Was ist die letzte Pizzeria aus Neapel?

Die Essenz der neapolitanischen Pizza

01/08/2022

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Wenn es um Pizza geht, führt kein Weg an Neapel vorbei. Diese lebendige süditalienische Stadt ist nicht nur der Geburtsort der modernen Pizza, sondern auch der Hüter einer jahrhundertealten kulinarischen Tradition, die bis heute Millionen von Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Doch was macht die neapolitanische Pizza so besonders? Ist es die Einfachheit ihrer Zutaten, die meisterhafte Technik ihrer Zubereitung oder die tiefe kulturelle Bedeutung, die sie in sich trägt? Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise in das Herz der Pizzawelt, um die Geheimnisse der authentischen neapolitanischen Pizza zu lüften und zu verstehen, warum sie weit mehr ist als nur ein Gericht – sie ist ein Stück gelebte Geschichte und Leidenschaft.

Was ist die letzte Pizzeria aus Neapel?
Inhaltsverzeichnis

Was macht neapolitanische Pizza so einzigartig?

Die Magie der neapolitanischen Pizza liegt in ihrer scheinbaren Einfachheit, die in Wahrheit das Ergebnis präziser Handwerkskunst und der Verwendung erstklassiger Zutaten ist. Es sind diese fundamentalen Elemente, die zusammenwirken, um ein Geschmackserlebnis zu schaffen, das seinesgleichen sucht und von vielen als die einzig wahre Form der Pizza angesehen wird.

Die Zutaten: Weniger ist mehr

Die Grundlage jeder echten neapolitanischen Pizza bilden nur wenige, aber dafür exquisite Zutaten, die sorgfältig ausgewählt und von höchster Qualität sein müssen. Diese Philosophie des „Weniger ist mehr“ ist entscheidend für den unverwechselbaren Geschmack. Es beginnt mit dem Mehl: Traditionell wird feines italienisches Weichweizenmehl des Typs „00“ verwendet, das für seine geringe Aschekonzentration und seinen hohen Proteingehalt bekannt ist, was dem Teig die richtige Elastizität und Textur verleiht. Wasser von guter Qualität, frische Bierhefe und feines Meersalz sind die einzigen weiteren Komponenten für den Teig.

Für den Belag sind die Regeln noch strenger, besonders bei den klassischen Varianten Margherita und Marinara. Die Tomaten müssen von der Sorte San Marzano DOP sein, die am Vesuv angebaut werden und für ihren süßen, leicht säuerlichen Geschmack und ihre geringe Anzahl an Kernen bekannt sind. Diese Tomaten werden nur grob zerkleinert und nicht gekocht, um ihre Frische zu bewahren. Der Käse ist Mozzarella di Bufala Campana DOP oder Fior di Latte, ein Kuhmilchmozzarella aus der Region Kampanien. Beide schmelzen perfekt und geben der Pizza eine cremige Textur, ohne zu viel Feuchtigkeit abzugeben. Abgerundet wird das Ganze mit frischem Basilikum und nativem Olivenöl extra.

Der Teig: Eine Wissenschaft für sich

Der Teig ist das Fundament der neapolitanischen Pizza und seine Zubereitung grenzt an eine Kunstform. Er wird nur aus Mehl, Wasser, Salz und Hefe hergestellt und muss eine lange Gärzeit durchlaufen, oft zwischen 24 und 48 Stunden. Diese lange Fermentation bei Raumtemperatur ist entscheidend, da sie nicht nur den Geschmack des Teigs entwickelt, sondern ihn auch leichter verdaulich macht. Der Teig wird von Hand geformt, niemals mit einem Nudelholz ausgerollt, um die Luftblasen zu erhalten, die während der Gärung entstehen. Dies führt zu einem weichen, elastischen Teig mit einem charakteristisch hohen, luftigen Rand, dem sogenannten Cornicione, der beim Backen herrlich aufgeht und leicht verkohlt ist.

Der Ofen: Das Herzstück

Das Backen ist der letzte, aber entscheidende Schritt, der die neapolitanische Pizza von allen anderen unterscheidet. Eine echte neapolitanische Pizza wird in einem traditionellen Holzofen gebacken, der Temperaturen von 450 bis 500 Grad Celsius erreicht. Bei dieser extremen Hitze ist die Pizza in nur 60 bis 90 Sekunden gar. Die kurze Backzeit sorgt dafür, dass der Teig außen knusprig und leicht gebräunt wird, während er innen weich und saftig bleibt. Der hohe Rand, der Cornicione, bildet sich aus und erhält die typischen "Leopardenflecken" (schwarze Blasen), die ein Zeichen für eine perfekt gebackene neapolitanische Pizza sind. Die schnelle Hitze karamellisiert die Ränder und lässt den Käse schmelzen, ohne dass die Tomaten austrocknen.

