19/06/2018
Die Pizza, ein kulinarisches Meisterwerk, das weltweit geliebt wird, verdankt ihren unvergleichlichen Geschmack oft einem einzigen, oft unterschätzten Faktor: der Zeit. Es ist nicht nur die Auswahl der besten Zutaten oder die Hitze des Ofens, die eine perfekte Pizza ausmachen, sondern vor allem die Geduld, die man dem Teig zukommen lässt. Ob Sie eine schnelle Mahlzeit in einer Stunde auf dem Tisch haben möchten oder den höchsten Genuss nach zwei Tagen Reifezeit anstreben – die Entscheidung liegt bei Ihnen. Dieser Artikel führt Sie durch die Feinheiten der Pizzazubereitung, zeigt Ihnen, wie Sie einen Pizzateig von Grund auf selbst herstellen und welche kleinen Details den großen Unterschied ausmachen.

- Das Geheimnis des perfekten Pizzateigs: Warum Zeit alles ist
- Die essenziellen Zutaten für Ihren Pizzateig
- Schritt für Schritt: Die detaillierte Zubereitung des Pizzateigs
- Der Weg zur perfekten Pizza: Ausformen und Backen
- Häufig gestellte Fragen zur Pizzateigzubereitung
- Pizzavariationen: Die Welt der Belege
- Die faszinierende Geschichte der Pizza
- Wo man die beste Pizza der Welt findet: Restaurant-Tipps
Das Geheimnis des perfekten Pizzateigs: Warum Zeit alles ist
Ein perfekter Pizzaboden beginnt nicht erst im Ofen, sondern bereits bei der Zubereitung des Teigs. Das Geheimnis liegt in der langen Reifezeit, die dem Teig ermöglicht, sein volles Aroma und eine außergewöhnliche Konsistenz zu entwickeln. Je mehr Zeit Sie dem Teig zum Ruhen und Entfalten geben, desto besser wird auch das Ergebnis. Der Unterschied zwischen einer Pizza, die nach einer Stunde auf dem Tisch steht, und einer, deren Teig 24, 48 oder gar 72 Stunden lang gereift ist, ist schlichtweg enorm. Die lange, kalte Gare im Kühlschrank verwandelt einen einfachen Teig in eine aromatische Basis für Ihre Pizza, die fast wie vom echten Italiener schmeckt.
Dieses Rezept entstand übrigens in Kooperation mit MPREIS, Ihrem Partner von Nebenan. Alle Zutaten, die Sie für die Pizza benötigen, erhalten Sie dort und können sie sich auch direkt via Onlineshop nach Hause liefern lassen.
Die essenziellen Zutaten für Ihren Pizzateig
Für einen wirklich perfekten Pizzateig brauchen Sie eigentlich nur vier Dinge: Mehl, Wasser, Hefe und Salz. Doch die Auswahl dieser scheinbar einfachen Zutaten ist entscheidend. Besonders wichtig ist die Wahl des richtigen Mehls.
Die Wahl des Mehls: Tipo 00 für höchste Ansprüche
Ich empfehle immer Mehl Tipo 00. Diese italienische Mehlsorte hat einen Glutenanteil von bis zu 14 %, während herkömmliches Weizenmehl (z.B. Type 405) nur etwa 11 % Gluten enthält. Je höher der Glutenanteil, desto geschmeidiger und elastischer wird der Pizzateig, was für die typische luftige Kruste (Cornicione) unerlässlich ist. Mehl Tipo 00 finden Sie in italienischen Feinkostgeschäften oder in gut sortierten Supermärkten. Alternativ können Sie auch Type 700 oder 480 verwenden, aber das Ergebnis wird nicht ganz so perfekt sein.
Zutatenübersicht für 6 Pizzen
| Zutat | Menge (Rezept 1: 1-36 Std.) | Menge (Rezept 2: 24-72 Std.) | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Pizzamehl (Weizenmehl Tipo 0) | 1000 g | - | Alternativ: Type 700 oder 480 |
| Mehl Tipo 00 | - | 1000 g | Für höchste Qualität und Elastizität |
| Kaltes Wasser | 650 g | 650 ml | Wichtig für lange Teigführung |
| Hefe | 8 g (frisch) | 1,5 g (frisch) oder 0,5 g (Trockenhefe) | Sehr wenig Hefe für lange Gare |
| Salz | 20 g | 25 g feines Meersalz | |
| Olivenöl | 30 g | Etwas für die Hände und Schüssel |
Schritt für Schritt: Die detaillierte Zubereitung des Pizzateigs
Die Zubereitung des Pizzateigs ist ein Prozess, der Sorgfalt und die richtige Technik erfordert.
