Welche Pizzas gibt es in Neapel?

Neapels Pizzavielfalt: Ein kulinarischer Führer

24/02/2013

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Willkommen in Neapel, der pulsierenden Hauptstadt Kampaniens und unbestreitbar der Geburtsort eines der beliebtesten Gerichte der Welt: der Pizza. Hier ist Pizza weit mehr als nur ein Gericht; sie ist ein kulturelles Erbe, eine Kunstform und ein tief verwurzeltes Symbol des neapolitanischen Lebensgefühls. Wer Neapel besucht, ohne die authentische neapolitanische Pizza zu probieren, hat die Stadt nicht wirklich kennengelernt. Doch welche Pizzasorten gibt es eigentlich in Neapel, und was macht sie so einzigartig und unwiderstehlich?

Die neapolitanische Pizza ist berühmt für ihre Einfachheit, ihre hochwertigen Zutaten und ihre traditionelle Zubereitung, die seit Generationen perfektioniert wurde. Es sind nicht unzählige Variationen, die Neapel auszeichnen, sondern die Reinheit und Perfektion weniger, dafür aber umso legendärerer Pizzen. Tauchen wir ein in die Welt der original neapolitanischen Pizza und entdecken wir ihre Geheimnisse.

Welche Pizzas gibt es in Neapel?
Inhaltsverzeichnis

Die Geburtsstunde der Pizza: Neapels kulinarisches Erbe

Die Geschichte der Pizza in Neapel ist lang und faszinierend. Ursprünglich war die Pizza ein einfaches, belegtes Fladenbrot für die ärmere Bevölkerung, das schnell und günstig sättigen sollte. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sie sich jedoch weiter, bis sie im 19. Jahrhundert ihre heutige Form annahm. Der Durchbruch kam angeblich im Jahr 1889, als der Pizzabäcker Raffaele Esposito die Königin Margherita von Savoyen mit einer Pizza in den Farben der italienischen Flagge – Rot (Tomaten), Weiß (Mozzarella) und Grün (Basilikum) – begeisterte. Diese Pizza erhielt zu Ehren der Königin den Namen Margherita und wurde zum weltweiten Symbol der italienischen Küche.

Doch schon vor der Margherita gab es andere Formen der neapolitanischen Pizza, die bis heute ihre Bedeutung haben und die Seele der neapolitanischen Küche widerspiegeln. Es ist diese tiefe Verwurzelung in der Geschichte und Tradition, die jede neapolitanische Pizza zu einem Erlebnis macht.

Die Klassiker: Margherita und Marinara – Pures Neapel

Wenn man von neapolitanischer Pizza spricht, kommt man an zwei Sorten nicht vorbei, die als die Urväter aller Pizzen gelten und bis heute das Herzstück jeder traditionellen neapolitanischen Pizzeria bilden:

  • Pizza Marinara

    Die Marinara ist die älteste der neapolitanischen Pizzen und ein Paradebeispiel für die Schönheit der Einfachheit. Ihr Name leitet sich nicht von Meeresfrüchten ab, sondern von den marinai (Seeleuten), die sie traditionell als schnelle und nahrhafte Mahlzeit auf See mitnahmen. Sie besteht aus nur wenigen, aber sorgfältig ausgewählten Zutaten: Tomaten (idealerweise San Marzano), Knoblauch, Oregano und extra natives Olivenöl. Es ist die perfekte Harmonie dieser Zutaten, die der Marinara ihren unverwechselbaren, kräftigen Geschmack verleiht. Sie ist ein Beweis dafür, dass man keine Fülle von Belägen braucht, um ein Meisterwerk zu schaffen.

  • Pizza Margherita

    Die Margherita, wie bereits erwähnt, ist der Inbegriff der neapolitanischen Pizza. Ihre Zutaten sind Tomaten (ebenfalls oft San Marzano), Mozzarella (entweder Mozzarella di Bufala Campana DOP oder Fior di Latte aus Agerola), frischer Basilikum und extra natives Olivenöl. Die Kombination dieser frischen, hochwertigen Zutaten auf einem perfekt gebackenen Teig schafft ein Geschmackserlebnis, das sowohl reichhaltig als auch erfrischend ist. Die Margherita ist nicht nur ein Gericht, sondern ein Stück italienische Geschichte und Kultur auf einem Teller.

