09/01/2022
Pizza ist weit mehr als nur ein schnelles Gericht; sie ist ein Stück italienisches Lebensgefühl, ein Symbol für Geselligkeit und purer Genuss. Ob als schneller Snack zwischendurch oder als ausgiebiges Festmahl – die belegte Teigflade hat einen festen Platz in unseren Herzen erobert. Doch während wir uns außerhalb Italiens oft mit recht passablen Pizzen zufriedengeben, stellt sich für den wahren Kenner die Frage: Wo findet man die beste Pizza im Mutterland selbst? Die kürzlich veröffentlichten Rankings der besten Pizzerien Europas mögen auf den ersten Blick verwirren, da keine einzige italienische Pizzeria darin zu finden ist. Der Grund dafür ist denkbar einfach und typisch italienisch: Italien hat sein eigenes, hochkarätiges Ranking, das die wahren Meister der Pizzakunst würdigt. Lassen Sie uns eintauchen in die faszinierende Welt der italienischen Pizza und die Geheimnisse lüften, die eine wirklich perfekte Pizza ausmachen.

- Das Rätsel der Ranglisten: Warum Italien seine eigenen Wege geht
- Neapel: Die Wiege der Pizza und das Maß aller Dinge
- Was macht eine perfekte Pizza aus? Das Zusammenspiel der Elemente
- Italiens Top-Pizzerien: Die Champions der „50 Top Pizza Italy“
- Regionale Pizza-Vielfalt: Mehr als nur Neapel
- Häufig gestellte Fragen rund um die italienische Pizza
- Fazit: Die Suche nach der eigenen perfekten Pizza
Das Rätsel der Ranglisten: Warum Italien seine eigenen Wege geht
Die Veröffentlichung der „50 Top Pizza Europe“ Liste hat bei vielen Pizza-Liebhabern für Stirnrunzeln gesorgt. Keine einzige Pizzeria aus Italien? Das muss doch ein Fehler sein! Doch die Erklärung ist simpel und unterstreicht die Einzigartigkeit der italienischen Pizza-Kultur. Italienische Pizzerien nehmen an einem separaten, internen Ranking teil, das als „50 Top Pizza Italy“ bekannt ist. Dieses Ranking wird von einer unabhängigen Jury von Experten erstellt und bewertet Pizzerien nach strengsten Kriterien, die von der Qualität der Zutaten über die Teigführung bis hin zum Backvorgang und dem Gesamterlebnis reichen. Es ist ein Zeichen des Respekts vor der eigenen Tradition und Handwerkskunst, dass Italien seine Champions auf einer eigenen Bühne kürt. Für uns bedeutet das: Wer die wahre italienische Pizza-Exzellenz erleben möchte, muss die italienischen Bestenlisten konsultieren und sich auf eine kulinarische Entdeckungsreise begeben.
Neapel: Die Wiege der Pizza und das Maß aller Dinge
Wenn es um Pizza geht, führt kein Weg an Neapel vorbei. Die süditalienische Stadt gilt unbestreitbar als die Geburtsstätte der modernen Pizza, insbesondere der weltberühmten Pizza Margherita und Marinara. Die „Associazione Verace Pizza Napoletana“ (AVPN) wacht streng über die Einhaltung der traditionellen Zubereitungsmethoden und hat klare Regeln für das, was eine „echte“ neapolitanische Pizza ausmacht. Dazu gehören unter anderem die Verwendung von San Marzano-Tomaten, Mozzarella di Bufala oder Fior di Latte, frischem Basilikum und Olivenöl. Der Teig muss ausschließlich aus Wasser, Salz, Hefe und Weichweizenmehl (idealerweise Tipo 00) bestehen, von Hand geknetet und geformt werden und in einem Holzofen bei extrem hohen Temperaturen (ca. 485°C) in nur 60 bis 90 Sekunden gebacken werden. Das Ergebnis ist eine Pizza mit einem weichen, elastischen, luftigen Rand (dem „cornicione“) und einem dünnen Boden, der in der Mitte leicht feucht ist. Diese Einfachheit und die Konzentration auf hervorragende Zutaten sind es, die die neapolitanische Pizza so unvergleichlich machen.
Was macht eine perfekte Pizza aus? Das Zusammenspiel der Elemente
Die Suche nach der perfekten Pizza ist eine sehr persönliche Angelegenheit, aber es gibt universelle Kriterien, die jede exzellente Pizza erfüllen sollte. Es ist ein harmonisches Zusammenspiel von Teig, Belag und Backprozess.
