07/10/2013
Wien, bekannt für seine kaiserliche Geschichte, prächtige Architektur und natürlich für Wiener Schnitzel und Sachertorte, mag auf den ersten Blick nicht als Hochburg der Pizza erscheinen. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt eine überraschend lebendige und vielfältige Pizza-Szene, die sich in den letzten Jahren rasant entwickelt hat. Die Stadt an der Donau hat sich zu einem wahren Paradies für Liebhaber des italienischen Fladenbrots gemausert, wo Qualität und Authentizität immer mehr in den Vordergrund rücken. Es geht längst nicht mehr nur um schnelles Essen, sondern um eine echte kulinarische Erfahrung, die die Herzen von Einheimischen und Touristen gleichermaßen erobert.

Die italienische Küche hat in Österreich generell einen hohen Stellenwert, und die Pizza bildet da keine Ausnahme. Wien bietet heute eine beeindruckende Palette an Pizzerien, die von traditionellen, familiengeführten Betrieben bis hin zu modernen, experimentellen Lokalen reichen. Diese Entwicklung spiegelt den Wunsch der Wiener nach authentischen und hochwertigen Produkten wider, was dazu geführt hat, dass viele Pizzerien großen Wert auf die Herkunft der Zutaten, die Teigführung und die Zubereitung legen. Es ist eine Freude zu sehen, wie sich die Leidenschaft für die perfekte Pizza in der Stadt ausbreitet und wie viele Betriebe mit Hingabe und Fachwissen an die Arbeit gehen, um ihren Gästen ein unvergessliches Geschmackserlebnis zu bieten.
Die Vielfalt der Wiener Pizza-Szene: Ein Blick auf die Stile
Die Pizza ist nicht gleich Pizza. In Wien finden Sie eine beeindruckende Bandbreite an Stilen, die alle ihre eigenen Charakteristika und Reize haben. Der wohl bekannteste und oft als Goldstandard angesehene Stil ist die neapolitanische Pizza. Sie zeichnet sich durch einen besonders weichen, luftigen und leicht angekohlten Rand (den sogenannten Cornicione) aus, der durch das Backen in einem extrem heißen Holzofen bei Temperaturen von 450-500°C für nur etwa 60-90 Sekunden entsteht. Der Boden ist dünn und elastisch, und die Beläge sind oft minimalistisch, aber von höchster Qualität: San Marzano Tomaten, Mozzarella di Bufala, frischer Basilikum und ein Spritzer Olivenöl. Diese Einfachheit ist ihre größte Stärke und erlaubt es den wenigen Zutaten, ihren vollen Geschmack zu entfalten. Viele Pizzerien in Wien haben sich diesem strengen Stil verschrieben und backen ihre Pizzen nach den Vorgaben der Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN).
Neben der neapolitanischen Pizza gibt es aber auch andere spannende Varianten. Die römische Pizza, oft als Pizza Romana bezeichnet, unterscheidet sich deutlich von ihrem neapolitanischen Pendant. Sie ist in der Regel dünner und knuspriger, da der Teig weniger Wasser enthält und länger gebacken wird. Der Rand ist flacher und weniger ausgeprägt. Diese Art von Pizza ist ideal für alle, die eine festere Konsistenz bevorzugen und gerne einen hörbaren Knack beim Reinbeißen haben. Einige Wiener Pizzerien bieten auch diese Variante an, oft mit einer größeren Auswahl an Belägen, die über die klassischen neapolitanischen Standards hinausgehen.
Eine weitere interessante Entwicklung ist die Pizza al Taglio, die man oft in römischen Bäckereien oder speziellen Pizzerien findet. Dabei handelt es sich um rechteckige Pizzastücke, die auf großen Blechen gebacken und dann nach Gewicht verkauft werden. Sie sind meist dicker und weicher als die runde Pizza und eignen sich hervorragend für einen schnellen Snack unterwegs. Auch Pizzerien, die sich auf „moderne“ Pizza konzentrieren, tauchen vermehrt auf. Diese experimentieren oft mit Sauerteig, längeren Fermentationszeiten (bis zu 72 Stunden und mehr) und innovativen Belagskombinationen, die über die traditionellen italienischen Zutaten hinausgehen. Hier können Sie auf Pizzen mit lokalen österreichischen Produkten oder ungewöhnlichen Käsesorten stoßen, die eine spannende Fusion aus italienischer Tradition und lokaler Kreativität darstellen. Die Suche nach der perfekten Qualität des Teiges ist hier oft zentral.
Was macht eine gute Pizza aus? Die Geheimnisse hinter dem Genuss
Die Qualität einer Pizza hängt von mehreren Faktoren ab, die alle perfekt zusammenspielen müssen. Das Herzstück jeder guten Pizza ist der Teig. Ein herausragender Teig ist das Ergebnis einer sorgfältigen Auswahl des Mehls (oft italienisches Tipo 00 Mehl), einer präzisen Hydration (Wasseranteil), einer langen Fermentationszeit und der richtigen Knettechnik. Lange Fermentationszeiten, oft 24 Stunden oder mehr, machen den Teig leichter verdaulich und entwickeln komplexe Aromen. Viele Pizzerien in Wien setzen auf Sauerteig oder eine Kombination aus Hefe und Sauerteig, um dem Teig noch mehr Tiefe und Charakter zu verleihen. Ein gut gereifter Teig ist flexibel, lässt sich leicht ausbreiten und bildet beim Backen eine wunderbare Textur.
