Wann wurde die Pizza erfunden?

Die wahre Geschichte der Pizza: Wann entstand sie?

20/03/2013

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Die Pizza ist heute ein globales Phänomen, ein Symbol für italienische Küche und Komfortessen zugleich. Man findet sie in fast jeder Ecke der Welt, in unzähligen Variationen, von der traditionellen neapolitanischen Pizza bis hin zu experimentellen Kreationen. Doch wann genau wurde diese kulinarische Ikone erfunden? Die Antwort ist komplexer, als man vielleicht denkt, denn die Geschichte der Pizza ist eine lange Reise, die weit vor der uns bekannten runden Scheibe mit Tomaten und Käse beginnt.

Wann wurde die Pizza erfunden?

Um die Geburt der Pizza zu verstehen, müssen wir uns weit in die Vergangenheit begeben, zu den Ursprüngen des Fladenbrots. Schon in der Antike, lange bevor das Wort 'Pizza' überhaupt existierte, gab es verschiedene Formen von gebackenem Teig, die als Grundlage für Mahlzeiten dienten. Die Ägypter, Griechen und Römer kannten und schätzten bereits einfache Fladenbrote, die oft mit Kräutern, Öl oder anderen Zutaten belegt wurden. Diese frühen Varianten waren jedoch weit entfernt von dem, was wir heute als Pizza bezeichnen würden.

Inhaltsverzeichnis

Die antiken Wurzeln: Fladenbrote als Vorläufer

Bereits im alten Ägypten wurden einfache Fladenbrote aus Getreide gebacken. Sie waren ein Grundnahrungsmittel und leicht zuzubereiten. Bei den Griechen gab es das sogenannte 'Plakous', ein flaches Brot, das mit Öl, Kräutern, Zwiebeln und Knoblauch verfeinert wurde. Man könnte es als einen sehr fernen Verwandten der modernen Pizza betrachten, da es bereits das Prinzip eines belegten Brotes aufgriff.

Auch im Römischen Reich gab es ähnliche Zubereitungen. Der Dichter Vergil erwähnte in seiner Aeneis, wie die Trojaner in Italien ankamen und auf „runde Brote“ aßen, die als Teller dienten und anschließend selbst verzehrt wurden. Hier zeigt sich eine frühe Form der praktischen Essgewohnheit, die später auch die Entwicklung der Pizza beeinflussen sollte: ein Gericht, das gleichzeitig Unterlage und Nahrung ist. Die Römer kannten auch die 'Focaccia', ein einfaches, mit Olivenöl und Salz gewürztes Fladenbrot, das bis heute in Italien sehr beliebt ist und oft als direkter Vorfahre der Pizza genannt wird.

Diese frühen Fladenbrote waren jedoch meist ohne Tomaten, da die Tomate erst viel später, nach der Entdeckung Amerikas, nach Europa gelangte. Ihre Rolle in der europäischen Küche, insbesondere in Italien, sollte sich erst im 17. und 18. Jahrhundert etablieren, als man erkannte, dass sie nicht giftig, sondern vielmehr köstlich war.

Neapel: Die Wiege der modernen Pizza

Die Pizza, wie wir sie heute kennen – mit Tomatensauce und Käse – nahm ihre Form im 17. und 18. Jahrhundert in der süditalienischen Stadt Neapel an. Neapel war zu dieser Zeit eine der größten und bevölkerungsreichsten Städte Europas, geprägt von Armut und einer großen Arbeiterklasse. Für diese Menschen war es entscheidend, preiswerte, nahrhafte und schnell zubereitete Mahlzeiten zu haben. Genau hier kam die Pizza ins Spiel.

Die Straßenverkäufer Neapels begannen, Fladenbrote mit den damals neuen, aus Amerika importierten Tomaten zu belegen. Diese „Pizzas“ waren einfache Mahlzeiten für die armen Leute. Sie wurden auf der Straße verkauft und waren so günstig, dass sie sich jeder leisten konnte. Beläge variierten und waren oft das, was gerade zur Hand war: Knoblauch, Olivenöl, Salz und die immer beliebter werdende Tomate. Käse wurde zunächst selten verwendet, da er teurer war.

