16/10/2010
In der vielfältigen Welt der italienischen Pizza gibt es zwei Giganten, die oft miteinander verglichen werden: die neapolitanische Pizza und die römische Pizza. Während die neapolitanische Variante für ihre weiche, luftige Kruste und den charakteristischen „Leopardenmuster“-Rand bekannt ist, besticht die römische Pizza – oft als Pizza al Taglio (Stückpizza) oder Pizza in Pala (Schaufelpizza) angeboten – durch ihre beeindruckende Knusprigkeit und Leichtigkeit. Doch der wahre Kern des Unterschieds liegt nicht nur im Aussehen, sondern vor allem im Teig und dessen aufwendiger Zubereitung. Lassen Sie uns eintauchen in die Geheimnisse des römischen Teigs und herausfinden, was ihn so einzigartig macht.

- Was ist römische Pizza?
- Das Herzstück: Der römische Pizzateig – Ein Meisterwerk der Geduld
- Römischer Teig vs. Neapolitanischer Teig: Ein direkter Vergleich
- Die Kunst der Zubereitung des römischen Pizzateigs
- Das Backen der römischen Pizza: Die Technik macht den Unterschied
- Beläge für die römische Pizza: Kreativität ohne Grenzen
- Warum römische Pizza so einzigartig ist
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Fazit
Was ist römische Pizza?
Die römische Pizza, die man in ganz Rom an jeder Ecke findet und die oft meterweise verkauft wird, ist ein wahres Fest für die Sinne. Ihr unwiderstehlicher Duft und ihre außergewöhnliche Leichtigkeit laden dazu ein, sie in Sekundenschnelle zu verschlingen. Doch hinter jedem Stück steckt eine kunstvolle Arbeit, die weit über das einfache Mischen von Zutaten hinausgeht. Im Gegensatz zur dünneren neapolitanischen Version ist die römische Pizza dafür bekannt, eine dickere, aber dennoch luftige und knusprige Kruste zu haben, die reichlich Platz für Beläge bietet, ohne schwer im Magen zu liegen. Sie wird traditionell auf großen Blechen gebacken und in rechteckigen Stücken verkauft, was sie zu einem idealen Snack für unterwegs macht.
Das Herzstück: Der römische Pizzateig – Ein Meisterwerk der Geduld
Der Teig der römischen Pizza ist das Ergebnis eines sorgfältigen und zeitaufwendigen Prozesses, der sich maßgeblich von anderen Pizzasorten unterscheidet. Zwei Schlüsselkomponenten sind hier entscheidend: die Verwendung eines Vorteigs, der sogenannten Biga, und ein extrem hoher Hydrationsgrad.
Die Biga – Der Schlüssel zur Leichtigkeit
Die Biga ist ein fester Vorteig, der aus Mehl, Wasser und einer kleinen Menge Hefe besteht und über einen längeren Zeitraum fermentiert wird, oft 24 Stunden lang. Dieser Schritt ist für die römische Pizza von entscheidender Bedeutung, da er dem Teig nicht nur ein komplexeres Aroma verleiht, sondern auch die Verdaulichkeit erheblich verbessert. Durch die lange Fermentation werden komplexe Zucker abgebaut und es entsteht eine Struktur, die viel mehr Luft einschließen kann. Das Ergebnis ist ein Teig, der nach dem Backen unglaublich luftig und leicht ist und sich kaum im Magen bemerkbar macht.
Hohe Hydration: Mehr Wasser für mehr Luftigkeit
Ein weiteres Merkmal des römischen Pizzateigs ist sein hoher Wassergehalt, der oft bei beeindruckenden 80% oder sogar mehr liegt. Das bedeutet, dass auf 1 kg Mehl etwa 800 ml Wasser kommen. Dieser hohe Hydrationsgrad ist entscheidend für die charakteristische offene und luftige Krume der römischen Pizza. Trotz der Dicke des Teigs sorgt der hohe Wasseranteil dafür, dass die Pizza nach dem Backen nicht "schwer" ist, sondern angenehm leicht und knusprig. Das Handling eines so feuchten Teigs erfordert Übung, aber das Ergebnis ist die Mühe wert.
