Ananas-Schock: 100€ für Pizza Hawaii?

11/01/2026

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Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in Ihrem Lieblingsrestaurant oder scrollen durch eine Online-Speisekarte, bereit, sich eine köstliche Pizza zu gönnen. Ihre Augen scannen die Liste der Klassiker – Margherita, Salami, Prosciutto – und dann, plötzlich, stoßen Sie auf einen Eintrag, der Sie zweimal hinschauen lässt: Pizza Hawaii, Preis 100 Euro. Kein Tippfehler, keine exotischen Trüffel oder Goldstaub, sondern einfach der altbekannte Mix aus Schinken, Käse und Ananas. Was auf den ersten Blick wie ein schlechter Scherz oder eine dreiste Abzocke wirkt, ist in einigen europäischen Pizzerien Realität geworden und hat eine Welle der Verwunderung und Diskussion ausgelöst. Dieses Phänomen ist nicht nur ein Kuriosum, sondern ein tiefgreifender Kommentar zur oft hitzigen Ananas-Debatte in der Welt der Pizzaliebhaber. Es ist die ultimative Preisansage gegen eine Zutat, die die kulinarische Welt seit Jahrzehnten spaltet und nun zu einem unerwarteten Preisschild von dreistelligen Beträgen führt.

Wie viel kostet eine Pizza in Hawaii?
Eine Pizzeria in der österreichischen Hauptstadt hat sich einen ähnlichen Spaß erlaubt – und verlangt ebenfalls 100 Euro für eine Pizza Hawaii. Doch was steckt wirklich dahinter? Eine Abzocke?

Der Pionier des Protests: Die Pizzeria Lupa in Norwich, England

Die Geschichte dieser absurd teuren Pizza Hawaii beginnt in Norwich, einer charmanten Stadt in England. Dort hat die Pizzeria Lupa mit ihrer 100-Pfund-Pizza Hawaii (umgerechnet etwa 119 Euro) für Schlagzeilen gesorgt. Die Betreiber von Lupa haben kein Geheimnis aus ihrer Motivation gemacht: Sie verabscheuen Ananas auf Pizza. Für sie ist es eine kulinarische Sünde, ein Frevel an der italienischen Pizzatradition. Mit diesem astronomischen Preis wollten sie nicht etwa Gewinn machen, sondern vielmehr eine klare Botschaft senden und potenzielle Besteller abschrecken. Es war ein drastischer, aber humorvoller Versuch, die Ananas von ihrer Speisekarte zu verbannen, ohne sie tatsächlich zu streichen. Der Gedanke dahinter war simpel: Wer ist schon bereit, so viel Geld für etwas zu bezahlen, das man eigentlich nicht haben möchte? Doch die Überraschung blieb nicht aus: Trotz des Preises gab es tatsächlich Kunden, die bereit waren, diesen Betrag zu zahlen. Dies verwandelte den vermeintlichen Akt der Abschreckung in einen unerwarteten Marketing-Coup, der Lupa internationale Aufmerksamkeit bescherte und die ewige Diskussion um die Ananas auf Pizza neu entfachte. Es zeigte, dass manchmal die absurdesten Ideen die größte Wirkung erzielen können, sei es aus Neugier, Trotz oder einfach nur, um eine Geschichte erzählen zu können.

Wien zieht nach: Casolaro Bros 2.0 und das „Schmerzensgeld“ für Ananas

Was in England begann, hat schnell Nachahmer gefunden, und so landete die Idee der „Protest-Pizza“ auch in der österreichischen Hauptstadt Wien. Die Pizzeria Casolaro Bros 2.0, gelegen in der Erdbergstraße 53 im 3. Bezirk, hat sich ebenfalls dazu entschlossen, eine Pizza Hawaii für 100 Euro anzubieten. Die Besitzer, Nicola und Francesco Casolaro, sind Italiener und tief in der traditionellen Pizzabäckerei verwurzelt. Für sie ist die Ananas auf Pizza ein Affront gegen alles, was sie an der italienischen Küche lieben und respektieren. Ihre Frustration ist spürbar, aber auch mit einem Augenzwinkern versehen. In einem humorvollen Video auf Instagram fragten sie ihre Follower: „Warum wollt ihr uns das antun? Wir lieben unsere Pizzen, wir geben uns so viel Mühe – und dann kommt ihr mit Ananas?!“ Es ist ein Schmerzensgeld, das sie für die „Beleidigung“ ihrer kulinarischen Ehre verlangen. Obwohl der Preis absurd hoch ist, kann man die 100-Euro-Pizza Hawaii tatsächlich über Lieferplattformen wie Wolt bestellen. Die Casolaro Bros 2.0 nutzen diese Aktion nicht nur als Ausdruck ihrer Verzweiflung, sondern auch als cleveren Marketing-Gag. Sie haben es geschafft, die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen, ohne viel Geld für Werbung ausgeben zu müssen. Ihre Botschaft ist klar: Wir machen es, aber wir machen es ungern und teuer. Und wer zahlt, der bekommt sie auch – aber mit einem Augenzwinkern und der stillen Hoffnung, dass die Kunden doch lieber eine traditionellere Variante wählen.