Die Geburt der Pizza Margherita und die Legende

Der entscheidende Moment für die Popularisierung der Pizza wird oft dem Jahr 1889 zugeschrieben. Der damalige König Umberto I. und seine Frau, Königin Margherita von Savoyen, besuchten Neapel. Der Legende nach hatte die Königin genug von der französischen Küche, die damals an den königlichen Höfen üblich war, und bat den berühmten Pizzabäcker Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi, ihr verschiedene Pizzas zuzubereiten.

Esposito soll drei verschiedene Pizzas angeboten haben: eine mit Olivenöl, Knoblauch und Basilikum; eine mit Sardellen; und eine dritte, die er zu Ehren der Königin und der italienischen Nationalfarben kreierte: rote Tomaten, weißer Mozzarella und grüner Basilikum. Diese Pizza, die die Farben der italienischen Flagge widerspiegelte, soll der Königin so gut gefallen haben, dass sie sie nach ihr benannte: die Pizza Margherita. Diese Geschichte ist zwar weit verbreitet und romantisierend, aber Historiker sind sich uneinig, ob sie sich genau so zugetragen hat. Es gibt Belege für Pizzas mit ähnlichen Zutaten, die bereits vor 1889 in Neapel existierten. Dennoch trug die Legende maßgeblich zur Verbreitung und Popularität der Pizza Margherita bei.

Unabhängig von der genauen Entstehungsgeschichte der Margherita ist klar, dass Neapel der Ort war, an dem die Pizza ihre heutige Identität erhielt. Die Kombination aus weichem, luftigem Teig, saftigen Tomaten und schmelzendem Mozzarella wurde zur Blaupause für eine der weltweit beliebtesten Speisen.

Die Verbreitung der Pizza über Neapel hinaus

Die Pizza blieb lange Zeit ein regionales Gericht Neapels und Süditaliens. Ihre weltweite Eroberung begann erst im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, hauptsächlich durch italienische Einwanderer, die nach Amerika auswanderten. Sie brachten ihre kulinarischen Traditionen mit sich, und so entstanden in den italienischen Vierteln großer amerikanischer Städte die ersten Pizzerien.

Die erste dokumentierte Pizzeria in den Vereinigten Staaten wurde 1905 von Gennaro Lombardi in New York City eröffnet. Zunächst war die Pizza auch in den USA hauptsächlich ein Gericht für die italienische Gemeinschaft. Der große Durchbruch kam jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg. Amerikanische Soldaten, die in Italien stationiert waren, entdeckten die Pizza und brachten ihre Begeisterung dafür mit nach Hause. Dies führte zu einem Boom und einer schnellen Verbreitung der Pizza in den gesamten Vereinigten Staaten.

Von den USA aus verbreitete sich die Pizza dann in den folgenden Jahrzehnten in die ganze Welt. Sie wurde angepasst, regionalisiert und in unzähligen Varianten angeboten, aber ihre neapolitanischen Wurzeln blieben immer erkennbar.

Wichtige Meilensteine in der Geschichte der Pizza

Um die Entwicklung der Pizza besser zu verstehen, werfen wir einen Blick auf einige Schlüsselmomente:

ZeitraumEreignis/EntwicklungBedeutung für die Pizza
Antike (ca. 6. Jh. v. Chr. - 5. Jh. n. Chr.)Entwicklung von Fladenbroten (Plakous, Focaccia)Grundlage für belegte Brote, aber noch keine Pizza im modernen Sinne.
16. JahrhundertAnkunft der Tomate in Europa aus AmerikaDie Tomate, essenziell für die moderne Pizza, wird eingeführt. Zunächst als Zierpflanze, später als Nahrungsmittel.
17. - 18. JahrhundertEntstehung der modernen Pizza in NeapelArme Neapolitaner beginnen, Fladenbrote mit Tomaten, Öl und Kräutern zu belegen. Die Pizza wird zu einem einfachen, nahrhaften Gericht.
1830Eröffnung der Pizzeria Port'Alba in NeapelGilt als die erste Pizzeria der Welt.
1889Legende der Pizza MargheritaPizzabäcker Raffaele Esposito kreiert angeblich die Pizza Margherita für Königin Margherita, was zur Popularisierung beiträgt.
Spätes 19. / Frühes 20. JahrhundertItalienische Einwanderung in die USAPizza wird durch Einwanderer in die USA gebracht, erste Pizzerien entstehen in New York.
1905Eröffnung von Lombardi's in New York CityGilt als erste Pizzeria in den Vereinigten Staaten.
Nach 1945Globaler Aufstieg der PizzaAmerikanische Soldaten bringen die Liebe zur Pizza aus Italien mit nach Hause, was zu ihrer weltweiten Verbreitung führt.
1984Gründung der 'Associazione Verace Pizza Napoletana'Schutz und Förderung der traditionellen neapolitanischen Pizza.
2017Neapolitanische Pizzabäcker-Kunst wird UNESCO-WeltkulturerbeAnerkennung der kulturellen Bedeutung der traditionellen Pizzaherstellung.

