21/04/2014
Pizza ist weit mehr als nur ein einfaches Gericht; sie ist ein globales Phänomen, das Kulturen und Kontinente verbindet. Was einst als bescheidene Speise in Neapel begann, hat sich zu einem kulinarischen Chamäleon entwickelt, das in nahezu jedem Winkel der Welt eine einzigartige Identität angenommen hat. Jedes Land, ja jede Region, hat die Pizza auf ihre eigene Art interpretiert, Zutaten hinzugefügt, Texturen verändert und Geschmacksrichtungen kreiert, die die lokalen Traditionen widerspiegeln. Begleiten Sie uns auf eine faszinierende Reise rund um den Globus, um die erstaunliche Vielfalt dieses zeitlosen Klassikers zu entdecken – von den puristischen Ursprüngen Italiens bis zu den kühnen Experimenten Asiens und Amerikas.

- Italien: Die Wiege der Pizza und ihre vielfältigen Gesichter
- Amerika: Innovation und Indulgenz
- Europa (abseits Italiens): Regionale Köstlichkeiten
- Flammkuchen (Deutschland & Frankreich): Die Filigranität aus dem Elsass
- Türkische Pide: Das Schiffchen des Genusses
- Lahmacun (Türkei & Naher Osten): Das gewürzte Fladenbrot
- Französische Pissaladière: Ohne Käse, voller Aroma
- Katalanische Coca (Spanien): Die mediterrane Variante
- Polnische Zapiekanka: Streetfood mit Ketchup
- Griechische Pizza: Mit viel Olivenöl
- Dänische Pizza: Neapolitanisch mit nordischem Twist
- Norwegische Pizza: Der größte Pizzaverbraucher
- Finnische Berlusconi Pizza: Eine Protestpizza mit Rentier
- Britisch-Schottische Frittierte Pizza: Der „Pizza Crunch“
- Schwedische Döner Pizza: Ein Einwanderer-Hit
- Asien & Ozeanien: Exotische Interpretationen
- Japanische Okonomiyaki Pizza: Eine Umami-Explosion
- Chinesische Xiang Bing: Die Streetfood-Variante
- Libanesische Manoushe: Der Frühstücksklassiker
- Indische Pizza: Würzig und vegetarisch
- Persische Pizza: Eine Belag-Explosion
- Koreanische Pizza: Die Experimentierfreudigkeit
- Australische Pizza: Von BBQ bis Känguru
- Südamerika & Kanada: Kreative Fusionen
- Vergleichende Tabelle: Einblick in die Vielfalt
- Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur Pizza
- Fazit: Eine kulinarische Reise ohne Ende
Italien: Die Wiege der Pizza und ihre vielfältigen Gesichter
Wenn wir über Pizza sprechen, müssen wir natürlich in Italien beginnen. Hier, wo die Pizza geboren wurde, hat sie die tiefsten Wurzeln und die strengsten Traditionen. Doch selbst innerhalb Italiens gibt es eine bemerkenswerte regionale Vielfalt, die weit über die Vorstellung einer einzigen „italienischen Pizza“ hinausgeht.
Neapolitanische Pizza: Das Original
Die Authentizität schlechthin ist die Neapolitanische Pizza, die aus Neapel stammt, dem Geburtsort der modernen Pizza. Sie zeichnet sich durch ihre Einfachheit und die Verwendung weniger, aber hochwertiger Zutaten aus: süße San-Marzano-Tomaten, cremiger Mozzarella di Bufala, frischer Basilikum und natives Olivenöl extra. Der Teig ist weich und dennoch zäh, hauchdünn von Hand ausgebreitet und blitzschnell in einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen gebacken. Das Ergebnis ist ein leicht verkohlter Rand, der innen weich bleibt – perfekt zum Falten oder zum Essen mit Messer und Gabel. Echte Neapolitanische Pizza ist von der „Associazione Verace Pizza Napoletana“ zertifiziert, was die Einhaltung traditioneller Standards gewährleistet.
