21/05/2019
Pizza ist zweifellos eines der beliebtesten Gerichte weltweit, ein universelles Symbol für Genuss und Geselligkeit. Doch während sich die Pizza in unzähligen Varianten und Formen über den Globus verbreitet hat, gibt es einen Ort, der als ihre wahre Heimat gilt: Neapel, die pulsierende Metropole im Süden Italiens. Hier, in den engen Gassen und belebten Piazzas, entstand die Pizza, wie wir sie heute kennen, und hier wird sie bis heute mit einer unvergleichlichen Leidenschaft und Strenge nach alten Traditionen zubereitet. Die Pizza Napoletana ist nicht nur ein Gericht, sondern ein Stück Kultur, ein Erbe, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Sie unterscheidet sich grundlegend von anderen Pizzastilen durch ihre Einfachheit, die Qualität ihrer Zutaten und eine präzise Zubereitungsmethode, die strengen Regeln folgt, um ihre unverwechselbare Textur und ihren einzigartigen Geschmack zu gewährleisten. Wenn Sie sich fragen, welche Pizzen es in Neapel gibt und was sie so besonders macht, sind Sie hier genau richtig, um in die faszinierende Welt dieses kulinarischen Meisterwerks einzutauchen.

- Die Geburt einer Legende: Geschichte und Tradition der Pizza Napoletana
- Die Säulen der Authentizität: Was eine Pizza Napoletana ausmacht
- Die Klassiker: Welche Pizzen gibt es in Neapel?
- Neapolitanische Pizza im Vergleich: Was unterscheidet sie?
- Häufig gestellte Fragen zur Pizza Napoletana
- Fazit: Ein Stück Neapel auf dem Teller
Die Geburt einer Legende: Geschichte und Tradition der Pizza Napoletana
Die Geschichte der Pizza in Neapel reicht Jahrhunderte zurück, doch ihre Popularität als eigenständiges Gericht begann im 18. und 19. Jahrhundert. Ursprünglich war die Pizza ein einfaches, belegtes Fladenbrot, das von den ärmeren Bevölkerungsschichten als schnelle und nahrhafte Mahlzeit konsumiert wurde. Verkauft wurde sie oft von Straßenhändlern oder in speziellen Pizzerien, die sich schnell zu Treffpunkten entwickelten. Der Wendepunkt kam im Jahr 1889, als der Pizzabäcker Raffaele Esposito der Königin Margherita von Savoyen anlässlich ihres Besuchs in Neapel drei Pizzen präsentierte. Eine davon war eine Kreation mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum – den Farben der italienischen Flagge. Die Königin war begeistert, und so wurde die „Pizza Margherita“ geboren, die bis heute als die Königin der Pizzen gilt und ein Symbol für die italienische Einheit darstellt.
Um die Authentizität und Qualität der Pizza Napoletana zu schützen, wurde im Jahr 1984 die Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) gegründet. Diese Vereinigung hat strenge Richtlinien festgelegt, die von Pizzerien weltweit eingehalten werden müssen, um das Siegel „Vera Pizza Napoletana“ tragen zu dürfen. Diese Regeln betreffen alles, vom Mehltyp über die Gärzeit des Teiges bis hin zur Backtemperatur und den verwendeten Zutaten. Im Jahr 2017 wurde die Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers („L’arte del Pizzaiuolo Napoletano“) sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt, was die kulturelle Bedeutung und den einzigartigen Wert dieses Handwerks unterstreicht.
Die Säulen der Authentizität: Was eine Pizza Napoletana ausmacht
Der unvergleichliche Geschmack und die Textur einer echten Pizza Napoletana resultieren aus dem Zusammenspiel von nur wenigen, aber qualitativ hochwertigen Zutaten und einer präzisen Zubereitung. Es ist die Einfachheit, die hier zur Perfektion führt.