Der Teig – Das Herzstück jeder Pizza
Der Teig ist zweifellos das Fundament einer jeden guten Pizza. Ohne einen perfekten Teig ist selbst der edelste Belag nur halb so gut. Hier sind die Schlüsselkomponenten für einen herausragenden Pizzateig:
- Mehl: In Italien wird oft „Farina Tipo 00“ verwendet. Dieses Mehl ist sehr fein gemahlen und hat einen hohen Proteingehalt, der für die Elastizität des Teigs entscheidend ist. Es ermöglicht die typisch luftige Struktur des neapolitanischen Randes.
- Wasser: Kaltes Wasser ist wichtig, um die Gärung zu verlangsamen und dem Teig mehr Zeit zur Geschmacksentwicklung zu geben.
- Hefe: Frische Hefe oder Trockenhefe in geringen Mengen. Weniger Hefe bei längerer Gehzeit führt zu einem aromatischeren und bekömmlicheren Teig.
- Salz: Essentiell für den Geschmack und die Stabilität des Teigs.
- Kneten: Gründliches Kneten ist unerlässlich, um das Glutennetzwerk zu entwickeln. Dies sorgt für die Elastizität und die Fähigkeit des Teigs, Gas zu halten, was zu einem luftigen Ergebnis führt.
- Gehzeit (Gärung): Dies ist vielleicht der wichtigste Faktor. Eine lange, kalte Gärung (im Kühlschrank über 24-72 Stunden) entwickelt komplexe Aromen und macht den Teig besonders bekömmlich. Die Enzyme im Teig haben Zeit, die Stärke abzubauen, was zu einer besseren Verdaulichkeit führt.
- Formen: Der Teig sollte von Hand geformt werden, nicht mit einem Nudelholz ausgerollt. Dadurch bleibt die Luft im Rand erhalten und es entsteht der charakteristische „cornicione“.
Die Kunst des Belags: Qualität vor Quantität
Weniger ist oft mehr, besonders bei der italienischen Pizza. Die besten Pizzen zeichnen sich durch die Exzellenz und Frische ihrer Zutaten aus, nicht durch eine Fülle an Belag. Eine Pizza Margherita mit den besten San Marzano-Tomaten, frischem Mozzarella (Fior di Latte oder Büffelmozzarella), einem Hauch von Basilikum und gutem Olivenöl ist ein kulinarisches Gedicht. Die Zutaten sollten sich gegenseitig ergänzen und nicht überdecken.
Der Backprozess: Hitze ist entscheidend
Eine hohe Backtemperatur ist der Schlüssel zur perfekten Pizza. Ein Holzofen, der Temperaturen von fast 500°C erreicht, backt die Pizza in nur 60-90 Sekunden. Dies führt zu einem knusprigen Boden, einem aufgegangenen, leicht verkohlten Rand und einem perfekt geschmolzenen Käse, ohne dass die anderen Zutaten austrocknen. Für den Heimgebrauch ist ein spezieller Pizzaofen oder ein Pizzastein im Haushaltsbackofen bei höchster Temperatur die beste Alternative.
Italiens Top-Pizzerien: Die Champions der „50 Top Pizza Italy“
Wer die beste Pizza in Italien sucht, muss sich an die „50 Top Pizza Italy“ Rangliste halten. Diese Liste ist ein Kompass für Gourmets und zeigt die wahren Meister der Pizzakunst. Hier sind einige der Top-Namen, die regelmäßig an der Spitze stehen:
- I Masanielli – Francesco Martucci (Caserta): Oft an der Spitze zu finden, bekannt für seine innovativen Kreationen und die perfekte Balance zwischen Tradition und Moderne.
- 50 Kalò di Ciro Salvo (Napoli): Eine Ikone in Neapel, berühmt für seinen unglaublich leichten und bekömmlichen Teig.
- Seu Pizza Illuminati (Roma): Bringt neapolitanische Qualität nach Rom mit einem modernen Twist.
- Diego Vitagliano Pizzeria (Napoli): Eine weitere feste Größe in Neapel, die für ihre traditionelle Herangehensweise und makellose Ausführung gefeiert wird.
Diese Pizzerien sind nicht nur Orte, an denen man Pizza isst; sie sind Tempel der Pizzakunst, wo jede Zutat und jeder Schritt des Prozesses mit größter Sorgfalt und Leidenschaft ausgeführt wird.
