Kann man Pizza mit Sauerteig backen?

Sauerteig-Pizzateig: Die Kunst der Fermentation

07/12/2023

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Die Zubereitung einer perfekten Pizza ist eine Kunstform, und das Herzstück jeder großartigen Pizza ist zweifellos der Teig. Während Hefe traditionell die treibende Kraft hinter den meisten Pizzateigen ist, gibt es eine immer beliebter werdende Alternative, die nicht nur den Geschmack, sondern auch die Verdaulichkeit auf ein neues Niveau hebt: der Pizzateig mit Sauerteig. Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Pizzateig zubereiten, der keine zusätzliche Hefe benötigt, der ein komplexes Aroma entwickelt und der sich dank einer langsamen, natürlichen Fermentation fast wie von selbst entfaltet. Genau das bietet der Sauerteig.

Wie fermentiert man Pizzateig?

Viele von uns kennen das Problem mit dem kleinen 42-Gramm-Hefewürfel: Man braucht nur einen Bruchteil davon, der Rest verkümmert im Kühlschrank oder wird vergessen und muss schließlich entsorgt werden. Das Einfrieren wäre eine Option, doch wer denkt schon immer daran? Mit Sauerteig gehört dieses Dilemma der Vergangenheit an. Ein aktiver Sauerteigansatz ist alles, was Sie brauchen, und er ist, einmal etabliert, eine nachhaltige und lebendige Zutat, die Ihrem Pizzateig eine unvergleichliche Tiefe und Textur verleiht. Der Aufwand ist nur marginal höher, aber das Ergebnis? Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass er sogar besser schmeckt. Aber überzeugen Sie sich selbst!

Inhaltsverzeichnis

Warum Sauerteig für Pizzateig? Die Vorteile der Fermentation

Die Entscheidung, Pizzateig mit Sauerteig zuzubereiten, ist mehr als nur eine Abkehr von der herkömmlichen Hefe. Es ist eine bewusste Wahl für mehr Geschmack, bessere Textur und sogar eine gesündere Option. Die Fermentation durch Sauerteigbakterien und Wildhefen ist ein langsamer, aber ungemein lohnender Prozess, der zahlreiche Vorteile mit sich bringt:

  • Komplexes Aroma: Hefe liefert eine schnelle Gärung und einen eher neutralen Geschmack. Sauerteig hingegen entwickelt während seiner langen Fermentationszeit eine beeindruckende Palette an Aromen, die von mild säuerlich bis nussig reichen können. Jeder Biss in eine Sauerteig-Pizza ist ein Erlebnis für die Geschmacksknospen, das weit über das hinausgeht, was ein Hefeteig bieten kann.
  • Verbesserte Verdaulichkeit: Die Milchsäurebakterien im Sauerteig bauen während der Fermentation komplexe Kohlenhydrate und Gluten teilweise ab. Dies kann dazu führen, dass Sauerteigprodukte für viele Menschen leichter verdaulich sind, insbesondere für jene, die empfindlich auf herkömmlichen Hefeteig reagieren. Es ist kein Heilmittel für Zöliakie, aber es kann einen spürbaren Unterschied machen.
  • Einzigartige Textur: Sauerteig verleiht dem Pizzateig eine luftig-leichte Krume mit einer wunderbar knusprigen Rinde. Die langen Gärzeiten tragen dazu bei, dass sich die Gasbläschen im Teig gleichmäßiger verteilen und eine offene, zarte Struktur entsteht, die beim Backen perfekt aufgeht.
  • Längere Frischhaltung: Die Säuren, die während der Sauerteigfermentation entstehen, wirken als natürliche Konservierungsmittel. Dies bedeutet, dass Pizzateig aus Sauerteig, und auch die fertige Pizza, tendenziell länger frisch bleiben als ihre Hefeteig-Pendants.
  • Natürliche Zutat: Sie benötigen keine industriell hergestellte Hefe. Alles, was Sie brauchen, ist Ihr aktiver Sauerteigansatz, der aus Mehl und Wasser besteht und durch natürliche Mikroorganismen zum Leben erweckt wird. Das ist Reinheit in ihrer besten Form.