Der Teig: Das Herzstück jeder Pizza
Der Teig ist das Fundament der Pizza Napoletana und besteht aus nur vier elementaren Zutaten: Weichweizenmehl (Typ 00 oder 0), Wasser, Salz und Hefe. Industrielle Zusätze oder Fette sind strengstens verboten. Das Mehl muss einen hohen Proteingehalt aufweisen, um eine gute Elastizität zu gewährleisten. Das Wasser sollte weich sein und eine Temperatur von etwa 20-22°C haben. Die Teigzubereitung erfordert Geduld und Sorgfalt. Nach dem Kneten, das traditionell von Hand oder mit einem langsamen Mischer erfolgt, muss der Teig eine lange Gärzeit durchlaufen, typischerweise zwischen 8 und 24 Stunden, manchmal sogar bis zu 48 Stunden. Diese lange Fermentation bei Raumtemperatur (oder kontrollierter Kühlung) ist entscheidend für die Entwicklung des Aromas und die spätere leichte Verdaulichkeit. Der Teig wird dann zu kleinen Kugeln geformt, die von Hand und ohne die Verwendung eines Nudelholzes zu runden Pizzaböden ausgebreitet werden. Dabei wird der Rand, der sogenannte „Cornicione“, bewusst nicht plattgedrückt, um später seine charakteristische, luftige und leicht verbrannte Struktur zu erhalten.
Die Zutaten: Weniger ist mehr
Die Qualität der Beläge ist entscheidend. Für die klassischen Pizzen sind nur wenige, aber exquisite Produkte zugelassen:
- Tomaten: Ausschließlich geschälte Tomaten der Sorte San Marzano dell’Agro Sarnese-Nocerino D.O.P. oder Pomodorino del Piennolo del Vesuvio D.O.P. dürfen verwendet werden. Diese Tomaten zeichnen sich durch ihren süß-säuerlichen Geschmack und ihre geringe Anzahl an Kernen aus. Sie werden nur leicht zerdrückt und nicht gekocht, um ihre Frische zu bewahren.
- Mozzarella: Hier kommt nur der Mozzarella di Bufala Campana D.O.P. oder der Fior di Latte (Kuhmilch-Mozzarella) aus den Regionen Kampanien oder Latium in Frage. Der Büffelmozzarella ist bekannt für seine cremige Konsistenz und seinen einzigartigen Geschmack, der Fior di Latte für seine Fähigkeit, weniger Wasser abzugeben.
- Olivenöl: Ausschließlich natives Olivenöl extra.
- Basilikum: Frische Basilikumblätter, die erst nach dem Backen oder kurz davor hinzugefügt werden, um ihr Aroma zu bewahren.
- Salz: Nur Meersalz.
Der Ofen und das Backen: Schnelligkeit ist Trumpf
Das Backen ist der letzte, aber entscheidende Schritt. Eine echte Pizza Napoletana wird ausschließlich in einem Holzofen gebacken, der Temperaturen von 450°C bis 500°C erreicht. Bei diesen extrem hohen Temperaturen backt die Pizza in nur 60 bis 90 Sekunden. Die kurze Backzeit sorgt dafür, dass der Teig außen knusprig und leicht verkohlt ist, während er innen weich, luftig und saftig bleibt. Der „Cornicione“ (Rand) bläht sich auf, wird goldbraun bis leicht schwarz gefleckt (die sogenannten „Leopardenflecken“) und entwickelt eine unregelmäßige, offene Krume. Die Beläge garen perfekt, ohne auszutrocknen.
Die Klassiker: Welche Pizzen gibt es in Neapel?
Obwohl es in Neapel eine Vielzahl von Pizzerien gibt, die kreative Beläge anbieten, sind die beiden offiziell anerkannten und am weitesten verbreiteten Pizzen, die das Siegel der AVPN tragen können, die Pizza Margherita und die Pizza Marinara. Sie sind die Essenz der neapolitanischen Pizzakunst.
Die Pizza Margherita
Wie bereits erwähnt, ist die Pizza Margherita eine Hommage an die italienische Flagge und Königin Margherita. Sie ist die bekannteste und vielleicht auch die beliebteste neapolitanische Pizza. Ihre Zutaten sind: San Marzano Tomaten, Mozzarella (entweder Fior di Latte oder Mozzarella di Bufala Campana), frischer Basilikum, Olivenöl extra vergine und Salz. Die Einfachheit dieser Kombination erlaubt es den einzelnen Aromen, voll zur Geltung zu kommen. Der süße Geschmack der Tomaten, die cremige Textur des Mozzarellas und das frische Aroma des Basilikums verschmelzen zu einem harmonischen Geschmackserlebnis, das durch den perfekten Teig und den besonderen Backvorgang abgerundet wird.