Römische Pizza: Die Knusprige Variante
Die Römische Pizza ist das Gegenteil der Neapolitanischen – dünn, knusprig und oft leicht verkohlt. Sie wird oft als „Pizza Romana“ oder „Pizza Scrocchiarella“ bezeichnet, was ihre knusprige Textur unterstreicht. In Rom findet man auch die „Pizza al Taglio“ (Schnittpizza), riesige rechteckige Pizzen, die in kleinen Stücken nach Gewicht verkauft werden. Dies ist die perfekte Option für eilige Einheimische und Touristen, die viele Geschmacksrichtungen probieren möchten. Eine weitere römische Spezialität ist die „Pinsa“, ein Hybrid aus Neapolitanischer und Römischer Pizza, mit einem etwas dickeren, luftigeren Teig und einer knusprigen Basis, oft aus Reis-, Weizen- und Sojamehlen hergestellt und für 48 bis 72 Stunden fermentiert.
Mailänder Pizza: Die Focaccia-ähnliche Schönheit
Vielleicht die am wenigsten bekannte unter den klassischen italienischen Pizzastilen ist die Mailänder Pizza, eine „neuere“ Kreation aus den 1950er Jahren. Sie ist dick und fluffig, fast wie eine Focaccia, obwohl sie nur eine Stunde gehen muss. Die Beläge umfassen geschälte, zerdrückte Tomaten und eine Fülle von Mozzarella-Käse, der in dünne Streifen geschnitten die gesamte Oberfläche bedecken muss. Oft wird sie mit Oregano und Sardinen belegt.
Sizilianische Pizza (Sfincione & Scacciata): Dick, luftig und gefüllt
Die Sizilianische Pizza, oder „Sfincione“, stammt aus Palermo und ist eine dicke, rechteckige Pizza mit einem weichen, schwammigen Teig. Sie wird traditionell mit einfachen Zutaten wie Zwiebeln, Sardellen, Semmelbröseln und Tomatensauce belegt. Die amerikanische Version ist käselastiger und enthält oft Pepperoni. Eine weitere sizilianische Spezialität ist die „Scacciata“ aus Catania, eine gefüllte Pizza, bei der der Belag (oft Brokkoli, Blumenkohl, Würstchen und Kartoffeln) zwischen zwei Teigschichten liegt.
Pizza Fritta: Die frittierte Delikatesse aus Neapel
In Neapel, der Heimat der Pizza, gibt es eine weitere Spezialität: die frittierte Pizza. Der Teig ist derselbe wie bei der normalen Neapolitanischen Pizza, wird aber wie eine Calzone gefaltet, mit verschiedenen Zutaten – am häufigsten Büffelricotta und Schweineschwarten – gefüllt und dann frittiert. Es mag schwer klingen, ist aber unglaublich leicht und luftig und bei richtiger Zubereitung überhaupt nicht fettig.
Amerika: Innovation und Indulgenz
Die Vereinigten Staaten haben die Pizza adaptiert und in vielfältiger Weise neu interpretiert, oft mit einem Fokus auf Größe, Herzhaftigkeit und kreative Beläge.
New York-Style Pizza: Das faltbare Kultsymbol
Die Pizza des „Big Apple“ ist sofort erkennbar: groß, dünn und zum Falten gedacht. Mit ihrer knusprigen und dennoch zähen Kruste wird die New York-Style Pizza mit einer einfachen Tomatensauce, klebrigem Mozzarella und oft klassischen Belägen wie Pepperoni, Pilzen oder Wurst zubereitet. Ein entscheidendes Merkmal ist der Teig, der seine einzigartige Textur dem besonderen Leitungswasser der Stadt verdankt. Sie wird scheibenweise verkauft, oft unterwegs gegessen und ist in fast jedem Viertel erhältlich, wodurch sie zu einer kulturellen Ikone geworden ist.
