Was ist Gorgonzola und wie entsteht es?

Gorgonzola: Geschichte, Herstellung & Genuss

06/08/2018

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Gorgonzola, ein Name, der bei vielen Käseliebhabern sofort Bilder von cremigem, pikantem Genuss hervorruft, ist weit mehr als nur ein Blauschimmelkäse. Er ist ein Stück italienischer Geschichte und Handwerkskunst, dessen Ursprünge sich in Legenden und alten Traditionen verlieren. Seine einzigartige Textur und sein unverwechselbarer Geschmack machen ihn zu einem Star auf dem Esstisch, sei es pur genossen oder als raffinierte Zutat in unzähligen Gerichten. Begleiten Sie uns auf eine Reise in die Welt dieses außergewöhnlichen Käses, von seinen historischen Wurzeln bis zu seiner vielseitigen Verwendung in der modernen Küche.

Wie viele Lebensmittel mit langer Tradition besitzt auch der Gorgonzola keine „offizielle Entstehungsurkunde“. Stattdessen ranken sich viele faszinierende Geschichten und Legenden um seine Geburt, die seinen mystischen Charme nur noch verstärken. Eine der populärsten Erzählungen besagt, dass der Gorgonzola erstmals im Jahre 879 n. Chr. in der gleichnamigen Ortschaft Gorgonzola nahe Mailand hergestellt wurde. Diese Region, bekannt für ihre Viehzucht und die reiche Milchproduktion, bot ideale Voraussetzungen für die Käseherstellung. Eine andere, ebenso plausible Legende verweist auf Pasturo in der Valsassina als Wiege des Gorgonzola. Diese Gegend ist berühmt für ihre natürlichen Grotten, deren konstante Durchschnittstemperatur zwischen 6°C und 12°C perfekte Bedingungen für die Reifung von Käse, einschließlich des Gorgonzola, bietet. Diese natürlichen Reifekammern waren entscheidend für die Entwicklung der charakteristischen Eigenschaften des Käses und trugen maßgeblich zu seiner Verbreitung bei.

Was ist Gorgonzola-Käse und wie wirkt sie?

Anfangs trug der Gorgonzola andere Namen, die seine Herkunft und die Umstände seiner Herstellung widerspiegelten. Er wurde „Stracchino di Gorgonzola“ genannt, später auch „Stracchino verde“. Der Begriff „Stracchino“ leitet sich vom italienischen Wort „stracche“ ab, was „müde“ bedeutet. Dies deutet darauf hin, dass der Käse ursprünglich im Herbst und Winter gekäst wurde, wenn die Kühe nach dem Almabtrieb von den Bergweiden „müde“ waren. Die Milch dieser müden Kühe galt als besonders gehaltvoll und eignete sich hervorragend für die Käseproduktion. Die heutige, weltweit bekannte Bezeichnung Gorgonzola wurde erst im Jahre 1955 offiziell etabliert und ist seitdem untrennbar mit diesem einzigartigen Produkt verbunden.

Inhaltsverzeichnis

Die Entstehung des Gorgonzola: Ein Wunder der Natur und Handwerkskunst

Die Herstellung von Gorgonzola ist ein komplexer Prozess, der eine Kombination aus traditioneller Handwerkskunst, modernen Hygienestandards und dem entscheidenden Einfluss mikrobiologischer Kulturen erfordert. Der Schlüssel zu seinem unverwechselbaren Charakter liegt in der kontrollierten Entwicklung des Edelschimmels, der die einzigartigen blauen oder grünlichen Adern im Käse bildet.

