03/09/2018
Pizza ist weit mehr als nur ein Gericht; sie ist ein globales Phänomen, eine Leinwand für kulinarische Kreativität und ein Symbol für Geselligkeit. Doch obwohl sie weltweit geliebt wird, gibt es gravierende Unterschiede in ihrer Zubereitung und ihrem Charakter, je nachdem, wo auf der Welt man sie genießt. Während die italienische Pizza oft für ihre schlichte Eleganz und ihre hochwertigen, frischen Zutaten gefeiert wird, repräsentiert die amerikanische Pizza, insbesondere die berühmte New York Style Pizza, eine ganz andere Philosophie: Sie ist kühn, üppig und kompromisslos in ihrem Genuss. Heute begeben wir uns auf eine spannende Reise, um die Geheimnisse und Unterschiede dieser beiden ikonischen Pizzastile zu lüften und herauszufinden, warum beide auf ihre Art unwiderstehlich sind.

- Die Essenz der italienischen Pizza: Weniger ist mehr
- New York Style Pizza: Ein Fest für die Sinne
- Teig, Soße, Belag: Die feinen Unterschiede
- New York Style vs. Neapolitanische Pizza: Ein direkter Vergleich
- Die beliebteste Pizza der USA: Ein Blick auf die Top-Favoriten
- Häufig gestellte Fragen zur Pizza-Vielfalt
Die Essenz der italienischen Pizza: Weniger ist mehr
Die italienische Pizza, insbesondere die neapolitanische Pizza, ist die ursprüngliche Form, aus der sich alle anderen Varianten entwickelt haben. Ihr Motto könnte man treffend mit „weniger ist mehr“ beschreiben. Hier steht die Qualität der wenigen Zutaten im Vordergrund: einfacher Teig aus Wasser, Mehl, Salz und Hefe, der lange gären darf, um eine leichte und luftige Kruste zu entwickeln. Die Tomatensauce ist oft nur passierte San-Marzano-Tomaten, die ihren reinen, süßen Geschmack entfalten dürfen, ohne viele Gewürze. Der Käse ist typischerweise frischer Mozzarella (Fior di Latte oder Büffelmozzarella), der beim Backen herrlich schmilzt und Fäden zieht. Ein paar Basilikumblätter und ein Schuss Olivenöl runden das Meisterwerk ab.
Das Backen erfolgt traditionell in einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen (ca. 450-500°C) für nur 60 bis 90 Sekunden. Das Ergebnis ist eine Pizza mit einem weichen, leicht zähen Inneren und einem luftigen, leicht verkohlten Rand, dem sogenannten „Cornicione“. Die neapolitanische Pizza ist oft kleiner, mit einem Durchmesser von etwa 30 cm, und wird traditionell mit Besteck gegessen, obwohl viele sie auch falten. Ihre Simplicidad und die Betonung auf die Frische der Zutaten machen sie zu einem wahren Gaumenschmaus für Puristen.
New York Style Pizza: Ein Fest für die Sinne
Im krassen Gegensatz zur italienischen Eleganz steht die New York Style Pizza. Sie ist das kulinarische Aushängeschild einer Stadt, die für ihre Fülle und ihren Überfluss bekannt ist. Die New York Style Pizza ist groß, oft mit einem Durchmesser von 45 cm oder mehr, und wird in riesige, biegsame Scheiben geschnitten, die man traditionell in der Mitte faltet, um sie zu essen. Dies ist nicht nur praktisch, sondern auch notwendig, da der Belag oft sehr reichhaltig ist.
Der Teig der New York Style Pizza ist dünn, aber robust genug, um den üppigen Belag zu tragen, und entwickelt beim Backen eine knusprige, aber dennoch biegsame Kruste. Ein Geheimnis des Teigs ist oft die Zugabe von Honig oder Zucker, was ihm nicht nur einen leicht süßlichen Geschmack verleiht, sondern auch zu seiner charakteristischen Bräunung und Textur beiträgt. Die Pizzasoße ist in der Regel herzhafter gewürzt und länger gekocht als die italienische Variante. Und der Käse? Viel davon! Oft eine Mischung aus fettarmem Mozzarella und anderen Käsesorten, die einen dichten, deckenden Belag bilden, der beim Backen goldbraun und leicht sprudelnd wird. Typisch sind auch die kleinen, knusprigen Pepperoni-Scheiben, die sich beim Backen leicht wölben und ihren würzigen Geschmack an den Käse abgeben.