Vergleichstabelle der neapolitanischen Klassiker

MerkmalPizza MargheritaPizza MarinaraPizza Cosacca
HauptzutatenTomaten, Mozzarella, Basilikum, OlivenölTomaten, Knoblauch, Oregano, OlivenölTomaten, Pecorino-Käse, Basilikum, Olivenöl
GeschmacksprofilFrisch, milchig, leicht süßlich, aromatischWürzig, kräftig, herb, KnoblauchnoteHerzhaft, salzig, würzig, umami
GeschichteBenannt nach Königin Margherita (1889)Älteste Pizza, für SeeleuteVorgänger der Margherita, einfacher
BesonderheitFarben der italienischen FlaggePuristisch, ohne KäseUrsprünglich, mit Hartkäse

Jenseits der Klassiker: Weitere neapolitanische Spezialitäten

Obwohl Margherita und Marinara die absoluten Stars sind, gibt es in Neapel noch weitere traditionelle Pizza-Variationen und verwandte Teigwaren, die es zu entdecken lohnt:

  • Pizza Fritta

    Die Pizza Fritta ist eine faszinierende neapolitanische Spezialität. Anstatt im Ofen gebacken zu werden, wird der Pizzateig in heißem Öl frittiert. Das Ergebnis ist eine knusprige, goldbraune Hülle, die oft mit Ricotta, Cicoli (gepresste Schweinegrieben), Tomaten, Provola-Käse und Salami gefüllt ist. Sie ist ein beliebtes Streetfood und eine herzhafte, sättigende Alternative zur Ofenpizza, besonders in den kälteren Monaten.

  • Calzone

    Ein Calzone ist im Grunde eine gefaltete Pizza, die wie ein Halbmond aussieht. Der Teig wird gefüllt, zusammengeklappt und dann entweder im Ofen gebacken oder frittiert. Typische Füllungen umfassen Ricotta, Salami, gekochten Schinken, Mozzarella und Tomatensauce. Der Calzone ist eine hervorragende Option für alle, die eine reichhaltigere und kompaktere Pizza-Erfahrung suchen.

  • Pizza Ripiena (Gefüllte Pizza)

    Ähnlich dem Calzone, aber oft rund und mit einem oberen Teigdeckel versehen, ist die Pizza Ripiena, die „gefüllte Pizza“. Sie kann mit verschiedenen Zutaten wie Ricotta, Wurst, Schinken, Pilzen und Mozzarella gefüllt sein und ist eine weitere Variante, die die Vielseitigkeit des neapolitanischen Pizzateigs zeigt.

Das Geheimnis der Authentizität: Zutaten, Teig und Ofen

Was macht die neapolitanische Pizza so besonders und unverwechselbar? Es ist die strikte Einhaltung traditioneller Regeln, die von der Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) überwacht und zertifiziert werden. Diese Regeln definieren genau, was eine „echte neapolitanische Pizza“ ausmacht:

  • Die Zutaten: Nur wenige, aber von höchster Qualität. Dazu gehören San Marzano Tomaten (vom Vesuv-Hang), Mozzarella di Bufala Campana DOP (aus Büffelmilch) oder Fior di Latte (aus Kuhmilch) aus bestimmten Regionen Kampaniens, frischer Basilikum, natives Olivenöl extra, Mehl des Typs „00“ oder „0“, natürliches Hefe, Salz und Wasser.

  • Der Teig: Der Teig muss von Hand oder mit einem Mixer mit langsamer Geschwindigkeit geknetet werden. Er muss eine lange Gärzeit haben, die ihn besonders leicht und bekömmlich macht. Der Teig wird dann von Hand geformt, ohne die Verwendung eines Nudelholzes, um die Luftblasen im Inneren zu erhalten, die den charakteristischen, luftigen Rand – die „cornicione“ – bilden.

  • Der Ofen: Die neapolitanische Pizza wird ausschließlich in einem traditionellen Holzofen gebacken, der eine Temperatur von etwa 485°C erreicht. Bei dieser extrem hohen Temperatur wird die Pizza in nur 60 bis 90 Sekunden gebacken. Diese schnelle Backzeit ist entscheidend für die Textur der Pizza: Der Boden bleibt weich und elastisch, während der Rand (die cornicione) schön aufgeht, leicht verkohlt und luftig-knusprig wird.

