Wie alt ist die Pizza?

Wie alt ist die Pizza wirklich? Eine Zeitreise

05/12/2023

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Es gibt wohl kaum ein Gericht auf der Welt, das so universell geliebt und gefeiert wird wie die Pizza. Ihr Duft, ihre Vielfalt und ihre Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, sind unbestreitbar. Doch während wir genüsslich in ein Stück beißen, stellen sich viele die Frage: Wie alt ist die Pizza eigentlich? Die Antwort ist komplexer, als man zunächst annehmen mag, denn die Geschichte der Pizza ist keine einzelne Geburt, sondern eine lange und faszinierende Evolution, die sich über Jahrtausende erstreckt.

Wie alt ist die Pizza?
Inhaltsverzeichnis

Die Ursprünge: Von Fladenbroten der Antike

Um das wahre Alter der Pizza zu ergründen, müssen wir weit in die Vergangenheit reisen, lange bevor der Begriff „Pizza“ überhaupt existierte. Die Grundlage der Pizza – ein gebackenes Fladenbrot – ist fast so alt wie die Zivilisation selbst. Schon vor 6.000 Jahren, im alten Ägypten und Mesopotamien, wurden einfache Fladenbrote aus Getreide und Wasser auf heißen Steinen gebacken. Diese frühen Backwaren dienten als Grundnahrungsmittel und wurden oft mit einfachen Belägen wie Datteln oder Kräutern verfeinert.

Die Griechen der Antike kannten ein ähnliches Gericht namens „Plakous“ oder „Plakos“, ein Fladenbrot, das mit Öl, Kräutern, Zwiebeln und Knoblauch belegt und gebacken wurde. Auch die Römer hatten ihre eigenen Variationen, wie das „Panis focacius“, das als Vorläufer der modernen Focaccia gilt und ebenfalls mit verschiedenen Zutaten belegt wurde. Diese antiken Fladenbrote waren einfache, nahrhafte Gerichte, die oft von Bauern und Soldaten verzehrt wurden. Sie waren zwar keine „Pizza“ im modernen Sinne, legten aber den Grundstein für die Idee, einen Teigboden mit Belägen zu versehen und zu backen.

Neapel: Die Wiege der modernen Pizza

Der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte der Pizza ereignete sich in der süditalienischen Stadt Neapel. Hier, im 16. Jahrhundert, begann sich das, was wir heute als Pizza erkennen, langsam zu formen. Neapel war zu dieser Zeit eine florierende Hafenstadt mit einer großen Bevölkerung, darunter viele arme Arbeiter, die eine schnelle, günstige und nahrhafte Mahlzeit benötigten. Fladenbrote, die mit Olivenöl, Knoblauch, Salz und später auch mit Käse belegt wurden, wurden zu einem beliebten Streetfood. Diese frühen Pizzen waren weit entfernt von den heutigen Gourmet-Kreationen; sie waren einfache Speisen, die oft von fahrenden Händlern verkauft und direkt auf der Straße gegessen wurden.

Es gab noch keine Tomaten auf diesen frühen neapolitanischen Pizzen, da die Tomate erst im 16. Jahrhundert aus Amerika nach Europa kam und lange Zeit als giftige Zierpflanze galt. Ihr Einzug in die europäische Küche und insbesondere auf die Pizza sollte die Geschichte dieses Gerichts jedoch grundlegend verändern.

Die Ankunft der Tomate: Ein Game-Changer

Die Tomate ist heute untrennbar mit der Pizza verbunden, doch ihre Integration war ein langer Prozess. Als die Tomate im 16. Jahrhundert aus der Neuen Welt nach Europa kam, wurde sie zunächst mit Skepsis betrachtet und sogar als giftig eingestuft. Erst im 17. und 18. Jahrhundert wagten sich die ärmeren Bevölkerungsschichten in Süditalien, insbesondere in Neapel, an den Verzehr. Sie entdeckten, dass die Tomate nicht nur essbar, sondern auch köstlich war und sich hervorragend als Belag für ihre Fladenbrote eignete. Die Säure und Süße der Tomate verliehen der Pizza eine völlig neue Geschmacksdimension und machten sie noch schmackhafter und nahrhafter.