Diese Vorteile machen Sauerteig zur ersten Wahl für jeden, der seine Pizzaerfahrung auf ein neues Niveau heben möchte. Es ist eine Investition in Zeit, die sich jedoch in unvergleichlichem Geschmack und Qualität auszahlt.

Der aktive Sauerteigansatz: Das Herzstück Ihres Teigs

Bevor Sie mit der Zubereitung des Pizzateigs beginnen können, benötigen Sie einen aktiven Sauerteigansatz, auch Starter genannt. Ein aktiver Starter ist einer, der in den letzten 4-12 Stunden gefüttert wurde und sichtbar Blasen wirft sowie sein Volumen verdoppelt oder sogar verdreifacht hat. Er sollte angenehm säuerlich-mild riechen, nicht streng oder nach Aceton. Ist Ihr Starter nicht aktiv genug, wird auch Ihr Pizzateig nicht richtig aufgehen. Regelmäßiges Füttern ist der Schlüssel zu einem vitalen Starter. Bewahren Sie ihn im Kühlschrank auf und füttern Sie ihn mindestens einmal pro Woche, wenn Sie ihn nicht täglich verwenden.

Sauerteig-Pizzateig: Schritt für Schritt zur Perfektion

Die Zubereitung von Pizzateig mit Sauerteig erfordert Planung, aber der Prozess selbst ist unkompliziert. Hier ist eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, um die perfekte Pizza am Folgetag gegen 18 Uhr genießen zu können. Wenn Sie Ihre Pizza früher oder später genießen möchten, passen Sie einfach die Kühlzeit an.

Tag 1: Die Vorbereitung

Schritt 1: Den Sauerteig aktivieren (ca. 8-12 Stunden vor dem Mischen)

Nehmen Sie Ihren Sauerteigansatz aus dem Kühlschrank und füttern Sie ihn wie gewohnt (z.B. 1:2:2 Verhältnis: 20g Starter, 40g Wasser, 40g Mehl). Lassen Sie ihn bei Raumtemperatur stehen, bis er sein Volumen verdoppelt hat und Blasen wirft. Dies ist entscheidend für die Triebkraft Ihres Teigs.

Schritt 2: Autolyse (ca. 30 Minuten)

In einer großen Schüssel mischen Sie das Mehl und das Wasser für den Teig grob mit den Händen oder einem Löffel, bis keine trockenen Mehlstellen mehr sichtbar sind. Decken Sie die Schüssel ab und lassen Sie den Teig für etwa 30 Minuten ruhen. Dieser Schritt, bekannt als Autolyse, ermöglicht es dem Mehl, das Wasser vollständig aufzunehmen und die Glutenentwicklung zu starten, was den späteren Knetprozess erleichtert.

Schritt 3: Mischen des Hauptteigs (ca. 10-15 Minuten)

Geben Sie den aktiven Sauerteigansatz und das Salz zum Teig in der Schüssel hinzu. Kneten Sie den Teig für etwa 10-15 Minuten gründlich. Zu Beginn wird der Teig sehr klebrig sein, aber mit der Zeit wird er glatter und elastischer. Sie können dies von Hand tun oder eine Küchenmaschine mit Knethaken verwenden. Das Ziel ist ein Teig, der sich von den Seiten der Schüssel löst und eine gute Elastizität aufweist.

Schritt 4: Erste Fermentation (Bulk Fermentation) und Dehnen & Falten (ca. 3-4 Stunden)

Legen Sie den gekneteten Teig in eine leicht geölte Schüssel, decken Sie ihn ab und lassen Sie ihn bei Raumtemperatur ruhen. Während dieser Zeit führen Sie alle 45-60 Minuten ein „Dehnen und Falten“ (Stretch & Fold) durch. Greifen Sie dazu eine Seite des Teigs, ziehen Sie sie vorsichtig nach oben und falten Sie sie über den Rest des Teigs. Wiederholen Sie dies vier- bis fünfmal, bis Sie einmal um den Teig herum sind. Dies stärkt das Glutengerüst und sorgt für eine gleichmäßige Fermentation. Nach 3-4 Durchgängen sollte der Teig sichtbar aufgegangen sein und Blasen werfen.