Die Pizza Marinara
Die Pizza Marinara ist sogar noch puristischer als die Margherita und oft die erste Pizza, die ein Pizzabäcker lernt. Sie ist die älteste der beiden offiziellen Pizzen und leitet ihren Namen von den Seefahrern (Marinai) ab, die sie früher als einfache, haltbare Mahlzeit auf ihren Reisen mitnahmen. Sie besteht aus San Marzano Tomaten, Knoblauch, Oregano und Olivenöl extra vergine. Es wird kein Käse verwendet, was ihren intensiven Tomatengeschmack und das Aroma von Knoblauch und Oregano in den Vordergrund rücken lässt. Trotz ihrer scheinbaren Einfachheit ist die Marinara ein wahres Geschmackserlebnis und ein Beweis dafür, dass großartige Aromen oft aus wenigen, qualitativ hochwertigen Zutaten entstehen. Sie ist ein Muss für jeden, der die reine Essenz der neapolitanischen Pizza verstehen möchte.
Weitere beliebte Variationen (nicht offiziell AVPN-zertifiziert, aber typisch Neapel)
Obwohl Margherita und Marinara die Aushängeschilder sind, gibt es in Neapel natürlich auch andere Pizzen, die in den Pizzerien angeboten werden und die lokale Küche widerspiegeln, auch wenn sie nicht den strengen AVPN-Regeln für die Zertifizierung entsprechen. Dazu gehören oft Pizzen mit lokalen Produkten wie Salsiccia (Wurst), Friarielli (Brokkoli-Röschen), Pilzen oder Prosciutto. Auch die Pizza Bianca (weiße Pizza ohne Tomatensauce) mit Mozzarella und verschiedenen Belägen ist beliebt. Wichtig ist jedoch, dass auch diese Pizzen den fundamentalen Prinzipien des neapolitanischen Teigs und des Holzofenbackens folgen, um ihren authentischen Charakter zu bewahren.
Neapolitanische Pizza im Vergleich: Was unterscheidet sie?
Um die Einzigartigkeit der Pizza Napoletana besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf andere bekannte Pizzastile:
| Merkmal | Pizza Napoletana | Römische Pizza (Pizza Romana) | New York Style Pizza |
|---|---|---|---|
| Teig/Boden | Weich, elastisch, luftiger, hoher Rand (Cornicione), leicht feucht in der Mitte. | Dünn, knusprig, flacher Rand, oft mit Öl im Teig. | Groß, dünn, flexibel, faltbar, knuspriger, aber nicht harter Rand. |
| Rand (Cornicione) | Hoch, aufgebläht, luftig, leicht verkohlt (Leopardenflecken). | Flach, kaum vorhanden, knusprig. | Mittelgroß, knusprig, chewy. |
| Zutaten | San Marzano Tomaten, Mozzarella di Bufala/Fior di Latte, Basilikum, Olivenöl. | Breitere Palette an Toppings, oft mehr Käse. | Viel Käse (Mozzarella), Tomatensauce mit Kräutern, viel Öl. |
| Backzeit/Ofen | 60-90 Sekunden bei 450-500°C im Holzofen. | Länger bei niedrigerer Temperatur (ca. 300°C), oft im Elektro- oder Gasofen. | 5-10 Minuten bei ca. 250-300°C in Großöfen. |
| Verzehr | Wird traditionell mit Messer und Gabel gegessen, da die Mitte weich ist. | Eher in Stücke geschnitten und aus der Hand gegessen. | Wird oft gefaltet und aus der Hand gegessen. |
Häufig gestellte Fragen zur Pizza Napoletana
Was bedeutet „Cornicione“?
Der „Cornicione“ ist der charakteristische, hoch aufgegangene, luftige und oft leicht verbrannte Rand der Pizza Napoletana. Er ist ein Qualitätsmerkmal und entsteht durch die hohe Hitze des Holzofens, die das Wasser im Teig schnell verdampfen lässt und so eine große, unregelmäßige Porung erzeugt. Er sollte innen weich und elastisch sein und außen eine leichte Knusprigkeit aufweisen. Die dunklen Flecken, auch „Leopardenflecken“ genannt, sind gewünscht und zeugen von der hohen Backtemperatur.