Pizzateig ansetzen (65% Hydration)
- Geben Sie 500 ml kaltes Wasser in eine große Schüssel und lösen Sie die Hefe darin auf.
- Fügen Sie 500 g Mehl hinzu und vermischen Sie alles gut. Decken Sie die Schüssel mit einem feuchten Tuch ab und lassen Sie den Teig für 15 Minuten an einem warmen Ort ruhen. Dies ist die Autolyse, die dem Mehl Zeit gibt, das Wasser aufzunehmen.
- Lösen Sie nun das feine Meersalz in den restlichen 150 ml Wasser auf und rühren Sie es nach und nach unter den Teig.
- Geben Sie die restlichen 500 g Mehl nach und nach hinzu und verrühren Sie alles, bis es gut vermengt ist.
- Nehmen Sie den Teig aus der Schüssel und kneten, falten, kneten, falten Sie ihn für etwa 15 Minuten, bis er schön glatt und geschmeidig ist. Ein Tipp: Reiben Sie sich vorab die Hände mit etwas Olivenöl ein, dann klebt der Teig weniger.
Pizzateig Stockgare (Lange Teigführung im Kühlschrank)
Nach dem Kneten legen Sie den Pizzateig auf eine saubere Fläche, decken ihn mit einem feuchten Tuch ab und lassen ihn 60 Minuten ruhen. In dieser Zeit kann die Hefe ihre Arbeit aufnehmen.
Formen Sie den Pizzateig anschließend zu einem großen Ballen und legen Sie ihn in eine leicht mit Olivenöl eingeriebene Schüssel oder eine lebensmittelechte Plastikbox. Decken Sie ihn luftdicht ab (mit Deckel oder Frischhaltefolie) und stellen Sie ihn für 24 Stunden in den Kühlschrank. Für noch mehr Aroma können Sie den Teig auch 48 oder sogar 72 Stunden in der Stockgare belassen. Je länger, desto aromatischer wird der Pizzateig.
Vorbereitung zur Stückgare und Akklimatisierung
Nach der kalten Gare holen Sie den Pizzateig aus dem Kühlschrank und lassen ihn bei Zimmertemperatur 5 Stunden lang akklimatisieren. Lassen Sie ihn dabei zugedeckt, um ein Austrocknen zu verhindern. Nach dieser Ruhezeit nehmen Sie den Teig aus der Schüssel oder Box und teilen ihn in 6 gleichgroße Stücke. Jede Pizzaballen sollte etwa 260 g bis 280 g wiegen.
Pizzateig Stückgare
Formen Sie nun aus jedem der 6 Teigstücke einen Pizzaballen. Schieben Sie dazu den Teig immer wieder von unten in den Ballen. Auch hier hilft es, die Hände mit etwas Olivenöl einzureiben. Übung macht den Meister!
Legen Sie die 6 Pizzaballen in eine Plastikbox oder eine spezielle Pizzaballenbox, decken Sie sie ab und lassen Sie sie nochmals 6 Stunden bei Zimmertemperatur ruhen. Dies ist die Stückgare.
Der Weg zur perfekten Pizza: Ausformen und Backen
Ofen und Pizzastein vorheizen
Legen Sie den Pizzastein auf ein Backblech und schieben Sie ihn in das obere Drittel Ihres Backofens ein (meist die oberste Auszugschiene, um genügend Höhe zum Heizelement zu haben). Stellen Sie den Backofen auf Ober- und Unterhitze bei maximaler Temperatur (250 bis 275°C bei haushaltsüblichen Öfen). Heizen Sie den Ofen mindestens 60-90 Minuten lang vor, damit der Pizzastein die optimale Temperatur erreicht. Messen Sie die Temperatur in der Mitte des Pizzasteins idealerweise mit einer Laser-Temperaturpistole.
Pizza vorbereiten und ausformen
Geben Sie ein Häufchen Semola Rimacinata (ca. 300 g) auf Ihre Arbeitsfläche. Nehmen Sie einen Pizzateigballen aus der Box, legen Sie ihn auf das Semola und wenden Sie ihn einmal. Formen Sie nun vorsichtig mit den flachen Fingerspitzen eine Minipizza, ohne den Rand einzudrücken. Legen Sie den Teig dann auf eine freie Fläche und formen Sie mit beiden flachen Händen eine runde Pizza. Wichtig: Verwenden Sie bitte KEIN Nudelholz, da dies die Luft aus dem Teig drückt und die fluffige Kruste verhindert! Streichen Sie den Teig dann dünn mit Tomatensauce ein, aber nicht bis zum Rand und nicht zu viel.
