04/08/2021
Pizza ist weit mehr als nur ein einfaches Gericht; sie ist ein Symbol italienischer Gastfreundschaft, Tradition und kulinarischer Qualität. Weltweit geliebt und adaptiert, findet die Pizza in ihrem Heimatland Italien ihre ursprünglichste und vielfältigste Form. Von den bescheidenen Anfängen in Neapel bis zu den modernen Interpretationen in den Metropolen des Nordens – die italienische Pizza erzählt eine Geschichte von regionalen Unterschieden, sorgfältig ausgewählten Zutaten und einer tief verwurzelten Leidenschaft für gutes Essen. Wer sich fragt, welche Pizzasorten es in Italien gibt, begibt sich auf eine spannende Entdeckungsreise, die weit über die bekannten Klassiker hinausgeht.

Die italienische Küche zeichnet sich durch ihre Einfachheit und die Betonung hochwertiger, frischer Zutaten aus. Dies gilt nirgendwo so sehr wie bei der Pizza. Jede Region, ja sogar jede Stadt, hat oft ihre eigene Interpretation des beliebten Teigfladens, die sich in Teigbeschaffenheit, Belag und Zubereitungsart widerspiegelt. Es ist diese unglaubliche Vielfalt, die die italienische Pizzalandschaft so reich und spannend macht.
Die Wiege der Pizza: Neapel und die Pizza Napoletana
Die unangefochtene Hauptstadt der Pizza ist Neapel. Hier wurde die Pizza, wie wir sie heute kennen, geboren und hier wird sie nach wie vor mit größter Ehrfurcht und strengen Regeln zubereitet. Die „Pizza Napoletana“ ist sogar durch die EU als „garantiert traditionelle Spezialität“ (STG) geschützt, was ihre Herkunft und Zubereitung klar definiert. Die zwei bekanntesten Sorten sind die Pizza Margherita und die Pizza Marinara.
- Pizza Margherita: Benannt nach Königin Margherita von Savoyen, die 1889 Neapel besuchte. Der Pizzabäcker Raffaele Esposito kreierte für sie eine Pizza in den Farben der italienischen Flagge: roter Tomatensoße, weißem Mozzarella (traditionell Mozzarella di Bufala Campana oder Fior di Latte) und grünem Basilikum. Der Teig ist weich, elastisch und hat einen hohen, luftigen Rand (Cornicione), der beim Backen im Holzofen leicht verkohlt.
- Pizza Marinara: Dies ist die älteste neapolitanische Pizza und ein Beweis dafür, dass weniger oft mehr ist. Sie besteht aus Tomaten, Knoblauch, Oregano und Olivenöl – ohne Käse. Ihr Name leitet sich von den Seefahrern (Marinai) ab, die sie als schnelle und nahrhafte Mahlzeit schätzten.
Der Teig der neapolitanischen Pizza wird aus weichem Weizenmehl (Typ 00), Wasser, Hefe und Salz hergestellt und muss lange reifen. Gebacken wird sie bei extrem hohen Temperaturen (ca. 485°C) in einem Holzofen für nur 60-90 Sekunden. Das Ergebnis ist eine Pizza mit einem einzigartigen Geschmack und einer unvergleichlichen Textur.
Klassiker und ihre Variationen im ganzen Land
Abseits von Neapel haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche weitere Pizzasorten etabliert, die oft regionale Spezialitäten und Vorlieben widerspiegeln. Viele dieser Pizzen sind heute weltweit bekannt, doch ihre italienischen Originale sind oft eine Offenbarung.
- Pizza Romana: Im Gegensatz zur weichen neapolitanischen Pizza ist die römische Pizza dünner und knuspriger. Sie wird oft mit einem Loch in der Mitte gebacken (scherzhaft als „Nabel“ bezeichnet) und ist bekannt für ihren krossen Boden. Beliebte Beläge sind hier oft salziger als in Neapel, zum Beispiel mit Sardellen, Kapern und Oliven.
- Pizza Quattro Stagioni (Vier Jahreszeiten): Eine Pizza, die in vier Viertel unterteilt ist, von denen jedes eine andere „Jahreszeit“ darstellt. Typische Zutaten sind gekochter Schinken, Pilze, Artischocken und Oliven oder Eier.
- Pizza Capricciosa: Ähnlich der Quattro Stagioni, aber die Zutaten (Pilze, Artischocken, gekochter Schinken, Oliven, manchmal Ei) sind auf der gesamten Pizza verteilt und nicht segmentiert.
- Pizza Diavola: Wörtlich „Teufels-Pizza“, bekannt für ihre Schärfe. Sie wird mit scharfer Salami (Salame Piccante oder Peperoni), Tomatensoße und Mozzarella belegt.