Chicago Deep-Dish Pizza: Die herzhafte Herzhaftigkeit
Wenn New Yorks Pizza für dünne Krusten und schnelles Essen steht, ist Chicagos Deep-Dish Pizza ihr herzhafter, genussvoller Gegenpol. Eher eine herzhafte Torte als ein Fladenbrot, wird die Deep-Dish Pizza mit einer dicken, butterartigen Kruste gebaut, die einen hohen Rand bildet, um Schichten von Käse, Fleisch und Gemüse zu halten. Anstatt die Sauce unter den Käse zu legen, machen die Chicagoer das Gegenteil – sie verteilen eine stückige Tomatensauce obenauf, um zu verhindern, dass der Käse verbrennt. Diese in einer tiefen Pfanne gebackene Pizza braucht Zeit zum Garen und wird am besten mit Messer und Gabel genossen.
Detroit-Style Pizza: Das rechteckige Wunder
Nicht alle Pizzen sind rund. Die Detroit-Style Pizza ist ein Beispiel für eine dicke, rechteckige Pfannenpizza, die nach mehr verlangen lässt. Der Vorteil der rechteckigen Form? Köstlich knusprige Ecken! Diese Pizza ist von der Sizilianischen Pizza inspiriert, mit einer leichten, luftigen und knusprigen Textur. Der verwendete Käse ist meist Wisconsin Brick Cheese, ähnlich wie Cheddar, und er wird auf den Boden gelegt, dann folgen Fleisch oder andere Zutaten und schließlich die Sauce (ähnlich der Chicago Deep-Dish Pizza). Wenn sich der Käse bis in die Ecken der Pfanne ausbreitet, karamellisiert er zu einer knusprigen Kruste – kein Wunder, dass jeder um das Eckstück kämpft!
California-Style Pizza: Gesundheit trifft Kreativität
Wenn Sie an Kalifornien denken, denken Sie vielleicht an trendige vegane Lebensmittel, Bio-Produkte und einen gesunden Lebensstil. Dies sind auch die Merkmale der California-Style Pizza. Während der Teig dem einer New Yorker Pizza ähnelt, sind die Beläge sehr, nun ja, kalifornisch. Denken Sie an Avocados, Ziegenkäse, saisonales Gemüse wie Rote Bete und Grünkohl sowie andere lokal bezogene und angebaute Zutaten. Diese Pizzen werden normalerweise in einem Holzofen gebacken. Die große Auswahl an originellen und manchmal exotischen Zutaten lässt keine Langeweile aufkommen.
Miami/Kubanische Pizza: Eine karibische Fusion
Mit einem großen Anteil der Bevölkerung aus Kuba ist es kein Wunder, dass Miami seinen eigenen Pizzastil entwickelt hat – die Kubanische Pizza. Der Teig ist dick, da er länger als üblich gehen gelassen wird. Die Beläge werden tatsächlich in den Teig gedrückt und von einer großzügigen Schicht Vollmilch-Mozzarella und Gouda-Käse zusammengehalten. Die Beläge reichen von üblichem Schinken und Pepperoni bis hin zu Picadillo-Hackfleisch und sogar Kochbananen.
Europa (abseits Italiens): Regionale Köstlichkeiten
Auch außerhalb Italiens haben sich Pizzavarianten entwickelt, die tief in der regionalen Küche verwurzelt sind.
Flammkuchen (Deutschland & Frankreich): Die Filigranität aus dem Elsass
Auch als Tarte Flambée bekannt, ist der Flammkuchen ein dünnes, knuspriges Fladenbrot, das aus dem Elsass stammt, einer Region, die sich über Frankreich und Deutschland erstreckt. Anstelle von Tomatensauce wird die Basis mit Crème fraîche bestrichen und dann mit karamellisierten Zwiebeln und rauchigem Speck (Lardons) belegt. Das Ergebnis ist ein leichtes, knuspriges Gericht, das sowohl herzhaft als auch leicht cremig ist. Traditionell wird Flammkuchen mit einem Glas Weißwein oder Bier genossen und ist ein Muss für Liebhaber zarter, einfacher Geschmacksrichtungen.