Regionale Pizza-Vielfalt: Mehr als nur Neapel
Obwohl Neapel die unangefochtene Hauptstadt der Pizza ist, hat jede italienische Region ihre eigenen Pizza-Variationen und Spezialitäten. Es lohnt sich, diese Vielfalt zu erkunden:
| Pizzatyp | Region | Charakteristik | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Pizza Napoletana | Kampanien (Neapel) | Weicher, luftiger Rand (Cornicione), dünner Boden, schnell gebacken bei hoher Hitze. | Margherita, Marinara |
| Pizza Romana | Latium (Rom) | Dünner, knuspriger Boden, oft mit einem flachen, kaum aufgegangenen Rand. Längere Backzeit bei geringerer Hitze. | Pizza al Taglio (Blechpizza) |
| Pizza al Taglio | Überall in Italien verbreitet, besonders in Rom | Rechteckige Blechpizza, die nach Gewicht verkauft wird. Oft mit einer Vielzahl von Belägen. | Pizza mit Kartoffeln und Rosmarin |
| Pizza Fritta | Kampanien (Neapel) | Frittierte Pizza, oft gefüllt (z.B. mit Ricotta und Salami). | Pizza Montanara (Mini-frittierte Pizza) |
| Calzone | Überall in Italien | Zusammengeklappte Pizza, die wie ein Halbmond aussieht und gefüllt ist. Gebacken oder frittiert. | Gefüllt mit Ricotta, Schinken, Pilzen |
Häufig gestellte Fragen rund um die italienische Pizza
F: Was ist der Unterschied zwischen Pizza Margherita und Pizza Marinara?
A: Die Pizza Margherita ist die klassische Pizza mit Tomatensauce, Mozzarella (Fior di Latte oder Büffelmozzarella), frischem Basilikum und Olivenöl. Die Pizza Marinara ist noch einfacher und besteht nur aus Tomatensauce, Knoblauch, Oregano und Olivenöl – sie enthält keinen Käse. Beide sind die ursprünglichen neapolitanischen Pizzen.
F: Warum ist „Tipo 00“ Mehl so wichtig für neapolitanische Pizza?
A: „Tipo 00“ ist ein sehr fein gemahlenes Weichweizenmehl mit einem hohen Proteingehalt. Dieser Proteingehalt ist entscheidend für die Bildung eines starken Glutennetzwerks, das dem Teig Elastizität verleiht und es ihm ermöglicht, die beim Backen entstehenden Gase einzuschließen. Das Ergebnis ist der charakteristisch luftige, aufgegangene Rand der neapolitanischen Pizza.
F: Kann ich eine authentische neapolitanische Pizza zu Hause backen?
A: Es ist schwierig, aber nicht unmöglich, die gleichen Ergebnisse wie in einem professionellen Holzofen zu erzielen. Der Schlüssel liegt in der Hitze. Ein spezieller Pizzaofen für den Heimgebrauch, der höhere Temperaturen erreicht, oder ein Pizzastein/Pizzastahl im gut vorgeheizten Ofen bei höchster Temperatur (mit Grillfunktion) können gute Ergebnisse liefern. Wichtig ist auch die lange, kalte Gärung des Teiges.
F: Ist Ananas auf Pizza in Italien akzeptabel?
A: Aus italienischer Sicht: Absolut nicht. Ananas auf Pizza, oft als „Pizza Hawaii“ bekannt, ist eine Erfindung außerhalb Italiens und wird von den meisten Italienern als kulinarisches Sakrileg betrachtet. Die italienische Pizzatradition setzt auf die Harmonie und Qualität weniger, ausgewählter Zutaten.
F: Wie erkenne ich eine gute Pizzeria in Italien?
A: Achten Sie auf den Teig: Er sollte leicht und luftig sein, mit einem gut aufgegangenen Rand. Die Zutaten sollten frisch und von hoher Qualität sein. Oftmals haben gute Pizzerien eine überschaubare Speisekarte, die sich auf Klassiker konzentriert. Ein Holzofen ist ein gutes Zeichen, aber nicht zwingend notwendig, wenn der Pizzaiolo sein Handwerk versteht.
Fazit: Die Suche nach der eigenen perfekten Pizza
Die Frage nach der „besten Pizza in Italien“ ist komplex, da sie sowohl objektive Qualitätsstandards als auch persönliche Vorlieben umfasst. Die italienischen Rankings wie „50 Top Pizza Italy“ bieten eine hervorragende Orientierungshilfe für all jene, die auf der Suche nach kulinarischer Exzellenz sind. Doch letztendlich ist die beste Pizza jene, die Ihre Sinne am meisten anspricht – sei es die klassische Margherita aus Neapel, eine knusprige römische Pizza al Taglio oder eine innovative Kreation aus einer der Top-Pizzerien. Wichtig ist die Leidenschaft, die in jedem Schritt der Zubereitung steckt: von der Auswahl der Zutaten über die meisterhafte Teigführung bis hin zum perfekten Backen. Tauchen Sie ein in die Vielfalt der italienischen Pizza-Welt, probieren Sie sich durch die regionalen Spezialitäten und entdecken Sie Ihr persönliches Stück Glück auf dem Teller. Buon appetito!
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