- Pizza Prosciutto e Funghi: Eine beliebte Kombination aus gekochtem Schinken (Prosciutto Cotto) und Pilzen, oft Champignons.
- Pizza con Tonno e Cipolla: Pizza mit Thunfisch und Zwiebeln, besonders beliebt an den Küstenregionen.
- Pizza Vegetariana/Ortolana: Eine bunte Pizza mit verschiedenen saisonalen Gemüsesorten wie Zucchini, Auberginen, Paprika und Pilzen.
Regionale Pizzaspezialitäten Italiens
Jenseits der bekannten Klassiker gibt es in Italien eine Fülle an regionalen Pizzaspezialitäten, die oft nur in ihrer Ursprungsregion zu finden sind und die lokale kulinarische Identität widerspiegeln.
- Pizza al Taglio (Rom): Wörtlich „Pizza zum Schneiden“, eine rechteckige Pizza, die in großen Blechen gebacken und stückweise verkauft wird. Der Teig ist oft dicker und luftiger als bei einer runden Pizza und wird bei niedrigeren Temperaturen länger gebacken. Es gibt unzählige Belagsvarianten, von einfachen Tomaten und Rosmarin bis hin zu aufwendigeren Kreationen.
- Pizza Fritta (Neapel): Eine frittierte Pizza, die besonders in Neapel beliebt ist. Der Teig wird gefüllt (oft mit Ricotta, Cicoli – gepresstem Schweinefleisch – und Mozzarella oder Tomate und Käse) und dann in heißem Öl goldbraun frittiert. Ein herzhafter Snack für unterwegs.
- Sfincione (Sizilien): Eine Art dicke, weiche Focaccia-ähnliche Pizza, typisch für Palermo. Sie wird mit einer dicken Tomatensoße, Zwiebeln, Caciocavallo-Käse, Sardellen und Semmelbröseln belegt. Sie ist eher ein Blechkuchen als eine klassische Pizza.
- Farinata / Cecina (Ligurien / Toskana): Obwohl keine Pizza im eigentlichen Sinne, ist diese Art von Fladenbrot aus Kichererbsenmehl, Wasser, Olivenöl und Salz eine beliebte Spezialität in Ligurien und der Toskana. Sie wird in einem Holzofen gebacken und ist glutenfrei.
- Pizza al Padellino (Piemont): Eine kleine, runde Pizza, die in einer kleinen Pfanne (padellino) gebacken wird. Der Teig ist oft dicker und weicher und die Pizza bekommt durch das Backen in der Pfanne einen besonders knusprigen Boden.
Die Kunst des Pizzabackens: Zutaten und Techniken
Die Geheimnisse einer guten italienischen Pizza liegen nicht nur in den Rezepten, sondern auch in der Auswahl der Zutaten und der Beherrschung der Techniken. Die Italiener legen großen Wert auf die Herkunft und Qualität ihrer Produkte.
- Der Teig: Das Herzstück jeder Pizza. Er besteht aus wenigen, aber hochwertigen Zutaten: Mehl (oft „Tipo 00“ für neapolitanische Pizza), Wasser, frische Hefe und Salz. Die lange Gehzeit (oft 24-72 Stunden) bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank ist entscheidend für die Entwicklung von Geschmack und die leichte Verdaulichkeit.
- Tomaten: Für die Soße werden traditionell San-Marzano-Tomaten aus der Region Kampanien verwendet, die für ihren süßen und saftigen Geschmack bekannt sind. Sie werden oft nur grob zerdrückt und leicht gesalzen, um ihren natürlichen Geschmack zu bewahren.
- Käse: Mozzarella ist der König des Pizzakäses. Der beste ist Mozzarella di Bufala Campana, hergestellt aus Büffelmilch. Alternativ wird Fior di Latte (Kuhmilchmozzarella) verwendet. Wichtig ist, dass der Käse nicht zu viel Wasser enthält, um den Pizzaboden nicht zu durchnässen.
- Olivenöl: Ein gutes natives Olivenöl extra ist unerlässlich, sowohl im Teig als auch als abschließende Würze über der fertig gebackenen Pizza.
- Der Ofen: Ein Holzofen, der extrem hohe Temperaturen erreicht, ist traditionell. Die Hitze sorgt für einen schnell gebackenen Teig, der außen knusprig und innen weich und luftig ist.
Die Zubereitung einer Pizza ist in Italien eine Kunstform, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Es geht um das Gefühl für den Teig, die richtige Temperatur des Ofens und das harmonische Zusammenspiel der Aromen.