Die Ananas-Debatte: Eine kulinarische Kontroverse ohne Ende

Die Ananas auf Pizza ist seit Jahrzehnten ein Zankapfel in der kulinarischen Welt. Für die einen ist sie eine fruchtige, süß-saure Ergänzung, die perfekt mit dem salzigen Schinken und dem cremigen Käse harmoniert. Für die anderen ist sie eine absolute kulinarische Sünde, ein Sakrileg, das nichts auf einer Pizza zu suchen hat. Diese Kontroverse geht weit über den persönlichen Geschmack hinaus und berührt oft tief verwurzelte Vorstellungen von Tradition, Authentizität und Reinheit der Küche.

Die Pizza Hawaii wurde 1962 vom griechisch-kanadischen Restaurantbesitzer Sam Panopoulos in Chatham, Ontario, erfunden. Er experimentierte mit verschiedenen Zutaten und fügte Dosenananas zu einer Pizza hinzu, inspiriert von seinem Interesse an süß-sauren chinesischen Gerichten. Der Name "Hawaii" kam von der Marke der Ananasdose, die er verwendete. Seitdem hat sich die Pizza Hawaii weltweit verbreitet und ist zu einem der bekanntesten, aber auch umstrittensten Pizzabeläge geworden.

Die Debatte wird oft mit Leidenschaft geführt, von Prominenten, Köchen und natürlich Millionen von Pizzaliebhabern weltweit. Islands Präsident Guðni Th. Jóhannesson sorgte 2017 für Schlagzeilen, als er scherzhaft sagte, er würde Ananas auf Pizza verbieten, wenn er die Macht dazu hätte. Dies löste eine globale Diskussion aus, die zeigte, wie emotional das Thema besetzt ist. Die hohen Preise in Norwich und Wien sind nur die jüngsten Ausdrücke dieser anhaltenden Fehde. Sie stellen die Frage, ob es Grenzen für kulinarische Experimente gibt und wann eine Zutat die "Seele" eines Gerichts verändern darf oder nicht.

Marketing-Gag oder ernster Protest? Die Psychologie hinter dem Preis

Die Frage, ob die 100-Euro-Pizza Hawaii ein reiner Marketing-Gag oder ein ernsthafter Protest ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Aus Marketingsicht ist die Strategie genial. Sie erzeugt maximale Aufmerksamkeit mit minimalem Aufwand. Eine Schlagzeile über eine 100-Euro-Pizza Hawaii verbreitet sich viral, zieht Neugierige an und bringt Menschen dazu, über die Pizzeria zu sprechen – und im Idealfall auch andere, "normale" Pizzen zu bestellen. Es ist eine Form des Guerilla-Marketings, die auf Schockwert und Humor setzt.

Gleichzeitig ist der Protestaspekt nicht zu unterschätzen. Die Leidenschaft und Frustration der Pizzabäcker, die ihre Handwerkskunst durch eine aus ihrer Sicht unpassende Zutat "verunreinigt" sehen, ist echt. Für sie ist es eine Möglichkeit, ihre Werte zu verteidigen und gleichzeitig eine Grenze zu ziehen. Sie sagen: "Wir machen es, wenn Sie darauf bestehen, aber wir machen es mit einem Preisschild, das unsere Missbilligung widerspiegelt." Es ist ein Statement, das die Authentizität und Integrität ihrer Arbeit betont. Der hohe Preis dient als eine Art Filter: Nur die wirklich Entschlossenen oder die, die den Witz verstehen und sich beteiligen wollen, werden diese Pizza bestellen. Es geht weniger um den Verkauf der Pizza selbst, als vielmehr um die Diskussion, die sie auslöst, und die Positionierung der Pizzeria in der kulinarischen Landschaft. Es ist ein cleverer Weg, sich von der Masse abzuheben und gleichzeitig eine starke Meinung zu vertreten, die bei vielen traditionell denkenden Pizzaliebhabern Anklang findet.

