28/08/2019
Eine perfekte Pizza zu backen, die dem „Dolce Vita“ Italiens gerecht wird, ist eine Kunst für sich. Der Schlüssel zu einem extra dünnen, knusprigen Teig in der Mitte und einem luftig-weichen, aber dennoch knusprigen Rand liegt nicht nur im Können des Bäckers, sondern maßgeblich in der Wahl des richtigen Mehls. Neben Wasser, Salz und einem Triebmittel wie Hefe ist das Mehl der absolute Hauptbestandteil eines guten Pizzateiges. Doch Mehl ist nicht gleich Mehl, und die Vielfalt der Typen kann anfänglich verwirrend sein. Keine Sorge, dieser Artikel führt Sie durch die Welt der Mehle und zeigt Ihnen, wie Sie das optimale Pizzamehl für Ihre Traum-Pizza auswählen.

- Warum die Mehlwahl so entscheidend ist: Gluten und seine Magie
- Der Star unter den Pizzamehlen: Italienisches Weizenmehl Tipo 00
- Deutsche Mehlsorten: Gute Alternativen für den Pizzateig
- Die Rolle von Semola: Für extra Knusprigkeit und einfaches Formen
- Weitere Mehltypen und ihr Ausmahlungsgrad
- Häufig gestellte Fragen zur Mehlwahl für Pizza
- Fazit: Der Weg zur perfekten Pizza beginnt im Mehlsack
Warum die Mehlwahl so entscheidend ist: Gluten und seine Magie
Der wohl wichtigste Faktor bei der Mehlwahl für Pizzateig ist der Proteingehalt. Dieser Wert bestimmt, wie viel vom entscheidenden Klebereiweiß Gluten im Mehl enthalten ist. Und genau dieses Gluten ist es, das dem Teig seine Struktur, Elastizität und Dehnbarkeit verleiht. Es ist verantwortlich dafür, wie viel Wasser das Mehl binden kann und wie geschmeidig Ihr Pizzateig am Ende wird.
Für einen idealen Pizzateig benötigen wir eine Konsistenz, die sich leicht ausziehen und formen lässt, ohne zu reißen oder klebrig zu sein. Gleichzeitig muss der Teig stabil genug sein, um während des Reifens und Backens luftig und locker aufzugehen, ohne seine Form zu verlieren oder zu verlaufen. Hier kommt das Gluten ins Spiel: Es bildet ein Netzwerk, das die Gase, die beim Fermentieren entstehen, einfängt und so für die charakteristischen Blasen und die luftige Struktur des Pizzarands sorgt. Ein hoher Glutengehalt bedeutet in der Regel eine bessere Elastizität und eine höhere Wasseraufnahmefähigkeit, was für Pizzateig von entscheidender Bedeutung ist.
Der Star unter den Pizzamehlen: Italienisches Weizenmehl Tipo 00
Wenn Sie eine wirklich authentische italienische Pizza zubereiten möchten, wie man sie aus Neapel kennt, führt kein Weg am italienischen Weizenmehl Tipo 00 vorbei. Dieses Mehl ist in Italien die erste Wahl für Pizzabäcker und sorgt für den typisch leichten, luftigen und dennoch knusprigen Teig, den Sie von einer echten Pizza kennen. Aber was macht Tipo 00 so besonders?
- Feinheit: Tipo 00 ist extrem fein gemahlen, feiner als die meisten deutschen Mehlsorten. Dies trägt zu einer glatten Teigstruktur bei.
- Kleberkonzentration: Es hat eine optimale Kleberkonzentration (Glutengehalt), die dem Teig eine hervorragende Konsistenz und Elastizität verleiht. Die verwendeten Weichweizensorten in wärmeren Regionen wie Italien liefern von Natur aus mehr Gluten.
- Nährstoffe: Obwohl es ein sehr helles Mehl ist, ist es hochwertig und trägt zu einem besonderen Geschmack bei.
- Ausmahlungsgrad: Die „00“-Bezeichnung bezieht sich auf den sehr niedrigen Ausmahlungsgrad und Aschegehalt, was bedeutet, dass nur der innerste Kern des Weizenkorns verwendet wird. Dies macht das Mehl sehr hell und „rein“.
Bekannte Marken wie Caputo Pizzeria Tipo 00, Caputo Manitoba Oro oder auch die Mehle der Meraner Mühle sind bei Profis und Hobbybäckern gleichermaßen beliebt und liefern hervorragende Ergebnisse. Caputo Pizzeria Tipo 00 hat beispielsweise einen Glutengehalt von etwa 12,5%, während ein Caputo Manitoba Oro sogar um die 14,5% erreichen kann – perfekt für lange Teigführungen und besonders luftige Ergebnisse.
