbar, formstabil
GlutenstrukturSpröder, wasserlöslicher Glutenanteil, leichter verdaulichStärkeres, komplexeres Glutennetzwerk
KnetzeitKürzer (5-7 Minuten), sanfteres KnetenLänger (8-10 Minuten), kräftiges Kneten
BackergebnisRustikal, knusprig, leicht dichte KrumeLuftig, knusprig, offenporige Krume
VerträglichkeitOft besser für empfindliche MägenKann bei manchen Personen Verdauungsprobleme verursachen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Ist Dinkelteig wirklich gesünder als Weizenteig?

Dinkel gilt als nährstoffreicher als moderner Weizen, insbesondere in Bezug auf Mineralien und Spurenelemente. Er enthält auch mehr Ballaststoffe. Während beide Getreidesorten gute Energiequellen sind, wird Dinkel aufgrund seiner anderen Glutenstruktur von vielen Menschen als leichter verdaulich empfunden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Dinkel Gluten enthält und daher nicht für Personen mit Zöliakie geeignet ist.

2. Kann ich Dinkelteig vorbereiten und im Kühlschrank aufbewahren?

Ja, absolut! Eine lange, kalte Gärung im Kühlschrank (bis zu 24-48 Stunden) ist sogar empfehlenswert. Sie verbessert nicht nur das Aroma des Teiges erheblich, sondern macht ihn auch bekömmlicher. Nehmen Sie den Teig etwa 30-60 Minuten vor dem Backen aus dem Kühlschrank, damit er Raumtemperatur annehmen kann und sich besser verarbeiten lässt.

3. Warum wird mein Dinkelteig klebrig und lässt sich schwer verarbeiten?

Dinkelteig neigt dazu, klebriger zu sein als Weizenteig, da Dinkelproteine mehr Wasser binden. Wenn er zu klebrig ist, kann das an zu viel Wasser liegen oder daran, dass er zu wenig geknetet wurde. Versuchen Sie, die Wassermenge schrittweise zu reduzieren oder die Knetzeit um ein bis zwei Minuten zu verlängern, aber achten Sie darauf, nicht zu überkneten. Eine leicht bemehlte Arbeitsfläche und Hände helfen ebenfalls bei der Verarbeitung.

4. Kann ich Dinkelteig einfrieren?

Ja, Dinkelteig lässt sich gut einfrieren. Nach der ersten Gehzeit können Sie den Teig in Portionen teilen, fest in Frischhaltefolie wickeln und in einem Gefrierbeutel einfrieren. Zum Auftauen legen Sie den gefrorenen Teig über Nacht in den Kühlschrank oder lassen ihn bei Raumtemperatur langsam auftauen. Danach wie gewohnt weiterverarbeiten.

5. Welche Hefe ist am besten für Dinkelteig geeignet?

Sowohl frische Hefe als auch Trockenhefe eignen sich gut. Beachten Sie das Umrechnungsverhältnis (1 Päckchen Trockenhefe = 7g = ca. 20-25g frische Hefe). Stellen Sie sicher, dass die Hefe frisch und aktiv ist, indem Sie sie zuerst in etwas lauwarmem Wasser mit einer Prise Zucker aktivieren.

Fazit: Ihr Weg zur perfekten Dinkelpizza

Die Zubereitung von Dinkelteig für Pizza mag auf den ersten Blick etwas anspruchsvoller erscheinen als die von Weizenteig, doch die Mühe lohnt sich. Mit seiner einzigartigen Textur, dem nussigen Geschmack und den gesundheitlichen Vorteilen bietet Dinkelteig eine hervorragende Alternative für alle Pizza-Liebhaber. Experimentieren Sie mit verschiedenen Dinkelmehltypen, Gärzeiten und Belägen, um Ihre persönliche Traum-Dinkelpizza zu kreieren. Denken Sie daran, Geduld und Sanftheit sind die Schlüssel zum Erfolg. Bald werden Sie stolz Ihre selbstgemachte Dinkelpizza servieren können, die nicht nur köstlich schmeckt, sondern auch ein wenig gesünder ist. Guten Appetit!

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