Wie gut ist die Pizza in Italien?

Die faszinierende Reise der Pizza: Von Neapel zum Weltruhm

02/01/2017

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Die Pizza, ein Gericht, das heute auf jedem Kontinent gefeiert wird, hat eine Geschichte, die so reichhaltig und geschmackvoll ist wie ihre Beläge. Ursprünglich ein einfaches Gericht für die arbeitende Bevölkerung Neapels, hat sie sich zu einem Symbol italienischer Lebensart und kulinarischer Exzellenz entwickelt. Ihre Reise von den engen Gassen Neapels zu den Speisekarten der Welt ist eine Geschichte von Innovation, Tradition und unermüdlicher Leidenschaft, die Generationen von Pizzabäckern geprägt hat. Es ist nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern ein kulturelles Phänomen, das Menschen verbindet und unzählige Variationen hervorgebracht hat, doch die Essenz bleibt immer die gleiche: ein Zeugnis einfacher, aber perfekter Zutaten und Handwerkskunst.

Wie entstand die Pizza?
Der „Pizzaiuolo“ war der Lieferant, ein Beruf mit alten Wurzeln, der die moderne Pizza, wie wir sie heute kennen, vorausging. In ihrer frühesten Form war Pizza ein ungesäuertes Fladenbrot aus Weizen, verfeinert mit Öl, Sardellen, Käse und im Laufe der Zeit auch mit Tomaten.
Inhaltsverzeichnis

Die bescheidenen Anfänge: Neapel, die Wiege der Pizza

Die Wurzeln der modernen Pizza liegen tief in der bezaubernden Stadt Neapel, eingebettet am Fuße des majestätischen Vesuv. Hier, inmitten des pulsierenden Lebens der Hafenstadt, entstand nicht nur ein Gericht, sondern eine ganze Kultur. Ursprünglich war die Pizza ein einfaches Fladenbrot, eine nahrhafte und kostengünstige Mahlzeit für die armen Leute Neapels. Es war eine praktische Lösung, um übrig gebliebene Zutaten zu verwerten und schnell eine sättigende Speise zu zaubern. Dieses Fladenbrot, oft nur mit Olivenöl und Knoblauch verfeinert, war der Vorläufer dessen, was wir heute als Pizza kennen. Es war eine Mahlzeit, die man schnell zubereiten und essen konnte, ideal für die fleißigen Hände der Arbeiter und Seeleute, die die Stadt bevölkerten.

Der Aufstieg des Pizzaiuolo: Ein Beruf mit alter Tradition

Der „Pizzaiuolo“, der Pizzabäcker und Lieferant in einem, war eine Schlüsselfigur in der frühen Geschichte der Pizza. Dieser Beruf hatte alte Wurzeln und war entscheidend für die Verbreitung der Pizza, lange bevor Lieferdienste über Apps funktionierten. Die Pizzaiuoli waren nicht nur Köche, sondern auch Marktschreier und Entertainer. Sie backten ihre Pizzen in traditionellen Holzöfen, die oft mobil waren oder an festen Ständen in belebten Gegenden wie der Via Toledo zu finden waren. Mit lauten Rufen wie „A‘ pizza a‘ pizza!“ zogen sie die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Diese frühen Pizzen waren einfache, aber köstliche Kreationen: ungesäuertes Fladenbrot aus Weizen, verfeinert mit Olivenöl, Sardellen und Käse. Die Einführung der Tomate aus Amerika revolutionierte die Pizza im 18. Jahrhundert und verlieh ihr die charakteristische rote Farbe, die wir heute kennen und lieben. Die Tomate war zunächst mit Skepsis betrachtet worden, da sie aus der Familie der Nachtschattengewächse stammt und man ihr Giftigkeit nachsagte. Doch in Neapel fand sie ihren Weg in die Küche und wurde schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Pizza.