Pizza vorbacken und belegen (persönliche Variante)
Ziehen Sie die vorbereitete Pizza auf eine gelochte Pizzaschaufel (diese entfernt überschüssiges Semola vom Boden). Ziehen Sie die Pizza nochmals etwas in Form. Nun geht die Pizza für ca. 4 Minuten in den Ofen.

Nehmen Sie die Pizza mit der Pizzaschaufel aus dem Ofen und legen Sie sie auf ein Abkühlrost. Lassen Sie sie 30 Sekunden ruhen. Jetzt können Sie die Pizza nach Herzenslust belegen. Für eine echte Pizza Margherita benötigen Sie Fior di Latte (Mozzarella), frisches Basilikum und gutes Olivenöl.
Bevor die Pizza wieder in den Ofen kommt, öffnen Sie die Backofentür und stellen den Herd auf Obergrill um. Warten Sie etwa 10 Sekunden, damit der Ofen etwas Hitze verliert und die obere Heizschleife „anspringt“. Schieben Sie die belegte Pizza wieder in den Ofen und schließen Sie die Tür. Die Pizza sollte nun unter Beobachtung bleiben. Je nach Bräunungsgrad und Belieben nehmen Sie die Pizza aus dem Ofen, lassen sie kurz abkühlen und zerteilen sie mit einem Pizzaschneider.
Für die nächste Pizza stellen Sie den Ofen wieder auf Ober-/Unterhitze und lassen ihn wieder aufheizen, während Sie die nächste Pizza vorbereiten.
Kurzum: Nach etwa 8 Minuten Backzeit bei ca. 275 Grad Ober-/Unterhitze und Obergrill haben Sie eine perfekte Pizza auf den Tisch gezaubert. Buon Appetito!
Häufig gestellte Fragen zur Pizzateigzubereitung
Wie lange dauert die Zubereitung einer Pizza?
Die Zubereitungszeit einer Pizza variiert stark je nach gewünschtem Ergebnis. Für eine schnelle Pizza können Sie den Teig in etwa 1 Stunde zubereiten und backen. Für eine Pizza mit maximalem Aroma und perfekter Konsistenz sollten Sie jedoch eine Reifezeit von 18 bis 72 Stunden einplanen. Die reine Arbeitszeit für den Teig beträgt dabei nur etwa 15-20 Minuten, der Großteil der Zeit ist Wartezeit für die Teigreife.
Wie kann man Pizzateig selber machen?
Einen perfekten Pizzateig selber zu machen, erfordert nur wenige Zutaten: Mehl (idealerweise Tipo 00), kaltes Wasser, sehr wenig Hefe und Salz. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der langen Ruhezeit des Teigs im Kühlschrank (24, 48 oder 72 Stunden). Das Kneten, Falten und die anschließende kalte Gare sind entscheidend für die Entwicklung von Aroma und Geschmeidigkeit. Die detaillierte Anleitung finden Sie in den Abschnitten zur Zubereitung und Stockgare.
Brauche ich eine Küchenmaschine für den Pizzateig?
Ehrlich gesagt, kann ich das nicht uneingeschränkt empfehlen. Wenn Sie eine Küchenmaschine verwenden möchten, sollte es eine professionelle Teigknetmaschine sein, die außerhalb der Mitte knetet. Solche Maschinen sind jedoch preislich sehr hoch angesiedelt. Für den Heimgebrauch ist Handarbeit oft die beste und günstigste Methode, um einen geschmeidigen Pizzateig zu erhalten.
Kann ich frische Hefe einfrieren?
Ja, absolut! Ein Würfel Frischhefe (42 Gramm) reicht für mein Rezept für etwa 21 Pizzen, da Sie nur 2 Gramm benötigen. Sie können die restliche Hefe problemlos einfrieren. Am besten portionieren Sie sie vorab in 2-Gramm-Mengen, verpacken sie luftdicht in kleinen Gefrierdosen und legen sie in den Gefrierschrank. Tiefgekühlt hält sich die Hefe problemlos ein halbes Jahr. Zum Auftauen nehmen Sie die Hefe am besten über Nacht aus der Verpackung und stellen sie in einem kleinen, tiefen Teller in den Kühlschrank. Es kann sein, dass sie dabei leicht flüssig wird, dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Qualität. Eine Packung Trockenhefe (7 Gramm) entspricht übrigens der Triebkraft eines halben Würfels Frischhefe (21 Gramm). Für mein Rezept würden Sie also nur etwa 1 Gramm Trockenhefe benötigen.