Vom Melken zur Käseform: Die ersten Schritte

Die Grundlage für jeden Gorgonzola ist frische, vollfette Kuhmilch. Diese wird zunächst pasteurisiert, um unerwünschte Mikroorganismen abzutöten, während die nützlichen Kulturen erhalten bleiben. Anschließend wird die Milch auf eine bestimmte Temperatur abgekühlt, und es werden spezielle Milchsäurebakterien sowie die entscheidenden Schimmelpilzkulturen hinzugefügt. Der wichtigste Schimmelpilz für Gorgonzola ist Penicillium roqueforti, der später für die charakteristische Marmorierung verantwortlich sein wird. Nach Zugabe von Lab gerinnt die Milch zu einer festen Masse, dem sogenannten Bruch. Dieser Bruch wird sorgfältig geschnitten, um überschüssige Molke abzutrennen, und anschließend in spezielle Formen gefüllt. In diesen Formen ruht der Käsebruch, wird regelmäßig gewendet und entwässert, um die gewünschte Konsistenz zu erreichen.

Die entscheidende Reifung: Wie der Schimmel seine Wirkung entfaltet

Nach dem Formen werden die Käselaibe gesalzen, was nicht nur zum Geschmack beiträgt, sondern auch die Oberfläche härtet und das weitere Wachstum unerwünschter Bakterien hemmt. Der eigentliche Zauber des Gorgonzola beginnt jedoch erst während der Reifung. Die Käselaibe werden in spezielle Reifekammern gebracht, die eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine konstante Temperatur aufweisen – idealerweise zwischen 6°C und 12°C, ähnlich den natürlichen Grotten der Valsassina.

Während dieser Reifezeit werden die Laibe regelmäßig gewendet und gebürstet. Der entscheidende Schritt für die Entwicklung des Blauschimmels ist das sogenannte „Pikieren“ oder „Stechen“. Hierbei werden die Käselaibe mit langen Nadeln durchstochen. Diese winzigen Kanäle ermöglichen es der Luft, in das Innere des Käses zu gelangen. Der in der Milch vorhandene Penicillium roqueforti benötigt Sauerstoff, um sich zu entwickeln. Durch die Luftzufuhr beginnt der Schimmelpilz, sich entlang dieser Kanäle auszubreiten und die charakteristischen blau-grünen Adern zu bilden. Gleichzeitig setzen die Enzyme des Schimmelpilzes und der Milchsäurebakterien komplexe biochemische Prozesse in Gang, die dem Käse seinen einzigartigen, pikanten Geschmack und seine cremige Textur verleihen. Die Reifedauer variiert je nach gewünschtem Endprodukt, von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten.

Zwei Gesichter des Gorgonzola: Dolce und Piccante

Obwohl es sich um ein und denselben Käse handelt, existieren zwei deutlich unterschiedliche Varianten des Gorgonzola, die sich in Geschmack, Textur und Reifegrad stark voneinander abheben:

  • Gorgonzola Dolce: Dies ist die mildere, cremigere Variante. Sie wird kürzer gereift, in der Regel etwa 50 bis 150 Tage. Der Dolce zeichnet sich durch seine weiche, fast streichfähige Textur und einen süßlichen, buttrigen Geschmack mit nur einer leichten Schärfe aus. Die Marmorierung ist feiner und weniger ausgeprägt.
  • Gorgonzola Piccante: Diese Sorte reift länger, oft über 100 Tage bis zu einem Jahr. Der Piccante hat eine festere, bröseligere Konsistenz und eine intensivere, schärfere Würze. Die Blauschimmeladern sind ausgeprägter und zahlreicher. Sein Aroma ist komplexer und kräftiger, oft mit nussigen oder erdigen Noten.

Vergleich: Gorgonzola Dolce vs. Piccante

EigenschaftGorgonzola DolceGorgonzola Piccante
ReifezeitKurz (ca. 50-150 Tage)Länger (über 100 Tage bis 1 Jahr)
TexturSehr weich, cremig, streichfähigFester, bröselig, krümelig
GeschmackMild, süßlich, buttrig, leicht würzigIntensiv, scharf, pikant, komplex
AromaFein, milchig, leicht pilzigKräftig, nussig, erdig, würzig
MarmorierungFeiner, weniger ausgeprägtStärker, dichter, ausgeprägter
VerwendungSaucen, Dips, pur, DessertsKäseplatte, Risotto, kräftige Saucen

Gorgonzola in der Küche: Eine kulinarische Entdeckungsreise

Die Vielseitigkeit des Gorgonzola in der Küche ist beeindruckend. Beide Varianten bieten unzählige Möglichkeiten, Gerichte zu verfeinern und neue Geschmackserlebnisse zu schaffen.