Türkische Pide: Das Schiffchen des Genusses
Oft als „Türkische Pizza“ bezeichnet, ist Pide ein ovales Fladenbrot mit einer dicken, zähen Kruste und verschiedenen Belägen. Traditionell in einem Steinofen gebacken, wird sie oft mit Hackfleisch vom Lamm oder Rind, Käse, Spinat, Eiern oder sogar Sucuk (einer gewürzten türkischen Wurst) gefüllt. Die Ränder werden leicht gefaltet, um eine bootähnliche Form zu schaffen, die die Zutaten umschließt. In lange Stücke geschnitten serviert, ist Pide eine sättigende und geschmackvolle Alternative zur traditionellen Pizza.

Lahmacun (Türkei & Naher Osten): Das gewürzte Fladenbrot
Oft fälschlicherweise als türkische Pizza bezeichnet, ist Lahmacun tatsächlich eher ein gewürztes Fladenbrot. Dieser ultradünne Teig wird mit einer Mischung aus Hackfleisch vom Lamm oder Rind, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und einer Mischung aus duftenden nahöstlichen Gewürzen bestrichen. Im Gegensatz zu anderen Pizzen gibt es keinen Käse – nur kräftige, aromatische Geschmacksrichtungen. Es wird typischerweise mit frischen Kräutern, Zitronenspalten und manchmal Joghurt serviert und dann wie ein Wrap aufgerollt, um es leicht essen zu können. Es ist ein köstliches und tragbares Streetfood, das in der Türkei, im Libanon, in Armenien und Syrien beliebt ist.
Französische Pissaladière: Ohne Käse, voller Aroma
Eine weitere käsefreie Pizza ist die Pissaladière, ein französisches Gericht, das kräftige Aromen nicht scheut: jede Menge karamellisierte Zwiebeln mit marinierten Oliven und Sardellen auf einem dicken Pizzaboden. Nach dem Backen werden noch ein paar Sardellen und Zwiebeln hinzugefügt. Die Pizza wird normalerweise in kleine Quadrate geschnitten und eher als Vorspeise denn als Hauptgericht serviert.
Katalanische Coca (Spanien): Die mediterrane Variante
Die köstliche spanische Pizza namens Katalanische Coca ist ein Beispiel dafür, dass das Konzept der Pizza nicht immer das beinhaltet, was viele von uns sich vorstellen – nämlich eine Scheibe Teig mit Tomatensauce und Käse. Die in ganz Katalonien verkaufte Katalanische Coca wird mit einem eingeölten Teig zubereitet, der mit Paprika, Auberginen, Zwiebeln und Würstchen belegt ist. Keine Tomaten und kein Käse, aber sicherlich voller Geschmack. „Coca“ bedeutet eigentlich Kuchen, und eine süße Version dieses Gerichts ist genauso beliebt, mit Eiern und Zucker im Teig sowie Sahne und Pinienkernen als Belag.
Polnische Zapiekanka: Streetfood mit Ketchup
Die polnische Pizza heißt Zapiekanka und ist ein beliebtes Streetfood in Polen. Sie wird aus einem halbierten Baguette zubereitet und offen serviert, belegt mit Pilzen und geschmolzenem Käse wie Gouda oder Emmentaler. Die Besonderheit ist heißer Ketchup, der über den Käse gespritzt wird! Neben der klassischen Version kann diese Pizza auch im Diablo-Stil (mit scharfer Sauce), im Hawaii-Stil (mit Ananas) oder im griechischen Stil (mit Oliven und Feta-Käse) zubereitet werden.
Griechische Pizza: Mit viel Olivenöl
Obwohl Pizza kein anerkanntes typisch griechisches Gericht ist, begannen griechische Einwanderer, die vor Jahrzehnten in die USA zogen, Pizza mit ihrem eigenen Flair zuzubereiten – ein Stil, der heute als Griechische Pizza bekannt ist. Griechische Pizza wird in einer geölten Pfanne gebacken (anstatt direkt auf einem Pizzastein oder im Ofen) und hat reichlich Olivenöl und Oregano im Teig. Das Ergebnis ist eine dünne Focaccia mit einem starken Olivenölaroma. Tomatenpaste wird zur Sauce hinzugefügt, zusammen mit anderen frischen, typisch griechischen Zutaten wie Oliven, Feta-Käse und Paprika.