Die Zutaten: Qualität zählt
Neben Biga und Hydration spielen auch die verwendeten Zutaten eine Rolle. Oft werden spezielle Mehlsorten wie "Le 5 Stagioni Ciabatta Romana Flour" oder hochwertiges "00"-Mehl sowie Vollkornmehl verwendet. Dazu kommen Wasser, Trockenhefe, Olivenöl extra vergine und Steinsalz. Die Präzision bei der Temperatur des Teigs (ideal sind 24°C nach dem Mischen) ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für das Gelingen.

Römischer Teig vs. Neapolitanischer Teig: Ein direkter Vergleich
Um die einzigartigen Eigenschaften des römischen Pizzateigs besser zu verstehen, lohnt sich ein direkter Vergleich mit seinem berühmten neapolitanischen Cousin:
| Merkmal | Römischer Pizzateig (Pizza in Pala/al Taglio) | Neapolitanischer Pizzateig (Pizza Napoletana) |
|---|---|---|
| Vorteig/Starter | Typischerweise Biga (fester Vorteig), 24h Fermentation | Oft Direktmethode oder Lievito Madre (Sauerteig) |
| Hydration (Wassergehalt) | Sehr hoch (~80% oder mehr) | Mittel (~60-65%) |
| Textur der Kruste | Knusprig, luftig, leicht, zellulär | Weich, zäh, elastisch, luftiger Rand (Cornicione) |
| Teigdicke | Deutlich dicker, wird auf Blechen gebacken | Sehr dünn in der Mitte, dicker, luftiger Rand |
| Backform | Rechteckige Bleche oder Schaufeln | Rund |
| Backzeit/-temperatur | Länger (oft 3-5 Min. bei 250-300°C), oft vorgebacken | Sehr kurz (60-90 Sek. bei 450-500°C) |
| Verdaulichkeit | Sehr leicht verdaulich durch Biga und hohe Hydration | Gut verdaulich durch lange Teigführung |
| Typische Zubereitung | Meist "Pizza al Taglio" (Stückpizza) oder "Pizza in Pala" | Ganze, runde Pizza für eine Person |
Während der neapolitanische Teig durch seine Einfachheit der Zutaten und die extreme Hitze des Ofens zu seiner Perfektion findet, ist der römische Teig ein Paradebeispiel für die Kunst der Teigführung. Seine längere Vorbereitungszeit und der Einsatz von Biga machen ihn zu einem komplexeren, aber unglaublich lohnenden Projekt für Pizzabäcker, die eine einzigartige Textur suchen.
Die Kunst der Zubereitung des römischen Pizzateigs
Die Herstellung des römischen Pizzateigs ist ein Prozess, der Geduld und Präzision erfordert, aber für das unvergleichliche Ergebnis belohnt. Hier sind die grundlegenden Schritte, die Sie nachvollziehen können:
- Die Biga herstellen: Mischen Sie 1,5 kg "Ciabatta Romana Flour" (oder "00"-Mehl) mit 10 g Trockenhefe. Fügen Sie langsam 900 ml Wasser hinzu und kneten Sie alles von Hand, bis die trockenen Zutaten gut eingearbeitet sind. Der Teig sollte feucht sein, aber keine trockenen Stellen mehr aufweisen. Geben Sie die Biga in einen tiefen Behälter, decken Sie ihn luftdicht ab und lassen Sie ihn für 24 Stunden bei Raumtemperatur gehen.
- Die Biga füttern und den Hauptteig mischen: Nach 24 Stunden geben Sie die Biga in eine Standmixer-Schüssel. Beginnen Sie langsam zu mixen und geben Sie alle 30 Sekunden etwas Wasser hinzu, um die Biga zu hydrieren. Dieser Schritt dauert 10-15 Minuten. Fügen Sie dann 500 g Vollkornmehl und etwas Trockenhefe hinzu. Brechen Sie die Biga in Stücke und geben Sie sie ebenfalls in den Mixer. Fügen Sie die Hälfte des restlichen Wassers (300 ml) und 40 g Steinsalz hinzu. Mixen Sie auf niedrigster Stufe und fügen Sie das restliche Wasser schrittweise hinzu, während der Teig weiterknetet. Der Teig sollte klebrig sein. Fügen Sie zuletzt 40 g Olivenöl extra vergine hinzu und mixen Sie, bis es vollständig eingearbeitet ist. Die ideale Teigtemperatur sollte 24°C betragen.
- Erste Teigruhe: Nehmen Sie den Teig aus dem Mixer, brechen Sie ihn in Stücke und legen Sie ihn in einen tiefen Behälter. Decken Sie ihn ab und lassen Sie ihn mindestens 1 Stunde gehen, oder bis er sich verdoppelt hat.