Klassische Anwendungen

  • Pasta und Gnocchi: Eine der beliebtesten Anwendungen ist die Zubereitung von cremigen Saucen. Gorgonzola Dolce schmilzt wunderbar und bildet eine samtige Basis für Saucen zu Nudeln oder Gnocchi, oft kombiniert mit Walnüssen, Birnen oder Spinat.
  • Risotto: Ein Risotto mit Gorgonzola ist ein wahrer Genuss. Die cremige Textur des Dolce verschmilzt perfekt mit dem Reis und verleiht dem Gericht eine einzigartige Würze.
  • Pizza: Gorgonzola ist eine hervorragende Zutat für Pizza, besonders in Kombination mit anderen Käsesorten (Quattro Formaggi) oder mit Birnen und Walnüssen.
  • Käseplatte: Auf einer Käseplatte ist Gorgonzola ein Muss. Der Dolce passt gut zu süßen Früchten wie Feigen oder Birnen und Honig. Der Piccante harmoniert hervorragend mit kräftigem Brot, Nüssen und einem Glas Rotwein.

Kreative Kombinationen

Gorgonzola kann auch unerwartete, aber köstliche Kombinationen eingehen:

  • Salate: Krümeliger Gorgonzola Piccante verleiht Salaten mit knackigen Blattsalaten, Walnüssen und Birnen eine besondere Note.
  • Desserts: Gorgonzola Dolce mit Honig, Feigenmarmelade oder frischen Beeren ist eine überraschend harmonische Nachspeise, die Süße und Würze perfekt verbindet.
  • Crostini und Bruschetta: Einfach auf geröstetem Brot mit etwas Honig oder einer Scheibe Prosciutto – ein schneller und raffinierter Snack.

Wein- und Getränkeempfehlungen

Die Wahl des richtigen Begleiters kann den Genuss von Gorgonzola noch steigern:

  • Für Gorgonzola Dolce: Süße und aromatische Weißweine wie Passito, Recioto oder ein Vin Santo harmonieren hervorragend. Auch ein leichter, fruchtiger Rotwein oder ein mildes Bier passen gut.
  • Für Gorgonzola Piccante: Kräftige Rotweine wie Barolo, Amarone oder ein Chianti Classico sind ideale Partner. Auch ein kräftiges Stout oder ein starkes Bockbier können die Würze des Käses ergänzen.

Das DOP-Siegel: Eine Garantie für Authentizität

Wie viele traditionelle europäische Lebensmittel ist auch Gorgonzola durch das DOP-Siegel (Denominazione d’Origine Protetta – geschützte Ursprungsbezeichnung) geschützt. Dieses Siegel garantiert, dass der Käse nach traditionellen Methoden in einem spezifischen geografischen Gebiet hergestellt wurde. Für Gorgonzola bedeutet dies, dass er nur in bestimmten Provinzen der Lombardei und des Piemont produziert werden darf. Das DOP-Siegel sichert nicht nur die Qualität und Authentizität des Käses, sondern schützt auch die Verbraucher vor Imitationen und gewährleistet, dass jeder Gorgonzola, den Sie kaufen, den hohen Standards entspricht, die diese alte Käsesorte auszeichnen.

Lagerung und Genuss

Um den vollen Geschmack des Gorgonzola zu genießen, ist die richtige Lagerung entscheidend. Bewahren Sie ihn im Kühlschrank auf, am besten in Frischhaltefolie oder einer Käseglocke, um ihn vor dem Austrocknen zu schützen und zu verhindern, dass sein intensives Aroma auf andere Lebensmittel übergeht. Nehmen Sie den Käse etwa 30 Minuten vor dem Servieren aus dem Kühlschrank, damit er Raumtemperatur annehmen und sein volles Aroma entfalten kann. Gorgonzola Dolce ist am besten frisch zu genießen, während Piccante auch nach längerer Lagerung seinen Charakter behält.

