15/01/2018
Italien, das Land der Sonne, der Kunst und natürlich der Pizza! Wer an Italien denkt, kommt um dieses weltberühmte Gericht nicht herum. Doch die italienische Pizza ist weit mehr als nur Teig, Tomaten und Käse. Sie ist eine jahrhundertealte Tradition, ein kulinarisches Meisterwerk und ein Spiegelbild regionaler Identitäten. Von den sonnigen Gassen Neapels bis zu den historischen Straßen Roms – jede Region hat ihre eigene Interpretation dieses geliebten Klassikers. Begeben wir uns auf eine köstliche Reise, um die Vielfalt der italienischen Pizza zu entdecken und zu verstehen, was sie so einzigartig und unwiderstehlich macht.

Die Wurzeln der Pizza: Eine kurze Geschichte
Die Geschichte der Pizza ist so reich und vielfältig wie ihre Aromen. Ursprünglich war die Pizza ein einfaches Gericht der armen Leute, ein Fladenbrot, das mit dem belegt wurde, was gerade verfügbar war. Ihre Wiege ist Neapel, wo sie im 18. Jahrhundert zu dem wurde, was wir heute als Pizza kennen. Die Legende besagt, dass die Pizza Margherita im Jahr 1889 zu Ehren von Königin Margherita von Savoyen kreiert wurde, wobei die Zutaten – rote Tomaten, weißer Mozzarella und grüner Basilikum – die Farben der italienischen Flagge repräsentierten. Diese drei Zutaten bildeten die Grundlage für eine kulinarische Revolution, die die Welt erobern sollte. Von Neapel aus verbreitete sich die Pizza langsam im ganzen Land und schließlich über die Kontinente, wobei sie sich an lokale Geschmäcker und Zutaten anpasste, aber stets ihren italienischen Ursprung bewahrte.
Neapolitanische Pizza: Das Original
Wenn man von italienischer Pizza spricht, muss man mit der Pizza Napoletana beginnen. Sie ist das Aushängeschild Neapels und wurde 2017 sogar von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Die Regeln für ihre Zubereitung sind streng und genau festgelegt, um ihre Authentizität zu gewährleisten. Der Teig muss aus Weichweizenmehl Typ 00, Wasser, Salz und Hefe bestehen und mindestens 8 Stunden lang gehen. Er wird von Hand geformt, ohne Nudelholz, um die Luftblasen nicht zu zerstören, was zu einem luftigen, weichen Rand führt. Der Rand, auch cornicione genannt, ist charakteristisch hoch und leicht verkohlt. Gebacken wird sie in einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen (ca. 485°C) für nur 60 bis 90 Sekunden. Die bekanntesten Varianten sind die Pizza Margherita (mit San-Marzano-Tomaten, Mozzarella fior di latte oder Mozzarella di Bufala Campana D.O.P., frischem Basilikum und Olivenöl) und die Pizza Marinara (mit Tomaten, Knoblauch, Oregano und Olivenöl – ohne Käse!). Die Einfachheit der Zutaten unterstreicht die Qualität und Frische jedes einzelnen Bestandteils.
Römische Pizza: Eine knusprige Alternative
Im Gegensatz zur weichen und luftigen neapolitanischen Pizza bietet die römische Pizza, auch Pizza Romana genannt, eine ganz andere Textur. Ihr Teig ist dünner und knuspriger, oft mit etwas Olivenöl im Teig, was zu einer festeren Konsistenz führt, die beim Backen schön kross wird. Sie wird bei etwas niedrigeren Temperaturen und länger gebacken als die neapolitanische Variante. Der Rand ist hier nicht so ausgeprägt und hoch, sondern flacher und ebenfalls knusprig. Typische römische Pizzen sind oft reichhaltiger belegt, zum Beispiel mit Prosciutto, Pilzen oder Artischocken. Die „Pizza alla pala“ ist eine längliche Variante, die oft auf Holzschaufeln serviert wird und in vielen Bäckereien Roms als Snack beliebt ist. Eine weitere römische Spezialität ist die „Pizza al taglio“, die als rechteckige Stücke verkauft und nach Gewicht abgerechnet wird – ideal für einen schnellen Imbiss unterwegs.