Ein weiteres Merkmal der New York Style Pizza, das besonders Käseliebhaber begeistert, ist die Option eines gefüllten Käserands. Dies unterstreicht die Philosophie der amerikanischen Pizza: Es geht darum, ein sehr sättigendes und geschmacklich intensives Erlebnis zu bieten, bei dem an Zutaten nicht gespart wird.
Teig, Soße, Belag: Die feinen Unterschiede
Um die Unterschiede zwischen diesen beiden Pizzastilen wirklich zu verstehen, lohnt es sich, die einzelnen Komponenten genauer zu betrachten:
Der Teig
- Italienische Pizza: Verwendet meist Typ 00 Mehl, Wasser, Salz, Hefe. Lange Gärzeiten (bis zu 24-72 Stunden) bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank. Das Ergebnis ist ein sehr hydratisierter Teig, der eine luftige, leicht zähe und flexible Kruste ergibt, die am Rand Blasen wirft und beim Backen im Holzofen leicht verkohlt.
- New York Style Pizza: Oft mit Brotmehl (höherer Proteingehalt) und Wasser aus New York (was angeblich dem Wasser in Neapel ähnelt, aber der wahre Grund ist wohl eher die Mineralität des lokalen Wassers), Salz, Hefe und oft einer Prise Zucker oder Honig. Die Gärzeit ist in der Regel kürzer. Der Teig ist dünn ausgerollt, aber robuster und fester, um die großen Scheiben faltbar zu machen, ohne zu brechen.
Die Soße
- Italienische Pizza: Reine, ungesalzene oder leicht gesalzene passierte San-Marzano-Tomaten. Die Qualität der Tomaten ist entscheidend. Sie werden roh auf den Teig gegeben und kochen erst im Ofen mit.
- New York Style Pizza: Eine dickere, oft länger gekochte Tomatensauce, die kräftiger gewürzt ist, typischerweise mit Oregano, Knoblauch und manchmal auch etwas Zucker, um die Säure der Tomaten auszugleichen.
Der Belag
- Italienische Pizza: Wenig, aber hochwertig. Klassiker wie Margherita (Tomate, Mozzarella, Basilikum), Marinara (Tomate, Knoblauch, Oregano, Olivenöl) zeigen die Konzentration auf wenige, perfekt harmonierende Aromen.
- New York Style Pizza: Reichlich und vielfältig. Neben dem obligatorischen Mozzarella sind Pepperoni, Wurst, Pilze, Zwiebeln und Paprika beliebte Beläge. Die Portionen sind großzügig, und es wird nicht gespart.
New York Style vs. Neapolitanische Pizza: Ein direkter Vergleich
Obwohl beide Pizzen weltweit bekannt sind und geliebt werden, könnten ihre Philosophien und Zubereitungsweisen kaum unterschiedlicher sein:
| Merkmal | Neapolitanische Pizza | New York Style Pizza |
|---|---|---|
| Philosophie | Weniger ist mehr; Betonung auf Qualität und Reinheit der wenigen Zutaten. | Opulent, reichhaltig, sättigend; viel Belag und Käse. |
| Teig | Sehr weich, luftig, elastisch, mit großem, unregelmäßigem Rand (Cornicione). | Dünn, knusprig, aber biegsam und faltbar; oft mit Honig im Teig. |
| Backzeit/Temperatur | Sehr kurz (60-90 Sekunden) bei extrem hoher Temperatur (450-500°C) im Holzofen. | Länger (5-10 Minuten) bei niedrigerer Temperatur (ca. 260-370°C) im Deck-Ofen. |
| Soße | Rohe, passierte San-Marzano-Tomaten, kaum gewürzt. | Gekochte, kräftig gewürzte Tomatensauce. |
| Käse | Frischer Mozzarella (Fior di Latte oder Büffelmozzarella), sparsam verwendet. | Fettarmer Mozzarella, reichlich verwendet, oft als Mischung. |
| Größe & Verzehr | Klein (ca. 30 cm), mit Besteck oder gefaltet gegessen. | Sehr groß (ab 45 cm), in großen, faltbaren Scheiben. |
Die beliebteste Pizza der USA: Ein Blick auf die Top-Favoriten
Die Vereinigten Staaten sind ein Schmelztiegel der Kulturen, und das spiegelt sich auch in ihrer Pizzalandschaft wider. Es gibt unzählige regionale Stile, von der Chicago Deep Dish bis zur Detroit Style Pizza. Doch wenn es um die Frage geht, welche Pizza die absolute Nummer eins in den USA ist, gibt es einen klaren Favoriten:
Die Pepperoni-Pizza ist unangefochten die beliebteste Pizza in den Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge macht sie einen erheblichen Anteil aller verkauften Pizzen aus. Ihre Popularität rührt von der perfekten Kombination aus salzigem, würzigem Pepperoni, geschmolzenem Mozzarella und der leicht säuerlichen Tomatensauce her. Die kleinen, runden Scheiben werden beim Backen knusprig und wölben sich oft zu kleinen Tassen, die das Fett und den Geschmack konzentrieren – ein Merkmal, das von vielen Pizzaliebhabern geschätzt wird.

