Was ist die bekannteste Pizza der Welt?

Il Mare: Wiens erste Pizzeria seit 1975

17/12/2010

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Inmitten der lebhaften Zieglergasse im siebten Wiener Gemeindebezirk, Neubau, liegt ein Ort, der mehr ist als nur ein Restaurant: Es ist eine Legende. Seit dem 4. September 1975 öffnet Pasquale Tavella, ein charismatischer Südtiroler, die Türen seiner Pizzeria Il Mare und beansprucht stolz den Titel der ersten Pizzeria Wiens. Was einst als mutiges Unterfangen in einer Stadt begann, die noch keine Ahnung von authentischer Pizza hatte, entwickelte sich zu einer kulinarischen Institution, einem Treffpunkt für Künstler, Politiker und Prominente, und einem wahren Zuhause für die italienische Esskultur in der österreichischen Hauptstadt. Il Mare ist nicht nur ein Restaurant; es ist ein Stück Wiener Geschichte, geprägt von Leidenschaft, Beständigkeit und der unvergleichlichen Kunst des Pizzabäckers.

Wie heißt die erste Pizzeria in Wien?
Pasquale Tavella kam 1973 der Liebe wegen von Italien (Südtirol) nach Wien. Zwei Jahre später, am 4. September 1975, gründete er die erste Pizzeria Wiens: Il Mare in der Zieglergasse 15, in Wien Neubau. Das einfache Lokal hat sich schnell zu einem Treffpunkt Wiener Schauspieler, Künstler, aber auch Politiker entwickelt.
Inhaltsverzeichnis

Die Geburtsstunde einer Wiener Institution

Pasquale Tavellas Weg nach Wien war eine Geschichte der Liebe. Im Jahr 1973 folgte er seinem Herzen in die Donaumetropole. Doch trotz seiner neuen Heimat fehlte ihm etwas Entscheidendes: eine echte Pizzeria, wie er sie aus seiner italienischen Heimat kannte. Er arbeitete zunächst im Stadtkrug, doch der Wunsch, ein Stück seiner kulinarischen Wurzeln nach Wien zu bringen, war stärker. Zu jener Zeit gab es schlichtweg keine "richtigen" Pizzerien in Wien. So traf Tavella eine folgenreiche Entscheidung: Wenn es keine gab, würde er selbst eine eröffnen. Am 4. September 1975 war es dann soweit. In der Zieglergasse 15, einem Standort, den er nach eigener Aussage rein zufällig entdeckte, entstand Il Mare.

Die Wahl der Zieglergasse mag Zufall gewesen sein, doch der Erfolg war es keineswegs. Die Wiener, die durch ihre Urlaube am Meer bereits eine Vorstellung von Pizza hatten, nahmen das neue Lokal mit offenen Armen auf. Anders als heute, wo oft der Wunsch nach einer "besonders großen Pizza mit viel Oregano und Knoblauch" besteht, wussten die damaligen Gäste die Authentizität und Einfachheit von Tavellas Kreationen zu schätzen. Il Mare wurde schnell zu einem beliebten Anlaufpunkt und legte den Grundstein für die heutige blühende Pizzaszene Wiens.

Ein Magnet für Prominenz: Warum Il Mare so beliebt ist

Was macht Il Mare zu einem solchen Anziehungspunkt für die Prominenz? Die Liste der Gäste, die bei Pasquale Tavella ein und aus gingen, liest sich wie das Who's Who aus Kunst, Kultur, Sport und Politik: Catherine Deneuve, Michael Haneke, Falco, Eros Ramazzotti, Gottfried Helnwein, Toni Polster, Stermann und Grissemann, Hubert von Goisern, Wolfgang Böck, Chris Lohner, Steffen Hofmann, aber auch Michael Häupl oder Werner Faymann – sie alle zählten oder zählen zu Pasquales Gästen, manche sogar zu seinen Stammgästen. Tavella selbst kann den genauen Grund nicht benennen, vermutet aber eine besondere Verbindung:

"Zuerst war es ein Studentenlokal, und aus den Studenten ist etwas geworden. Ich bin selbst ein Künstlerfan und in einer Künstlerfamilie aufgewachsen, vielleicht spüren das die Gäste", erklärt er bescheiden. Diese familiäre Atmosphäre, die auch durch die Präsenz seiner Ehefrau Christa und Tochter Grazia im Lokal verstärkt wird, scheint eine magische Anziehungskraft zu besitzen. Die Wände des Restaurants sind heute gesäumt von Fotos dieser berühmten Persönlichkeiten, ein stummer Zeuge der vielen Geschichten, die sich hier über Jahrzehnte abgespielt haben. Es ist diese Mischung aus herzlicher Gastfreundschaft, authentischer Küche und einer unaufdringlichen Diskretion, die Il Mare zu einem Rückzugsort für bekannte Gesichter macht.

