29/01/2021
In der dynamischen Welt der Systemgastronomie ist Wachstum oft das Ergebnis strategischer Entscheidungen und mutiger Schritte. Die Geschichte von Domino's Pizza in Deutschland ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein globaler Riese durch gezielte Akquisitionen seine Position festigte und zum unangefochtenen Marktführer aufstieg. Was viele heute als selbstverständlich ansehen – die allgegenwärtigen Domino's Filialen –, ist das Ergebnis einer spannenden Entwicklung, die tief in der deutschen Pizzalieferlandschaft verwurzelt ist und eng mit dem Namen Joey's Pizza verbunden ist. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch die Geschichte, die von Unternehmertum, Expansion und der Transformation einer Branche erzählt.

Die Wurzeln von Joey's Pizza: Eine Hamburger Erfolgsgeschichte
Bevor Domino's Pizza die deutsche Bühne dominierte, gab es einen anderen Namen, der in aller Munde war, wenn es um Pizzalieferungen ging: Joey's Pizza. Die Joey’s Pizza Service (Deutschland) GmbH, kurz Joey’s, wurde 1988 von Carsten Gerlach in Hamburg gegründet. Die Hansestadt war der Geburtsort der ersten Niederlassung und der Ausgangspunkt einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte. Joey's etablierte sich schnell als eine der führenden Schnellrestaurantketten in Deutschland und war bekannt für seinen effizienten Pizzaservice.
Joey's war nicht nur ein Pionier im Pizzaliefergeschäft, sondern auch ein Vorreiter in der Digitalisierung. Bereits 1997 bot das Unternehmen Bestellungen über das Internet an – zu einer Zeit, als Online-Bestellungen noch lange keine Selbstverständlichkeit waren. Dies zeigt die Innovationskraft und den Weitblick, die Joey's über Jahre hinweg auszeichneten. Das Unternehmen setzte auf eine breite Produktpalette, die weit über die klassische Pizza hinausging. Neben Pizzen in internationalen Geschmacksrichtungen und verschiedenen Größen wurden auch Salate, Pastagerichte, Baguettes, Getränke und Desserts angeboten, um den unterschiedlichen Kundenwünschen gerecht zu werden.
Der Erfolg von Joey's basierte maßgeblich auf seinem robusten Franchisesystem. Die Zentrale in Hamburg betreute rund 130 selbstständige Franchisenehmer, die wiederum etwa 5000 Arbeitnehmer in Voll- und Teilzeit beschäftigten. Rein rechnerisch führte jeder dritte Franchisenehmer von Joey’s mehr als einen Betrieb, was die Attraktivität und Profitabilität des Systems unterstreicht. Für potenzielle Franchisenehmer wurden zwei Betriebsvarianten angeboten: Joey’s Delivery (65 bis 100 Quadratmeter) und Joey’s Delivery mit PizzaBar (90 bis 150 Quadratmeter). Das „Joey’s Delivery Flagship Store“-Konzept wurde mehrfach umgesetzt, was die Markenpräsenz weiter stärkte.
Die Auslieferungen erfolgten überwiegend mit betriebseigenen Fahrzeugen, darunter Roller, Fahrräder und PKW. Ab 2012 kamen in Hamburg sogar Elektromotorroller zum Einsatz, was das Engagement für umweltfreundlichere Liefermethoden unterstreicht. Joey's bot seinen Kunden zwei Vertriebswege an: den bequemen Lieferservice und den Direktverzehr in den Filialen. Bis 2008 hatte Joey's eine so starke Position erreicht, dass die Joey’s Pizza International GmbH gegründet wurde, um neue Märkte zu erschließen, mit geplanten Expansionen nach Österreich und in die Schweiz, die jedoch vor der Übernahme nicht realisiert wurden.
Joey’s Pizza Hamburg galt als einer der zehn größten Gastro-Franchise-Geber und war umsatzstärkster Pizza-Lieferservice in Deutschland, noch vor dem damaligen Konkurrenten Hallo Pizza. Im Jahr 2012 konnten die Franchisenehmer den Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf beeindruckende 120,2 Millionen Euro steigern. Im selben Jahr belegte Joey’s Pizza Service Platz 9 im Impulse-Ranking der 100 besten Franchisesysteme in Deutschland, was die Stärke und das Potenzial des Unternehmens weiter unterstrich.
Der Wendepunkt: Domino's Übernahme von Joey's
Die deutsche Pizzalandschaft sollte sich Ende 2015 grundlegend verändern. Im Dezember 2015 gab die weltweit größte Pizzarestaurantkette Domino’s Pizza, die in Deutschland bisher nur eine geringe Präsenz hatte, die Übernahme von Joey’s Pizza bekannt. Dieser Schritt war ein strategischer Schachzug, der Domino's über Nacht zum Marktführer in Deutschland machen sollte. Der Kaufpreis lag zwischen 45 und 79 Millionen Euro, eine Summe, die die Bedeutung von Joey's für den deutschen Markt widerspiegelte.