Deutsche Mehlsorten: Gute Alternativen für den Pizzateig
Auch wenn italienisches Tipo 00 Mehl oft als Nonplusultra gilt, können Sie auch mit deutschen Mehlsorten hervorragende Pizzen backen. Hier sind die gängigsten Typen und ihre Eigenschaften:
- Weizenmehl Type 405: Dieses Mehl ist dem italienischen Tipo 00 am ähnlichsten in seiner Feinheit und seinem Ausmahlungsgrad (40-56%). Es hat einen niedrigeren Proteingehalt als Tipo 00, was zu einem dünneren und knusprigeren Teig führt. Es ist ideal für schlanke Pizzen mit einem hellen, weißen Teig und einem leckeren Geschmack. Für Feingebäck, Hefegebäck, Knödel und Strudel ist es ebenfalls bestens geeignet.
- Weizenmehl Type 550: Dieses Mehl ist etwas reichhaltiger und hat einen höheren Ausmahlungsgrad (bis zu 71%) sowie einen höheren Proteingehalt als Type 405. Der Teig wird dicker und weicher, und die Pizza erhält einen etwas kräftigeren Geschmack. Type 550 ist eine gesündere Alternative zu Type 405, da das Korn weniger verarbeitet wird und somit einen höheren Mineralstoff- und Faserstoffgehalt aufweist. Es eignet sich hervorragend für dickflüssige, vollere Pizzen, aber auch für Brötchen, Stollen und Kuchen.
Vergleich der Mehltypen für Pizza
Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hier eine vergleichende Übersicht der wichtigsten Mehltypen für Pizzateig:
| Mehltyp | Herkunft | Charakteristik | Proteingehalt (ca.) | Empfohlene Pizza-Art |
|---|---|---|---|---|
| Tipo 00 | Italien | Sehr fein, hoher Glutenanteil, hohe Elastizität, für traditionellen, luftigen Rand | 11-14,5% | Neapolitanische Pizza, authentische italienische Pizza |
| Weizenmehl Type 405 | Deutschland/Österreich | Fein, geringerer Glutenanteil, leicht zu verarbeiten, für dünnen, knusprigen Teig | 9-10% | Dünne, knusprige Pizza, römische Pizza |
| Weizenmehl Type 550 | Deutschland/Österreich | Etwas gröber als 405, höherer Glutenanteil als 405, für festeren, weicheren Teig mit mehr Biss | 10-11% | Robuste Pizza, amerikanischer Stil, dickere Böden |
Die Rolle von Semola: Für extra Knusprigkeit und einfaches Formen
Neben dem klassischen Pizzamehl Tipo 00 gibt es noch ein weiteres Mehl, das in der Welt des Pizzabackens eine wichtige Rolle spielt: Semola. Im Gegensatz zu Weichweizenmehl (wie Tipo 00, Type 405 oder 550) wird Semola aus Hartweizen hergestellt. Man kennt es auch als Pastamehl, da daraus traditionell Nudeln gemacht werden.

Semola hat zwei entscheidende Vorteile beim Pizzabacken:
- Zum Formen des Teiges: Semola ist sehr griffig und klebt nicht so leicht. Wenn Sie Ihren Pizzateig ausziehen und formen, können Sie Ihre Arbeitsfläche und Hände mit Semola bestäuben. So bleibt der Teig nicht kleben und Sie haben genügend Zeit, ihn in die gewünschte Form zu bringen.
- Im Teig für extra Knusprigkeit: Als Geheimtipp kann Semola auch in Maßen direkt in den Pizzateig eingearbeitet werden. Durch seine Eigenschaft, sehr viel Wasser binden zu können und eine andere Struktur zu haben als Weichweizenmehl, sorgt es für einen extra knusprigen Rand, ohne den Teig daran zu hindern, schön fluffig zu werden. Eine Zugabe von maximal 20% der Gesamtmehlmenge ist empfehlenswert. Wenn Sie beispielsweise 1000g Mehl für Ihren Teig verwenden, könnten Sie 800g Pizzamehl (Tipo 00 oder 405/550) und 200g Semola mischen. Experimentieren Sie hier einfach ein wenig, um Ihre perfekte Balance zu finden.
Weitere Mehltypen und ihr Ausmahlungsgrad
Der Ausmahlungsgrad eines Mehls gibt an, wie viel Prozent des ursprünglichen Getreidekorns im Mehl enthalten sind. Je niedriger die Typennummer, desto heller und feiner ist das Mehl, da mehr Randschichten und Keimlinge entfernt wurden. Je höher die Zahl, desto mehr Bestandteile des vollen Korns sind enthalten, was das Mehl dunkler und mineralstoffreicher macht.
Obwohl sie für Pizzateig nicht die erste Wahl sind, ist es gut, die Unterschiede zu kennen:
- Weizenmehl Type 812: Eignet sich gut für helles Mischbrot, bietet etwas mehr Struktur.
