Pizza Margherita: Eine Königliche Geschichte

07/07/2019

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Die Pizza Napoletana ist weit mehr als nur ein Gericht; sie ist ein Kulturgut, ein Symbol Neapels und Italiens, das weltweit geliebt und nachgeahmt wird. Doch nur wenige kennen die königliche Geschichte, die hinter einer ihrer berühmtesten Varianten steckt: der Pizza Margherita. Ihre Entstehung ist eine Hommage an eine Königin und ein Zeugnis der tiefen Verbundenheit von Essen, Kunst und nationaler Identität.

Why is a Neapolitan pizza named after Queen Margherita?
Named after Queen Margherita of Savoy and inspired by the Italian flag. This is where your flavor journey starts. It brings the heat of Mount Vesuvius to your palate with imported Italian peppers. Be careful where you bite! We felt like the inventor of Neapolitan pizza deserved a pizza named after him.
Inhaltsverzeichnis

Die Wiege der Pizza: Neapel

Neapel, eine pulsierende Stadt im Süden Italiens, gilt als die Geburtsstätte der modernen Pizza. Schon im 17. Jahrhundert gab es hier flache Brote, die mit Tomaten, Knoblauch, Olivenöl und Kräutern belegt wurden – einfache Speisen für die arbeitende Bevölkerung. Die Pizza war ursprünglich ein Gericht der Armen, schnell zubereitet und nahrhaft. Sie wurde oft auf der Straße verkauft und von Hand gegessen. Im Laufe der Zeit entwickelten die neapolitanischen Pizzabäcker, die sogenannten "Pizzaioli", ihre Kunst immer weiter, verfeinerten die Teigzubereitung und experimentierten mit verschiedenen Belägen. Die Tradition des Pizzabackens in Neapel wurde sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt, was die Bedeutung dieser kulinarischen Form unterstreicht.

Eine königliche Begegnung: Die Geburt der Pizza Margherita

Die Legende besagt, dass die Pizza Margherita im Jahr 1889 geboren wurde, als König Umberto I. und seine Gemahlin, Königin Margherita von Savoyen, Neapel besuchten. Die Königin, die des üblichen französischen Hofessens überdrüssig war, bat um einheimische neapolitanische Spezialitäten. Der berühmteste Pizzaiolo der Stadt, Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi (damals Pizzeria Pietro e Basta Così), wurde beauftragt, drei verschiedene Pizzen für die königliche Familie zuzubereiten.

Eine der Pizzen war die traditionelle "Marinara" mit Tomate, Knoblauch und Oregano. Eine andere war eine Version mit Olivenöl, Käse und Basilikum. Die dritte Kreation war jedoch die, die Geschichte schreiben sollte: Esposito belegte sie mit den Farben der italienischen Nationalflagge – roter Tomatensauce, weißem Mozzarella und frischem grünem Basilikum. Diese einfache, aber brillante Kombination sprach die Königin sofort an. Sie war nicht nur von ihrem Geschmack begeistert, sondern auch von ihrer patriotischen Symbolik. Aus Dankbarkeit und zu Ehren der Königin nannte Raffaele Esposito diese Pizza "Pizza Margherita". Dies war ein Wendepunkt für die Pizza, die von einem einfachen Gericht für die Massen zu einer Speise aufstieg, die sogar für das Königshaus würdig war. Die Geschichte besagt, dass die Königin sogar einen Dankesbrief an Esposito schickte, der noch heute in der Pizzeria Brandi ausgestellt sein soll.

Das "wahre Handwerk": Was eine echte Pizza Napoletana ausmacht

Die Pizza Napoletana ist nicht irgendeine Pizza; sie ist das Ergebnis von Hingabe, Forschung und Leidenschaft. Es geht darum, das Handwerk zu beherrschen und dabei keine Kompromisse einzugehen. Das bedeutet, dass eine authentische Pizza Napoletana bestimmte Merkmale aufweisen muss:

  • Der Teig: Er wird aus speziellem italienischem Weichweizenmehl (Typ 00), Wasser, Salz und Hefe hergestellt und muss lange reifen (oft 24 Stunden oder mehr), um eine leichte, luftige und leicht verdauliche Kruste zu gewährleisten.
  • Die Zutaten: Nur die besten, oft DOP-zertifizierten (Denominazione d'Origine Protetta) Zutaten dürfen verwendet werden. Dazu gehören San Marzano-Tomaten vom Vesuvhang, die für ihren süßen und säuerlichen Geschmack bekannt sind, und Mozzarella di Bufala Campana (Büffelmozzarella) oder Fior di Latte (Kuhmilchmozzarella), die für ihre cremige Textur und ihren milden Geschmack sorgen. Frischer Basilikum und natives Olivenöl extra sind ebenfalls unerlässlich.
  • Der Backprozess: Eine echte neapolitanische Pizza wird in einem traditionellen Holzofen bei extrem hohen Temperaturen (typischerweise 450-500°C) nur 60 bis 90 Sekunden gebacken. Diese kurze, intensive Hitze führt zu einem einzigartigen Ergebnis: Der Rand, der "Cornicione", bläht sich auf und wird luftig, mit charakteristischen Brandblasen, dem sogenannten "Leoparding" (Fleckenmuster). Die Mitte bleibt dünn und leicht feucht. Ein leichter Verkohlungsgrad ist dabei nicht nur akzeptabel, sondern ein Zeichen der Authentizität und des perfekten Backvorgangs.

Diese strikten Regeln und die jahrelange Erfahrung der Pizzaioli sind es, die den unvergleichlichen Geschmack und die Textur einer echten Pizza Napoletana garantieren. Es ist eine Kunstform, die Präzision und tiefes Verständnis für die Rohstoffe erfordert.