Die Geschichte: Von Armenspeise zum Weltkulturerbe

Die Geschichte der Pizza ist untrennbar mit Neapel verbunden. Ursprünglich war die Pizza im 18. Jahrhundert eine einfache und nahrhafte Speise für die ärmere Bevölkerung Neapels. Sie wurde oft auf der Straße verkauft und von den Arbeitern als schnelles Mittagessen verzehrt. Die ersten Pizzen waren weit entfernt von den heutigen Belägen; sie bestanden oft nur aus Tomaten, Öl und Knoblauch.

Der Wendepunkt kam im Jahr 1889, als König Umberto I. und Königin Margherita von Savoyen Neapel besuchten. Der Pizzaiolo Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi wurde beauftragt, ihnen verschiedene Pizzen zuzubereiten. Eine der Pizzen, die Esposito kreierte, war mit Tomaten (rot), Mozzarella (weiß) und Basilikum (grün) belegt – den Farben der italienischen Flagge. Die Königin war Berichten zufolge so begeistert von dieser Pizza, dass sie nach ihr benannt wurde: die Pizza Margherita. Ob diese Geschichte exakt so stattgefunden hat, ist umstritten, doch sie hat sich als charmante Legende fest in der Pizzageschichte etabliert und die Margherita zur weltweit bekanntesten Pizza gemacht.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Pizza von einer regionalen Spezialität zu einem globalen Phänomen. Doch die Neapolitaner hielten an ihrer ursprünglichen Methode fest. Dies führte schließlich im Jahr 2017 zur Anerkennung der "Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers" (Arte del Pizzaiuolo Napoletano) als immaterielles Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO. Diese Anerkennung unterstreicht die tiefe kulturelle und historische Bedeutung der neapolitanischen Pizza und die Notwendigkeit, ihre traditionellen Zubereitungsmethoden zu bewahren.

Die "Verace Pizza Napoletana" (VPN): Ein Gütesiegel

Um die Authentizität und Qualität der neapolitanischen Pizza weltweit zu schützen und zu fördern, wurde 1984 die Associazione Verace Pizza Napoletana (VPN) gegründet. Diese Vereinigung hat strenge Richtlinien festgelegt, die eingehalten werden müssen, damit eine Pizzeria den Titel "Verace Pizza Napoletana" tragen darf. Nur Pizzerien, die diese Regeln befolgen, erhalten das VPN-Zertifikat, das als Gütesiegel für echte neapolitanische Pizza dient.

Zu den wichtigsten Kriterien der VPN gehören:

  • Die Verwendung von San Marzano Tomaten DOP oder Pomodorino del Piennolo del Vesuvio DOP.
  • Die Verwendung von Mozzarella di Bufala Campana DOP oder Fior di Latte.
  • Der Teig muss ausschließlich aus Wasser, Salz, Hefe und italienischem Weichweizenmehl Typ 0 oder 00 bestehen und eine Fermentationszeit von mindestens 8 Stunden haben.
  • Der Teig muss von Hand geformt werden, ohne die Verwendung von Nudelhölzern oder Maschinen.
  • Die Pizza muss in einem Holzofen bei einer Temperatur von 450-500 °C gebacken werden, und zwar für nicht länger als 60-90 Sekunden.
  • Die fertige Pizza muss einen erhöhten, luftigen Rand (Cornicione) haben, der an einigen Stellen leicht verkohlt ist, und der Boden muss weich und elastisch sein.

Diese strengen Regeln stellen sicher, dass die Tradition und die Qualität der neapolitanischen Pizza auch außerhalb Neapels gewahrt bleiben. Wenn Sie also auf der Suche nach einer wirklich authentischen neapolitanischen Pizza sind, achten Sie auf das VPN-Zertifikat.

Berühmte historische Pizzerien in Neapel

Neapel ist übersät mit Pizzerien, aber einige von ihnen haben einen legendären Status erlangt, nicht nur wegen ihrer langen Geschichte, sondern auch, weil sie die Essenz der neapolitanischen Pizza perfekt verkörpern. Diese Orte sind Pilgerstätten für Pizzaliebhaber aus aller Welt.