Der perfekt gebackene neapolitanische Pizzateig ist dünn in der Mitte, mit einem dicken, weichen und leicht aufgegangenen Rand. Er ist biegsam und kann leicht gefaltet werden, ohne zu brechen. Das ist das Markenzeichen der echten neapolitanischen Pizza.

Die perfekte neapolitanische Pizza erkennen und genießen

Wenn Sie in Neapel sind und eine authentische Pizza probieren möchten, achten Sie auf folgende Merkmale:

  • Der Rand: Er sollte hoch, luftig und unregelmäßig sein, mit einigen dunklen Flecken (Leopardenmuster), die vom schnellen Backen bei hoher Hitze zeugen.
  • Der Boden: Er ist dünn und weich, in der Mitte leicht feucht, aber nicht matschig.
  • Die Zutaten: Wenige, aber leuchtende Farben der frischen Zutaten.
  • Der Geruch: Ein intensiver Duft von gebackenem Brot, Tomaten und Basilikum.

Die neapolitanische Pizza wird traditionell mit Messer und Gabel gegessen, aber viele Einheimische falten sie auch einfach zusammen (a portafoglio – wie ein Portemonnaie) und essen sie mit den Händen. Dies erlaubt es, die Aromen und Texturen in jedem Bissen zu genießen.

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur neapolitanischen Pizza

Was ist der Hauptunterschied zwischen neapolitanischer und römischer Pizza?

Der Hauptunterschied liegt im Teig und der Textur. Neapolitanische Pizza hat einen weichen, dicken, luftigen Rand (cornicione) und einen dünnen, weichen Boden. Römische Pizza hingegen hat einen sehr dünnen, knusprigen Boden und einen flacheren Rand. Die römische Pizza ist oft auch größer im Durchmesser.

Darf Ananas auf eine neapolitanische Pizza?

Absolut nicht. Die traditionelle neapolitanische Küche legt großen Wert auf Reinheit und klassische Zutaten. Ananas auf Pizza, oft als „Pizza Hawaii“ bekannt, ist eine Erfindung, die keinerlei Verbindung zur italienischen oder insbesondere neapolitanischen Pizzatradition hat und von Puristen als Sakrileg betrachtet wird.

Ist Pizza in Neapel immer rund?

Die klassische Ofenpizza (Margherita, Marinara) ist immer rund. Allerdings gibt es auch die Pizza Fritta, die oft eine halbmondförmige (Calzone-ähnliche) oder auch unregelmäßige Form haben kann, da sie von Hand geformt und frittiert wird.

Was bedeutet „DOP“ bei Zutaten für neapolitanische Pizza?

„DOP“ steht für „Denominazione d’Origine Protetta“ (geschützte Ursprungsbezeichnung). Es ist ein Siegel, das garantiert, dass ein Produkt aus einer bestimmten geografischen Region stammt und nach traditionellen Methoden hergestellt wurde. Für neapolitanische Pizza sind dies zum Beispiel San Marzano Tomaten DOP und Mozzarella di Bufala Campana DOP, die für ihre Qualität und Authentizität unverzichtbar sind.

Warum ist der Rand der neapolitanischen Pizza oft leicht verkohlt?

Die leichten dunklen Flecken am Rand, das sogenannte „Leopardenmuster“, sind kein Zeichen von Verbrennung, sondern ein Qualitätsmerkmal. Sie entstehen durch das schnelle Backen bei extrem hohen Temperaturen im Holzofen. Diese Verkohlung trägt zum komplexen Geschmack und zur knusprigen Textur des Randes bei, während das Innere des Randes weich und luftig bleibt.

Fazit

Neapel ist und bleibt das unangefochtene Zentrum der Pizza-Welt. Die Pizzen, die Sie hier finden, insbesondere die Margherita und Marinara, sind das Ergebnis jahrhundertealter Tradition, Handwerkskunst und einer tiefen Leidenschaft für hochwertige Zutaten. Es geht nicht um die schiere Anzahl an Belägen oder ausgefallene Kreationen, sondern um die Perfektion der Einfachheit. Eine Reise nach Neapel ist unvollständig ohne das Erlebnis, eine dieser authentischen, im Holzofen gebackenen Meisterwerke zu genießen. Sie werden schnell verstehen, warum die neapolitanische Pizza nicht nur ein Gericht, sondern ein echtes Kulturgut ist.

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