26/01/2012
Das Wiener Schnitzel ist weit mehr als nur ein paniertes Stück Fleisch; es ist ein kulinarisches Wahrzeichen, ein Symbol österreichischer Esskultur und ein Gericht, das weltweit für seine Einfachheit und seinen unvergleichlichen Geschmack geschätzt wird. Doch was macht ein echtes Wiener Schnitzel aus, und welche Geheimnisse verbergen sich hinter seiner knusprigen Panade und dem zarten Inneren? Begleiten Sie uns auf eine Entdeckungsreise in die Welt dieses Klassikers, von seiner Herkunft über die authentische Zubereitung bis hin zu den Mythen, die sich um ihn ranken.

- Was ist ein Wiener Schnitzel wirklich?
- Die Geschichte des Schnitzels: Eine Reise durch die Zeit
- Die Authentizität: Was ein echtes Wiener Schnitzel ausmacht
- Zubereitung: Vom Kalbfleisch zum knusprigen Meisterwerk
- Beilagen und Serviertipps: So genießen Sie Ihr Schnitzel richtig
- Variationen und Verwechslungen: Schnitzel Wiener Art & Co.
- Tipps für das perfekte Wiener Schnitzel zu Hause
- Vergleichstabelle: Wiener Schnitzel vs. Schnitzel Wiener Art
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Fazit
Was ist ein Wiener Schnitzel wirklich?
Im Kern ist das Wiener Schnitzel ein dünn geklopftes, paniertes und in heißem Fett ausgebackenes Kalbsschnitzel. Die Definition mag einfach klingen, doch die Details sind entscheidend. Für ein authentisches Wiener Schnitzel wird ausschließlich Kalbfleisch verwendet, typischerweise aus der Oberschale oder dem Schlegel, das auf eine Dicke von nur wenigen Millimetern geklopft wird. Dieser Schritt ist essenziell, um die zarte Textur zu gewährleisten, die das Gericht so beliebt macht. Die Panade besteht aus drei Komponenten: Mehl, Ei und Semmelbrösel – und zwar ganz spezifische Semmelbrösel, oft vom Kaisersemmel, die für ihre feine Textur bekannt sind.
Das Besondere am Wiener Schnitzel ist nicht nur die Zutat, sondern auch die Zubereitungsart. Es wird in reichlich heißem Fett, traditionell Butterschmalz, goldbraun gebacken. Dabei entsteht durch das Aufschwimmen der Panade ein charakteristischer Hohlraum zwischen Fleisch und Kruste, der sogenannte „Soufflé-Effekt“. Dieser sorgt für die einzigartige Knusprigkeit der Panade, während das Fleisch innen saftig und zart bleibt. Ein echtes Wiener Schnitzel ist eine Harmonie aus Texturen und Aromen, die es zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.
Die Geschichte des Schnitzels: Eine Reise durch die Zeit
Die genaue Herkunft des Wiener Schnitzels ist Gegenstand vieler Debatten und Legenden. Eine weit verbreitete, wenn auch historisch umstrittene, Theorie besagt, dass das Schnitzel im 19. Jahrhundert durch Feldmarschall Radetzky aus Italien nach Österreich gebracht wurde. Er soll das Rezept für die „Cotoletta alla Milanese“ – ein paniertes Kalbskotelett – von einem Aufenthalt in der Lombardei mit nach Hause gebracht haben. Obwohl diese Geschichte charmant ist, belegen historische Quellen, dass panierte Fleischgerichte in Wien bereits vor Radetzkys Zeit existierten.
Tatsächlich finden sich bereits im 18. Jahrhundert Rezepte für panierte Fleischstücke in österreichischen Kochbüchern, die dem heutigen Schnitzel ähneln. Der Begriff „Wiener Schnitzel“ selbst etablierte sich wohl erst im späten 19. Jahrhundert. Unabhängig von seiner exakten Geburtsstunde hat sich das Wiener Schnitzel über die Jahrhunderte zu einem festen Bestandteil der österreichischen Küche und zu einem internationalen Botschafter der österreichischen Kulinarik entwickelt. Es ist ein Gericht, das Generationen überdauert hat und dessen Beliebtheit ungebrochen ist.