Mit der Kombination aus Teig, Olivenöl, Knoblauch und der neuen, aufregenden Tomate nahm die Pizza in Neapel ihre charakteristische Form an. Die ersten Pizzerien, wie die 1830 eröffnete „Antica Pizzeria Port'Alba“, die noch heute existiert, entstanden und boten die Pizza nicht mehr nur als Streetfood, sondern als Gericht in einem festen Lokal an. Hier wurden die Pizzen in speziellen Holzöfen gebacken, die ihnen ihren unverwechselbaren Geschmack verliehen.

Die Legende der Pizza Margherita

Wenn man vom Alter der Pizza spricht, kommt man an der Pizza Margherita nicht vorbei. Sie ist nicht die älteste Pizza, aber sie ist die wohl berühmteste und oft als die „moderne“ Pizza-Inkarnation bezeichnete. Die Legende besagt, dass im Jahr 1889 König Umberto I. und Königin Margherita von Savoyen Neapel besuchten. Die Königin, müde von der französischen Haute Cuisine, wünschte sich eine lokale Spezialität.

Der berühmte Pizzaiolo Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi (ehemals Pizzeria Pietro e Basta Così) wurde beauftragt, drei verschiedene Pizzen für die Königin zuzubereiten. Eine davon, die der Königin besonders zusagte, war mit Tomaten (rot), Mozzarella (weiß) und Basilikum (grün) belegt – den Farben der italienischen Flagge. Aus Respekt vor der Königin benannte Esposito diese Pizza angeblich nach ihr: die Pizza Margherita. Obwohl Historiker über die genaue Wahrheit dieser Legende streiten, hat sie sich fest in das kollektive Gedächtnis eingebrannt und der Pizza Margherita zu weltweitem Ruhm verholfen. Sie markiert einen wichtigen Punkt in der Geschichte, an dem die Pizza von einem einfachen Gericht der Armen zu einem königlichen Genuss aufstieg.

Die Pizza erobert die Welt: Auswanderung und Globalisierung

Die wahre Globalisierung der Pizza begann Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit der großen Welle der italienischen Auswanderung, insbesondere nach Nordamerika. Italienische Einwanderer brachten ihre kulinarischen Traditionen, darunter auch die Pizza, mit in die Neue Welt. Anfangs war die Pizza ein Nischenprodukt, das hauptsächlich von italienischen Gemeinden verzehrt wurde. Die erste Pizzeria in den USA wurde 1905 von Gennaro Lombardi in New York City eröffnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als amerikanische Soldaten aus Italien zurückkehrten und ihre Begeisterung für die Pizza mit nach Hause brachten, erlebte das Gericht einen explosionsartigen Aufschwung. Plötzlich wurde die Pizza zu einem Mainstream-Gericht in den USA und entwickelte dort eigene, regionale Stile wie die New York Style Pizza (dünner Boden, groß, faltbar) und die Chicago Deep Dish Pizza (dicker, tiefer Boden, fast wie ein Kuchen). Von Amerika aus verbreitete sich die Pizza in den folgenden Jahrzehnten in alle Winkel der Welt und passte sich den lokalen Geschmäckern und Zutaten an, wodurch eine unglaubliche Vielfalt entstand.

Mythen und Missverständnisse über das Alter der Pizza

Oft hört man, die Pizza sei „tausende von Jahren alt“. Das stimmt, wenn man von den allerersten Fladenbroten spricht. Doch es ist wichtig, zwischen diesen antiken Vorläufern und der modernen Pizza zu unterscheiden. Die „Pizza“, wie wir sie heute kennen – mit Tomatensauce, Käse und im Ofen gebacken – ist tatsächlich viel jünger. Ihre entscheidende Entwicklung fand im 17. und 18. Jahrhundert in Neapel statt, und ihre weltweite Popularität erlangte sie erst im 20. Jahrhundert.

Die Verwirrung entsteht oft, weil der Begriff „Pizza“ im Laufe der Geschichte für verschiedene Arten von gebackenen Teigwaren verwendet wurde. Die römischen „Libum“-Kuchen oder die griechischen „Plakous“ waren zwar Fladenbrote mit Belägen, aber sie waren keine „Pizza“ im Sinne der Neapolitanischen Tradition, die durch die Tomate und den Mozzarella definiert wird. Die „Geburtsstunde“ der Pizza hängt also stark davon ab, welche Definition man anlegt.