Die Philosophie des Pasquale Tavella: Zwischen Tradition und Geschmack

Im Herzen von Il Mare schlägt der Holzofen – ein unverzichtbarer Bestandteil, der nicht nur für die Pizzen, sondern auch für die berühmte Bistecca Fiorentina (ein toskanisches T-Bone-Steak) genutzt wird. Pasquale Tavellas kulinarische Philosophie ist eine Reise durch die Entwicklung des Geschmacks und die Anpassung an die Vorlieben seiner Gäste. Ursprünglich begann er mit neapolitanischer Pizza, die sich durch einen weichen, flaumigen Teig und einen sehr spärlichen Belag auszeichnet.

Nach einigen Jahren jedoch stellte er auf die "italienische" Variante um. "Kennen Sie den Unterschied?", fragt Tavella oft und erläutert dann ohne Umschweife: Während die neapolitanische Pizza puristisch und teiglastig ist, wird die italienische Version mit einem dünnen, knusprigen Teig und etwas mehr Belag serviert. Der Grund für diese Umstellung war pragmatisch und humorvoll zugleich: "Die Wienerinnen nicht dick werden wollen. Das ist ja fast Diätessen, das ich hier serviere." Diese Anekdote zeigt Tavellas Gespür für seine Kundschaft und seine Bereitschaft, Traditionen zu interpretieren, ohne ihre Essenz zu verlieren.

Um den Unterschied noch deutlicher zu machen, hier eine kleine Übersicht:

Vergleich: Neapolitanische vs. Italienische Pizza bei Il Mare

MerkmalNeapolitanische Pizza (ursprünglich)Italienische Pizza (heute im Il Mare)
TeigkonsistenzWeich und flaumig, hoher RandDünn und knusprig
BelagMinimalistisch, nur wenige ZutatenEtwas mehr Belag, ausgewogener
BackzeitSehr kurz (ca. 60-90 Sekunden)Etwas länger, für Knusprigkeit
PhilosophieFokus auf Teig und die wenigen, hochwertigen ZutatenAnpassung an lokale Vorlieben, leichterer Genuss
ZielgruppeTraditionsliebhaberBreitere Masse, ernährungsbewusste Genießer

Dieser Wechsel unterstreicht Tavellas Pragmatismus und seinen Wunsch, nicht nur authentisch, sondern auch erfolgreich zu sein. Er verstand, dass die Wiener einen anderen Gaumen hatten als die Neapolitaner, und passte sein Angebot entsprechend an, ohne dabei Kompromisse bei der Qualität einzugehen.

Die Liebe der Wiener zur italienischen Küche

Von Anfang an wurde Il Mare von den Wienern gut aufgenommen. Pasquale Tavella erinnert sich, dass die Menschen bereits durch ihre Urlaube am Meer wussten, was Pizza ist. Dies stand im Gegensatz zu manchen modernen Missverständnissen, wo Pizza oft mit Überladung von Oregano und Knoblauch oder übertriebener Größe assoziiert wird. Die Wiener schätzten die Authentizität und die Qualität, die Il Mare bot, und entwickelten eine tiefe Zuneigung zur italienischen Küche.

Tavella selbst hat eine klare Meinung zur kulinarischen Präferenz der Wiener: "Den Wienern ist die italienische Küche wichtiger als die eigene." Diese Aussage mag provokant klingen, birgt aber eine tiefe Wahrheit. Die unkomplizierte, geschmacksintensive und oft leichte italienische Küche fand in Wien einen fruchtbaren Boden. Il Mare spielte dabei eine entscheidende Rolle, indem es den Wienern nicht nur Pizza, sondern auch andere italienische Spezialitäten wie die bereits erwähnte Bistecca Fiorentina näherbrachte und somit den Grundstein für die heutige Vielfalt italienischer Restaurants in der Stadt legte.