Die Authentizität: Was ein echtes Wiener Schnitzel ausmacht
Die Bezeichnung „Wiener Schnitzel“ ist in Österreich rechtlich geschützt. Das bedeutet, ein Gericht darf nur dann als „Wiener Schnitzel“ bezeichnet werden, wenn es tatsächlich aus Kalbsschnitzel hergestellt wurde. Wird stattdessen Schweinefleisch, Putenfleisch oder eine andere Fleischsorte verwendet, muss es korrekt als „Schnitzel Wiener Art“ oder „Wiener Schnitzel vom Schwein/Huhn/Pute“ deklariert werden. Diese Regelung unterstreicht die Bedeutung des Kalbfleischs für die Authentizität des Gerichts und schützt die Tradition.
Die Wahl des Fleisches ist nicht nur eine Frage der Tradition, sondern auch des Geschmacks und der Textur. Kalbfleisch ist von Natur aus zarter und feiner im Geschmack als Schweinefleisch, was dem Wiener Schnitzel seine besondere Eleganz verleiht. Die zarte Struktur des Kalbfleischs ermöglicht es auch, es extrem dünn zu klopfen, ohne dass es zerreißt, was wiederum die perfekte Basis für die knusprige Panade bildet. Die Qualität des Ausgangsprodukts ist somit ein entscheidender Faktor für das Gelingen eines wahren Wiener Schnitzels.
Zubereitung: Vom Kalbfleisch zum knusprigen Meisterwerk
Die Zubereitung eines Wiener Schnitzels ist eine Kunst für sich, die Präzision und Aufmerksamkeit erfordert. Hier sind die Schritte, die zu einem perfekten Ergebnis führen:
- Das Fleisch vorbereiten: Traditionell werden Scheiben aus der Kalbsoberschale verwendet. Diese werden unter Frischhaltefolie auf etwa 2-4 Millimeter Dicke geklopft. Wichtig ist, gleichmäßig zu klopfen, um eine durchgängige Garung und eine gleichmäßige Panade zu gewährleisten.
- Die Panierstraße: Dies ist der entscheidende Schritt. Die geklopften Schnitzel werden zuerst leicht in Mehl gewendet, überschüssiges Mehl wird abgeklopft. Dann werden sie durch verquirltes Ei gezogen, das mit etwas Salz und Pfeffer gewürzt sein kann. Zuletzt kommen sie in die Semmelbrösel. Achten Sie darauf, die Brösel nicht anzudrücken, sondern die Schnitzel darin zu wenden und leicht zu bedecken. Die Brösel sollen locker anhaften, damit sich der „Soufflé-Effekt“ beim Braten entwickeln kann.
- Das Braten: Erhitzen Sie reichlich Butterschmalz (oder eine Mischung aus Öl und Butter) in einer großen Pfanne. Die Schnitzel müssen darin schwimmen können. Die ideale Temperatur liegt bei etwa 170-180°C. Legen Sie die Schnitzel vorsichtig in das heiße Fett.
- Der „Soufflé-Effekt“: Während des Bratens ist es wichtig, die Pfanne immer wieder leicht zu schwenken. Dadurch wird das heiße Fett über die Oberseite der Panade gespült, was dazu beiträgt, dass sich die Panade vom Fleisch löst und die charakteristischen Blasen bildet. Braten Sie die Schnitzel goldbraun, etwa 2-4 Minuten pro Seite, je nach Dicke.
- Abtropfen lassen: Nehmen Sie die goldbraunen Schnitzel aus der Pfanne und lassen Sie sie kurz auf Küchenpapier abtropfen, um überschüssiges Fett zu entfernen. Sofort servieren, um die Knusprigkeit zu bewahren.
Beilagen und Serviertipps: So genießen Sie Ihr Schnitzel richtig
Ein Wiener Schnitzel wird traditionell einfach serviert, um den Eigengeschmack des Fleisches und die Knusprigkeit der Panade in den Vordergrund zu stellen. Die klassische Begleitung ist eine Zitronenspalte, deren Saft frisch über das heiße Schnitzel geträufelt wird, um eine belebende Säure hinzuzufügen und den Geschmack zu intensivieren. Weitere traditionelle Beilagen sind:
- Petersilkartoffeln: Gekochte Kartoffeln, die in Butter geschwenkt und mit frischer Petersilie bestreut werden.