Warum ist die Mitte der Pizza Napoletana oft feucht oder weich?
Die weiche, fast flüssige Mitte ist ein Merkmal der echten Pizza Napoletana. Sie entsteht durch die kurze, intensive Backzeit im Holzofen. Während der Rand schnell aufgeht und backt, bleiben die Mitte und die Beläge saftig. Dies ist kein Fehler, sondern gewollt und trägt zur einzigartigen Textur bei. Aus diesem Grund wird die neapolitanische Pizza traditionell mit Messer und Gabel gegessen, obwohl viele sie auch falten („a portafoglio“) und aus der Hand essen.
Kann ich eine echte Pizza Napoletana zu Hause backen?
Es ist extrem schwierig, eine Pizza zu Hause zu backen, die dem Original aus Neapel entspricht. Der Hauptgrund ist die fehlende Ofenleistung. Herkömmliche Haushaltsöfen erreichen nicht die nötigen Temperaturen von 450-500°C. Es gibt jedoch spezielle Pizzaöfen für den Hausgebrauch, die höhere Temperaturen erreichen können, oder Pizzasteine für den Backofen, die helfen, die Hitze besser zu speichern und zu verteilen. Dennoch ist die Erfahrung eines professionellen Pizzaiolo und die Hitze eines traditionellen Holzofens kaum zu ersetzen.
Was ist der Unterschied zwischen Fior di Latte und Mozzarella di Bufala Campana?
Fior di Latte ist ein Kuhmilch-Mozzarella, während Mozzarella di Bufala Campana aus Büffelmilch hergestellt wird. Beide sind in der neapolitanischen Pizza zugelassen. Der Büffelmozzarella ist in der Regel cremiger, hat einen intensiveren Geschmack und schmilzt auf der Pizza zu einer besonders saftigen Konsistenz. Fior di Latte ist etwas fester und gibt weniger Wasser ab, was manche Pizzaioli bevorzugen, um den Teig nicht zu durchnässen. Beide müssen aus den vorgeschriebenen Regionen stammen und eine hohe Qualität aufweisen.
Was bedeutet „D.O.P.“ und „T.S.G.“?
D.O.P. steht für „Denominazione di Origine Protetta“ (geschützte Ursprungsbezeichnung) und ist ein europäisches Gütesiegel, das garantiert, dass ein Produkt in einer bestimmten geografischen Region hergestellt wurde und alle Produktionsschritte dort nach traditionellen Methoden erfolgen. Beispiele sind San Marzano Tomaten D.O.P. und Mozzarella di Bufala Campana D.O.P. T.S.G. steht für „Tradizionale Specialità Garantita“ (garantierte traditionelle Spezialität). Dies ist ebenfalls ein EU-Gütesiegel, das die traditionelle Zusammensetzung oder Herstellungsweise eines Produkts schützt, unabhängig von seiner geografischen Herkunft. Die Pizza Napoletana wurde 2009 als T.S.G. registriert, was ihre traditionelle Zubereitung und Rezeptur schützt.
Fazit: Ein Stück Neapel auf dem Teller
Die neapolitanische Pizza ist weit mehr als nur ein belegtes Fladenbrot. Sie ist ein Symbol für Handwerkskunst, Tradition und die Leidenschaft für gutes Essen. Ihre Einfachheit ist ihre größte Stärke, denn sie lenkt den Fokus auf die Qualität der einzelnen Komponenten und die Perfektion der Zubereitung. Ob Sie die klassische Margherita mit ihren leuchtenden Farben und ihrem ausgewogenen Geschmack oder die puristische Marinara mit ihrer kräftigen Aromatik bevorzugen – jede echte Pizza Napoletana ist ein Erlebnis für sich. Sie erzählt die Geschichte einer Stadt, ihrer Menschen und ihrer tief verwurzelten kulinarischen Traditionen. Wenn Sie das nächste Mal eine Pizza genießen, denken Sie an Neapel und die unermüdliche Hingabe, mit der dieses weltberühmte Gericht dort bis heute zelebriert wird. Es ist ein kulinarisches Erbe, das es zu schützen und zu genießen gilt.
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