Dänische Pizza: Neapolitanisch mit nordischem Twist
Die Dänen sind stark von italienischen Pizzaiolos inspiriert. Die typische Kopenhagener Pizza ist eine Sauerteig-Version der Neapolitanischen Pizza, aber mit einzigartigen Belägen. Man findet Ziegenkäse, Guanciale, Kiwis, Kartoffeln, geräucherten Mozzarella und vieles mehr.
Norwegische Pizza: Der größte Pizzaverbraucher
An einem kalten Ort wie Norwegen ist Komfortessen gefragt – und welches Essen bietet mehr Komfort als Pizza? Besonders wenn sie mit Hackfleisch, Tomatensauce und viel Käse belegt ist, kann man nichts falsch machen. Fun Fact: Norweger sollen weltweit die meiste Pizza pro Kopf konsumieren.
Finnische Berlusconi Pizza: Eine Protestpizza mit Rentier
Finnland hat eine ungewöhnliche Pizza-Geschmackskombination entwickelt, nachdem der ehemalige italienische Premierminister Silvio Berlusconi das finnische Essen beleidigte, indem er sagte, es bestehe nur aus „mariniertem Rentier“. Die Finnen ließen sich nicht entmutigen und beschlossen, eine Pizza (typisch italienisches Essen) mit Rentierfleisch zu kreieren und sie nach dem oben genannten italienischen Premierminister zu benennen. Unglaublicherweise gewann diese Pizza ein internationales Pizzafestival in New York und ist heute in Finnland sehr beliebt, da sie bei der größten finnischen Pizzakette – Kotipizza – serviert wird. Die Berlusconi-Pizza enthält geräuchertes Rentier, Pfifferlinge, Käse und rote Zwiebeln.
Britisch-Schottische Frittierte Pizza: Der „Pizza Crunch“
Großbritannien hat keine nationale oder traditionelle Pizza, obwohl die meisten Pizzen auf dieser Liste wahrscheinlich in Londons Schmelztiegel der Küchen zu finden wären. Die Briten haben jedoch einige interessante Geschmacksrichtungen zu ihren Pizzen hinzugefügt, wie Chicken Tikka Masala und andere Curry-Beläge. Im Norden Schottlands finden wir eine einzigartige Art von frittierter Pizza – nicht ganz wie die in Neapel. Sie wird „Pizza Crunch“ genannt und beinhaltet buchstäblich das Eintauchen einer ganzen Scheibe gekochter Pizza in einen Teig und das anschließende Frittieren in Fish-and-Chips-Öl. Vielleicht nicht gerade diätfreundlich, aber es klingt nach einem guten Snack nach dem Pub-Besuch.
Schwedische Döner Pizza: Ein Einwanderer-Hit
Die Schweden mögen ihre Pizza wie alles andere: moderat. Sie übernahmen die amerikanische Pan Pizza in den 90er Jahren und fuhren auf diesem Zug, bis die Einwanderung stark anstieg. Die Einwanderer, genauer gesagt die Türken und Kurden, führten eine Pizza ein, in die sich die Schweden verlieben sollten – die Kebab-Pizza (Döner Pizza). Diese Pizza wird mit einer speziellen Sauce serviert, die aus Joghurt, Mayonnaise, Sauermilch und Gewürzen besteht. Und während sich Italiener in ihren Gräbern umdrehen würden über eine Pizza, die alle Regeln dessen bricht, was Pizza wirklich ist, schmeckt sie tatsächlich erstaunlich.
Asien & Ozeanien: Exotische Interpretationen
Der Ferne Osten und Ozeanien überraschen mit einigen der ungewöhnlichsten und kreativsten Pizzavariationen.