- Erdäpfelsalat: Ein österreichischer Kartoffelsalat, der oft mit Essig, Öl, Zwiebeln und Brühe zubereitet wird, manchmal auch mit Mayonnaise.
- Preiselbeeren: Ein Klecks Preiselbeerkonfitüre oder -kompott bietet einen süß-säuerlichen Kontrast zum herzhaften Schnitzel.
Manchmal werden auch ein einfacher grüner Salat oder Gurkensalat dazu gereicht. Wichtig ist, das Schnitzel frisch aus der Pfanne zu servieren, da es sonst seine Knusprigkeit verliert.
Variationen und Verwechslungen: Schnitzel Wiener Art & Co.
Obwohl das Wiener Schnitzel gesetzlich geschützt ist, gibt es zahlreiche Abwandlungen und ähnliche Gerichte, die oft zu Verwechslungen führen können:
Schnitzel Wiener Art
Dies ist die häufigste Verwechslung. Ein „Schnitzel Wiener Art“ wird nach der gleichen Zubereitungsweise wie ein Wiener Schnitzel paniert und gebraten, allerdings wird hier Schweinefleisch (oft aus der Oberschale oder dem Schlegel) anstelle von Kalbfleisch verwendet. Es ist eine beliebte und oft günstigere Alternative, die ebenfalls sehr schmackhaft sein kann, aber eben kein echtes Wiener Schnitzel ist.
Andere Schnitzel-Varianten
- Hähnchenschnitzel / Putenschnitzel: Hier wird Geflügelfleisch verwendet, das ebenfalls dünn geklopft und paniert wird. Beliebt für eine leichtere Variante.
- Cordon Bleu: Ein paniertes Schnitzel (oft vom Schwein oder Kalb), das mit Schinken und Käse gefüllt ist.
- Pariser Schnitzel: Ein Kalbsschnitzel, das nur in Mehl und Ei gewendet und dann gebraten wird, ohne Semmelbrösel. Es fehlt die typische Knusprigkeit der Panade.
- Jägerschnitzel / Zigeunerschnitzel: Dies sind meist nicht panierte Schnitzel (oft vom Schwein), die mit einer spezifischen Soße (Pilzrahmsoße für Jäger-, Paprikasoße für Zigeunerschnitzel) serviert werden.
Jede dieser Varianten hat ihren eigenen Reiz und ihre Berechtigung in der deutschen und österreichischen Küche, doch keine von ihnen kann das einzigartige Geschmackserlebnis eines echten Wiener Schnitzels ersetzen.
Tipps für das perfekte Wiener Schnitzel zu Hause
Mit ein paar Tricks gelingt das Wiener Schnitzel auch in der heimischen Küche perfekt:
- Frisches Kalbfleisch: Achten Sie auf hochwertige Qualität. Die Kalbsoberschale ist ideal.
- Gleichmäßig klopfen: Das Fleisch sollte überall die gleiche Dicke haben, damit es gleichmäßig gart. Nicht zu dünn, sonst reißt es leicht, aber auch nicht zu dick.
- Die richtige Panade: Verwenden Sie frische, feine Semmelbrösel, idealerweise vom Vortag. Drücken Sie die Brösel nicht fest an, sondern lassen Sie sie locker anhaften.
- Viel Fett: Das Schnitzel muss im Fett schwimmen können. Butterschmalz ist geschmacklich unübertroffen und sorgt für die beste Bräunung.
- Richtige Temperatur: Das Fett muss heiß genug sein (ca. 170-180°C), damit die Panade schnell knusprig wird und sich vom Fleisch löst, ohne dass das Fleisch zu viel Fett aufsaugt.
- Nicht überfüllen: Braten Sie nicht zu viele Schnitzel gleichzeitig in einer Pfanne. Dies senkt die Temperatur des Fettes drastisch und führt zu einem matschigen Ergebnis.