- Teigportionen formen: Bestreuen Sie ein tiefes Blech großzügig mit Grieß (Semola). Geben Sie den Teig darauf. Mit einer Schere schneiden Sie Portionen von mindestens 600 g ab – diese Menge ergibt eine halbmeterlange Pizza. Auf einer bemehlten Arbeitsfläche formen Sie die Teigportionen, indem Sie sie von unten nach oben zur Mitte hin "kneifen", bis eine ovale Kugel entsteht. Drehen Sie sie um und formen Sie sie mit beiden Händen weiter zu einer ovalen Form. Legen Sie die Teigportionen auf ein mit Grieß ausgelegtes Blech oder direkt auf die Arbeitsfläche und decken Sie sie mit einem Tuch oder Deckel ab.
- Zweite Teigruhe: Lassen Sie die Teigportionen für eine weitere Stunde gehen, oder bis sie sich verdreifacht haben.
- Ausdehnen des Teigs: Geben Sie eine großzügige Menge Grieß auf Ihre Arbeitsfläche oder ein Pizzabrett. Drehen Sie den Behälter um, sodass die Teigportionen in den Grieß fallen. Nehmen Sie eine Teigkugel und legen Sie sie auf eine separate, ebenfalls mit Grieß bestreute Oberfläche. Bestreuen Sie auch die Oberseite des Teigs mit etwas Grieß. Massieren Sie den Teig sanft mit den Fingern und dehnen Sie ihn vorsichtig aus. Geben Sie etwas Grieß auf eine Pizzaschaufel und legen Sie den Teig darauf. Dehnen und formen Sie ihn weiter, bis er etwa einen halben Meter lang ist. Stechen Sie mit einem Messer Löcher in den Teig, um zu verhindern, dass er im Ofen weiter aufgeht.
Das Backen der römischen Pizza: Die Technik macht den Unterschied
Ein entscheidender Schritt beim Backen der römischen Pizza ist das Vorbaken (Parbaking) des Teigs. Diese Technik unterscheidet sich stark vom direkten Backen der neapolitanischen Pizza und ist essenziell für die charakteristische Textur.
Das Vorbaken: Warum es wichtig ist
Beim Vorbaken wird der Teig zunächst ohne oder nur mit Tomatensauce für eine kurze Zeit (1-1,5 Minuten bei 250-300°C) im Ofen gebacken. Dieser Schritt ermöglicht es dem Teig, vollständig aufzugehen und seine luftige Struktur zu entwickeln, ohne dass schwere Beläge ihn nach unten ziehen oder Käse und andere Zutaten zu schnell austrocknen. Erst danach wird die Pizza belegt und für eine weitere kurze Zeit fertig gebacken. Dies gewährleistet, dass der Teig perfekt knusprig wird, während die Beläge frisch und saftig bleiben.
Backstile
- Focaccia-Stil: Nach dem Ausdehnen des Teigs träufeln Sie reichlich Olivenöl extra vergine darüber und backen die Pizza bei 250-300°C. Drehen Sie die Pizza gelegentlich, bis sie eine schöne goldbraune Farbe annimmt. Nehmen Sie sie aus dem Ofen, bestreuen Sie sie mit Steinsalz und frischem Rosmarin. Schneiden und servieren Sie sie.
- Klassische Margherita: Nachdem Sie den Teig ausgestochen und Löcher gestochen haben, entfernen Sie überschüssigen Grieß und verteilen Tomatensauce darauf. Backen Sie die Pizza für 1-1,5 Minuten bei 250-300°C vor. Nehmen Sie sie aus dem Ofen, belegen Sie sie mit geschnittenem Fior di Latte Mozzarella und backen Sie sie für weitere 1-1,5 Minuten. Nach dem Backen frischen Basilikum und etwas Olivenöl extra vergine hinzufügen, schneiden und servieren.
Beläge für die römische Pizza: Kreativität ohne Grenzen
Was die Beläge angeht, so sind die Römer sehr experimentierfreudig. Im Grunde kann man die römische Pizza mit so ziemlich allem belegen, "was gut schmeckt". Die knusprige und luftige Kruste ist eine perfekte Leinwand für eine Vielzahl von Geschmacksrichtungen. Traditionelle römische Beläge können auch eine Anspielung auf die rustikale römische Landschaft sein, wie knuspriger Pancetta und grüne Bohnen. Ob klassisch mit Tomate und Mozzarella oder kreativ mit saisonalen Zutaten – die römische Pizza lädt zum Ausprobieren ein.