Ein Lebenswerk in der Zieglergasse

In den über vier Jahrzehnten seines Bestehens hat Pasquale Tavella sein Restaurant Il Mare einige Male vergrößert, doch optisch kaum verändert. Die authentische Atmosphäre, der Holzofen und die persönlichen Fotos seiner prominenten Gäste an den Wänden bewahren den ursprünglichen Charme des Lokals. Es ist ein Ort, der Geschichten erzählt und die Zeit überdauert hat.

Zwischen 1977 und 1986 betrieb Tavella sogar ein zweites Lokal, die Trattoria de Pasquale in der Neustiftgasse. Diese entwickelte sich schnell zu einem weiteren Künstlertreffpunkt. Doch in den 1980ern entschied sich Tavella, sich wieder voll auf sein erstes und liebstes "Kind", Il Mare, zu konzentrieren. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat, denn bis heute läuft das Geschäft hervorragend.

Obwohl Pasquale Tavella zum Zeitpunkt des ursprünglichen Artikels (2015) bereits seit drei Monaten offiziell in Pension war, ist er weiterhin im Lokal präsent. "Der Beruf ist eine Leidenschaft, und mit der mache ich weiter", sagt er. Diese unermüdliche Hingabe ist es, die Il Mare zu dem gemacht hat, was es heute ist: ein lebendiges Denkmal italienischer Gastfreundschaft und kulinarischer Exzellenz in Wien. Eine große Jubiläumsfeier lehnte er bescheiden ab: "Ich kann nicht alle einladen. Da müsste ich die Mariahilfer Straße sperren. Da ärgern sich nur die Gäste, dass sie keinen Platz haben." Dies zeugt von seiner Bodenständigkeit und der immensen Beliebtheit seines Lokals, dessen Reservierungsbuch stets gut gefüllt ist.

Am Ende des Tages blickt Pasquale Tavella mit Dankbarkeit auf sein Lebenswerk zurück: "Es ist ein Privileg für mich, in dieser schönen Stadt ein Restaurant zu haben." Dieser Satz fasst seine tiefe Verbundenheit zu Wien und seiner Berufung zusammen. Il Mare ist nicht nur ein Restaurant; es ist das Ergebnis einer Lebensleidenschaft, die Generationen von Wienern mit authentischem italienischem Geschmack und herzlicher Gastfreundschaft bereichert hat.

Häufig gestellte Fragen zu Il Mare

Ist Il Mare wirklich die erste Pizzeria Wiens?

Ja, Pasquale Tavella eröffnete Il Mare am 4. September 1975 und gilt weithin als Pionier, der die erste authentische Pizzeria nach Wien brachte.

Welche Art von Pizza wird im Il Mare serviert?

Ursprünglich startete Il Mare mit neapolitanischer Pizza. Pasquale Tavella stellte jedoch auf die "italienische" Variante um, die sich durch einen dünnen, knusprigen Teig und etwas mehr Belag auszeichnet, um den Vorlieben seiner Wiener Gäste besser gerecht zu werden.

Gibt es außer Pizza noch andere Spezialitäten im Il Mare?

Absolut! Neben der berühmten Pizza ist Il Mare auch bekannt für seine exquisite Bistecca Fiorentina. Dieses toskanische T-Bone-Steak wird ebenfalls im traditionellen Holzofen zubereitet und ist ein absolutes Highlight auf der Speisekarte.

Warum ist Il Mare so berühmt für seine prominenten Gäste?

Il Mare war ursprünglich ein beliebter Treffpunkt für Studenten, von denen viele später zu bekannten Persönlichkeiten wurden und dem Lokal treu blieben. Pasquale Tavella selbst kommt aus einer Künstlerfamilie und pflegt eine besondere, herzliche Beziehung zu seinen Gästen, was viele Prominente anzieht und zum Verweilen einlädt.

Wo befindet sich Il Mare genau?

Il Mare befindet sich in der Zieglergasse 15 im siebten Wiener Gemeindebezirk, Neubau. Es liegt in der Nähe der bekannten Mariahilfer Straße und ist somit gut erreichbar.

Ist Pasquale Tavella noch aktiv im Lokal?

Obwohl Pasquale Tavella offiziell in Pension ist, ist er seiner Leidenschaft treu geblieben und weiterhin im Lokal präsent. Für ihn ist der Beruf eine Berufung, und er empfängt seine Gäste nach wie vor mit der gleichen Hingabe und Herzlichkeit.

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