L'Antica Pizzeria Da Michele

Gegründet im Jahr 1870 von Michele Condurro, ist Da Michele vielleicht die bekannteste Pizzeria Neapels und gilt als Inbegriff der traditionellen neapolitanischen Pizza. Hier wird die Philosophie der Einfachheit auf die Spitze getrieben: Es gibt nur zwei Pizzasorten auf der Speisekarte – die Margherita und die Marinara. Keine Zusätze, keine Variationen. Die Wartezeiten sind oft lang, aber die Erfahrung, eine der vielleicht besten Pizzen der Welt zu genießen, ist es wert. Die Atmosphäre ist unprätentiös, der Fokus liegt einzig und allein auf der Perfektion des Produkts.

Pizzeria Brandi

Brandi beansprucht die Ehre, der Geburtsort der Pizza Margherita zu sein. Auch wenn die genauen Umstände der Legende um Königin Margherita umstritten sind, so ist Brandi doch eine Institution in Neapel, die seit 1780 besteht. Die Pizzeria bietet eine breitere Auswahl als Da Michele, hält aber dennoch an den hohen Qualitätsstandards und traditionellen Zubereitungsweisen fest. Ein Besuch bei Brandi ist eine Reise in die Geschichte der Pizza selbst.

Gino Sorbillo

Gino Sorbillo ist eine Ikone der modernen neapolitanischen Pizzaszene, der die Familientradition in der dritten Generation fortführt. Seine Pizzerien, die es mittlerweile auch in anderen Städten gibt, sind bekannt für ihre riesigen Pizzen mit einem luftigen Cornicione und der Verwendung von hochwertigen, oft biologischen Zutaten. Sorbillo hat maßgeblich dazu beigetragen, das Image der neapolitanischen Pizza zu modernisieren und gleichzeitig ihre Wurzeln zu ehren. Er ist bekannt für seine Innovationen, die aber immer auf der Tradition basieren.

Diese Pizzerien sind nicht nur Restaurants, sondern lebendige Museen der Pizzakunst. Sie zeigen, dass die "letzte" oder "ultimative" Pizzeria aus Neapel nicht eine einzelne ist, die am Ende der Linie steht, sondern eine Summe vieler, die die Tradition hochhalten und weitergeben. Es ist die Kontinuität dieser Handwerkskunst, die Neapel zum ewigen Mekka der Pizza macht.

Neapolitanische Pizza vs. andere Pizzastile

Während die neapolitanische Pizza oft als die "Originalform" angesehen wird, haben sich im Laufe der Zeit viele andere Pizzastile entwickelt, die jeweils ihre eigenen einzigartigen Merkmale aufweisen. Ein Vergleich hilft, die Besonderheiten der neapolitanischen Pizza noch besser zu verstehen.

Vergleichstabelle der Pizzastile

MerkmalNeapolitanische PizzaNew York Style PizzaRömische Pizza (Tonda)
Kruste / RandSehr weich, luftig, elastisch, hoher, unregelmäßiger Cornicione mit "Leopardenflecken"Dünn an der Basis, knusprig, aber flexibel genug zum Falten, oft mit einem moderaten RandSehr dünn und durchgehend knusprig, oft ohne ausgeprägten Rand
BacktemperaturSehr hoch (450-500 °C)Hoch (300-400 °C)Mittel-hoch (250-300 °C)
Backzeit60-90 Sekunden5-10 Minuten10-15 Minuten
TeigLange Fermentation (24-48 Std.), nur Mehl, Wasser, Hefe, SalzKürzere Fermentation, oft mit Zucker oder Öl im TeigOft mit Olivenöl im Teig, um die Knusprigkeit zu erhöhen
Typischer KäseMozzarella di Bufala DOP oder Fior di LatteLow-Moisture Mozzarella (teilentrahmter Mozzarella)Verschiedene Mozzarella-Arten, oft gerieben
ServierweiseGanz, mit Messer und Gabel zu essen, oft "nass" in der MitteOft in großen Scheiben, zum Falten und aus der Hand essenGanz oder in Stücken, sehr fest und knusprig
AnerkennungUNESCO Kulturerbe, VPN-ZertifizierungKeine offizielle StandardisierungKeine offizielle Standardisierung

Dieser Vergleich zeigt deutlich, dass die neapolitanische Pizza durch ihre extremen Backbedingungen und die Reinheit ihrer Zutaten eine ganz eigene Kategorie bildet, die auf Weichheit, Saftigkeit und dem unverwechselbaren Geschmack des Teiges basiert.

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur neapolitanischen Pizza

Warum ist neapolitanische Pizza oft "nass" oder "suppig" in der Mitte?