Die Legende der Pizza Margherita: Eine königliche Kreation

Die vielleicht bekannteste Geschichte der Pizzaentstehung ist die der Pizza Margherita. Im Jahr 1889, so die Legende, besuchte König Umberto I. mit seiner Frau, Königin Margherita von Savoyen, Neapel. Die Königin, müde von der französischen Haute Cuisine, bat um lokale Spezialitäten. Der berühmte Pizzaiuolo Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi kreierte daraufhin drei verschiedene Pizzen für sie. Eine davon, die der Königin am besten gefiel, war mit Tomaten (rot), Mozzarella (weiß) und Basilikum (grün) belegt – den Farben der italienischen Nationalflagge. Diese Pizza wurde angeblich nach der Königin benannt: Pizza Margherita. Obwohl Historiker über die genaue Authentizität dieser Geschichte streiten, hat sie zweifellos dazu beigetragen, die Pizza Margherita weltweit bekannt zu machen und sie als Symbol italienischer Küche zu etablieren. Sie verkörpert die Einfachheit und doch die Perfektion der neapolitanischen Pizza und ist bis heute ein Eckpfeiler jeder authentischen Pizzeria.

Die Pizza erobert die Welt: Eine globale Erfolgsgeschichte

Von Neapel aus begann die Pizza ihre triumphale Reise um die Welt, maßgeblich vorangetrieben durch italienische Auswanderer. Als Millionen von Italienern im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihre Heimat verließen, um in Amerika und anderen Teilen der Welt ein besseres Leben zu suchen, nahmen sie ihre kulinarischen Traditionen mit. In den USA, insbesondere in Städten wie New York, Chicago und Boston, etablierten sich die ersten Pizzerien. Zunächst waren sie primär Anlaufstellen für die italienische Gemeinschaft, doch bald entdeckten auch Nicht-Italiener die Köstlichkeit dieses einfachen Gerichts. Die Pizza passte perfekt zum amerikanischen Lebensstil: Sie war schnell, lecker und konnte leicht geteilt werden. Im Laufe der Zeit passte sich die Pizza den lokalen Geschmäckern an, was zu unzähligen Variationen führte, von der dicken Chicago Style Deep Dish Pizza bis zur New York Style Pizza mit ihrer dünnen, knusprigen Kruste. Doch trotz aller Anpassungen blieb die ursprüngliche neapolitanische Pizza ein Ideal und ein Maßstab für Qualität und Authentizität.

Wie gut ist die Pizza in Italien? Ein Blick auf die Qualität

Die Frage nach der Qualität der Pizza in Italien ist leicht zu beantworten: Sie ist oft herausragend. Italien ist nicht nur das Geburtsland der Pizza, sondern auch das Zentrum ihrer höchsten Kunst. Die Qualität beginnt bei den Zutaten, die oft regional und frisch sind. Für eine echte neapolitanische Pizza sind nur wenige, aber spezifische Zutaten erlaubt: Weichweizenmehl Typ 00 oder Typ 0, Wasser, Salz, Hefe, San-Marzano-Tomaten DOP (Denominazione d'Origine Protetta) aus dem Agro Sarnese-Nocerino, Büffelmozzarella DOP oder Fior di Latte, frisches Basilikum und Olivenöl Extra Vergine. Es ist diese kompromisslose Verpflichtung zur Qualität der Rohstoffe, die den Unterschied ausmacht. Die Einfachheit der Zutaten erfordert jedoch höchste Präzision und Können in der Zubereitung.

Die Kunst der neapolitanischen Pizza: Regeln und Traditionen

Die „echte“ neapolitanische Pizza ist strengen Regeln unterworfen, die von der „Associazione Verace Pizza Napoletana“ (AVPN) festgelegt wurden. Diese Vereinigung wacht über die Tradition und Authentizität der Pizza Napoletana und zertifiziert Pizzerien weltweit, die sich an ihre strengen Vorgaben halten. Zu den wichtigsten Kriterien gehören:

  • Der Teig: Muss aus den oben genannten Zutaten bestehen und mindestens 8 Stunden bei Raumtemperatur gehen. Er wird nur von Hand oder mit einer Gabel geknetet und dann von Hand geformt, ohne die Verwendung eines Nudelholzes.
  • Der Belag: Beschränkt auf die klassischen Varianten Margherita (Tomate, Mozzarella, Basilikum) und Marinara (Tomate, Knoblauch, Oregano).
  • Der Ofen: Ein traditioneller Holzofen, der Temperaturen von 450-500°C erreicht.
  • Die Backzeit: Extrem kurz, etwa 60-90 Sekunden. Dies führt zu einer weichen, elastischen Kruste mit leicht verbrannten Flecken (Leopardenmuster).
  • Das Ergebnis: Eine Pizza mit einem weichen, dünnen Boden und einem hohen, luftigen, leicht verbrannten Rand (Cornicione).

Diese strenge Einhaltung der Traditionen ist der Grund, warum eine echte neapolitanische Pizza in Italien ein unvergleichliches Erlebnis ist. Es ist eine Handwerkskunst, die über Generationen weitergegeben wird und die Leidenschaft des Pizzaiuolo widerspiegelt.

Regionale Pizza-Vielfalt in Italien

Während die neapolitanische Pizza oft als die „Mutter aller Pizzen“ gilt, bietet Italien eine beeindruckende Vielfalt an regionalen Pizzastilen, die alle ihre eigene Berechtigung und ihren eigenen Charme haben. Jede Region hat ihre eigenen Vorlieben und Traditionen, die sich in den Pizzen widerspiegeln.

Was ist die teuerste Pizza inösterreich?
Bezirk Wiens schwarze Pizza mit 23 Karat Blattgold und Royal Kaviar. "Mamma Rich", hinter diesem klingenden Namen versteckt sich nicht etwa eine reiche Mutti, sondern Österreichs teuerste Pizza. Teuer im wahrsten Sinne des Wortes, denn für das beliebte Gericht aus Italien legt man im Restaurant "Viva la Mamma" im Herzen Wiens gleich 469 Euro hin.
  • Pizza Romana: Oft dünner und knuspriger als die neapolitanische, mit einem flacheren Rand. Beliebte Varianten sind die Pizza alla Romana mit Anchovis und Kapern oder die Pizza Bianca (ohne Tomatensauce).
  • Pizza al Taglio: Eine rechteckige Pizza, die in Stücken verkauft wird, oft mit einer dickeren, luftigeren Kruste. Beliebt in Rom und anderen Teilen Mittelitaliens, ideal für einen schnellen Snack unterwegs.
  • Sfincione (Sizilien): Eine Art dicker Focaccia-ähnlicher Pizza, oft mit einer reichhaltigen Tomatensoße, Zwiebeln, Sardellen, Käse (oft Caciocavallo) und Semmelbröseln belegt.
  • Pizza Fritta (Neapel): Eine frittierte Pizza, die oft mit Ricotta, Cicoli (Schweinegrieben) und Tomaten gefüllt ist. Eine herzhafte, traditionelle Spezialität, die besonders in Neapel beliebt ist.

Diese Vielfalt zeigt, dass italienische Pizza weit über die Margherita hinausgeht und für jeden Geschmack etwas bereithält. Doch die Gemeinsamkeit ist stets der Fokus auf frische, hochwertige Zutaten und die Liebe zum Detail in der Zubereitung.

Vergleich: Neapolitanische Pizza vs. andere italienische Pizzen

Um die Besonderheiten der Pizza in Italien besser zu verstehen, lohnt sich ein Vergleich der prominentesten Stile:

MerkmalPizza Napoletana (Neapel)Pizza Romana (Rom)Pizza al Taglio (Mittelitalien)
TeigDünn in der Mitte, hoher, luftiger, weicher und elastischer Rand (Cornicione)Sehr dünn und knusprig, flacherer RandDicker, rechteckiger, luftiger Teig, oft Focaccia-ähnlich
Backzeit & Ofen60-90 Sekunden in sehr heißem Holzofen (450-500°C)Länger in niedrigerer Temperatur (oft Elektroofen)Länger in moderaten Temperaturen, oft in Elektroöfen
KrusteWeich, leicht verkohltes LeopardenmusterKnusprig, fast cracker-ähnlichWeich, innen luftig, außen leicht knusprig
Typische BelägeMargherita, Marinara (sehr puristisch)Vielseitig, oft mit Gemüse, Wurstwaren, Pilzen; auch Pizza BiancaSehr vielseitig, oft wechselnde Beläge, in Stücken verkauft
EssweiseOft mit Messer und Gabel, da sehr weichKann mit der Hand gegessen werdenAls schneller Snack auf die Hand