Die Übernahme erfolgte durch ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem zwei Schwergewichte der Domino's-Welt beteiligt waren: die britische Domino’s Pizza Group, Masterfranchisenehmer unter anderem für Großbritannien, Irland, Deutschland, die Schweiz und Luxemburg, hielt ein Drittel der Anteile. Die australische Domino’s Pizza Enterprises, Masterfranchisenehmer unter anderem für Australien, Japan, Frankreich, die Niederlande und Belgien, hielt die restlichen zwei Drittel. Diese internationale Kooperation unterstreicht die globale Strategie von Domino's, lokale Märkte durch gezielte Akquisitionen zu dominieren.
Nach der Genehmigung der Transaktion, die bis zum Frühjahr 2016 abgeschlossen sein sollte, begann im Sommer 2016 die schrittweise Umflaggung der Joey’s-Filialen auf das Branding von Domino’s Pizza. Dieser Prozess war eine logistische Herausforderung, die jedoch effizient umgesetzt wurde. Zum Jahreswechsel 2016/17 wurde die Umstellung vollständig abgeschlossen. Seit dem 1. Januar 2017 firmiert das Unternehmen offiziell als Domino’s Pizza Deutschland GmbH. Dieser Namenswechsel markierte das Ende einer Ära für Joey's Pizza und den Beginn einer neuen für Domino's als dominierende Kraft im deutschen Pizzaliefermarkt.
Wachstum durch Konsolidierung: Hallo Pizza kommt hinzu
Die Übernahme von Joey's Pizza war für Domino's erst der Anfang der Expansionsstrategie in Deutschland. Im Oktober 2017 setzte Domino's Pizza Deutschland einen weiteren Meilenstein, indem es den langjährigen Konkurrenten Hallo Pizza für 32 Millionen Euro übernahm. Diese Akquisition festigte die Position von Domino's als unangefochtenem Marktführer weiter und eliminierte einen der letzten großen nationalen Wettbewerber im Lieferdienstsegment.
Die Integration von Hallo Pizza in das Domino's-Netzwerk ermöglichte es dem Unternehmen, seine Reichweite und seine Kundenbasis erheblich zu vergrößern. Die Synergien aus den beiden Übernahmen – Joey's und Hallo Pizza – führten zu einer beispiellosen Marktkonzentration. Domino's konnte durch diese strategischen Zukäufe nicht nur die Anzahl seiner Standorte massiv erhöhen, sondern auch wertvolles Know-how im deutschen Liefergeschäft gewinnen und seine Lieferketten optimieren.

Domino's Pizza Deutschland heute: Ein Marktführer
Dank der aggressiven Expansionsstrategie durch die Übernahmen von Joey's Pizza und Hallo Pizza hat sich Domino's Pizza Deutschland zu einem Giganten im deutschen Pizzaliefermarkt entwickelt. Heute gibt es in Deutschland über 430 Domino's Stores, die von rund 7500 Mitarbeitern betrieben werden. Diese beeindruckenden Zahlen unterstreichen die Dominanz des Unternehmens und seine Fähigkeit, flächendeckend Pizzen und andere Produkte an Millionen von Haushalten zu liefern.
Das aktuelle Geschäftsmodell von Domino's Pizza Deutschland baut auf den Stärken der übernommenen Unternehmen auf und integriert gleichzeitig die globalen Standards und Innovationen der Marke Domino's. Der Fokus liegt weiterhin auf einem schnellen und zuverlässigen Lieferservice, ergänzt durch die Möglichkeit des Direktverzehrs in modernen Filialen. Die Produktpalette ist vielfältig und umfasst neben den klassischen Domino's Pizzen auch regionale Spezialitäten, Salate, Pastagerichte, Hähnchenprodukte, Desserts und Getränke.
Domino's investiert weiterhin in digitale Bestellsysteme und optimiert seine Lieferlogistik, um den Kunden ein nahtloses und bequemes Erlebnis zu bieten. Die Marke profitiert von ihrer globalen Bekanntheit und den bewährten Marketingstrategien, die dazu beitragen, kontinuierlich neue Kunden zu gewinnen und bestehende Kunden zu binden. Die Geschichte von Domino's in Deutschland ist somit eine Geschichte von strategischer Weitsicht, mutigen Investitionen und der erfolgreichen Transformation eines Marktes.