Herausforderungen für die Pizzaioli: Qualität und Preis

Die Herstellung einer authentischen Pizza Napoletana erfordert nicht nur handwerkliches Können, sondern auch den Einsatz hochwertiger Zutaten. Dies bringt für Pizzerien, die sich dem wahren Handwerk verschrieben haben, auch wirtschaftliche Herausforderungen mit sich. Die Preise für Rohstoffe wie Milchprodukte (für Mozzarella), Weizen (für Mehl) und sogar Transportkosten können sich schnell und unvorhersehbar ändern.

Dies hat einen enormen Einfluss auf die Kalkulation der Pizzen. Eine Pizzeria, die sich der Qualität verpflichtet fühlt, wird immer versuchen, die besten Zutaten zu verwenden, auch wenn deren Preise steigen. Das bedeutet, dass Verfügbarkeit und Preisgestaltung der Pizzen nicht immer garantiert werden können und sich kurzfristig ändern können. Verbraucher sollten Verständnis dafür haben, dass die Preise für eine hochwertige Pizza die Kosten für erstklassige Zutaten und das aufwendige Handwerk widerspiegeln. Es ist ein Balanceakt zwischen der Aufrechterhaltung der Qualität und der Gewährleistung fairer Preise für Kunden und Betreiber.

Vergleich: Pizza Napoletana vs. Andere Pizzastile

Um die Einzigartigkeit der Pizza Napoletana besser zu verstehen, lohnt sich ein Vergleich mit anderen beliebten Pizzastilen:

MerkmalPizza NapoletanaNew York Style PizzaRömische Pizza (Tonda)
KrusteWeich, luftig, dicker, aufgeblähter Rand ("Cornicione"), leicht verkohlt ("Leoparding").Dünn, knusprig am Boden, zäh, kann gefaltet werden.Sehr dünn, flach, oft sehr knusprig und brüchig.
Backzeit/Temperatur60-90 Sekunden bei 450-500°C im Holzofen.5-10 Minuten bei 250-300°C im Elektro- oder Gasofen.3-5 Minuten bei 300-350°C im Elektro- oder Gasofen.
ZutatenSan Marzano Tomaten, Mozzarella di Bufala/Fior di Latte, Basilikum, Olivenöl.Standard-Tomatensauce, Mozzarella mit niedrigem Feuchtigkeitsgehalt, vielfältige Beläge.Vielfältige Beläge, oft dünn geschnittenes Fleisch oder Gemüse.
VerzehrOft mit Messer und Gabel, kann aber auch gefaltet werden.Typischerweise gefaltet, da große Scheiben.Selten gefaltet, eher flach gegessen.
ZertifizierungGeschützte Bezeichnung (STG - Spezialität garantiert traditionell).Keine spezifische Zertifizierung.Keine spezifische Zertifizierung.

Häufig gestellte Fragen zur Pizza Napoletana

1. Warum hat eine Pizza Napoletana oft dunkle Flecken am Rand?

Diese dunklen Flecken, auch "Leoparding" genannt, sind ein Qualitätsmerkmal und entstehen durch die extrem hohe Hitze des Holzofens. Sie zeigen an, dass die Pizza perfekt und schnell gebacken wurde, wodurch der Teig außen knusprig und innen weich bleibt, ohne auszutrocknen.

2. Ist die Pizza Margherita immer vegetarisch?

Ja, die klassische Pizza Margherita wird traditionell nur mit Tomatensauce, Mozzarella und frischem Basilikum belegt. Sie enthält kein Fleisch und ist somit vegetarisch.

3. Kann ich eine echte Pizza Napoletana zu Hause backen?

Es ist sehr schwierig, eine authentische Pizza Napoletana zu Hause nachzubilden, da die meisten Haushaltsöfen nicht die benötigten extrem hohen Temperaturen erreichen. Spezielle Pizzaöfen für den Heimgebrauch können jedoch gute Ergebnisse liefern, wenn auch nicht ganz das Niveau eines traditionellen Holzofens.

4. Welche Art von Mozzarella wird für die Pizza Napoletana verwendet?

Für die Pizza Napoletana werden hauptsächlich zwei Arten von Mozzarella verwendet: der traditionelle Mozzarella di Bufala Campana DOP (aus Büffelmilch) oder Fior di Latte (aus Kuhmilch). Beide zeichnen sich durch ihren geringen Feuchtigkeitsgehalt und ihre hervorragenden Schmelzeigenschaften aus, die für die Konsistenz der Pizza entscheidend sind.

5. Warum ist der Teig so wichtig für eine neapolitanische Pizza?

Der Teig ist das Herzstück der neapolitanischen Pizza. Seine lange Reifezeit (Fermentation) ist entscheidend für die Entwicklung des Geschmacks, die Luftigkeit und die Bekömmlichkeit. Er muss die richtige Balance aus Elastizität und Festigkeit haben, um den extremen Backbedingungen standzuhalten und den charakteristischen, aufgeblähten Rand zu entwickeln.

Ein königliches Erbe, das weiterlebt

Die Pizza Margherita ist mehr als nur ein leckeres Gericht; sie ist ein Stück italienische Geschichte, das die tiefe Verbindung zwischen Kultur, Kulinarik und nationalem Stolz zelebriert. Die Geschichte ihrer Benennung nach Königin Margherita ist ein charmantes Detail, das ihren Status als Ikone der italienischen Küche untermauert. Und die Hingabe der Pizzaioli, die das "wahre Handwerk" pflegen, sorgt dafür, dass dieses königliche Erbe auch heute noch in seiner reinsten Form genossen werden kann – ein einfacher Genuss, der in seiner Perfektion majestätisch ist.

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