Dies ist ein häufiges Merkmal der echten neapolitanischen Pizza und kein Zeichen schlechter Qualität. Es liegt an mehreren Faktoren: Der hohe Wassergehalt des Teigs, die Verwendung von frischem Mozzarella, der beim Schmelzen Wasser freisetzt, und die extrem kurze Backzeit im sehr heißen Holzofen. Der Boden wird in den 60-90 Sekunden nicht vollständig durchgebacken, um knusprig zu werden, sondern bleibt weich und elastisch. Dies ist beabsichtigt und trägt zur Saftigkeit und zum Geschmackserlebnis bei. Eine echte neapolitanische Pizza wird traditionell mit Messer und Gabel gegessen, gerade weil die Mitte so weich ist.

Kann ich echte neapolitanische Pizza außerhalb Neapels finden?

Ja, absolut! Dank Organisationen wie der Associazione Verace Pizza Napoletana (VPN) und der zunehmenden Globalisierung des Essens gibt es heute viele Pizzerien auf der ganzen Welt, die sich den strengen Richtlinien der neapolitanischen Pizzakunst verschrieben haben. Achten Sie auf das VPN-Zertifikat oder auf andere Auszeichnungen, die auf eine authentische Zubereitung hinweisen. Viele Pizzaioli reisen nach Neapel, um das Handwerk zu lernen und bringen diese Tradition dann in ihre Heimatländer.

Ist neapolitanische Pizza immer Margherita oder Marinara?

Traditionell sind die Pizza Margherita und die Pizza Marinara die beiden kanonischen Formen der neapolitanischen Pizza, die auch von der VPN als die einzigen "echten" neapolitanischen Pizzen anerkannt werden. Viele moderne neapolitanische Pizzerien bieten jedoch eine breitere Palette an Belägen an, die auf der gleichen Teig- und Backmethode basieren, aber kreativere Kombinationen von Zutaten verwenden. Wenn Sie jedoch die Reinheit und das Wesen der neapolitanischen Pizzakunst erleben möchten, sollten Sie unbedingt eine Margherita oder Marinara probieren.

Was bedeutet "Cornicione"?

Der "Cornicione" (ausgesprochen: Korn-i-tschoh-ne) ist der hohe, luftige und unregelmäßige Rand der neapolitanischen Pizza. Er entsteht durch die hohe Hitze des Holzofens, die den Teig schnell aufgehen lässt und die Luftblasen im Inneren des Teigs einschließt. Ein gut entwickelter Cornicione ist ein Markenzeichen einer perfekt gebackenen neapolitanischen Pizza und sollte leicht knusprig an der Außenseite, aber innen weich und luftig sein.

Warum ist der Teig bei der neapolitanischen Pizza so entscheidend?

Der Teig ist das Herzstück der neapolitanischen Pizza. Seine lange Fermentation trägt maßgeblich zum komplexen Geschmack und zur leichten Verdaulichkeit bei. Die Art und Weise, wie er von Hand geformt wird, ohne die Verwendung von Nudelhölzern, erhält die Luftblasenstruktur, die den charakteristischen luftigen und weichen Biss ermöglicht. Ohne einen perfekt zubereiteten Teig, der die richtigen Zutaten und die korrekte Gärung erfahren hat, kann selbst der beste Belag keine echte neapolitanische Pizza ergeben. Er ist die Leinwand, auf der die einfachen, aber hochwertigen Zutaten zur Geltung kommen.

Fazit: Neapel – Das ewige Zuhause der Pizza

Die Frage nach der "letzten Pizzeria aus Neapel" ist weniger eine Suche nach dem neuesten Lokal, sondern vielmehr eine tiefere Betrachtung der unvergänglichen Tradition und des Erbes, das Neapel in der Welt der Pizza darstellt. Es gibt keine einzelne "letzte" Pizzeria, sondern eine lebendige, atmende Kultur, die sich durch unzählige Pizzerien, Pizzaioli und die Leidenschaft für dieses einfache, aber perfekte Gericht ausdrückt. Die neapolitanische Pizza ist ein Meisterwerk der Einfachheit, eine Symphonie aus wenigen, aber perfekt aufeinander abgestimmten Zutaten, die durch eine Jahrhunderte alte Handwerkskunst zu etwas Außergewöhnlichem werden. Sie ist ein Beweis dafür, dass die größten Genüsse oft in der Reinheit und Authentizität liegen. Wer einmal eine echte neapolitanische Pizza probiert hat, versteht, warum sie nicht nur ein Essen, sondern ein Kulturgut ist, das die Seele Neapels in jedem Bissen offenbart. Sie ist und bleibt der Goldstandard, an dem sich jede andere Pizza messen lassen muss.

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