Was ist Gorgonzola-Käse und wie wirkt sie?

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist der Schimmel in Gorgonzola essbar?

Ja, der blaue Schimmel in Gorgonzola ist ein Edelschimmel (Penicillium roqueforti) und völlig unbedenklich zum Verzehr. Er ist sogar der Hauptverantwortliche für den einzigartigen Geschmack und das Aroma des Käses.

Wie lange ist Gorgonzola haltbar?

Die Haltbarkeit hängt von der Sorte und der Lagerung ab. Gorgonzola Dolce ist aufgrund seines höheren Feuchtigkeitsgehalts kürzer haltbar, in der Regel 1-2 Wochen im Kühlschrank. Gorgonzola Piccante hält sich aufgrund seiner festeren Konsistenz und längeren Reifung länger, oft 2-4 Wochen. Achten Sie immer auf das Verfallsdatum und sensorische Merkmale wie Geruch und Aussehen.

Kann man Gorgonzola einfrieren?

Ja, Gorgonzola kann eingefroren werden, dies wird jedoch nicht immer empfohlen, da die Textur nach dem Auftauen leicht leiden kann. Er kann bröseliger werden und etwas an Cremigkeit verlieren. Für Kochzwecke ist das Einfrieren jedoch meist unproblematisch.

Was ist der Unterschied zwischen Gorgonzola und anderen Blauschimmelkäsen wie Roquefort oder Stilton?

Obwohl alle Blauschimmelkäse sind, unterscheiden sie sich in Milchquelle, Herstellungsprozess und Geschmacksprofil. Gorgonzola wird aus Kuhmilch hergestellt, Roquefort aus Schafsmilch und Stilton aus Kuhmilch, aber mit einer anderen Schimmelkultur und einem anderen Reifeprozess. Jede Sorte hat ihr eigenes, unverwechselbares Aroma und Textur.

Ist Gorgonzola laktosefrei?

Gorgonzola ist von Natur aus sehr laktosearm. Während des Reifeprozesses wird der größte Teil der Laktose durch die Milchsäurebakterien in Milchsäure umgewandelt. Viele laktoseintolerante Personen können Gorgonzola daher ohne Probleme genießen, insbesondere die länger gereiften Sorten wie Piccante.

Warum ist mein Gorgonzola manchmal flüssig?

Dies kann bei Gorgonzola Dolce vorkommen, besonders wenn er überreif ist oder nicht richtig gekühlt wurde. Die Enzyme des Schimmels und der Bakterien zersetzen die Proteine im Käse weiter, was zu einer weicheren, manchmal fast flüssigen Konsistenz führt. Dies ist meist kein Zeichen von Verderb, sondern ein Zeichen der fortgeschrittenen Reifung. Er kann immer noch genossen werden, wenn Geruch und Geschmack in Ordnung sind.

Fazit

Gorgonzola ist ein Meisterwerk der italienischen Käsekunst, das eine reiche Geschichte, eine faszinierende Herstellung und eine unglaubliche Vielfalt an Geschmacksnuancen in sich vereint. Ob Sie die milde Cremigkeit des Dolce oder die pikante Intensität des Piccante bevorzugen, dieser Blauschimmelkäse bietet ein unvergessliches Geschmackserlebnis. Seine tiefe Verwurzelung in der italienischen Kultur und die strikte Einhaltung der Traditionen durch das DOP-Siegel gewährleisten, dass jede Scheibe Gorgonzola eine authentische Reise in das Herz Italiens ist. Entdecken Sie die vielen Facetten dieses edlen Käses und lassen Sie sich von seinem einzigartigen Charakter verzaubern.

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