Was kostet eine "normale" Pizza Hawaii wirklich? Ein Preisvergleich

Um die Absurdität der 100-Euro-Pizza Hawaii zu verdeutlichen, lohnt sich ein Blick auf die durchschnittlichen Preise einer Pizza Hawaii in verschiedenen Regionen. Eine "normale" Pizza Hawaii ist in den meisten Pizzerien ein erschwingliches Gericht, das in die Kategorie der Standardpizzen fällt.

OrtTypische Preisspanne für Pizza Hawaii"Protest" Preis für Pizza Hawaii
Deutschland8 – 15 EuroNicht bekannt
Österreich (Wien)8 – 15 Euro100 Euro (Casolaro Bros 2.0)
England (Norwich)8 – 15 Pfund (ca. 9-17 Euro)100 Pfund (ca. 119 Euro) (Lupa Pizzeria)
USA10 – 20 US-Dollar (ca. 9-18 Euro)Nicht bekannt
ItalienSelten auf der Speisekarte, wenn ja: 7 – 12 EuroNicht bekannt (Ananas wird oft gemieden)

Dieser Vergleich zeigt deutlich, dass die 100-Euro-Preise eine extreme Abweichung von der Norm darstellen und nicht auf den tatsächlichen Zutatenkosten basieren. Es ist ein symbolischer Preis, der die Botschaft des Protests oder des Gags verstärken soll. Die Spanne der normalen Preise reflektiert die regionalen Unterschiede in Mieten, Personalkosten und der Qualität der Zutaten, aber niemals rechtfertigt sie einen derart hohen Preis für eine Pizza mit Standardbelag. Es ist die bewusste Überschreitung einer Preisschwelle, die zum Gespräch anregt und die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Wie viel kostet eine Pizza in Hawaii?
Eine Pizzeria in der österreichischen Hauptstadt hat sich einen ähnlichen Spaß erlaubt – und verlangt ebenfalls 100 Euro für eine Pizza Hawaii. Doch was steckt wirklich dahinter? Eine Abzocke?

Alternativen zum Protest: Wie Pizzerien mit "unbeliebten" Kundenwünschen umgehen

Nicht jede Pizzeria entscheidet sich für den drastischen Weg eines 100-Euro-Preises, um ihre Abneigung gegen bestimmte Beläge auszudrücken. Viele Restaurants haben andere Strategien, um mit Kundenwünschen umzugehen, die nicht ihrer kulinarischen Philosophie entsprechen:

  • Nicht anbieten: Die einfachste Methode ist, die umstrittene Zutat oder Kombination gar nicht erst auf die Speisekarte zu setzen. Dies ist in vielen traditionellen italienischen Pizzerien der Fall, die sich strikt an klassische Rezepte halten und Ananas einfach ignorieren.
  • "Auf eigenes Risiko": Einige Pizzerien bieten ungewöhnliche Kombinationen an, aber mit einem impliziten oder expliziten Hinweis, dass es nicht ihre Empfehlung ist. Dies kann durch humorvolle Beschreibungen auf der Speisekarte geschehen.
  • Erhöhter Preis, aber nicht absurd: Eine leichte Preiserhöhung für "Sonderwünsche" oder "exotische" (im Kontext der Pizzeria) Zutaten ist üblich, um den zusätzlichen Aufwand oder die Abweichung von der Standardproduktion zu kompensieren. Dies ist jedoch weit entfernt von den 100 Euro.
  • Aufklärung und Empfehlung: Manche Pizzabäcker nehmen sich die Zeit, ihre Kunden über die Philosophie ihrer Küche aufzuklären und alternative, traditionellere oder geschmacklich harmonischere Optionen vorzuschlagen.
  • Akzeptanz und Professionalität: Letztendlich entscheiden sich die meisten Pizzerien dafür, die Wünsche ihrer Kunden zu erfüllen, solange die Zutaten verfügbar sind und die Zubereitung möglich ist, auch wenn es nicht ihre persönliche Präferenz ist. Der Kunde ist König, und eine professionelle Einstellung steht im Vordergrund.

Die extremen Preisstrategien in Norwich und Wien sind daher eher Ausnahmen, die durch ihre Einzigartigkeit und den damit verbundenen Humor hervorstechen. Sie sind ein Zeichen dafür, wie tief die Überzeugungen über "richtige" Pizza gehen können.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Pizza Hawaii und ihrer Preisentwicklung

Hier beantworten wir einige der am häufigsten gestellten Fragen rund um die Pizza Hawaii und die jüngsten Preisentwicklungen.