- Weizenmehl Type 1050: Hat einen hohen Ausmahlungsgrad (bis zu 79%) und ist ideal für herzhafte Brote, Brötchen und Kleingebäck. Es enthält deutlich mehr Mineralstoffe und Ballaststoffe als Type 405 oder 550.
- Weizenmehl Type 1370 & 1600: Sind kräftige Mehle, die sich besonders gut zum Backen von rustikalen, dunklen Grau- oder Mischbroten eignen. Sie sind reich an Ballaststoffen und Mineralien.
Diese Mehle sind zwar gesünder und nährstoffreicher, eignen sich aber aufgrund ihres hohen Ballaststoffgehalts und der damit verbundenen geringeren Glutenentwicklung weniger gut für den typisch leichten und elastischen Pizzateig.
Häufig gestellte Fragen zur Mehlwahl für Pizza
Welches Mehl ist am besten für Pizzateig geeignet?
Für eine authentische, luftige und elastische Pizza ist italienisches Weizenmehl Tipo 00 die beste Wahl. Wenn Sie eine dünne und knusprige Pizza bevorzugen und kein Tipo 00 zur Hand haben, ist deutsches Weizenmehl Type 405 eine gute Alternative. Für einen etwas kräftigeren und weicheren Teig können Sie Type 550 verwenden. Die ideale Wahl hängt letztlich von der gewünschten Textur Ihrer Pizza ab.
Was ist Tipo 00 Mehl und wie wird es verwendet?
Tipo 00 ist ein sehr fein gemahlenes Weizenmehl aus Italien, das speziell für Pizzateig und Pasta entwickelt wurde. Es zeichnet sich durch einen hohen Proteingehalt und damit einen hohen Glutengehalt aus, was dem Teig eine ausgezeichnete Elastizität und Dehnbarkeit verleiht. Es wird genau wie jedes andere Mehl in der Teigzubereitung verwendet, sorgt aber für ein besonders luftiges und knuspriges Ergebnis, das typisch für traditionelle italienische Pizza ist.

Kann ich auch normales Weizenmehl für Pizza verwenden?
Ja, Sie können normales Weizenmehl (z.B. Type 405 oder Type 550) verwenden. Das Ergebnis wird jedoch möglicherweise nicht ganz so authentisch und luftig wie mit speziellem Tipo 00 Mehl. Weizenmehl Type 405 ist eine gute Wahl für einen knusprigen, dünnen Teig, während Type 550 einen etwas robusteren und weicheren Boden ergibt. Experimentieren Sie, um herauszufinden, welche Textur Ihnen am besten gefällt.
Warum ist Gluten so wichtig für Pizzateig?
Gluten ist ein Klebereiweiß, das sich bildet, wenn Mehl mit Wasser vermischt und geknetet wird. Es bildet ein elastisches Netzwerk, das die Gase, die bei der Fermentation durch die Hefe entstehen, einfängt. Dieses Netzwerk ist entscheidend für die Struktur, die Elastizität und das Volumen des Pizzateigs. Ein hoher Glutengehalt ermöglicht es dem Teig, sehr dünn ausgezogen zu werden, ohne zu reißen, und sorgt für einen luftigen, blasigen Rand.
Woher bekomme ich spezielles Pizzamehl wie Tipo 00 oder Semola?
Sowohl italienisches Weizenmehl Tipo 00 als auch Semola sind mittlerweile in den meisten gut sortierten Supermärkten, in Feinkostläden oder online problemlos erhältlich. Achten Sie auf die Bezeichnungen „Tipo 00“, „Pizzamehl“ oder „Semola di Grano Duro“.
Fazit: Der Weg zur perfekten Pizza beginnt im Mehlsack
Die Wahl des richtigen Mehls ist der Grundstein für eine gelungene Pizza. Ob Sie sich für das authentische italienische Tipo 00 entscheiden, das für seinen hohen Glutengehalt und seine Fähigkeit, einen luftig-leichten Rand zu erzeugen, geschätzt wird, oder ob Sie auf die bewährten deutschen Mehlsorten Type 405 oder 550 zurückgreifen, hängt von Ihrem persönlichen Geschmack und der gewünschten Pizzastruktur ab. Denken Sie daran, dass Tipo 00 für den klassischen neapolitanischen Stil prädestiniert ist, während 405 einen sehr knusprigen, dünnen Teig liefert und 550 für einen etwas kräftigeren, weicheren Boden sorgt. Und vergessen Sie nicht die Magie von Semola, sei es zum Bestäuben der Arbeitsfläche oder als geringe Zugabe zum Teig für zusätzliche Knusprigkeit. Experimentieren Sie mit den verschiedenen Mehlsorten und Mischverhältnissen, um Ihre ganz persönliche Lieblingspizza zu kreieren. Viel Spaß beim Backen und Genießen Ihrer selbstgemachten Pizza!
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