Schritt 5: Portionieren und Kaltreife im Kühlschrank (ca. 18-24 Stunden)

Nach der ersten Fermentation teilen Sie den Teig in die gewünschte Anzahl von Pizzabällen (üblicherweise 200-250g pro Ball). Formen Sie jeden Teigling zu einer straffen Kugel. Legen Sie die Teigbälle in einzelne, leicht geölte Behälter oder auf ein Backblech, das mit Frischhaltefolie abgedeckt ist, um Austrocknung zu vermeiden. Stellen Sie die Teigbälle sofort in den Kühlschrank. Die Kühlschrankreife ist entscheidend für die Entwicklung des vollen Aromas und der Verdaulichkeit. Hier kann der Teig 18 bis 48 Stunden reifen. Für die angestrebte Pizza um 18 Uhr am nächsten Tag sind 18-24 Stunden ideal.

Tag 2: Die Pizza backen

Schritt 6: Akklimatisierung des Teigs (ca. 1-2 Stunden vor dem Backen)

Nehmen Sie die Pizzabälle etwa 1-2 Stunden vor dem Backen aus dem Kühlschrank und lassen Sie sie bei Raumtemperatur akklimatisieren. Dies macht den Teig entspannter und leichter zu handhaben. Wenn der Teig zu kalt ist, lässt er sich nur schwer ausbreiten und kann reißen.

Kann man Pizza mit Sauerteig backen?
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Schritt 7: Vorheizen des Ofens (mind. 1 Stunde)

Heizen Sie Ihren Ofen mit einem Pizzastein oder Backstahl auf die höchstmögliche Temperatur vor (mindestens 250°C, idealerweise 300°C oder mehr). Lassen Sie den Ofen mindestens eine Stunde lang vorheizen, damit der Stein die Hitze optimal speichern kann. Ein heißer Stein ist entscheidend für eine knusprige Kruste.

Schritt 8: Formen und Belegen

Auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche (idealerweise mit Grieß oder feinem Semola) formen Sie vorsichtig jeden Teigball zu einer runden Pizza. Drücken Sie den Teig von der Mitte nach außen, um einen schönen Rand zu bilden. Vermeiden Sie die Verwendung eines Nudelholzes, da dies die Luftblasen im Teig zerstören würde. Belegen Sie die Pizza schnell mit Ihren Lieblingszutaten.

Schritt 9: Backen

Schieben Sie die belegte Pizza mit einer Pizzaschaufel auf den heißen Pizzastein oder Backstahl. Backen Sie die Pizza für 5-10 Minuten, je nach Ofentemperatur und gewünschtem Bräunungsgrad. Die Ränder sollten goldbraun und knusprig sein, und der Käse geschmolzen und leicht gebräunt.

Genießen Sie Ihre selbstgemachte Sauerteig-Pizza – ein Meisterwerk des Geschmacks und der Textur!

Vergleich: Sauerteig-Pizzateig vs. Hefeteig

Um die Vorteile von Sauerteig noch deutlicher hervorzuheben, werfen wir einen Blick auf einen direkten Vergleich mit traditionellem Hefeteig:

MerkmalSauerteig-PizzateigHefeteig
TriebmittelNatürliche Milchsäurebakterien & WildhefenKultivierte Bäckerhefe
GeschmackKomplex, leicht säuerlich, nussig, tiefgründigEher neutral, brotig
TexturLuftig, offenporig, zäh und knusprigDichter, gleichmäßiger, weicher
FermentationszeitLang (18-48 Stunden, oft kalt)Kurz (1-4 Stunden)
VerdaulichkeitOft leichter verdaulich durch GlutenabbauKann bei manchen Menschen Blähungen verursachen
FrischhaltungLänger frisch durch natürliche SäurenKürzere Frischhaltung
AufwandMehr Planung, aber aktiver Arbeitsaufwand geringWeniger Planung, schneller aktiv