Regionale Spezialitäten: Jenseits von Neapel und Rom
Italien ist ein Land der regionalen Küchen, und die Pizza bildet da keine Ausnahme. Jede Region hat ihre eigenen Besonderheiten und Vorlieben:
- Pizza Siciliana: Oft als dicke, rechteckige Focaccia-ähnliche Pizza zubereitet, manchmal sogar gefüllt. Die Beläge können von Sardellen über Oliven bis zu Kapern variieren. Die „Sfinciuni“ aus Palermo ist eine besonders dicke, weiche Pizza mit einer würzigen Tomatensauce, Zwiebeln, Sardellen und Semmelbröseln.
- Pizza Genovese (Focaccia): Obwohl streng genommen keine Pizza im klassischen Sinne, ist die Focaccia aus Ligurien ein naher Verwandter. Sie ist ein dickes, weiches Fladenbrot, das reichlich mit Olivenöl beträufelt und oft nur mit grobem Meersalz und Rosmarin belegt wird, manchmal auch mit Zwiebeln oder Oliven.
- Pizza Fritta (Neapel): Eine frittierte Pizza, die besonders in Neapel beliebt ist. Der Teig wird gefüllt (oft mit Ricotta, Cicoli – gepressten Schweinefleischstücken – und Mozzarella oder Tomaten und Mozzarella) und dann in heißem Öl goldbraun frittiert. Das Ergebnis ist eine knusprige Außenseite und ein weicher, saftiger Kern.
- Calzone: Eine gefaltete Pizza, die wie ein Halbmond geformt ist und im Ofen gebacken wird. Sie ist typischerweise mit Ricotta, Mozzarella, Schinken oder Salami und Tomatensauce gefüllt. Der Calzone ist im Grunde eine „eingepackte“ Pizza, die die Füllung schön saftig hält.
- Pizza Bianca: Eine „weiße Pizza“ ohne Tomatensauce, die oft nur mit Olivenöl, Salz, Rosmarin und manchmal Käse belegt wird. Sie dient oft als Beilage oder als Basis für andere Beläge, die nicht mit Tomaten harmonieren.
Die Geheimnisse des perfekten Teigs und der Zutaten
Der Erfolg einer italienischen Pizza liegt nicht nur in der Zubereitung, sondern vor allem in der Qualität der Zutaten. Der Teig ist das Herzstück. Er muss lange genug gehen, um die richtige Textur und Verdaulichkeit zu entwickeln. Ein guter Pizzabäcker, ein „Pizzaiolo“, versteht es, den Teig mit Gefühl zu bearbeiten, sodass er luftig und elastisch wird. Die Tomaten sind ebenfalls entscheidend: Echte San-Marzano-Tomaten aus der Region Kampanien sind süß und haben einen geringen Säuregehalt, was sie ideal für Pizzen macht. Der Mozzarella sollte von hoher Qualität sein, vorzugsweise Fior di Latte (aus Kuhmilch) oder Mozzarella di Bufala Campana D.O.P. (aus Büffelmilch), da diese beim Backen perfekt schmelzen, ohne zu viel Wasser abzugeben. Frischer Basilikum und hochwertiges natives Olivenöl extra runden das Geschmackserlebnis ab. Die Einfachheit der Zutaten erfordert höchste Qualität, denn jeder einzelne Bestandteil muss für sich glänzen können.
Tabelle: Vergleich der neapolitanischen und römischen Pizza
| Merkmal | Pizza Napoletana | Pizza Romana |
|---|---|---|
| Teig | Weich, luftig, elastisch | Dünn, knusprig, fest |
| Rand (Cornicione) | Hoch, aufgegangen, weich, leicht verkohlt | Flach, knusprig, kaum ausgeprägt |
| Backzeit/Temperatur | Kurz (60-90 Sek.) bei sehr hoher Temp. (ca. 485°C) | Länger bei niedrigerer Temp. (ca. 350-400°C) |
| Typische Beläge | Margherita, Marinara (einfach) | Vielfältiger, z.B. Prosciutto, Pilze, Artischocken |
| Zubereitung | Handgeformt, ohne Nudelholz | Oft mit Nudelholz ausgerollt |
| Textur | Weich, leicht faltbar, feucht | Knusprig, bricht leicht |
| Servierart | Meist als ganze, runde Pizza | Oft als ganze Pizza, Pizza alla pala oder al taglio (rechteckige Stücke) |
| Herkunft | Neapel | Rom |
Wie man eine authentische italienische Pizza erkennt
Der Besuch einer Pizzeria in Italien kann überwältigend sein, angesichts der vielen Optionen. Doch es gibt einige Anzeichen, die auf eine authentische und hochwertige Pizza hindeuten:
- Der Ofen: Eine echte italienische Pizzeria, besonders eine, die neapolitanische Pizza anbietet, wird einen Holzofen haben. Der Geruch von Holzrauch und die sichtbare Flamme sind gute Indikatoren.
