17/12/2011
Italien – ein Land, das unzählige Freuden verspricht: strahlender Sonnenschein, malerische Strände, die neuesten Modetrends und nicht zuletzt eine Küche, die weltweit ihresgleichen sucht. Es ist kein Zufall, dass die italienische Gastronomie zu den beliebtesten der Welt gehört. Wo sonst versteht man es, frische Zutaten mit so viel Leidenschaft und Können zu unvergleichlichen Gaumenfreuden zu verwandeln? Doch unter all den kulinarischen Schätzen sticht eine Spezialität besonders hervor, die es wie keine andere geschafft hat, die Herzen von Menschen rund um den Globus zu erobern und zum wohl besten Exportschlager Italiens avancierte: die Pizza.

Die Wurzeln der Pizza: Eine königliche Geschichte
Die Frage, woher diese köstliche Spezialität aus dem Steinofen eigentlich stammt, führt uns direkt ins Herz Süditaliens, nach Neapel. Obwohl wir die Pizza heute in über hundert verschiedenen Ausführungen kennen – ob herzhaft mit Salami, Pilzen, Thunfisch, ja sogar Ananas, oder süß mit Schokolade – war ihre ursprüngliche Zubereitung denkbar einfach. Ihre wahre Geschichte ist eng mit einer faszinierenden Legende verbunden, die die Pizza von einer einfachen Speise zu einem königlichen Geschenk erhob.
Der Überlieferung zufolge besuchte König Umberto I. im Jahr 1889 gemeinsam mit seiner Gemahlin Margherita von Savoyen die Stadt Neapel. Die Legende besagt, dass der berühmte Pizzabäcker Raffaele Esposito der Königin eine besondere Pizza als Geschenk überreichte. Diese Pizza war nicht nur geschmacklich ein Meisterwerk, sondern auch optisch eine Hommage an Italien: belegt mit Basilikum für Grün, Tomaten für Rot und Mozzarella für Weiß – den Farben der italienischen Nationalflagge. Die Königin war von dieser Kreation so begeistert, dass sie fortan ihren Namen trug: die weltberühmte Pizza Margherita. Dieses Ereignis markierte einen Wendepunkt, denn die zuvor eher als einfaches Essen der unteren Bevölkerungsschichten geltende Pizza fand durch die königliche Wertschätzung Einzug in die höheren Gesellschaftskreise und erlebte einen beispiellosen Aufstieg.
Neapel: Die Hauptstadt der Pizza und UNESCO-Weltkulturerbe
Es ist daher kaum verwunderlich, dass die Neapolitaner das Gericht bis heute vehement für sich beanspruchen. Ihre Leidenschaft und ihr Engagement für die Bewahrung der Pizza-Tradition wurden Ende 2017 auf höchster Ebene gewürdigt, als die Kunst des neapolitanischen Pizzabackens von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde. Dies ist ein Zeugnis der tiefen kulturellen Bedeutung, die die Pizza in Neapel besitzt, und unterstreicht, dass es sich hierbei nicht nur um ein einfaches Gericht handelt, sondern um ein lebendiges Erbe.
Für die Zubereitung der „Verace Pizza Napoletana“, der wahren neapolitanischen Pizza, gibt es sogar streng geregelte Vorgaben. Diese werden von der AVPN (Associazione Verace Pizza Napoletana – Verband für die wahre neapolitanische Pizza) festgelegt und überwacht. Das umfassende, elf Seiten starke Dokument beschreibt bis ins kleinste Detail, wie der Teig herzustellen ist, welche Mehlsorten verwendet werden dürfen, wie lange er ruhen muss und welche Tomaten- und Mozzarella-Sorten – namentlich San Marzano-Tomaten und Mozzarella di Bufala Campana – zugelassen sind. Auch die Backtemperatur und die kurze Backzeit im Holzofen sind exakt definiert, um das unverwechselbare Aroma und die typische Konsistenz der neapolitanischen Pizza zu gewährleisten. Die Neapolitaner sind stolz auf ihren fluffigen, luftigen Rand, der als „Cornicione“ bekannt ist und ein Markenzeichen der authentischen Pizza Napoletana ist. Diese akribische Sorgfalt zeigt, dass die Pizza in Neapel nicht nur eine Mahlzeit ist, sondern eine Kunstform, die mit größtem Respekt und Hingabe gepflegt wird.