Pizzavariationen: Die Welt der Belege
Sobald Sie den perfekten Pizzateig gemeistert haben, steht Ihnen die ganze Welt der Pizza offen. Hier sind einige köstliche Ideen, die Sie ausprobieren können:
- Pizza Capricciosa: Mit San-Marzano-Tomaten, Schinken, Artischocken, Kalamata-Oliven, Pilzen und Mozzarella.
- Pizza Parmaschinken, Rucola und Parmesan: Eine klassische Kombination aus salzigem Schinken, pfeffrigem Rucola und würzigem Parmesan.
- Pizza Frutti di Mare: Für Liebhaber von Meeresfrüchten, belegt mit verschiedenen Meeresfrüchten und einer leichten Tomatensauce.
- Pizza Thunfisch (al Tonno): Eine beliebte Wahl mit Thunfisch, Zwiebeln und Oliven.
- Pizza Violetto: Ein Geschmackserlebnis mit Parmesan, roten Zwiebeln, Pistazien und Olivenöl.
Die faszinierende Geschichte der Pizza
Die Geschichte der Pizza ist fast so reichhaltig wie ihr Geschmack. Eine mit Olivenöl beträufelte, mit Tomatenscheiben und Basilikum oder Oregano belegte Pizza ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts nachgewiesen, als Tomaten in Süditalien populär wurden. Da Pizza bei hoher Temperatur (ca. 450 Grad) gebacken werden sollte, was in nur wenigen Haushalten möglich war, wurde die Pizza vorbereitet und ungebacken zum ortsansässigen Bäcker gebracht. Daraus entwickelte sich ein eigener Handwerkszweig der Pizzamacher, der „Pizzaiolo“, der den Pizzateig dann selbst herstellte und natürlich auch belegte.
Die oft kolportierte Geschichte, dass eine Pizza erstmals am 11. Juni 1889 in Neapel von Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi hergestellt worden sein soll, um König Umberto I. und seiner Gemahlin Margherita eine patriotisch belegte Pizza in den italienischen Nationalfarben (Basilikum, Mozzarella, Tomaten) zu servieren, wurde von Historikern widerlegt. Königin Margherita ließ sich bereits vorher von verschiedenen Pizzaiolos Pizza in den Palast bringen. Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1880, der auch in der Washington Post erschien, belegt dies. Aus einer Liste mit 35 verschiedenen Pizzabelägen wählte sie acht Sorten aus, die dann extra für sie gebacken wurden. Raffaele Esposito war lediglich derjenige, der die Empfangsbestätigung des Hofes aufbewahrt hatte.
Wo man die beste Pizza der Welt findet: Restaurant-Tipps
Wenn Sie das Backen zu Hause perfektioniert haben, möchten Sie vielleicht auch die Meisterwerke anderer Pizzaiolos entdecken. Hier eine kleine Auswahl an Restaurant-Tipps, um weltweit die beste Pizza zu genießen:
- Italien: Chefkoch Franco Pepe, pepeingrani.it, Vico S.Giovanni Battista. 3, 81013 Caiazzo
- Polen: brusco.pl, Plac Teatralny 1, 50-051 Wrocław
- USA: Chefkoch Chris Bianco, pizzeriabianco.com, 623 E Adams St, Phoenix, AZ 85004
- Japan: Chefkoch Yoshihiro Imai, restaurant-monk.com, 147 Jodoji Shimominamidacho, Sakyo Ward, Kyoto, 606-8404
- Niederalbertsdorf (Deutschland): Chefkoch Rolf, rolfs.pizza, Dorfstr. 34, 08428 Langenbernsdorf (Info: Nicht öffentlich! Nur für geladene Gäste. Neapolitanische Pizza aus dem Holzbackofen!)
Sollten Sie einmal in Neapel sein, dann gibt es in der Pizzeria „Di Matteo“ die wohl beste Pizza. Bringen Sie aber Zeit und Nerven mit! Eine große Menge Menschen tummelt sich in der engen Via dei Tribunali. Das Warten lohnt sich jedoch für dieses authentische Geschmackserlebnis.
Nun sind Sie dran! Mit diesen Anleitungen und Tipps können Sie Ihre eigene, einfach perfekte Pizza zu Hause backen und die Geduld schmecken lernen.
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