- Sofort servieren: Am besten schmeckt das Schnitzel frisch aus der Pfanne.
Vergleichstabelle: Wiener Schnitzel vs. Schnitzel Wiener Art
| Merkmal | Wiener Schnitzel | Schnitzel Wiener Art |
|---|---|---|
| Fleischart | Ausschließlich Kalbfleisch (traditionell aus der Oberschale) | Schweinefleisch (meist aus der Oberschale oder dem Schlegel) |
| Rechtliche Bezeichnung | Geschützt, darf nur bei Verwendung von Kalbfleisch so heißen | Muss so deklariert werden, wenn Schweinefleisch verwendet wird |
| Geschmack | Sehr zart, feiner, milder Geschmack | Robuster, kräftigerer Fleischgeschmack |
| Textur | Extrem zart, oft leicht faserig, wenn richtig geklopft | Kann zart sein, aber oft etwas fester als Kalbfleisch |
| Preis | In der Regel teurer aufgrund des Kalbfleischs | Günstiger und häufiger in Restaurants zu finden |
| Tradition | Das Original, tief verwurzelt in der österreichischen Küche | Eine beliebte und weit verbreitete Alternative |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Muss ein Wiener Schnitzel unbedingt aus Kalbfleisch sein?
Ja, laut österreichischem Lebensmittelkodex muss ein „Wiener Schnitzel“ zwingend aus Kalbfleisch bestehen. Alles andere muss als „Schnitzel Wiener Art“ oder mit der genauen Fleischbezeichnung deklariert werden.
Welches Fett ist am besten für die Zubereitung?
Traditionell und geschmacklich am besten ist Butterschmalz. Es hat einen hohen Rauchpunkt und verleiht dem Schnitzel ein feines, nussiges Aroma. Alternativ kann auch Pflanzenöl mit einem neutralen Geschmack und hohem Rauchpunkt verwendet werden, eventuell mit einem Schuss Butter für das Aroma.
Kann man Wiener Schnitzel im Ofen backen, um Kalorien zu sparen?
Nein, ein echtes Wiener Schnitzel wird klassischerweise in reichlich Fett in der Pfanne ausgebacken. Das Backen im Ofen würde nicht den charakteristischen „Soufflé-Effekt“ und die goldbraune Knusprigkeit der Panade erzeugen, die das Gericht ausmachen. Es wäre dann eher ein paniertes Kalbsschnitzel aus dem Ofen, aber kein Wiener Schnitzel im traditionellen Sinne.
Wie bekommt man die Panade so schön luftig (Soufflé-Effekt)?
Der „Soufflé-Effekt“ entsteht durch das richtige Klopfen des Fleisches, das lockere Anhaften der Semmelbrösel und das Braten in ausreichend heißem Fett, wobei die Pfanne immer wieder leicht geschwenkt wird. Das Schwenken sorgt dafür, dass das heiße Fett über die Oberfläche der Panade gespült wird und sie sich vom Fleisch abhebt, wodurch die Luftblasen entstehen.
Woher kommt der Name „Wiener Schnitzel“?
Der Name leitet sich von der Stadt Wien ab, der Hauptstadt Österreichs. Obwohl panierte Fleischgerichte auch in anderen Kulturen vorkommen, hat sich das Gericht in Wien zu seiner heutigen Form entwickelt und ist eng mit der Wiener Küche verbunden.
Fazit
Das Wiener Schnitzel ist ein zeitloses Meisterwerk der Kulinarik, das durch seine Einfachheit und seinen raffinierten Geschmack besticht. Es ist mehr als nur ein Gericht; es ist ein Stück Tradition, ein Symbol der Gastfreundschaft und ein Beweis dafür, dass die besten Dinge oft die einfachsten sind. Wenn Sie das nächste Mal ein Wiener Schnitzel genießen, wissen Sie, dass Sie nicht nur ein paniertes Stück Fleisch vor sich haben, sondern ein Stück Geschichte und Handwerkskunst, das mit Leidenschaft und Präzision zubereitet wurde. Guten Appetit!
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