Warum ist Pizza Hawaii so umstritten?

Pizza Hawaii ist umstritten, weil sie eine süße und saure Frucht (Ananas) mit herzhaften Zutaten (Schinken, Käse) auf einer traditionell als salzig oder umami wahrgenommenen Speise kombiniert. Viele Puristen der italienischen Küche sehen dies als Bruch mit der Tradition und als "Verunreinigung" der Pizza-Idee an. Für andere ist es einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Präferenz.

Wer hat Pizza Hawaii erfunden?

Die Pizza Hawaii wurde 1962 von Sam Panopoulos, einem griechisch-kanadischen Restaurantbesitzer in Chatham, Ontario, Kanada, erfunden. Er experimentierte mit verschiedenen Zutaten und ließ sich dabei von chinesischen Gerichten mit süß-sauren Elementen inspirieren.

Gibt es wirklich jemanden, der 100 Euro für eine Pizza Hawaii bezahlt?

Ja, Berichten zufolge haben sowohl in Norwich (England) als auch in Wien (Österreich) Kunden die absurd teure Pizza Hawaii tatsächlich bestellt und bezahlt. Es ist unklar, ob dies aus Trotz, Neugier, als Witz oder aus ehrlichem Wunsch nach der Pizza geschah, aber die Bestellungen wurden bestätigt.

Ist Ananas auf Pizza eine kulinarische Sünde?

Ob Ananas auf Pizza eine "kulinarische Sünde" ist, liegt im Auge des Betrachters und ist eine stark subjektive Meinung. Aus traditioneller italienischer Sichtweise ja, da Ananas nicht zu den klassischen Pizzabelägen gehört. Aus einer modernen, experimentellen Kochperspektive kann jede Zutat verwendet werden, solange sie dem Esser schmeckt. Es ist eine Frage der kulturellen und persönlichen Definition von "richtiger" Küche.

Wie reagieren andere Pizzerien auf die Ananas-Debatte?

Die meisten Pizzerien bieten Pizza Hawaii entweder an, weil sie beliebt ist, oder sie lassen sie ganz weg, wenn sie ihren kulinarischen Prinzipien widerspricht. Nur wenige gehen den extremen Weg, einen prohibitiv hohen Preis zu verlangen, wie es in Norwich und Wien geschehen ist. Diese Aktionen sind eher als Marketing-Stunt oder humorvoller Protest zu verstehen.

Wird sich dieser Trend der überteuerten Pizza Hawaii durchsetzen?

Es ist unwahrscheinlich, dass sich der Trend der 100-Euro-Pizza Hawaii flächendeckend durchsetzen wird. Es handelt sich eher um vereinzelte, aufmerksamkeitsstarke Aktionen von Pizzerien, die eine starke Meinung zur Ananas auf Pizza haben und diese auf humorvolle Weise zum Ausdruck bringen wollen. Der Großteil der Pizzerien wird weiterhin marktübliche Preise für Pizza Hawaii verlangen.

Fazit

Die Geschichten der 100-Euro-Pizza Hawaii aus Norwich und Wien sind mehr als nur anekdotische Kuriositäten. Sie sind ein Spiegelbild der anhaltenden und oft hitzigen Ananas-Debatte, die die Welt der Pizza-Enthusiasten spaltet. Was als humorvoller Protest gegen eine ungeliebte Zutat begann, hat sich zu einem cleveren Marketing-Gag entwickelt, der Pizzerien internationale Aufmerksamkeit verschafft. Es zeigt, dass selbst in der scheinbar einfachen Welt der Pizza noch Raum für Kreativität, Kontroverse und unerwartete Preisstrategien besteht. Ob Sie nun ein Befürworter oder ein Gegner der Ananas auf Pizza sind, eines ist sicher: Die Diskussion um diese fruchtige Beilage wird uns wohl noch lange begleiten. Und wer weiß, vielleicht ist der hohe Preis ja auch eine subtile Einladung, über unsere eigenen kulinarischen Vorurteile nachzudenken und offen für Neues zu bleiben – oder eben doch lieber bei einer klassischen Pizza Margherita zu bleiben. Das Phänomen der extrem teuren Pizza Hawaii ist ein Beweis dafür, dass Essen nicht nur Nahrung, sondern auch Kultur, Identität und ein ständiger Quell für leidenschaftliche Diskussionen sein kann.

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