Warum römische Pizza so einzigartig ist
Die römische Pizza unterscheidet sich nicht nur in ihrer Form und Darbietung von anderen Pizzasorten, sondern bietet ein einzigartiges Geschmackserlebnis. Ihre leichte Verdaulichkeit, die der Biga und dem hohen Wassergehalt zu verdanken ist, macht sie zu einer beliebten Wahl, selbst wenn man mehrere Stücke genießt. Die unvergleichliche Kombination aus Knusprigkeit an der Außenseite und einer luftigen, fast wolkenartigen Textur im Inneren macht sie zu einem echten Erlebnis für den Gaumen. Sie ist der Beweis, dass eine dicke Kruste nicht gleichbedeutend mit Schwere sein muss.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist eine Biga und warum ist sie wichtig?
Eine Biga ist ein fester italienischer Vorteig, der aus Mehl, Wasser und einer kleinen Menge Hefe besteht und über einen längeren Zeitraum (oft 16-24 Stunden) fermentiert wird. Sie ist wichtig, weil sie dem Pizzateig Komplexität im Geschmack, eine verbesserte Verdaulichkeit und eine offenere, luftigere Krume verleiht, indem sie die Glutenstruktur stärkt und mehr Gase einschließt.
Kann ich normalen Weizenmehl für römische Pizza verwenden?
Ja, Sie können normales "00"-Weizenmehl verwenden, auch wenn spezielle Mehlsorten wie "Le 5 Stagioni Ciabatta Romana Flour" für optimale Ergebnisse empfohlen werden. Wichtig ist ein Mehl mit hohem Proteingehalt (ca. 12-14%), um die hohe Hydration zu bewältigen.
Warum wird römische Pizza vorgebacken?
Römische Pizza wird vorgebacken (parbaked), um dem Teig die Möglichkeit zu geben, vollständig aufzugehen und seine luftige Struktur zu entwickeln, bevor er mit schweren Belägen belegt wird. Dies verhindert, dass die Kruste matschig wird und sorgt dafür, dass sie beim zweiten Backvorgang perfekt knusprig wird, während die Beläge frisch bleiben.
Ist römische Pizza gesünder oder leichter verdaulich?
Dank der langen Fermentation der Biga werden komplexe Zucker abgebaut, was den Teig leichter verdaulich macht. Der hohe Wassergehalt trägt ebenfalls zur Leichtigkeit bei, da der Teig nach dem Backen sehr luftig und nicht "schwer" ist. Dies kann sie für manche Menschen als bekömmlicher empfinden als Pizzen mit kürzerer Teigführung.
Was bedeuten Pizza in Pala, Pizza al Taglio und Pizza alla Teglia?
- Pizza in Pala: Bedeutet wörtlich "Pizza auf der Schaufel". Sie wird traditionell auf einer langen Holzschaufel gebacken und ist oft länglich geformt.
- Pizza al Taglio: Bedeutet "Pizza zum Schneiden" oder "Stückpizza". Dies ist die gängigste Bezeichnung für römische Pizza, die auf großen rechteckigen Blechen gebacken und in quadratische oder rechteckige Stücke geschnitten und nach Gewicht verkauft wird.
- Pizza alla Teglia: Bedeutet "Pizza vom Blech". Dies ist eine weitere Bezeichnung für die auf Blechen gebackene römische Pizza, die die Art der Zubereitung hervorhebt.
Fazit
Die römische Pizza ist weit mehr als nur eine einfache Pizza vom Blech. Sie ist das Ergebnis einer tief verwurzelten Backtradition, die auf Geduld, präziser Technik und der Magie der Biga beruht. Ihre einzigartige Kombination aus knuspriger Kruste, luftiger Textur und außergewöhnlicher Leichtigkeit macht sie zu einem kulinarischen Erlebnis, das sich deutlich von der neapolitanischen Pizza unterscheidet. Wer einmal in den Genuss einer authentischen römischen Pizza gekommen ist, wird die feinen Nuancen und die handwerkliche Kunst, die in jedem Biss stecken, zu schätzen wissen. Probieren Sie es selbst aus und lassen Sie sich von diesem römischen Meisterwerk verzaubern!
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