Zeittafel zur Evolution der Pizza

EpocheMerkmale der „Pizza-ähnlichen“ SpeisenBedeutende Entwicklung
Antike (ca. 6000 v. Chr. - 500 n. Chr.)Einfache Fladenbrote aus Getreide und Wasser, oft mit Öl, Kräutern, Zwiebeln belegt (z.B. griechischer Plakous, römischer Panis Focacius).Grundstein für die Idee des belegten Fladenbrots.
Mittelalter (ca. 500 - 1500 n. Chr.)Regionale Variationen von Fladenbroten in Südeuropa; in Neapel erste Formen von „Gebackenem“ als Streetfood.Weiterentwicklung der Bäckereikunst und regionaler Spezialitäten.
Frühe Neuzeit (16. - 18. Jh.)Neapel wird zum Zentrum für einfache, belegte Fladenbrote (mit Knoblauch, Schmalz, Salz). Ankunft und langsame Akzeptanz der Tomate.Integration der Tomate als Belag, Pizza wird zum Arme-Leute-Essen.
19. JahrhundertEtablierung der Pizzeria als Lokal (z.B. Antica Pizzeria Port'Alba, 1830). Legende der Pizza Margherita (1889).Geburt der modernen, ikonischen Pizza mit Tomate und Mozzarella; Aufstieg zum nationalen Gericht.
20. Jahrhundert - HeuteItalienische Auswanderung bringt Pizza in die USA (erste Pizzeria NYC 1905). Nachkriegszeit: weltweite Verbreitung, Entstehung regionaler Stile (NYC, Chicago Deep Dish).Weltweite Dominanz als Fast Food und Gourmetgericht; ständige Innovation und Anpassung.

Häufig gestellte Fragen zur Geschichte der Pizza

Ist Pizza wirklich so alt wie die Pyramiden?
Nein, die moderne Pizza, wie wir sie kennen, ist es nicht. Aber die Grundidee eines belegten Fladenbrots ist tatsächlich Tausende von Jahren alt und reicht bis in die Zeit der alten Ägypter und Mesopotamier zurück.

Wann wurde die erste Pizzeria eröffnet?
Die älteste bekannte Pizzeria, die noch heute existiert, ist die „Antica Pizzeria Port'Alba“ in Neapel, die 1830 gegründet wurde. Zuvor wurde Pizza oft von Straßenhändlern verkauft.

Gab es Pizza vor der Entdeckung Amerikas?
Ja, es gab Fladenbrote, die mit verschiedenen Zutaten belegt wurden. Was fehlte, waren die Tomaten, die erst nach der Entdeckung Amerikas nach Europa kamen. Die Pizza ohne Tomate ist also älter als die mit Tomate.

Was ist der Unterschied zwischen antiken Fladenbroten und moderner Pizza?
Der Hauptunterschied liegt in den Zutaten und dem kulturellen Kontext. Antike Fladenbrote waren einfacher, dienten primär der Sättigung und hatten keine Tomaten. Die moderne Pizza, insbesondere die neapolitanische Tradition, zeichnet sich durch die Verwendung von Tomaten, Mozzarella und spezifischen Backmethoden aus und hat sich von einem Arme-Leute-Essen zu einem kulinarischen Kulturgut entwickelt.

Wie alt ist die Pizza Margherita genau?
Die Legende der Pizza Margherita datiert ihre Entstehung auf das Jahr 1889, als sie angeblich für Königin Margherita von Savoyen kreiert wurde. Sie ist also etwas über 130 Jahre alt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frage nach dem Alter der Pizza keine einfache Jahreszahl liefert. Die Pizza ist ein lebendiges Beispiel für kulinarische Evolution, ein Gericht, das sich über Jahrtausende hinweg entwickelt hat, von einem einfachen Fladenbrot der Antike bis hin zum komplexen und vielseitigen Meisterwerk, das wir heute auf unseren Tellern finden. Ihre Geschichte ist eine Geschichte der Anpassung, der Innovation und des unaufhörlichen menschlichen Wunsches nach köstlicher Nahrung. Und so bleibt die Pizza, ob alt oder jung in ihren verschiedenen Formen, ein zeitloses Symbol für Genuss und Gemeinschaft.

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