Ein weiterer entscheidender Faktor sind die Zutaten für den Belag. Bei einer neapolitanischen Pizza sind dies oft nur wenige, aber dafür absolut hochwertige Produkte. San Marzano Tomaten aus Kampanien, die für ihre Süße und geringe Säure bekannt sind, bilden die Basis vieler Saucen. Der Mozzarella sollte idealerweise Fior di Latte oder Mozzarella di Bufala sein, der frisch ist und beim Schmelzen eine cremige Konsistenz annimmt, ohne zu viel Wasser abzugeben. Extra natives Olivenöl von guter Qualität rundet den Geschmack ab. Auch frischer Basilikum, der erst nach dem Backen hinzugefügt wird, ist ein Muss für das Aroma und die Optik. Bei anderen Pizzastilen kann die Auswahl der Zutaten vielfältiger sein, aber der Grundsatz bleibt der gleiche: Weniger ist oft mehr, wenn die Qualität stimmt.
Der Ofen spielt eine ebenso zentrale Rolle. Für eine authentische neapolitanische Pizza ist ein Holzofen unerlässlich. Die hohen Temperaturen, die in einem Holzofen erreicht werden, ermöglichen das schnelle Garen der Pizza, wodurch der Teig außen knusprig und innen weich bleibt und der charakteristische aufgegangene Rand entsteht. Die Hitze des Holzofens sorgt auch für eine leichte Rauchigkeit und einzigartige Röstnoten, die elektrischen Öfen oft fehlen. Viele Pizzerien in Wien haben in solche Öfen investiert, um ihren Gästen das authentischste Erlebnis zu bieten. Es gibt jedoch auch moderne elektrische Öfen, die sehr hohe Temperaturen erreichen können und hervorragende Ergebnisse liefern, insbesondere für dünnere Pizzastile.
Schließlich ist auch die Kunst des Pizzabäckers – des Pizzaiolo – entscheidend. Es erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl, den Teig perfekt auszurollen, die Zutaten gleichmäßig zu verteilen und die Pizza im Ofen richtig zu handhaben. Ein guter Pizzaiolo erkennt sofort, wann eine Pizza perfekt ist, und kann sie im richtigen Moment aus dem Ofen holen, bevor sie zu trocken oder zu dunkel wird. Die Leidenschaft und das Handwerk, das in jede einzelne Pizza fließt, sind letztendlich das, was den Unterschied zwischen einer guten und einer unvergesslichen Pizza ausmacht.
Wichtige Kriterien bei der Wahl Ihrer Pizzeria in Wien
Angesichts der Fülle an Optionen kann die Wahl der richtigen Pizzeria in Wien überwältigend sein. Hier sind einige Tipps, worauf Sie achten können, um die beste Pizza für Ihren Geschmack zu finden:
- Der Teig: Achten Sie auf Beschreibungen wie „lange Teigführung“, „Sauerteig“ oder „24/48/72 Stunden Fermentation“. Dies sind Hinweise auf einen gut durchdachten und leichter verdaulichen Teig.
- Der Ofen: Ein traditioneller Holzofen ist oft ein Qualitätsmerkmal, besonders wenn Sie eine neapolitanische Pizza suchen. Viele Pizzerien werben stolz mit ihren Holzöfen.
- Die Zutaten: Schauen Sie auf die Speisekarte. Werden Herkunftsangaben gemacht (z.B. San Marzano Tomaten, Mozzarella di Bufala DOP)? Das deutet auf einen hohen Qualitätsanspruch hin.
- Der Stil: Überlegen Sie, welchen Pizzastil Sie bevorzugen. Mögen Sie es weich und luftig (neapolitanisch) oder dünn und knusprig (römisch)?
- Die Atmosphäre: Eine gute Pizzeria bietet nicht nur gutes Essen, sondern auch eine angenehme Atmosphäre. Ob rustikal-gemütlich oder modern-chic, der Ort sollte zum Verweilen einladen.
- Die Klassiker: Eine Pizzeria, die eine hervorragende Pizza Margherita oder Marinara zubereiten kann, beherrscht oft auch die anderen Varianten. Diese einfachen Pizzen sind der ultimative Test für die Qualität von Teig und Grundzutaten.
Viele Pizzerien in Wien legen Wert auf eine offene Küche, in der Sie den Pizzaiolos bei der Arbeit zusehen können. Dies ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch ein Zeichen von Transparenz und Stolz auf das Handwerk.