Häufig gestellte Fragen zur Erfindung der Pizza

Ist Pizza wirklich italienisch?

Ja, die moderne Pizza, wie wir sie heute kennen, mit Tomatensauce und Käse auf einem Hefeteig, hat ihren Ursprung unbestreitbar in Neapel, Italien. Obwohl es in vielen Kulturen Fladenbrote gab, ist die spezifische Entwicklung und Kombination der Zutaten, die die Pizza ausmachen, tief in der italienischen (genauer gesagt neapolitanischen) Kultur verwurzelt.

Wann wurde die erste Pizzeria eröffnet?

Die erste Pizzeria, die als solche dokumentiert ist, ist die Pizzeria Port'Alba in Neapel, die 1830 eröffnet wurde. Zuvor wurde Pizza hauptsächlich von Straßenverkäufern zubereitet und verkauft.

Gab es Pizza vor der Entdeckung Amerikas und der Tomate?

Nein, nicht die Pizza, wie wir sie heute kennen. Es gab Fladenbrote mit verschiedenen Belägen, aber die Tomate ist ein zentraler Bestandteil der modernen Pizza und gelangte erst nach 1492 aus Amerika nach Europa. Die Integration der Tomate in die italienische Küche, und damit auch auf die Pizza, erfolgte erst im 17. und 18. Jahrhundert.

Wurde die Pizza Margherita wirklich für die Königin erfunden?

Die Geschichte ist eine weit verbreitete Legende, die zur Popularität der Pizza Margherita beigetragen hat. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Pizzas mit ähnlichen Zutaten (Tomate, Mozzarella, Basilikum) bereits vor dem Besuch der Königin existierten. Es ist wahrscheinlicher, dass Raffaele Esposito eine bereits bestehende Variante der Königin präsentierte und sie anschließend nach ihr benannt wurde, um sie zu ehren.

Was ist der Unterschied zwischen antiken Fladenbroten und moderner Pizza?

Der Hauptunterschied liegt in der Verwendung von Zutaten und dem spezifischen kulturellen Kontext. Antike Fladenbrote waren einfache Getreideprodukte, oft mit Öl und Kräutern belegt, aber ohne die charakteristische Tomatensauce und den Mozzarella. Die moderne Pizza, insbesondere die neapolitanische, zeichnet sich durch die spezifische Kombination dieser Zutaten, die Art der Teigzubereitung und den Backprozess im Holzofen aus, die in Neapel perfektioniert wurden.

Fazit: Eine kulinarische Evolution

Die Frage, wann die Pizza erfunden wurde, lässt sich nicht mit einem einzigen Datum beantworten, sondern ist vielmehr die Geschichte einer langen kulinarischen Evolution. Von den einfachen Fladenbroten der Antike bis zur berühmten Pizza Margherita in Neapel im späten 19. Jahrhundert hat die Pizza eine bemerkenswerte Reise hinter sich. Ihre wahre Geburt als das weltweit geliebte Gericht, das wir heute kennen, fand jedoch zweifellos in den Gassen Neapels statt, wo Armut und Kreativität zusammenkamen, um ein einfaches, aber revolutionäres Gericht zu schaffen.

Die Pizza ist somit nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Geschichte, der Migration und der Anpassungsfähigkeit der menschlichen Küche. Jedes Stück Pizza, das wir genießen, trägt die Echoes von Jahrtausenden der Brotbäckerei und Jahrhunderten der kulinarischen Innovation in sich, die in der bescheidenen, aber genialen Kombination von Teig, Tomate und Käse gipfelten.

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