Häufig gestellte Fragen zur Pizza in Italien

Was ist der Unterschied zwischen einer echten neapolitanischen Pizza und anderen Pizzen?

Eine echte neapolitanische Pizza zeichnet sich durch ihren dünnen, weichen Boden und den hohen, luftigen, leicht verbrannten Rand (Cornicione) aus. Sie wird in einem sehr heißen Holzofen (450-500°C) nur für etwa 60-90 Sekunden gebacken und verwendet nur eine Handvoll streng definierter Zutaten (San-Marzano-Tomaten, Büffelmozzarella, Basilikum, Olivenöl, Mehl, Wasser, Hefe, Salz). Andere Pizzen, auch in Italien, können dickere oder dünnere Böden, knusprigere Krusten und eine viel größere Vielfalt an Belägen haben.

Kann man in ganz Italien gute Pizza essen?

Ja, in fast jeder Region Italiens finden Sie gute Pizzerien. Obwohl Neapel als Geburtsort der Pizza gilt und für die „authentischste“ Version bekannt ist, haben sich in ganz Italien hervorragende Pizzabäcker etabliert, die regionale Spezialitäten oder innovative Interpretationen anbieten. Die Qualität der Zutaten ist in der Regel sehr hoch, was zu einem generell hohen Niveau führt.

Warum ist italienische Pizza so besonders?

Die Besonderheit der italienischen Pizza liegt in der Kombination aus hochwertigen, oft regionalen Zutaten, der über Generationen perfektionierten Backtechnik und der tief verwurzelten Tradition. Es ist die Einfachheit und doch die Perfektion der Ausführung, die sie so einzigartig macht. Jeder Pizzaiuolo legt seine Seele in die Zubereitung, was man schmecken kann.

Gibt es auch schlechte Pizza in Italien?

Wie überall gibt es auch in Italien Qualitätsunterschiede. In touristischen Hotspots kann man manchmal auf Pizzerien stoßen, die eher auf Masse statt Klasse setzen. Um eine wirklich gute Pizza zu finden, sollte man auf Empfehlungen von Einheimischen achten, Pizzerien besuchen, die von der AVPN zertifiziert sind, oder solche, die einen Holzofen und frische Zutaten prominent bewerben.

Ist Pizza in Italien teuer?

Nein, im Vergleich zu vielen anderen Gerichten ist Pizza in Italien oft sehr erschwinglich. Eine klassische Margherita kostet in Neapel oft nur 5-8 Euro, in anderen Städten oder mit spezielleren Belägen etwas mehr, aber selten über 15 Euro. Sie ist nach wie vor ein beliebtes und preiswertes Gericht für jedermann.

Fazit: Ein kulinarisches Erbe, das begeistert

Die Pizza ist weit mehr als nur ein Fast Food. Sie ist ein Stück Geschichte, ein Symbol italienischer Identität und ein kulinarisches Meisterwerk, das Millionen von Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Von ihren bescheidenen Anfängen als Arme-Leute-Essen in Neapel bis zu ihrer heutigen Rolle als globales Phänomen hat die Pizza eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Die authentische italienische Pizza, insbesondere die neapolitanische, ist ein Zeugnis von der Wichtigkeit einfacher, hochwertiger Zutaten und der Kunstfertigkeit der Pizzaiuoli. Wer einmal eine wirklich gute Pizza in Italien probiert hat, versteht, warum dieses Gericht so viel mehr ist als nur Teig, Tomaten und Käse – es ist ein Erlebnis, eine Leidenschaft und ein unvergleichlicher Genuss.

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