Japanische Okonomiyaki Pizza: Eine Umami-Explosion
Japans Version der Pizza verbindet das berühmte Okonomiyaki (ein herzhafter Pfannkuchen) des Landes mit westlichen Belägen. Die Basis ist ein dicker Teig, gemischt mit geraspeltem Kohl, der dann auf einer Grillplatte gekocht und mit Zutaten wie Schweinebauch, Meeresfrüchten oder geschmolzenem Käse belegt wird. Anstelle von Marinara wird sie mit Okonomiyaki-Sauce (einer süß-salzigen Worcestershire-ähnlichen Glasur), japanischer Mayonnaise und Bonitoflocken verfeinert, die durch die Hitze zu „tanzen“ scheinen. Dieses Gericht ist eine geschmacksintensive Umami-Bombe, perfekt für Liebhaber der Fusionsküche.
Chinesische Xiang Bing: Die Streetfood-Variante
Eine Art chinesische „Pizza“, die nur in China zu finden ist, heißt Xiang Bing. Es ist ein öliger Teig aus Mehl und Sojamilch, belegt mit scharfem Hackfleisch vom Schwein, Ingwer und Frühlingszwiebeln. Es ist ein Streetfood, das in braunen Papiertüten serviert und mit Stäbchen gegessen wird. Außerhalb Chinas wurden „chinesische“ Pizzen durch das Hinzufügen asiatischer Aromen zu normalen Pizzen kreiert, wie Sojasauce, Wasserkastanien und gewürztes Fleisch.
Libanesische Manoushe: Der Frühstücksklassiker
Die libanesische Pizza heißt Manoushe und wird meistens zum Frühstück gegessen. Dieses traditionelle Rezept hat einen Teig, der außen knusprig und innen etwas zäh ist, mit schönen, kräftigen Aromen und Gewürzen. Sie kann nur mit Käse, nur mit Thymian oder einer Mischung aus Käse und Thymian zusammen mit anderen Gewürzen oder mit Fleisch und Pinienkernen belegt werden. Übliche Gewürze sind Petersilie, Piment, Zitronensaft und Sumach. Ein mediterraner Schatz.

Indische Pizza: Würzig und vegetarisch
Pizza in Indien ist ein aufstrebendes Streetfood. Die indische Küche ist wunderbar darin, Dinge aufzupeppen, und das gilt auch für ihre Pizza-Geschmacksrichtungen. Im Allgemeinen werden Pizzen in Indien eher mit mehr Gemüse und Gewürzen als mit Fleisch und Käse wie in anderen Teilen der Welt serviert. Sie verwenden einige einzigartige Beläge wie eingelegten Ingwer, Tandoori-Huhn und Paneer.
Persische Pizza: Eine Belag-Explosion
Die iranische oder persische Pizza verfügt über eine dicke und knusprige Kruste. Die Kruste muss stabil sein, da sie eine exorbitante Menge an Belägen aufnehmen muss, darunter eine großzügige Menge Käse, Hackfleisch, Würstchen, Lamm, Paprika, Pilze, Zwiebeln und Gewürze wie Kurkuma, Minze, Rosmarin, Thymian und Paprika – alles abgerundet mit etwas Senf und Ketchup. Stellen Sie sicher, dass Sie sehr hungrig beginnen.
Koreanische Pizza: Die Experimentierfreudigkeit
Korea könnte der extravaganteste Pizzabäcker auf dieser Liste sein. Im Grunde geht alles, und die Beläge auf der Pizza reichen von Kimchi bis zu Schnecken, Kartoffeln, T-Bone-Steak und Calamari, und oft gibt es eingelegte Gemüsebeilagen zum Essen. Einige Pizzen haben sogar einen gefüllten Rand, nicht mit etwas, das man erwarten würde – wie Käse –, sondern mit Süßkartoffeln. Koreaner sind konservativ mit ihren eigenen traditionellen Rezepten, experimentieren aber gerne, wenn es um fremde Speisen geht.
Australische Pizza: Von BBQ bis Känguru
„Down Under“ in Australien. Die traditionelle Aussie Pizza ist mit Barbecue-Sauce, Käse, roten Zwiebeln, Speck und Spiegeleiern belegt – echte Outback-Aromen. Während Aussie BBQ Pizza üblich ist, haben einige Restaurants auch ungewöhnliche lokale Fleischsorten als Belag verwendet: Pizzen mit Kängurufleisch, Emu und Krokodil. Ein Hotel in Australien serviert all diese, und die Geschmackskombinationen sind interessant: halbe Känguru- und halbe Emu-Fleischpizza mit Myrte-Mayo, Busch-Tomate und Paprika; Salzwasserkrokodil, Pilze, Büffelmozzarella, Aubergine und Oliven.