Pizza im Alltag der Italiener
Pizza ist in Italien nicht nur ein Gericht für besondere Anlässe, sondern fester Bestandteil des Alltags. Sie wird oft am Abend gegessen, entweder in einer Pizzeria mit Freunden und Familie oder als schneller Imbiss. Die „Pizzeria al taglio“ ist besonders zur Mittagszeit beliebt, wenn man ein schnelles, aber sättigendes Stück Pizza auf die Hand möchte. In Italien wird Pizza oft mit einer Gabel und einem Messer gegessen, besonders in Restaurants. Der Rand wird dabei nicht immer mitgegessen, kann aber auch in Olivenöl getunkt werden.
Vergleich: Pizza Napoletana vs. Pizza Romana
Obwohl beide Pizzen ikonisch sind, unterscheiden sie sich grundlegend in Teig und Textur:
| Merkmal | Pizza Napoletana | Pizza Romana |
|---|---|---|
| Teig | Weich, elastisch, dick | Dünn, knusprig, kross |
| Rand (Cornicione) | Hoch, luftig, leicht verkohlt | Niedrig, kaum vorhanden |
| Backtemperatur | Sehr hoch (ca. 485°C) | Etwas niedriger (ca. 400°C) |
| Backzeit | 60-90 Sekunden | 3-4 Minuten |
| Mehltyp | Typ 00 | Oft Typ 0 oder Mischungen |
| Belag | Meist minimalistisch | Vielfältiger, oft salziger |
Häufig gestellte Fragen zur italienischen Pizza
Viele Reisende und Pizzaliebhaber haben spezifische Fragen zur italienischen Pizza. Hier sind einige der häufigsten:
Ist Pizza in Italien ein Hauptgericht oder ein Snack?
In Italien kann Pizza beides sein. Eine ganze Pizza in einer Pizzeria ist ein vollwertiges Hauptgericht, das oft am Abend gegessen wird. Pizza al taglio oder Pizza fritta sind hingegen beliebte Snacks oder schnelle Mittagsmahlzeiten.
Gibt es in Italien Ananas auf Pizza?
Nein, traditionell gibt es in Italien keine Ananas auf Pizza. Die Zugabe von Ananas gilt in Italien als kulinarisches Tabu und wird von den meisten Italienern abgelehnt. Die italienische Pizzakultur legt Wert auf die Harmonie der Zutaten und die Frische der Produkte.
Wie isst man Pizza in Italien richtig?
In den meisten Pizzerien wird die Pizza mit Messer und Gabel gegessen. Man schneidet sich ein Stück ab und isst es. Es ist aber auch nicht ungewöhnlich, kleinere Stücke oder Pizza al taglio mit den Händen zu essen. Wichtig ist, dass man das Essen genießt!
Welche Getränke passen am besten zu Pizza in Italien?
Traditionell wird Pizza in Italien oft mit Bier (Birra) oder Wasser (Aqua) getrunken. Ein leichtes, spritziges Bier wie ein Lager oder ein Pilsner ist sehr beliebt. Auch Cola ist eine häufige Begleitung. Wein ist weniger verbreitet, aber ein einfacher Rotwein kann ebenfalls passen.
Ist die Pizza, die ich im Ausland kenne, dieselbe wie in Italien?
Oft nicht. Während die Grundidee dieselbe ist, unterscheiden sich die Pizzen außerhalb Italiens oft erheblich in Bezug auf Teig, Soße, Käse und Belag. Die italienische Pizza legt Wert auf weniger, aber dafür qualitativ hochwertige und frische Zutaten. Pizzen im Ausland sind oft dicker, schwerer belegt und verwenden andere Käsesorten oder Soßen.
Warum ist der Rand der neapolitanischen Pizza so dick?
Der dicke, luftige Rand, der „Cornicione“, ist ein Kennzeichen der Pizza Napoletana. Er entsteht durch die hohe Hitze des Holzofens, die den Teig schnell aufgehen lässt und eine luftige, leicht verkohlte Kruste bildet. Er ist ein Zeichen für einen gut gemachten Teig und die richtige Backtechnik.
Die italienische Pizza ist ein kulinarisches Meisterwerk, das von der Einfachheit und Qualität seiner Zutaten lebt. Eine Reise durch Italien ist auch immer eine Reise durch seine Pizzalandschaft, die unzählige Geschmäcker und Texturen bereithält. Von der streng definierten Pizza Napoletana bis zur regionalen Vielfalt der Focaccia-ähnlichen Sfincione – die Welt der italienischen Pizza ist reich, vielfältig und immer eine Entdeckung wert. Wer einmal die authentische italienische Pizza probiert hat, wird den Unterschied schmecken und die Leidenschaft verstehen, die in jedem gebackenen Stück steckt.
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