Die besten Adressen für authentische neapolitanische Pizza
Die Suche nach der "besten" Pizza in Neapel ist eine persönliche Reise, da jeder Einwohner und Besucher seine eigenen Favoriten hat. Doch einige Pizzerien haben sich über Jahrzehnte hinweg einen Namen gemacht und gelten als Pilgerstätten für Pizzaliebhaber aus aller Welt. Sie alle bieten ein einzigartiges Erlebnis, das tief in der neapolitanischen Tradition verwurzelt ist.
Vergleich der Top-Pizzerien in Neapel
| Pizzeria | Adresse | Besonderheit | Bekannt durch | Atmosphäre |
|---|---|---|---|---|
| Da Michele | Via Cesare Sersale | Fokus auf wenige, klassische Pizzen (Margherita, Marinara) | Film "Eat, Pray, Love" mit Julia Roberts | Authentisch, oft lange Warteschlangen, lebhaft |
| Trianon da Ciro | Via Pietro Colletta | Traditionsreich, seit 1923, breitere Auswahl | Historische Bedeutung, Treffpunkt berühmter Schauspieler (z.B. Totò) | Etwas ruhiger, klassisch, familiär |
| Di Matteo | Via dei Tribunali | Bietet Straßenverkauf und Restaurant | Besuch von US-Präsident Bill Clinton (1994) | Belebt, zentral gelegen, ideal für schnellen Genuss |
„Da Michele“ in der Via Cesare Sersale ist zweifellos eine der bekanntesten Adressen. Bekannt wurde das Restaurant nicht zuletzt durch den Film „Eat, Pray, Love“ mit Julia Roberts, der es auf die internationale Landkarte setzte. Obwohl das Lokal von außen eher unscheinbar und schmucklos wirkt, erwartet einen im Inneren eine wahre Geschmacksexplosion. Die Philosophie hier ist einfach: Man konzentriert sich auf das Wesentliche, nämlich die perfekte Zubereitung der klassischen Margherita und Marinara. Aufgrund der immensen Beliebtheit sollte man hier etwas Zeit zum Warten einplanen, doch die Mühe wird mit einer unvergleichlichen Pizza belohnt.
Wer es etwas ruhiger mag, findet nur rund 50 Meter weiter die Pizzeria „Trianon da Ciro“ in der Via Pietro Colletta. Dieses Restaurant blickt auf eine lange Geschichte zurück, denn es besteht bereits seit 1923. Seinen Namen erhielt es vom gegenüberliegenden Theater, und es war einst ein beliebter Treffpunkt für berühmte neapolitanische Schauspieler wie Totò, die hier nach ihren Auftritten ihre Pizzen genossen. „Trianon da Ciro“ bietet eine etwas größere Auswahl an Pizzen und eine entspanntere Atmosphäre, ideal für ein ausgedehntes Essen. Und wer nach dem deftigen Mahl noch Lust auf etwas Süßes hat, findet gegenüber eine hervorragende Gelateria mit schmackhaften Eisvariationen, die den Besuch perfekt abrunden.
Eine weitere Pizzeria, die international große Bekanntheit erlangte, ist „Di Matteo“ in der Via dei Tribunali. Sie zeichnet sich durch ihren lebhaften Straßenverkauf sowie ein geräumiges Restaurant aus. Besondere Aufmerksamkeit erregte das Lokal im Jahr 1994, als der damalige US-Präsident Bill Clinton sich hier während des G7-Gipfels eine Pizza auf die Hand bestellte – zu einem Preis, der damals umgerechnet nur 1,50 € betrug. Dieser Moment machte „Di Matteo“ zu einem Symbol für die Zugänglichkeit und Beliebtheit der neapolitanischen Pizza, selbst für Staatsoberhäupter.
Häufig gestellte Fragen zur Pizza
- Wie viele Pizzasorten gibt es eigentlich?