Südamerika & Kanada: Kreative Fusionen
Auch auf dem amerikanischen Doppelkontinent abseits der USA gibt es spannende Pizzakreationen.
Brasilianische Pizza: Farbenfroh und süß
Pizza wurde in Brasilien um die 1930er Jahre von italienischen Einwanderern eingeführt. Brasilianische Pizza hat eine dünne Kruste (ähnlicher der italienischen als der amerikanischen Pizza) und manchmal einen mit einem brasilianischen Käse namens Requeijão gefüllten Rand. Die verwendete Saucenmenge ist gering, aber die Beläge sind extrem vielfältig, von Mais über Frischkäse, Curryhuhn mit Kokosmilch bis hin zu Kartoffelpüree. Es werden sogar süße Pizzen mit Nutella, Erdbeeren, Bananen und anderen zuckerhaltigen Leckereien zubereitet – eine Küche, die so farbenfroh ist wie das Land selbst!
Argentinische Fugazza & Fugazzeta: Die Luftigkeit der Zwiebeln
Fugazza ist der Name einer bemerkenswerten argentinischen Pizza. Dieser Pizzateig enthält Olivenöl und er wird nicht ausgerollt, sondern einfach in die Pfanne gedrückt – so wird er beim Backen luftig und weich und nimmt die Aromen der Beläge perfekt auf. Sie wird mit in Olivenöl sautierten süßen Zwiebeln belegt und mit Oregano und Parmesan bestreut. Weitere Beläge können Oliven und Schinken sein. Eine andere Version namens Fugazzeta ist mit viel Mozzarella-Käse beladen und hat eine dickere Kruste.
Mexikanische Tlayuda Pizza: Taco trifft Pizza
Die wahre mexikanische Pizza heißt „Tlayuda“ und wird mit riesigen Weizen-Tortillas zubereitet, die mit Schmalz, pürierten Bohnen, frischem Queso, Chilisauce und manchmal Fleisch und Avocado belegt sind. Ein Traum wird wahr, wenn Sie sowohl Tacos als auch Pizza lieben! Das Rezept stammt aus Oaxaca, und die Tortillas werden von Hand zubereitet und auf großen Steinen gegrillt. Es ist nicht überraschend, dass es eines der besten Streetfoods Mexikos ist.
Kanadische Pizzen: Von Hawaii bis Spaghetti
Kanadier können mit weiteren Belagskombinationen punkten. Obwohl der Teig nicht auf eine bestimmte Art und Weise hergestellt wird, sind es die Beläge, die kanadische Pizzen auszeichnen. Am bekanntesten ist die Quebecois-Pizza, die mit Tomatensauce, Mozzarella-Käse, Speck, Pepperoni und Pilzen belegt ist. Die Poutine-Pizza ist mit dem beliebten kanadischen Gericht – Pommes Frites, Käsebruch und Bratensoße – belegt. Die eigenartigste kanadische Pizza ist wahrscheinlich die Pizza-ghetti aus Quebec: eine Kombination aus Pizza und Spaghetti, wobei die Spaghetti unter dem geschmolzenen Käse versteckt sind. Und ja, die umstrittene Hawaii-Pizza (mit Ananas und Schinken) wurde tatsächlich in Kanada erfunden!