Neben der Pepperoni-Pizza sind auch die einfache Käse-Pizza, die Wurst-Pizza und die „Supreme“-Pizza (oft eine Kombination aus Pepperoni, Wurst, Pilzen, Zwiebeln und Paprika) extrem populär. Auch die umstrittene Hawaiianische Pizza mit Schinken und Ananas findet eine beachtliche Fangemeinde. Doch keine erreicht die Dominanz der Pepperoni-Pizza.
Häufig gestellte Fragen zur Pizza-Vielfalt
Was macht den New Yorker Pizzateig so besonders?
Der New Yorker Pizzateig ist bekannt für seine dünne, aber dennoch zähe und biegsame Textur, die es ermöglicht, die großen Scheiben zu falten. Ein wichtiger Faktor ist oft der höhere Proteingehalt des Mehls, der eine stärkere Glutenentwicklung fördert. Zudem wird oft eine Prise Zucker oder Honig hinzugefügt, was dem Teig nicht nur eine leichte Süße verleiht, sondern auch zu einer besseren Bräunung und einer knusprigeren Kruste führt. Auch das Klima und das Wasser in New York City werden oft als Einflussfaktoren genannt, die zur Einzigartigkeit des Teigs beitragen sollen.
Kann man New York Style Pizza zu Hause zubereiten?
Ja, mit den richtigen Techniken und Zutaten kann man eine hervorragende New York Style Pizza auch zu Hause zubereiten. Es erfordert einen Ofen, der hohe Temperaturen erreichen kann (idealerweise mit einem Pizzastein oder Pizzastahl), und ein Verständnis für die Teigzubereitung. Das Ausrollen des Teigs zu einer sehr dünnen, großen Scheibe ist entscheidend, ebenso wie die Verwendung einer herzhaften Tomatensauce und reichlich Mozzarella. Es mag etwas Übung erfordern, aber das Ergebnis ist die Mühe wert.
Ist die Neapolitanische Pizza die älteste Pizzaform?
Ja, die neapolitanische Pizza gilt als die ursprüngliche und älteste Form der modernen Pizza. Ihre Geschichte reicht bis ins 18. Jahrhundert in Neapel zurück. Die „Pizza Margherita“ soll 1889 zu Ehren der Königin Margherita von Savoyen kreiert worden sein und die Farben der italienischen Flagge (rot, weiß, grün durch Tomate, Mozzarella, Basilikum) repräsentieren. Die Zubereitung der traditionellen neapolitanischen Pizza ist sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Warum ist Pepperoni so beliebt in den USA?
Pepperoni ist aus mehreren Gründen die beliebteste Pizza in den USA. Ihr würziger, leicht rauchiger Geschmack ergänzt den Käse und die Tomatensauce perfekt. Die Textur der kleinen Salamischeiben wird beim Backen knusprig und leicht verkohlt, was ein angenehmes Mundgefühl erzeugt. Zudem ist Pepperoni ein vertrauter und allgemein akzeptierter Geschmack, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Die Kombination aus herzhaftem Fleisch und Käse ist ein klassischer amerikanischer Geschmack, der sich auf Pizza ideal entfaltet.
Ob Sie nun die schlichte Eleganz einer neapolitanischen Pizza oder die üppige Fülle einer New York Style Pizza bevorzugen, eines ist sicher: Pizza verbindet Menschen und Kulturen. Beide Stile bieten ein einzigartiges Geschmackserlebnis, das die Vielfalt der kulinarischen Welt feiert. Welcher Stil auch immer Ihr Favorit ist, genießen Sie jeden Bissen!
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