- Der Teig: Achten Sie auf den Rand. Bei einer neapolitanischen Pizza sollte er aufgegangen, luftig und leicht blasenreich sein. Er sollte weich, aber dennoch leicht knusprig sein. Bei einer römischen Pizza sollte der Teig dünn und durchgehend knusprig sein.
- Die Zutaten: Weniger ist oft mehr. Eine echte italienische Pizza lebt von der Qualität ihrer wenigen Zutaten. Achten Sie auf frischen Basilikum, leuchtend rote Tomatensauce und hochwertigen Mozzarella, der beim Schmelzen Fäden zieht und nicht wässrig wird.
- Die Einfachheit der Speisekarte: Eine Pizzeria mit einer überladenen Speisekarte, die Dutzende von exotischen Belägen anbietet, ist oft kein Zeichen für Authentizität. Die besten Pizzerien konzentrieren sich auf eine überschaubare Auswahl klassischer Pizzen, die sie perfekt beherrschen.
- Die „Associazione Verace Pizza Napoletana“ (AVPN): Wenn Sie eine Pizzeria sehen, die das Logo der AVPN trägt, können Sie sicher sein, dass sie die strengen Regeln für die Herstellung echter neapolitanischer Pizza einhält.
Häufig gestellte Fragen zur italienischen Pizza
F: Was ist der Unterschied zwischen Pizza Napoletana und Pizza Romana?
A: Der Hauptunterschied liegt im Teig und der Textur. Neapolitanische Pizza hat einen dicken, weichen, luftigen Rand und ist in der Mitte dünn und feucht. Römische Pizza ist generell dünner und knuspriger, mit einem flacheren Rand. Die Backzeiten und -temperaturen unterscheiden sich ebenfalls.

F: Ist Pizza Margherita immer vegetarisch?
A: Ja, die klassische Pizza Margherita besteht nur aus Tomatensauce, Mozzarella, Basilikum und Olivenöl und ist somit vegetarisch.
F: Warum ist italienische Pizza oft so einfach belegt?
A: Die italienische Pizzatradition legt Wert auf die Qualität und den Eigengeschmack der einzelnen Zutaten. Eine Überladung würde diese feinen Aromen überdecken. Die Einfachheit ermöglicht es, dass jede Komponente glänzt.
F: Kann ich glutenfreie Pizza in Italien finden?
A: Ja, viele Pizzerien, besonders in größeren Städten und touristischen Gebieten, bieten mittlerweile glutenfreie Pizza an. Es ist ratsam, vorher nachzufragen oder nach Restaurants mit der Kennzeichnung „senza glutine“ zu suchen.
F: Gibt es in Italien auch Ananas auf Pizza?
A: Die Zugabe von Ananas auf Pizza, bekannt als „Pizza Hawaii“, ist in Italien extrem unüblich und wird von den meisten Italienern als kulinarisches Sakrileg betrachtet. Sie werden diese Kombination in einer authentischen italienischen Pizzeria kaum finden.
F: Was bedeutet „D.O.P.“ bei Zutaten?
A: D.O.P. steht für „Denominazione di Origine Protetta“ (geschützte Ursprungsbezeichnung). Es ist ein Qualitätssiegel der Europäischen Union, das garantiert, dass ein Produkt in einer bestimmten geografischen Region hergestellt, verarbeitet und zubereitet wurde und somit bestimmte Qualitätsstandards erfüllt. Beispiele sind Mozzarella di Bufala Campana D.O.P. oder San-Marzano-Tomaten D.O.P.
Fazit: Ein kulinarisches Erbe
Die italienische Pizza ist weit mehr als nur ein schnelles Gericht. Sie ist ein Symbol italienischer Gastfreundschaft, Handwerkskunst und regionaler Vielfalt. Ob Sie die weiche, luftige Perfektion einer neapolitanischen Margherita genießen, die knusprige Textur einer römischen Pizza bevorzugen oder eine der vielen regionalen Spezialitäten entdecken – jede Pizza erzählt eine Geschichte. Sie ist ein Gericht, das Menschen zusammenbringt und Freude bereitet. Das nächste Mal, wenn Sie eine italienische Pizza genießen, denken Sie an die lange Tradition und die Leidenschaft, die in jedem Bissen steckt. Es ist ein Geschmackserlebnis, das man nicht verpassen sollte und das uns immer wieder an die kulinarische Großartigkeit Italiens erinnert. Buon appetito!
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