- Die Anzahl der Pizzasorten ist schier unendlich und kaum zu beziffern. Während die traditionelle neapolitanische Pizza – die Margherita und Marinara – die Grundlage bildet, hat sich die Pizza weltweit in über 100 bekannten Varianten und unzähligen regionalen Abwandlungen entwickelt. Von klassischen Belägen wie Salami, Pilzen und Thunfisch bis hin zu exotischen Kombinationen mit Ananas, Meeresfrüchten oder sogar süßen Varianten mit Schokolade und Früchten – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Jede Kultur hat die Pizza auf ihre Weise adaptiert und neue Geschmacksrichtungen geschaffen.
- Was macht die neapolitanische Pizza so besonders?
- Die neapolitanische Pizza, insbesondere die "Verace Pizza Napoletana", zeichnet sich durch ihre strengen Zubereitungsrichtlinien aus, die ihre Authentizität und Qualität garantieren. Dazu gehören die Verwendung spezifischer Zutaten wie San Marzano-Tomaten und Mozzarella di Bufala Campana, ein Teig, der nur aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz besteht und lange gehen muss, sowie das Backen in einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen (ca. 485°C) für nur 60-90 Sekunden. Das Ergebnis ist ein weicher, elastischer und leicht angekohlter Teigrand (der "Cornicione"), eine dünne Mitte und ein intensives Aroma.
- Warum gilt Neapel als die Geburtsstätte der Pizza?
- Neapel wird als Geburtsstätte der modernen Pizza angesehen, weil hier im 18. und 19. Jahrhundert die flachen Brote mit Belägen, die wir heute als Pizza kennen, populär wurden. Die Stadt war ein belebter Hafen, in dem einfache, nahrhafte und schnell zubereitete Speisen für die arbeitende Bevölkerung gefragt waren. Die Legende der Pizza Margherita und ihre königliche Anerkennung im Jahr 1889 festigten Neapels Status als Wiege der Pizza. Die Tradition und die strenge Einhaltung der Zubereitungsregeln durch Organisationen wie die AVPN untermauern diesen Anspruch bis heute.
- Kann ich echte neapolitanische Pizza auch außerhalb Neapels finden?
- Ja, absolut! Dank der globalen Verbreitung der italienischen Küche und der strengen Richtlinien der AVPN gibt es mittlerweile weltweit zertifizierte Pizzerien, die sich der Kunst der "Verace Pizza Napoletana" verschrieben haben. Diese Pizzerien halten sich an die gleichen Standards und verwenden oft importierte Zutaten, um das authentische Erlebnis zu gewährleisten. Achten Sie auf das Siegel der AVPN oder ähnlicher Zertifizierungen, um sicherzustellen, dass Sie eine echte neapolitanische Pizza genießen.
- Was bedeutet AVPN?
- AVPN steht für "Associazione Verace Pizza Napoletana", was übersetzt "Verband für die wahre neapolitanische Pizza" bedeutet. Es handelt sich um eine gemeinnützige Organisation, die 1984 in Neapel gegründet wurde, um die traditionelle neapolitanische Pizza zu schützen und zu fördern. Sie legt die strengen Regeln für die Zubereitung der "Verace Pizza Napoletana" fest und zertifiziert Pizzerien weltweit, die diese Standards erfüllen. Ihr Ziel ist es, die Authentizität und Qualität dieses kulinarischen Erbes für zukünftige Generationen zu bewahren.
Die Liste der Pizzerien in Neapel, die alle ihren ganz eigenen Charme und ihre Geschichte haben, könnte tatsächlich endlos fortgeführt werden. Jeder Pizzabäcker, jede Familie möchte ein Teil dieser unglaublichen kulinarischen Erfolgsgeschichte sein und ihren Beitrag zur Bewahrung dieses Erbes leisten. Während einer Reise durch die Stadt ist der unwiderstehliche Duft einer frisch gebackenen, dampfenden Pizza allgegenwärtig und beschert unvergessliche Urlaubserinnerungen. Es ist dieser Duft, dieses Aroma und die pure Freude am Genuss, die eine tiefe Verbindung schaffen. Vermutlich findet der bekannte Spruch „Liebe geht durch den Magen“ nirgendwo so sehr seinen Ursprung und seine Bestätigung wie in Neapel, der ewigen Heimat der Pizza.
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