Wie die Tabelle zeigt, ist Sauerteig in vielen Aspekten überlegen, insbesondere wenn es um Aroma und Verdaulichkeit geht. Die längere Wartezeit ist eine Investition, die sich lohnt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Sauerteig-Pizzateig

1. Mein Sauerteig geht nicht richtig auf. Was kann ich tun?

Der häufigste Grund ist ein inaktiver Sauerteigansatz. Stellen Sie sicher, dass Ihr Starter vor der Verwendung mindestens sein Volumen verdoppelt hat und voller Blasen ist. Füttern Sie ihn bei Raumtemperatur und warten Sie, bis er seine Spitze erreicht hat. Auch eine zu niedrige Raumtemperatur während der ersten Fermentation kann das Aufgehen verlangsamen. Stellen Sie den Teig an einen wärmeren Ort oder verlängern Sie die Fermentationszeit.

2. Kann ich den Teig auch direkt nach der ersten Fermentation backen, ohne Kühlzeit?

Technisch ja, aber es wird dringend davon abgeraten. Die kalte Fermentation im Kühlschrank ist entscheidend für die Entwicklung des komplexen Geschmacks und der besseren Verdaulichkeit. Ohne diese Reifezeit fehlt dem Teig Tiefe und die typische Sauerteig-Textur.

3. Wie lange kann ich den Pizzateig im Kühlschrank aufbewahren?

In der Regel können Sie Sauerteig-Pizzabälle 2 bis 3 Tage im Kühlschrank aufbewahren. Manche Rezepte erlauben sogar bis zu 5 Tage, abhängig von der Stärke Ihres Starters und der Temperatur im Kühlschrank. Je länger die Reifezeit, desto intensiver das Aroma.

4. Welches Mehl ist am besten für Sauerteig-Pizzateig geeignet?

Für eine authentische neapolitanische Pizza wird oft italienisches Pizzamehl Tipo 00 verwendet, da es einen niedrigeren Proteingehalt und eine feine Mahlung aufweist, was zu einer zarten, luftigen Kruste führt. Aber auch Brotmehl (Weizenmehl Type 550 oder 812) mit einem Proteingehalt von 11-13% funktioniert hervorragend und ergibt einen robusten Teig.

5. Mein Teig ist klebrig und schwer zu handhaben. Was mache ich falsch?

Ein gewisses Maß an Klebrigkeit ist bei Sauerteig normal, besonders bei höherer Hydration. Wenn der Teig extrem klebrig ist, könnte er überfermentiert sein, oder die Hydration ist zu hoch für das verwendete Mehl. Versuchen Sie, die Wassermenge beim nächsten Mal leicht zu reduzieren oder fügen Sie beim Kneten eine kleine Menge Mehl hinzu. Auch das Dehnen und Falten hilft, die Struktur zu stärken und die Klebrigkeit zu reduzieren.

Fazit: Die Belohnung der Geduld

Die Zubereitung von Pizzateig mit Sauerteig mag auf den ersten Blick etwas aufwendiger erscheinen als die schnelle Variante mit Hefe. Doch die Geduld, die Sie in diesen Prozess investieren, wird reichlich belohnt. Der unvergleichliche Geschmack, die wunderbare Textur und die verbesserte Verdaulichkeit machen jede Sauerteig-Pizza zu einem besonderen Genuss. Es ist eine Reise in die Welt der traditionellen Backkunst, die Ihnen nicht nur eine köstliche Mahlzeit beschert, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Magie der Fermentation. Probieren Sie es aus und verwandeln Sie Ihr Zuhause in eine authentische Pizzeria!

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