Vergleichende Tabelle: Einblick in die Vielfalt
Um die Unterschiede zwischen einigen der bekanntesten Pizzastile besser zu verstehen, werfen wir einen Blick auf diese vergleichende Tabelle:
| Merkmal | Neapolitanische Pizza | Chicago Deep-Dish | Flammkuchen | Lahmacun | Brasilianische Pizza |
|---|---|---|---|---|---|
| Herkunft | Italien (Neapel) | USA (Chicago) | Deutschland/Frankreich | Türkei/Naher Osten | Brasilien |
| Teig | Dünn, weich, luftig, elastisch | Sehr dick, buttrig, hochrandig | Extrem dünn, knusprig | Ultra-dünn, flach | Dünn, oft mit gefülltem Rand |
| Sauce | Einfache Tomatensauce | Stückige Tomatensauce (obenauf) | Crème fraîche | Hackfleischmischung (keine separate Sauce) | Wenige Tomatensauce (oder keine) |
| Käse | Mozzarella di Bufala | Viel Mozzarella (unten) | Keiner | Keiner | Sehr viel, oft Catupiry/Requeijão |
| Typische Beläge | Basilikum, Olivenöl | Wurst, Pepperoni, Gemüse | Karamellisierte Zwiebeln, Speck | Hackfleisch, Tomaten, Zwiebeln, Petersilie, Gewürze | Mais, Erbsen, Hühnchen mit Catupiry, Süßigkeiten |
| Essweise | Messer & Gabel, falten | Messer & Gabel | Hand, in Stücke geschnitten | Rollen wie ein Wrap | Normal, oft mit Ketchup/Scharfer Sauce |
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur Pizza
Woher kommt die Pizza ursprünglich?
Die moderne Pizza, wie wir sie kennen, stammt ursprünglich aus Neapel, Italien. Die Neapolitanische Pizza gilt als das Original und ist sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Was ist der Unterschied zwischen Neapolitanischer und Römischer Pizza?
Der Hauptunterschied liegt im Teig und der Kruste. Neapolitanische Pizza hat einen weichen, luftigen und dünnen Boden mit einem dicken, aufgegangenen Rand. Römische Pizza hingegen ist dünn und knusprig mit einem flacheren Rand. Man sagt, man liebt entweder die eine oder die andere.
Ist Hawaii-Pizza wirklich aus Hawaii?
Nein, die Hawaii-Pizza wurde nicht in Hawaii erfunden, sondern 1962 in Kanada von einem griechischen Einwanderer namens Sam Panopoulos. Er experimentierte mit süßen und herzhaften Geschmäcken und fügte Ananas und Schinken zu einer Pizza hinzu.
Welches Land isst am meisten Pizza pro Kopf?
Obwohl Italien die Heimat der Pizza ist, wird berichtet, dass Norwegen den höchsten Pizzakonsum pro Kopf weltweit hat, dicht gefolgt von den USA.
Gibt es auch süße Pizzen?
Ja, absolut! Besonders in Brasilien sind süße Pizzen sehr beliebt, oft belegt mit Nutella, Erdbeeren, Bananen oder Schokolade. Auch in Spanien gibt es süße Versionen der „Coca“.
Gibt es Pizza ohne Tomatensauce oder Käse?
Ja, mehrere traditionelle Pizzen kommen ohne Tomatensauce oder Käse aus. Beispiele sind der Flammkuchen aus Deutschland/Frankreich (mit Crème fraîche, Zwiebeln, Speck), Lahmacun aus der Türkei/Naher Osten (mit Hackfleisch und Gewürzen) und die französische Pissaladière (mit Zwiebeln, Oliven, Sardellen).
Fazit: Eine kulinarische Reise ohne Ende
Wie Sie gesehen haben, ist die Welt der Pizza eine unendlich faszinierende und schmackhafte. Von den puristischen Traditionen Neapels bis zu den kühnen, experimentellen Kreationen in den entlegensten Winkeln der Erde hat die Pizza bewiesen, dass sie sich anpassen, entwickeln und unzählige Geschmäcker befriedigen kann. Sie ist ein Spiegelbild der Kulturen, die sie aufgenommen und zu ihrer eigenen gemacht haben. Egal, ob Sie ein Liebhaber der Klassiker sind oder sich nach neuen, aufregenden Geschmackserlebnissen sehnen, die globale Pizzawelt bietet für jeden etwas. Tauchen Sie ein und lassen Sie sich von der Vielfalt inspirieren – die nächste Pizza-Entdeckung wartet schon auf Sie!
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