Vergleich der Pizzastile: Neapolitanisch vs. Römisch
Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hier eine kleine Vergleichstabelle der beiden prominentesten Pizzastile, die Sie in Wien finden können:
| Merkmal | Neapolitanische Pizza | Römische Pizza |
|---|---|---|
| Teig | Weich, elastisch, luftig, hoher Wasseranteil | Dünn, knusprig, fester, geringerer Wasseranteil |
| Rand (Cornicione) | Hoch, dick, luftig, leicht angekohlt | Flach, dünn, knusprig |
| Backzeit | Sehr kurz (60-90 Sekunden) | Länger (2-4 Minuten) |
| Ofen | Holzofen (450-500°C) | Holz- oder Elektroofen (300-400°C) |
| Beläge | Minimalistisch, hochwertige Zutaten (Margherita, Marinara) | Vielfältiger, oft reichhaltiger |
| Textur | Weich, zart, faltbar | Knusprig, fest, bricht leicht |
| Charakteristik | Authentisch, traditionell, „Pizza Napoletana Verace“ | Vielseitig, alltagstauglich, oft als Snack |
Beide Stile haben ihre Berechtigung und ihre Liebhaber. Es lohnt sich, beide auszuprobieren, um Ihren persönlichen Favoriten zu finden. Die Vielfalt ist das, was die Wiener Pizzaszene so spannend macht.
Häufig gestellte Fragen zur Pizza in Wien
Gibt es vegane oder vegetarische Pizza-Optionen in Wien?
Ja, absolut! Die meisten Pizzerien in Wien bieten eine Vielzahl von vegetarischen Pizzen an, oft mit frischem Gemüse, Pilzen, Oliven und verschiedenen Käsesorten. Für Veganer gibt es zunehmend Optionen mit pflanzlichem Käse oder Pizzen ohne Käse, dafür aber mit einer reichhaltigen Gemüsebeschichtung. Fragen Sie einfach nach der „Pizza Marinara“ (Tomatensauce, Knoblauch, Oregano, Olivenöl), die von Natur aus vegan ist, oder erkundigen Sie sich nach veganen Alternativen auf der Speisekarte. Viele moderne Pizzerien sind sehr flexibel und bereit, auf spezielle Wünsche einzugehen.
Wo finde ich die beste glutenfreie Pizza in Wien?
Die Verfügbarkeit von glutenfreier Pizza hat in Wien in den letzten Jahren stark zugenommen. Viele Pizzerien bieten mittlerweile glutenfreie Teigoptionen an. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass in den meisten Fällen die glutenfreie Pizza in derselben Küche zubereitet wird wie glutenhaltige Pizzen, was zu Kreuzkontaminationen führen kann. Wenn Sie an Zöliakie leiden, sollten Sie dies unbedingt im Voraus klären. Einige spezialisierte Lokale achten jedoch streng auf separate Zubereitungsbereiche. Eine kurze Online-Recherche oder ein Anruf bei der Pizzeria Ihrer Wahl kann hier Klarheit schaffen.
Ist Pizza in Wien teuer?
Die Preise für Pizza in Wien variieren je nach Pizzeria, Lage und Qualität der Zutaten. Eine klassische Pizza Margherita in einer guten Pizzeria kostet in der Regel zwischen 9 und 14 Euro. Spezialitätenpizzen mit hochwertigeren Belägen oder in gehobeneren Lokalen können auch 15 bis 20 Euro oder mehr kosten. Im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten sind die Preise für qualitativ hochwertige Pizza in Wien fair und angemessen. Es gibt auch günstigere Optionen, aber hier sollte man Abstriche bei der Qualität erwarten.
Kann ich Pizza in Wien online bestellen?
Ja, das ist sehr verbreitet und beliebt. Fast alle Pizzerien, von großen Ketten bis zu kleineren Einzelbetrieben, bieten Lieferdienste an oder arbeiten mit externen Lieferplattformen zusammen. Sie können bequem von zu Hause aus über Websites oder Apps bestellen und sich Ihre Pizza direkt an die Haustür liefern lassen. Dies ist besonders praktisch, wenn Sie keine Lust haben, auszugehen, oder wenn Sie eine gemütliche Pizza-Abend zu Hause planen.
Welche Art von Pizza ist in Wien am beliebtesten?
In den letzten Jahren hat die neapolitanische Pizza einen regelrechten Boom in Wien erlebt und ist bei vielen die erste Wahl, wenn es um authentische italienische Pizza geht. Ihr weicher, luftiger Teig und die hochwertigen, minimalistischen Beläge treffen den Geschmack vieler Wiener. Dennoch haben auch die dünnere, knusprigere römische Pizza und andere Stile ihre treuen Anhänger. Die Beliebtheit hängt oft auch von persönlichen Vorlieben und dem jeweiligen Anlass ab. Die Tradition der neapolitanischen Pizza fasziniert viele.
Die Wiener Pizza-Szene ist ein lebendiges und ständig wachsendes Feld, das für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Von den strengen Regeln der neapolitanischen Pizza bis hin zu modernen Interpretationen und glutenfreien Optionen – die Stadt hat sich zu einem echten Hotspot für Pizzaliebhaber entwickelt. Es lohnt sich, die verschiedenen Stile und Pizzerien selbst zu erkunden und Ihre persönliche Lieblingspizza in Wien zu finden. Guten Appetit!
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