Vergleich: Vor und nach den Übernahmen
Um die Transformation des deutschen Pizzaliefermarktes besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Kennzahlen vor und nach den strategischen Übernahmen durch Domino's Pizza:
| Kennzahl | Joey's Pizza (vor Übernahme, ca. 2012) | Domino's Pizza Deutschland (nach Übernahmen, heute) |
|---|---|---|
| Umsatz (Netto) | 120,2 Millionen Euro (2012) | Nicht öffentlich spezifiziert, aber deutlich höher als die Summe der Einzelunternehmen durch Marktkonsolidierung und Wachstum |
| Anzahl der Franchisenehmer/Betriebe | Rund 130 Franchisenehmer | Über 430 Stores (eigene und Franchisebetriebe kombiniert) |
| Mitarbeiterzahl | Rund 5000 (Voll- und Teilzeit) | Rund 7500 (Voll- und Teilzeit) |
| Marktposition | Umsatzstärkster Pizza-Lieferservice in Deutschland | Unangefochtener Marktführer in Deutschland |
| Internationale Expansion | Geplant nach Österreich/Schweiz, nicht umgesetzt | Teil eines globalen Netzwerks mit internationaler Expansion |
| Online-Bestellung | Seit 1997 | Digital führend mit ständig optimierten Plattformen |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist mit Joey's Pizza passiert?
Joey's Pizza wurde im Dezember 2015 von Domino's Pizza übernommen. Nach der erfolgreichen Transaktion im Frühjahr 2016 wurden die Joey's-Filialen schrittweise auf das Domino's-Branding umgeflaggt. Dieser Prozess war zum 1. Januar 2017 abgeschlossen, und das Unternehmen firmiert seitdem als Domino's Pizza Deutschland GmbH. Die Marke Joey's Pizza existiert in Deutschland nicht mehr als eigenständiger Lieferdienst.
Warum hat Domino's Joey's Pizza und Hallo Pizza gekauft?
Domino's Pizza hatte vor den Übernahmen eine vergleichsweise geringe Präsenz auf dem deutschen Markt. Durch den Kauf von Joey's Pizza, dem damaligen Marktführer, und später von Hallo Pizza, einem weiteren großen Akteur, konnte Domino's seine Marktposition über Nacht drastisch stärken. Diese strategischen Akquisitionen ermöglichten es Domino's, sofort eine breite Filialbasis, etablierte Lieferstrukturen und eine große Kundenbasis zu gewinnen, anstatt organisch über viele Jahre zu wachsen. Es war eine schnelle und effiziente Methode, um Marktführer zu werden.
Hat sich das Angebot nach der Übernahme geändert?
Ja, das Angebot hat sich verändert. Während Joey's Pizza und Hallo Pizza ihre eigenen charakteristischen Menüs hatten, wurden die Filialen nach der Umflaggung auf das standardisierte Domino's-Angebot umgestellt. Das bedeutet, dass Kunden nun die global bekannten Domino's Pizzen und Produkte erhalten. Oft werden jedoch lokale Vorlieben oder ehemalige Bestseller in das Domino's-Sortiment integriert oder als saisonale Angebote geführt, um die ehemaligen Kunden zu halten.
Wer sind die aktuellen Eigentümer von Domino's Pizza Deutschland?
Die Domino's Pizza Deutschland GmbH gehört einem Gemeinschaftsunternehmen. An diesem halten die britische Domino’s Pizza Group ein Drittel der Anteile und die australische Domino’s Pizza Enterprises zwei Drittel der Anteile. Beide sind Masterfranchisenehmer für verschiedene Regionen der Welt unter der Dachmarke Domino's Pizza.
Wie viele Domino's Filialen gibt es heute in Deutschland?
Aktuell gibt es in Deutschland über 430 Domino's Stores. Diese Zahl umfasst sowohl Filialen, die aus den ehemaligen Joey's und Hallo Pizza Standorten hervorgegangen sind, als auch neu eröffnete Domino's Filialen. Die Expansion und Konsolidierung haben Domino's zum größten Pizzalieferdienst des Landes gemacht.
Fazit
Die Geschichte von Domino's Pizza in Deutschland ist ein faszinierendes Beispiel für strategische Geschäftsentwicklung und Marktkonsolidierung. Von den Anfängen von Joey's Pizza als Hamburger Erfolgsgeschichte bis zur heutigen Dominanz von Domino's als unangefochtenem Marktführer durch die Übernahmen von Joey's und Hallo Pizza, spiegelt diese Entwicklung die Dynamik der Systemgastronomie wider. Domino's hat es geschafft, durch gezielte Akquisitionen und die Integration bewährter Strukturen eine landesweite Präsenz aufzubauen, die kaum zu übertreffen ist. Die Marke steht heute nicht nur für schnelle Pizzalieferung, sondern auch für eine Erfolgsstory, die zeigt, wie global agierende Unternehmen lokale Märkte erobern und prägen können. Für Pizzaliebhaber in Deutschland bedeutet dies vor allem eines: Zuverlässigkeit und eine breite Auswahl, geliefert von einem echten Branchenprimus.
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